Tasmani-was?

Nein, nicht Tansania. Nicht Afrika. Australien! Anscheinend bekommt man das öfter zu hören, wenn man aus Tasmanien ist. Auch wir waren kurz so „öh, wo nochmal kurz?“, als uns Sam damals sagte, dass er dort aufgewachsen ist.

Also nochmal langsam für alle, die damals in der Schule in Geografie nicht aufgepasst haben: Tasmanien ist das kleine Inselchen unter Australien. Ding ding ding, jaaaa – da war doch was, oder?

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Tasmanien ist nicht nur Australiens größte Insel, sondern auch der größte Bundesstaat. Die Insel ist winzig, naja, eigentlich nur ¼ kleiner als Österreich. Aber bei uns wohnen immerhin Menschen! In Tasmanien gibt’s nämlich nur knappe 500.000 Einwohner. 500.000! IM GANZEN LAND! Die Tatsache, dass rund 250.000 davon in der Hauptstadt Hobart wohnen, macht das Ganze noch schräger. Ein Land – voll mit Land. Sonst nix. Durchschnittlich 7 Personen pro Quadratkilometer. Wenn du also deine Ruhe haben willst, bist du hier definitiv richtig.

Da Australien von den Einwohnern Aussie genannt wird, gibt’s natürlich auch für das kleine Inselchen einen Kosenamen, und zwar Tassie. Immer, wenn wir hier cool sein wollen und uns jemand nach unserer Reiseroute (Österreich – Melbourne – Tasmanien) fragt, sagen wir: From Össi to Aussie to Tassie. Yo!

Daneben hat Tassie auch noch einige charmantere Kosenamen wie Island of Inspiration oder Holiday Isle. Die Namen deuten bereits darauf hin, welche einmalige und faszinierende Landschaft uns erwartet.

Wir kommen also nach einem ganz schön holprigen Flug (scheiß Wind, ich hab fast das Speibsackerl gebraucht!) in Hobart am Mini-Flughafen an (ganz ehrlich, unser Garten daheim ist größer) und freuen uns auf die nächsten Tage mit den Butlers. Ein bisschen fühlen wir uns, als würden auch wir „heimkommen“, als wir rausgehen und Jude und Will (Mama und Bruder von Sam) uns mit offenen Armen entgegen kommen. Drücken, drücken. Schön. Und schon gehören wir zur Familie.

Wir fahren zum Hause Butler, die übrigens in einem klitzekleinen Dörfchen namens Gordon wohnen und sind erst mal baff.

Ein riesiges Haus mit noch riesigerem Garten, eine richtig coole, alte Scheune, eine elegante Veranda mit Weber-Grill, dahinter das Gästehaus. Ja, ihr habt richtig gehört: das Gästehaus, UNSER Gästehaus. Das wurde erst vor kurzem fertig und wir haben die Ehre, es einweihen zu dürfen. Ein großes Schlafzimmer mit Glasfront, im Bett hat man Aussicht auf’s Meer, ein Riesen Flatscreen mit Netflix und ein traumhaftes Badezimmer mit Fußbodenheizung. Was soll ich sagen? GEIIIILER SCHEISS! Wir können definitiv jetzt schon sagen, dass dieses Häuschen mit Abstand (!!!) die schönste Unterkunft unserer Reise bis jetzt ist und sein wird.

Trotzdem ist es lustig, was wir hier wirklich schätzen. Es ist nämlich nicht der große Fernseher, der uns die größte Freude beschert (obwohl wir ihn natürlich schon sehr gerne mögen). Das ist Luxus. Eine Bodenheizung – auch. Bei so einer Reise lernt man allerdings andere Dinge schätzen. Die kleinen, ganz normalen, bei uns alltäglichen Dinge. Sowas wie barfuß herumlaufen. Keine dreckigen Fersen, yeah! Oder der Geruch von frisch gewaschener Bettwäsche. Frische Wäsche, frische Handtücher – oida jooooo! Wir haben schon ganz vergessen, wie das riecht! Frisch geduscht ins frisch überzogene Bett – ein unbeschreibliches Gefühl, dass man sonst nur von Zuhause kennt. Dann natürlich ein sauberes Badezimmer! Keine Flecken, Haare, Spuren von fremden Menschen. Und das Allerschönste: trinkbares Leitungswasser! Sauberes Wasser, immer und überall! Das kann man sich ja gar nicht (mehr) vorstellen, wie kompliziert das alles ohne ist/sein kann.Wie oft haben wir beim Zähneputzen in Indien aus Gewohnheit das Wasser von der Leitung getrunken und hysterisch herum geschrien, dass wir jetzt sterben werden (okay, um ehrlich zu sein, war das nur ich).

Gewaschene Bettwäsche und im Klo keine Kackstreifen – das ist es, was uns glücklich macht. So genügsam wird man als Backpacker also, haha. Obwohl ich natürlich schon zugeben muss, dass die Tasse Kaffee in der Früh im Bett schon nett ist. Aber das ist dann die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

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Kaffee im Bett und diese Aussicht. Es ist uns schon schlechter gegangen, ja 🙂

Es gibt nur einen Satz, der das Ganze noch toppen kann: „Fühlt euch wie zuhause und wenn ihr Hunger habt, bedient euch.“ Okay, jetzt ist’s offiziell: wir lieben die Butlers! (Die wissen zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nichts von ihrem Unglück: darüber, dass Philipp, der Mähdrescher, sie in den nächsten paar Tagen arm essen wird.)

Der Kühlschrank ist voller als voll, es gibt einfach alles, was das Herz begehrt. Schon am ersten Abend steht vor dem Abendessen eine riesige Käseplatte am Tisch. Dazu ein Glas Weißwein. Dann wird gegrillt: Lammripperl, Schopf, Salat mit Parmesan (ohh, Parmesan, so nobel). Gaumenorgasmus, deluxe. Nach dem Essen sitzen wir im Wohnzimmer mit den Butlers, trinken Tee und quatschen. Es ist warm und gemütlich und obwohl wir erst seit ein paar Stunden hier sind, fühlen wir uns richtig wohl.

Dass das Bett tatsächlich so kuschelig ist wie gedacht, merken wir spätestens am nächsten Tag. Wir wachen um 10:30 Uhr auf. Das klingt jetzt gar nicht sooo spät, aber so lange haben wir schon lange nicht mehr geschlafen. Heute gehen wir’s mal langsam an: viiiiel und laaaange frühstücken und dann mit den Hunden zum Strand für einen Verdauungsspaziergang.

Es ist zwar etwas windig, aber sonnig und relativ warm. Beim Rausgehen ist der Himmel blau und es wirkt, als würde es ein warmer Tag werden. Dann, 5 Minuten später zieht es zu. Statt blauem Himmel sieht man nur noch dunkelgraue, dicke Wolken. Baba Sonne. Es fängt an zu regnen. Zuerst nieselt es, dann mehr. Okay, es schüttet. Wir laufen im Regen zurück.

Das mit dem Wetter ist hier in Tasmanien ja so eine Sache. Es ist Februar, sprich eigentlich Sommer. Wenn man das hier so nennen kann. Ich würde es ja eher einen warmen Frühling nennen, denn im „Sommer“ hat es hier durchschnittlich 21 Grad. Dafür hat man hier einen Lulu-Winter mit Durchschnittstemperaturen zwischen 4- 11 Grad.

Die Jahreszeiten in Tasmanien? Frühling, Frühling, Frühling, Winter.

Als wäre das nicht schon genug, bekommt die Insel die Winde aus der Antarktis zu spüren, die für die kühlsten Temperaturen Australiens verantwortlich sind. Vor allem an der Küste kann sich das Wetter binnen 3 Minuten ändern und zwar GRAVIEREND: die Sonne scheint, es regnet, es hagelt, die Sonne scheint, es stürmt. Nur, weil um 8 Uhr morgens die Sonne scheint und es warm ist, kannst du NIEMALS davon ausgehen, dass es den ganzen Tag so bleibt. Nope, nicht in Tasmanien. Da musst du dann trotzdem Regenjacke und -hose, Regenschirm, Haube, Handschuhe und ggf. noch Ski dabei haben, weil: man weiß ja nie. All four seasons in a day heißt es. Nicht umsonst. Wetterprognosen gibt’s nur alibimäßig, damit die Wetterfee was zu tun hat: „Es kööönnte ein schöner Tag werden, es könnte aber auch den ganzen Tag regnen. Aja und Schneefall wäre auch möglich.“

Ich als Sommerkind kann dazu nur sagen: pah! 20 Grad und sowas schimpft sich Sommer? Solange ich nicht bei 30 Grad in der Sonne liegen kann, mir nicht der Schweiß von der Stirn tropft und ich nicht mindestens 3 kg After Sun pro Woche brauche, ist das kein Sommer.

Der Sommer in Tasmanien ist also ca. so wie vegetarische Wurst: weder echt, noch geil.

Nachdem wir uns wieder aufgewärmt haben, die Sonne wieder scheint (diese blöde Kuh!), fahren wir zu einem Cider House bzw. Apfelmusem. Tassie wird nämlich auch noch The Apple Isle genannt und ist international (bezweifle ich noch immer, wenn doch viele nicht mal das Land selbst kennen, haha) bekannt für die Äpfel (Granny Smith wurde erstmals auf Tasmanien gezüchtet) und das leckere Cider.

 

Bereits am Weg dorthin sehen wir hunderte Apfelbäume links und rechts. Dazwischen wieder braune und ockerfarbene Felder. Weit und breit nichts außer Felder und Bäume. Dazwischen fahren wir durch klitzekleine Dörfer, die Leute arbeiten im Garten. Dann wieder Bäume, deren Äpfel saftig rot leuchten.

Irgendwie erinnert mich die Landschaft an Österreich im Herbst irgendwo im Nirgendwo in Oberösterreich (oder Kärnten) am Land: riesige Felder, grüne Bäume, kleine Hügel und noch kleinere Dörfer. Träume ich oder sind wir in Pichl? Tatsächlich wirkt alles wie daheim. Bis auf das blaue Wasser neben uns. Das hat schon was, so ein Meer.

Im Cider House bekommt man Infos über Äpfel und Cider (laaangweilig) und kann die verschiedenen Cider verköstigen (wuhu). Cider schmeckt wie (Apfel)Saft, macht aber genauso betrunken wie Bier, das wissen wir jetzt.

 

Leicht beschwipst geht’s nach Hause und nach dem Abendessen ins Bett. Am nächsten Tag stehen wir bald auf, weil wir heute eigentlich den Tag auf Bruny Island verbringen wollen. Leider – war ja klar – ist das Wetter bäh und es regnet. Wieder mal. Fick dich, Pseudo-Sommer! Was lernen wir daraus? Planen in Tasmanien – unmöglich.

Plan B: erst mal Kaffee trinken und Plan C schmieden. (Und feiern: 21 Monate Philipp und Sarah, 5 Monate wirunddiewelt und 12 Wochen reisen mit Sam. What a day!)

Alternativ-Programm: wir fahren auf den Mount Wellington, den Hausberg von Hobart. Rein theoretisch könnte man auch zu Fuß rauf marschieren, allerdings haben wir bei so einem Wetter nicht wirklich Bock darauf. Obwohl ich mittlerweile weiß, dass „wir nicht aus Zucker sind“ (Zitat Franz Bergmair), bevorzugen wir lieber die trockene Variante. Außerdem: als wäre Regen nicht schon genug, gibt es hier einen Temperaturunterschied von ca. 10 Grad im Vergleich zur Stadt, ganz zu schweigen vom eisigen Wind.

Die Aussicht ist wunderschön, der Wind nicht so sehr. Vorteil, wenn man mit dem Auto da ist: man kann ganz schnell wieder runterfahren.

Als Belohnung für den Berg (hihi) und zum Aufwärmen gibt’s endlich das, worauf wir schon die ganze Zeit warten, seit wir in Australien sind: the one and only: MEAT PIE! Meat Pies werden in Australien geradezu als nationales Symbol angesehen und sind hier so beliebt wie bei uns das Wiener Schnitzel. Im Grunde bestehen sie aus einer Teighülle mit den unterschiedlichsten Füllungen (vegetarisch, Curry, Hühnchen, Steak), wobei der klassische Meat Pie mit Rinderfarschiertem in einer Art Bratensoße gefüllt ist. Banjo’s ist zwar eine Kette wie McDonalds, aber die Meat Pies dort sollen einfach legendär sein. Im Nachhinein können wir bestätigen: ein Meat Pie von Banjo’s und ein Big Mac vom Mäci haben vieles gemeinsam: es gibt nur einen wahren, beide triefen vor Fett und man nimmt schon beim Anschauen zu, aber das ist es sowas von wert.

 

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Ich muss das in Wien finden!

Da es wieder regnet und kalt ist brauchen wir einen Plan D. Plötzlich reißt es auf, die Sonne scheint und es ist warm. Okay, Plan E! Wir fahren zum Kingston Beach. Aber nicht, um auf der faulen Haut zu liegen (tha, als wäre baden überhaupt möglich bei diesem Aprilwetter). Dort machen wir eine kleine Wanderung der Küste entlang. Der Strand ist traumhaft schön, das Wetter auch. Pulli aus. Dann ziehen doch wieder Wolken auf und die Sonne verschwindet. Pulli an. Kalt, warm, kalt, warm. Schlimmer als jede Frau, weiß das Wetter hier auch nicht, was es will.

Plan für den Abend (Dinge, die innerhalb eines Gebäudes stattfinden, können ausnahmsweise geplant werden): die Butlers in den Genuss von österreichischer Kost kommen lassen. Und was schmeckt mehr nach Österreich und Daheim, als ein Wiener Schnitzel mit Pedasü-Kartoffeln? Eben.

Also fahren wir noch zum Supermarkt, um alles zu besorgen. Sarah und Lebensmitteleinkauf – da könnte ich jetzt einen ganzen Aufsatz darüber schreiben. Einkaufen ist für mich nämlich nicht einfach nur einkaufen. Einkaufen wird von mir zelebriert. Das beginnt bei der Vorbereitung: ich als Sparefroh und selbst ernannter Schnäppchenkönigin blättere schon vorher die Prospekte der Supermärkte durch und sehe mir die Angebote an. Im Supermarkt flaniere ich dann Stuuuunden mit Kopfhörern und Musik durch die Gänge auf und ab… was gibt’s Neues? Was ist im Angebot? Ooooh 2 zum Preis von einem. Mindestens dreimal wöchentlich geht das so. Der Augustin Verkäufer vorm Billa kennt mittlerweile schon meine halbe Lebensgeschichte, so oft war ich dort.

Lebensmitteleinkauf im Ausland bringt das ganze nochmal auf ein neues Level. Das gleicht schon eher einem Museumsbesuch. Neue Produkte, neue Marken, andere Geschmäcker, andere Sorten – da kann man schon mal einen ganzen Nachmittag im Supermarkt verbringen. Nachdem wir dann die Challenge „Semmelbrösel kaufen“ gemeistert haben und die Burschen einkaufen nicht so geil finden wie ich, fahren wir nach Hause und fangen an. Sodala, dann bringen wir mal ein bisschen Österreich nach Australien. Und damit mein ich nicht nur den Fettgeruch, der wahrscheinlich bis heute im Hause Butler in der Luft liegt.

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Soviel Liebe auf einem Foto.

Schnitzel, ein Fazit: die Butlers waren begeistert und ohne uns selbst loben zu wollen: wir auch.

 

Da sitzen wir also beim Abendessen mit der ganzen Familie am Tisch und reden über unseren Tag und unsere ersten Eindrücke von Tasmanien. Irgendwie witzig, aber es fühlt sich tatsächlich ein bisschen wie in Österreich bei den Eltern an: man isst gemeinsam, man fernseht gemeinsam, man spricht über den Tag, man wünscht sich einen guten Morgen und eine gute Nacht. Und genauso wie an den Wochenenden daheim rollt man jeden Abend ins Bett, weil das Essen einfach viiiel zu gut ist.

Leider ist Philipp krank, weswegen wir die nächsten zwei Tage daheim bleiben und die Tage eher gemütlich verbringen. Allerdings müssen wir sowieso schon wieder packen, da wir am Montag unseren Roadtrip starten. Mehr dazu im nächsten Eintrag!

Schönen Wochenstart und bis demnächst ❤

PS:

 

 

Sneak peek: Sri Lanka

Sri Lanka als Insider – bald zu lesen in der nächsten Ausgabe von The Next Page! 🙂

the next page

Für unsere nächste Ausgabe mit dem Issue „Wild life“ dürfen wir euch unseren ersten Gastbeitrag von der lieben Sarah (www.wirunddiewelt.com) präsentieren. Sie reist zurzeit mit ihrem Freund quer durch Asien und Australien und war so nett uns für euch ihre Insider-Tipps bezüglich Sri Lanka dazulassen. Die Reise der Zwei könnt ihr übrigens nicht nur auf wirunddiewelt.com verfolgen, sondern auch auf dessen Instagramkanal.

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Was ist cool und was muss man sehen? – Ein Melbourne Guide.

Wie versprochen hier die Dinge, die ihr unbedingt in Melbourne machen müsst. Verbrennt eure Reiseführer und vertraut mir – als Reiseführerin hab ich’s voll drauf!

Melbourne zählt ja neuerdings zu unseren Lieblingsstädten. Warum? Weil Melbourne einfach superdupermegageil ist – jeder der schon mal dort war, kann das sicher bestätigen. (Alle, die anders denken: was zur Hölle ist bloß los mit euch??)

Mit Melbourne und Sydney ist es ja so wie mit Berlin und München: die Einwohner hassen sich und es gibt ein ständiges Battle: wer ist cooler, besser, toller? Sydney hat zwar eindeutig mehr für den 08/15 Touristen zu bieten, wie zum Beispiel das Opernhaus, aber so ganz unter uns: wer braucht schon tausende Gebäude, Kirchen, Türme? Wird auch irgendwann fad. Melbourne überzeugt hingegen mit ganz anderen Sachen. Was und wo und wie und überhaupt, könnt ihr in den nächsten Zeilen lesen. Perfekt für alle, die bald nach Melbourne fliegen und für alle anderen: spätestens nachdem ihr den Eintrag gelesen habt, wollt ihr auch nach Melbourne. 😉

  1. In die Kaffeekultur eintauchen

Melbourne rühmt sich als Stadt mit dem besten Kaffee – und zwar nicht nur in Australien, sondern weltweit. Ganz schön bescheiden. Tatsächlich ist die Stadt Australiens Kaffeemetropole. Die Kaffeekultur hier ist sogar so präsent, dass sogar Kaffee-Touren durch verschiedene Cafés und Rösthäuser angeboten werden, bei denen man neben Kaffee trinken auch etwas über Melbournes Kaffeegeschichte erfährt. Außerdem gibt es sogar einen Coffee Guide Melbourne – ein Buch, in dem alles zum Thema Kaffee steht inkl. Tipps für Kaffeehäuser usw. Die Kaffeebibel, quasi.

Ich finde zwar, Wien ist die Stadt mit dem besten Kaffee (immerhin kann man sogar hier, weit weit weg von Wien, Vienna Coffee bestellen). Aber gut, lassen wir uns überraschen.

Bereits nach 5 Minuten in der Stadt, merkt man: Melbourne ist in der Tat eine kaffeebesessene Stadt. Nicht nur, dass einfach jeder, alt und jung, groß und klein, schön und nicht so schön, mit einem Coffee-to-go-Becher herumläuft. In jeder Straße, in jeder Gasse gibt es einfach zig Cafés und kleine Läden, die sich darum streiten, wer den besten Kaffee der Stadt zubereitet.

In Melbourne als Barista zu arbeiten, ist ca. so, als würde man in Pichl ein berühmter Schauspieler sein. Man ist ein Star und kann jeden flachlegen!

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Zuerst Kaffee, dann Liebe. Eh klar.

An jeder Ecke weht uns das Aroma von frisch gebrühtem Kaffee entgegen. Egal, ob um 8 Uhr morgens, zu Mittag, um 16 Uhr oder abends: die Kaffeeliebe der Melbourner kennt keine Grenzen und die Cafés sind einfach immer gedroschen voll. Ich hab gelesen, dass sich das Importvolumen für Kaffeebohnen in den letzten 10 Jahren um 780 Prozent erhöht hat. HA! Und ich dachte, ich sei kaffeesüchtig! DAS nenn ich mal Leidenschaft.

Also, was macht man, wenn man in Melbourne ankommt? Genau – durch die charmanten Gassen flanieren und Kaffee trinken. (Wenn möglich mit Brunch/Frühstück verbinden, das ist nämlich auch toll!)

Die Auswahl ist groß, hier nur ein paar unserer Highlights:

  • Manchester Press Club (Hipster Bude)
  • Uncommon (liebeliebeliebe)
  • Mart 130 (direkt bei der Zugstation)
  • Industry Beans (hier kann man sogar bei der Röstung etc. zusehen)
  • Market Lane Coffee (am richtig coolen Prahran Markt)
  • Cup of Truth (hier liebt man nicht nur den Kaffee, sondern auch den Besitzer)
  1. Street Art bewundern (wenn möglich, mit Kaffeebecher in der Hand)

Melbourne ist  – neben Kaffee – auch die Street Art Hauptstadt und ist sogar international bekannt dafür. In der ganzen Innenstadt werden hunderte Häuserwände von beeindruckenden Graffitis geziert: überlebensgroße, kunterbunte Bilder, aussagekräftige Schriftzüge, besprühte Mülltonnen, verzierte Plakate: überall haben sich Künstler mit ihren Spraydosen verewigt. Was in anderen Städten als Schmiererei angesehen wird, hat sich hier mittlerweile zur Kunstform entwickelt und wird sogar von den Behörden der Stadt gefördert. Auch hier gibt es geführte Touren, um die Kunstwerke zu bewundern und fotografieren zu können.

Eine Stadt als Galerie.

Stellt sich nur die Frage: wo soll man anfangen?

  • Hosier Lane
  • Union Lane
  • Finaly Avenue
  • Degraves Street
  • Central Place
  • Ecke Flinders Lane und Cocker Alley

PS: Nicht traurig sein, wenn man nicht das sieht, was man im Internet findet  – die Kunstwerke wechseln ständig. (Sind aber immer unglaublich geil)

  1. Durch den Queen Victoria Market flanieren und ganz viel Geld (für Unnötiges) ausgeben

Brauchst du Fleisch für die Grillerei? Geh zum Queen Victoria Market. Willst du ein Geschenk für deine Oma? Geh zum Queen Victoria Market. Ist dein Gemüsefach leer? Geh zum Queen Victoria Market. Bist du auf der Suche nach einem Souvenir, nach einer Hose, nach einer Seife? Geh zum Queen Victoria Market.

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Muss man hin.

Egal, was du willst, suchst, brauchst, nicht brauchst und trotzdem willst: hier findest du alles. Der Markt ist nicht nur für Touristen ein absolutes Highlight. Dort könnte man einen ganzen Tag verbringen und es wird immer noch nicht fad. Das erste Gebäude ist ein Highlight für jeden Fleischtiger, die Theken sind mit allen möglichen Sorten gefüllt: Rind, Schwein, Lamm, Wallaby. Daneben gibt es Stände für alle Fischliebhaber: frischer Fisch, frische Muscheln, frischer Hummer. Das halbe Meer gestapelt auf 100 m².

 

Immer der Nase nach – folgt man den unglaublich geilen Gerüchen, kommt man in das nächste Gebäude, wo sich der Gaumen freut, das Geldbörserl dafür umso weniger. Hier gibt es Köstlichkeiten wie frische Salami, Nüsse, selbstgemachte Marmelade, alles natürlich lokale Produkte. Zwischendrin finden wir dann auch noch einen Bratwurst-Stand. Ui ui ui – ich sag nur soviel: die Kreditkarte glüht nach einem Besuch am Markt.

Hinter dem Gebäude befindet sich eine riesige Halle mit ganz vielen Gemüse- und Obstständen, natürlich alles bio und organic und wasweißich. Wenn ihr glaubt, dass es das war: Nope, es geht noch mehr. Hinter der Halle der Halle (haha) gibt’s nämlich noch einen Platz.  Dort kann man dann Kleidung und Schmuck, Souvenirs oder sonstigen Ramsch ergattern.

Ich will nie wieder hier weg!

(Kann ich auch nicht, der Markt ist wie ein Labyrinth und wir finden nicht hinaus. So ein Pech.)

  1. Den Tag bei einem (2,3,4,…) Bier ausklingen lassen

Ich habe ja schon im letzten Eintrag so sehr von den tollen Bars hier geschwärmt und dass es mich teilweise an Wien erinnert. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, kaum findet man ein Lieblingslokal, wird schon wieder ein neues eröffnet und muss besucht werden. Eigentlich sollte man eine Biertour einführen, bei der man in jeder Bar nur ein kleines Bier trinken darf und es dann sofort weiter geht. Sonst bleibt man nämlich so lange sitzen, bis das Lokal zusperrt, weil man sich so wohl fühlt. (Vorausgesetzt man hat den ersten Preis-Schock überwunden und nimmt 12 $ für 0,4l Bier in Kauf.)

Auch hier ist die Auswahl riesengroß. Da ist es dann wie beim Fernseh-Kauf im Media Makt: sieht alles ganz gut aus und wenn man sich nicht auskennt, entscheidet man sich vielleicht für das Falsche und bereut es später.

Falls ihr also nach Melbourne kommt, dann nicht unnötig Zeit verschwenden, sondern mir vertrauen und folgende Bars besuchen (und mir später danken!):

  • Rooftop Bar (heißt wirklich so) – geniale Aussicht über Melbourne, schöne Menschen, gutes Bier
  • Riverside – liegt am Yarra River, persönlicher Tipp: das Stone & Wood probieren (dann will man nie wieder etwas anderes); Achtung: Rauchverbot und großes Aggressionspotential aufgrund der motivierten Jogger
  • Arbory – Bar am mitten am Fluss! Unbedingt ein Cider probieren J
  • Section 8 – die Bar ist ein Schiffcontainer voll mit Hipster und coolen Leuten
  1. BYOB – vorglühen im Restaurant

Habt ihr euch das auch schon oft gedacht? Man will sich Freitagabend mit den Freunden vor dem Fortgehen im Restaurant treffen und fein essen gehen. Wäre da nicht immer das Problem mit dem Alkohol: viel zu teuer, viel zu schick, wir wollen doch nur unseren billigen Fusel.

Dieses Problem hat man in Melbourne gelöst: in Chinatown gibt es einige Lokale, wo’s heißt: BYOB. Was man sonst nur auf Partyeinladungen liest, steht hier am Schild an der Eingangstür schwarz auf weiß. Für alle, die gerade nur Bahnhof verstehen: BYOB = bring your own booze = bringe deinen Alkohol mit. Wer’s immer noch nicht verstanden hat: Das Problem mit Freitagabend hat sich erledigt: du kannst im Restaurant essen, darfst aber deinen mitgebrachten Alkohol dort zum Essen trinken.

Wie geil ist das denn? Ich fass es immer noch nicht! Vor allem in Australien, wo Alkohol sehr teuer und eigentlich unleistbar ist, ist das natürlich eine geniale Idee. Und würde ich nicht Angst davor haben, dass dann die Kiddies im Restaurant versumpern und nur einen 3,- Euro Salat bestellen, damit sie sich den ganzen Abend volllaufen lassen können, würde ich ja schon längst so ein Restaurant in Wien eröffnen.

Heißt: 4 Liter Rotwein-Kanister um 14 $ kaufen und dann zum 40 $ Hummer trinken!

Wo? Hier:

  • Shanghai Dumplings
  • Empress of China
  • Northeast China Dumplings
  • I love Dumplings
  1. Melbourne bei 35 Grad

Wenn es in Melbourne heiß ist und dir der Schweiß von der Nasenspitze tropft und/oder man genug vom Stadtleben hat (geht hier gar nicht), dann ist es Zeit für einen Besuch in St. Kilda.

St. Kilda ist einer der beliebtesten Vororte von Melbourne, 7 km vom Zentrum entfernt und leicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.  Hier befindet sich der hübsche St. Kilda Beach, der sich perfekt für einen Tag Chillen und Relaxen eignet. Für alle, die nicht einen ganzen Tag faul sein wollen: der Strandpromenade entlang schlendern ist mindestens genauso schön wie in der Sonne zu brutzeln!

St. Kilda überzeugt allerdings nicht nur mit Strand und Chillfaktor, sondern ist auch wegen der Restaurantszene und des lebendigen Nightlifes bekannt. Die Acland und Fitzroy Street quillen fast schon über vor Restaurants, Bars, Pubs, Cafés und Hotels/Hostels, weswegen der Vorort auch total beliebt bei Backpackern ist. Jeden Abend spielt irgendwo eine Liveband, überall gibt es abends eine Happy Hour, die jungen Leute spazieren von einer Bar in die nächste.

Ganz nach dem Motto: irgendwo ist immer was.

 

So. Wir verabschieden uns aber schon wieder von Melbourne und reisen mit Sam weiter nach Tasmanien. Tasmani-was? Atlas aufschlagen und zu Australien blättern: Tasmanien ist das klitzekleine Inselchen unter der riesengroßen Insel in Australien 😉

Geschichten folgen asap! Bussibussi und gute Nacht.

Melbourne, baby!

Guten Morgen ihr Schnurliiis!

Endlich, endlich, eeeendlich hab ich wieder Lesestoff für euch! Ich entschuldige mich gleich für die nächsten Wochen –  ich komm irgendwie gar nicht zum schreiben. Wir sind ja im Moment mit dem Auto in Neuseeland unterwegs und haben 1. überhaupt keine Zeit und 2. kein Internet und/oder keinen Akku. Also bitte gedulden, Vorfreude haben und ich bemüh mich, versprochen!

(Geschichten vom 27. Bis 31. Jänner)

Letzter Stand: Farm in Malaysia mit reichen Menschen. Den letzten Abend haben wir noch gebürtig im Pub mit einer Flasche Whiskey gefeiert. Und da sagt noch mal wer, dass Asiaten nicht saufen können!

Am nächsten Tag fahren uns D. und I. noch zum Flughafen, weil sie selber nach KL müssen, um dort mit der Familie das Chinesische Neue Jahr zu feiern. Ois Guade, übrigens!

Nach nur zwei Wochen Malaysia geht es schon wieder weiter. War ein bisschen kurz, aber man kann ja nicht alles haben. Dafür erwartet uns jetzt – wuhuwuhu – Australieeeeen! Genauer gesagt, Melbourne, babyyyy! Obwohl Melbourne eigentlich nie der Plan war (mehr dazu später) und wir auch eigentlich keinen Bock auf „eh so ähnlich wie bei uns“-Australien hatten, freuen wir uns jetzt ehrlich gesagt schon ein bisschen auf das Land und auf österreichische (europäische) Standards. Wie schon gesagt: so zwischendurch ist so ein bisschen normal schon schön.

Aber was ist schon normal?

Es ist 19 Uhr und wir sitzen im Flugzeug – motiviert, voller Vorfreude. Flug Nummer 6, here we go.

Es ist 6 Uhr morgens (eigentlich 3 Uhr, + 3 Stunden zwecks Zeitverschiebung) und wir steigen vom Flugzeug aus – kaputt von der schlaflosen Nacht. Und dabei hab ich mir gestern einen Whiskey reingestellt, in der Hoffnung dann besser schlafen zu können (das machen die doch in den Filmen auch immer so?). Hat aber nichts geholfen. Statt müde war ich nur beschwipst und aufgedreht und wäre am liebsten tanzen gegangen. Whiskey vorm Schlafengehen – eher kontraproduktiv. Beim nächsten Mal vielleicht doch lieber warme Milch mit Honig. Und einer aufgelösten Schlaftablette.

Trotzdem sind wir dieses Mal gar nicht müde, weiiiiil… wir ziemlich aufgeregt sind und uns einfach SO freuen! Dieses Mal heißt’s nicht nur neues Land bzw. neue Stadt, sondern: wir sehen Sam wieder! Wie bereits erwähnt war Australien wie Sri Lanka eigentlich gar nicht „geplant“ (wir haben ja nichts geplant, aber zumindest darüber gesprochen, welche Länder interessant wären). Neuseeland war immer unser Traum und da man sich nicht beides leisten kann (wir zumindest nicht), haben wir uns deswegen gegen Australien entschieden.

Aber dann war das ja so: wir haben Sam am zweiten Tag unserer Reise in Indien kennen gelernt und uns ab Sekunde 1 richtig gut mit ihm verstanden. Wenn der Schmäh passt, dann passt‘s. Anschließend sind wir in Indien 10 Wochen gemeinsam gereist und glaubt mir: wenn’s sogar beim gemeinsamen Reisen gut passt, dann mag man sich wirklich!

Freundschaft auf den ersten Blick, oder so.

Offensichtlich mag er uns auch, denn er hat uns dann nach Tasmanien eingeladen, wo er aufgewachsen ist und seine Eltern leben. Er selbst hat die letzten 7 Jahre in Melbourne gewohnt. Naja und wie oft bekommt man schon eine Einladung nach Australien? Eeeeben. Deswegen waren wir komplett aus dem Häuschen und haben natürlich ja gesagt. Und da man sowieso immer über Melbourne nach Tasmanien fliegt, nützen wir das aus und verbringen ein paar Tage hier. Plus: einen Einheimischen als Reiseführer zu haben, ist sowieso immer das Beste: geheime Geheimtipps und Geheimplätze statt Touri-Programm vom Reiseführer – yeah!

Ja. So war das. Und jetzt stehen wir hier. Vor Sam kommt aber erst mal der Zoll. Das ist hier in Australien nämlich gar nicht so einfach. Nicht so wie in Wien, wo’s eigentlich eh keine Sau interessiert, was du im Koffer hast. Arbeitet da überhaupt wirklich jemand? Das frag ich mich jedes Mal.

Der australische Zoll ist ca. so streng wie die erzkatholischen Eltern meiner Klassenkollegin in der Schule. DIE WOLLEN EINFACH ALLES WISSEN. Während sich die Eltern eher für „Wo warst du und wie heißt er?“ interessieren, geht’s hier mehr um „Was hast du dabei und was nimmst du mit?“ Mengenangaben für Tabak und Alkohol sind ja nichts Neues, aber in Australien ist auch die Einfuhr von Nahrungsmitteln (Obst, Gemüse, Nüsse, Milchprodukte, Käse, Wurst, Honig, Fleisch, Fisch,…), tierischen Produkten (Wolle, Felle, Muscheln, Tierfutter, Tierhaare,…), pflanzlichen Produkten (Blätter, Kräuter, Samen, Erde, Körbe,…), Medikamenten verboten. Alle zwei Meter findet man Quarantänebehälter, in die man die Lebensmittel etc. werfen kann, sollte man etwas vergessen haben.

1 Kilo Koks ist wurscht, aber wehe du hast eine Banane dabei!

 

Klingt schräg, ist es auf den ersten Blick auch. Allerdings gibt es gute Gründe für die Paranoia der Australier: durch bestimmte Lebensmittel, Tierprodukte, Pflanzenmaterial, etc. aus Übersee können gefährliche Schädlinge und/oder Krankheiten eingeführt werden und Schäden an der Landwirtschaft bzw. der einzigartigen Umwelt anrichten. Neben der Tier- und Pflanzenwelt will man mit den strengen Einreisebestimmungen natürlich auch die Gesundheit der Bevölkerung schützen. Macht Sinn.

Bereits im Flugzeug bekommt man eine Passagier-Einreisekarte (Incoming Passenger Card), auf der alles genauestens anzugeben ist. Keine Nahrungsmittel – Kreuzerl. Pelze – heute mal nicht dabei – Kreuzerl. Kreuzerl, Kreuzerl, Kreuzerl. Bis wir zu den Mengenangaben bei den Zigaretten kommen. Da haben wir dann kurz überlegt: lügen und eine Geldstrafe riskieren (oder vielleicht sogar ins Gefängnis?! Wär zumindest eine geile Story für den Blog!)? Oder lieber ehrlich und brav sein (und Zigarettenstummel sammeln und diese rauchen)?

 

Kurz zur Erklärung die Vorgeschichte: wir und Zigaretten. Philipp und ich dachten wir sind wieder mal mega klug (wie sich im Nachhinein herausgestellt hat: sind wir nicht) und haben schon ganz lange im Vorhinein überlegt, wie wir das mit den Zigaretten in Australien und Neuseeland machen. Da ist Tabak nämlich teurer als eine Party mit Champagner, Kavier und Kokain – ein Päckchen Zigaretten kostet 20 $, einmal Tabak um die 45 $ (Vergleich Österreich: um die 5-6 Euro für Zigaretten oder Tabak). Darum haben wir schon im Duty Free Shop in Sri Lanka bzw. in Malaysia zugeschlagen und en masse Rauchmaterial gekauft.

Zwei Tage vorm Flug sagt uns dann jemand, dass der Zoll in Australien sehr streng ist, worauf hin wir die Einreisebestimmungen lesen (ja, ich weiß, hätten wir eventuell auch vorher mal machen können. Im Nachhinein ist man immer gscheider!). Erlaubt sind: 50 Gramm Tabak oder 50 Zigaretten. HAHAHA! Wir haben 300 Gramm Tabak und 200 Zigaretten. Glaubst, fällt das auf? Auf jeden Fall müsste jedes weitere Päckchen deklariert werden. Somit käme uns das ganze dann teurer, als wenn wir die Zigaretten in Australien selbst kaufen würden. Alter, warum sagt uns das niemand?

Die nächste Stunde haben wir damit verbracht, alle Möglichkeiten zu besprechen:

1. Schmuggeln. Aber wo? Im Arsch? Nein, geht sich nicht aus. Hm. Vielleicht in den Schuhen? Zu offensichtlich. Oder einfach auf doofen „ich spreche kein Englisch“-Tourist aus Österreich machen und einfach weitergehen, wenn sie was sagen/fragen? Nein, trauen wir uns nicht.

2. Zum Rauchen aufhören. Hahaha, der war gut.

3. In Australien/Neuseeland kaufen und aufgrund der Preise im Selbstmitleid ertrinken.

Da alles andere keinen Sinn hat, haben wir uns für Nummer 3 entschieden. Teufelchen: 0, Engelchen: 1. Bis auf 4 Packungen haben wir dann unseren ganzen Vorrat verkauft (auf dem Zigaretten-Schwarzmarkt in Malaysia kennt man mittlerweile unseren Namen). Der weitere Plan war dann: finde zwei Freunde im Flugzeug und hoffe, dass sie jeweils einen Tabak mitnehmen. Fast wäre unser Plan aufgegangen: Philipp hat tatsächlich eine Frau gefunden. Die hat aber in letzter Sekunde Angst bekommen und uns den Tabak wieder zurückgegeben. Blöde Kuh! Soviel zu unserem Schmuggel-Plan. Fail.

 

Nachdem uns vorher jeder davon abgeraten hat, den australischen Zoll zu verarschen und uns alle Angst gemacht haben, haben wir dann doch ernsthaft ein Kreuzerl gemacht. Gibt es etwas zu deklarieren, muss man sich nach der Passkontrolle in den Zoll-Bereich begeben und wird schließlich von einem Zoll-Beamten untersucht.

Dann kommen wir um 7 Uhr morgens dorthin, die Zoll-Beamten sind quasi noch beim morgendlichen Kaffeetratsch. Niemand wird durchsucht oder aufgehalten, jeder gibt sein Formular ab und geht durch. Außer Philipp und Sarah. „Hallooooo, wir sind doof und haben zu viele Tschick im Rucksack und wollen unbedingt dafür bezahlen!“  Es hat sogar so gewirkt, als wäre die Dame vom Zoll ein bisschen gepisst, dass sie mit uns jetzt extra in den Durchsuchungsraum muss und nicht mit ihren Kollegen weiter plaudern kann. Sorry für so viel Ehrlichkeit, pff. Im Endeffekt haben wir den Tabak dort gelassen, andernfalls hätten wir 120 Dollar zahlen müssen. Na, ich glaub’s noch immer nicht. Peinlich sind wir, PEINLICH! Da haben unsere Eltern ja wieder mal total übertrieben bei der Erziehung mit „Ehrlich sein“ und so. Naja wie schon gesagt: im Nachhinein ist man immer gscheider. Trotzdem nervt uns der Gedanke, dass die Leute vom Zoll wahrscheinlich in DEM Moment mit Café Latte und unseren Zigaretten im Pausenraum sitzen.

Um gefühlte 2 Kilo weniger Tabak, aber noch immer gleich viel guter Laune kommen wir dann endlich in die Wartehalle und sehen Sam. Wir laufen uns entgegen wie Verliebte und umarmen uns. Wir können’s nicht fassen: vor 3 Monaten, als wir uns zum letzten Mal gesehen haben, haben wir noch gesagt: nur 3 Monate! Und jetzt stehen wir hier. Die Zeit vergeht einfach so schnell. (Kurzer Anfall von „Waaaaah, bald sind wir wieder daheim und müssen uns mit Sachen auseinandersetzen wie Realität und so“. Durchatmen. Geht wieder.)

Nach Umarmen und Knutschen fahren wir zu Freunden von Sam. Die haben ein tolles Haus ein bisschen außerhalb von Melbourne und sind so lieb und lassen uns dort die nächsten Tage Warmwasser schnorren und ein Bett belegen. Ein eigenes Zimmer mit gemütlichem Doppelbett, eine riesige Terrasse und ein voller Kühlschrank. Als wäre das nicht schon genug Luxus, muss ich sagen: das schönste ist eine saubere Klobrille. Spätestens, wenn du dich beim Luln hinsetzen kannst, ohne Angst vor Genitalwarzen haben zu müssen, weißt du: du bist wieder in der Zivilisation.

 

Es ist Sonntag und wir beginnen den Tag des Herrn genau so, wie es sich gehört: mit einem ausgedehnten Brunch. Danach machen wir uns auf den Weg in die Stadt und gehen erst mal gemütlich am Yarra River entlang spazieren.. Nur ein paar hundert Meter weiter findet heute das Finale vom Australian Open statt. Aus diesem Grund wurden überall Bühnen für Public Viewing aufgebaut. Aus jeder Box dröhnt Musik, die Leute trinken Bier und freuen sich auf das Spiel. Am Kanal entlang reihen sich die Lokale, die Bars, die Restaurants – eines cooler und moderner und hipper als das andere. Es ist warm, die Sonne scheint, die Leute sind gut gelaunt. Es tut sich was, in der Wiese sitzen Familien und picknicken, die jungen Leute chillen in der Sonne, die Hunde laufen glücklich den Stöckchen hinter her. Wir gehen in eine Bar, trinken Bier, genießen das Wetter und die Freiheit.

Sind wir jetzt in Melbourne oder in Wien?

Tatsächlich verbringen wir nämlich oft unsere Sonntage im Sommer so in Wien: verkatert und müde von der letzten Nacht in die Stadt fahren und sich dort mit den Freunden treffen. Etwas essen gehen, damit der Magen sich beruhigt, um dann gestärkt am Donaukanal spazieren gehen zu können. Natürlich cool mit Sonnenbrille, damit die Spuren der letzten Nacht verborgen bleiben. Augenringe? Wer hat Augenringe? Dann ewig lang am Ufer sitzen, die Sonne genießen, quatschen, lachen, in der Hand ein Dosenbier. Die Füße und die Seele baumeln lassen. Oder wir sitzen draußen in einem neuen Lokal und schimpfen über die Leute, die motiviert bei uns vorbei joggen, während wir mit einem Spritzer den Tag ausklingen lassen. Der Sonntag ist dazu da, um den Montag und die Arbeit zu verdrängen und nochmal so richtig das Wochenende-Gefühl aufkommen zu lassen.

Genauso machen wir es in Melbourne. Nur ohne das „Arbeit verdrängen“. Job? Was war das nochmal?

Ich weiß nicht warum, aber Melbourne ähnelt der österreichischen Hauptstadt ungemein. Die Leute, die Bars, der Fluss, das in der Wiese sitzen, das flanieren und spazieren, einfach die ganze Atmosphäre, die Stimmung, die Schwingung. So wienerisch. Melbourne streitet sich nicht umsonst jedes Jahr mit Wien um den ersten Platz der lebenswertesten Stadt der Welt. Nicht, dass du das falsch verstehst, Wien: du bleibst immer die Stadt meines Herzens! Aber ich hab mich ein bisschen verliebt. Das ist so wie eine Affäre. Heimlich fühl ich mich hingezogen und ich würd auch am liebsten hier (Melbourne) bleiben, aber es geht nicht. Und ich liebe auch das, was ich habe (Wien) und bin dort glücklich. Deswegen mach ich’s lieber so, wie viele nach 20 Jahren Ehe: dort bleiben, wo man hingehört und heimlich ein bisschen das Fremde anhimmeln.

So ähnlich sich die zwei Städte auch sind, Unterschiede gibt es natürlich trotzdem. Und zwar GRAVIERENDE:

  1. Alkoholverbot in der Öffentlichkeit: während in Wien die Wiesen in den Parks voll mit trinkenden Leuten sind, ist es in Melbourne verboten, in der Öffentlichkeit zu trinken. Da kann man sich nicht einfach mit ein, zwei, acht Dosen Ottakringer im Park wegschießen. Oder ein romantisches Candle Light Picknick mit dem Schatz und einer Flasche Wein machen. Darf man alles nicht. Wie blöd isn das? Darauf basiert quasi unser ganzer Sommer: ein Biertschi beim Baden in der Donau, ein Biertschi am Donaukanal, ein Biertschi in der U-Bahn am Weg zum Fortgehen. Jetzt wo ich so darüber nachdenke, komme ich mir ein bisschen Assi vor, haha. Naja, hier sitzen auf alle Fälle alle mit einer Flasche Wasser im Park. Auch fad.
  2. Während viele Leute in Wien nicht nur mit Bier, sondern auch mit der Tschick im Park sitzen, ist Rauchen in Australien so unbeliebt wie ein Schnitzel bei Vegetariern. GEHT GAR NICHT. Als Raucher bist du hier uncool, blöd und noch dazu pleite. Hier kommt es zu unterschiedlichen Schwierigkeiten:
    1. Die Preise. Rauchen in Australien ist unerschwinglich.(Preise siehe oben). Also entweder du bist reich oder deine Eltern sind reich oder deine Freunde sind reich. Oder du verzichtest auf Nahrung und rauchst dafür. Auch eine Möglichkeit.(Neue Diät?)
    2. Zigaretten kaufen. Eine Lebensaufgabe, vor allem wenn du, wie wir, keinen Plan hast, welchen Tabak es hier gibt. Zigaretten und Tabak werden nämlich vorsorglich in einem schwarzen (=Farbe des Todes! Klar.) Schrank verstaut und nur dann geöffnet, wenn man selbstsicher die Verkäuferin um ein Päckchen inklusive Namen bittet. Die Türen werden nicht aufgemacht, damit man sich die Waren ansehen und entscheiden kann. Neiiiin. Das ist nämlich nicht erlaubt, sonst könnte sich ja jemand, der eigentlich gar nicht raucht, von den wunderschönen Päckchen inspirieren lassen und sagen „Einmal den roten Tabak, bitte.“ Und man will ja niemanden zum Rauchen verleiten! (Man könnte auch einfach vorher die Zigarettenmarken im Internet suchen, aber okay. Ich will hier nicht das australische Gesetz anzweifeln.)
    3. Finde einen Ort zum Rauchen. Wenn du jemanden in Australien rauchen siehst, ist es die Sorte Person, die in Wien die den halben Tag am Praterstern mit einem Doppler Weißwein verbringt. Hier gab’s, glaube ich, sowas wie Gehirnwäsche. Niemand raucht. Und wenn man raucht, dann ist man alles andere als cool. Nicht, dass ich uns cool finde, aber lässig sieht’s schon aus, wenn man mit der Zigarette an einer Wand lehnt und nachdenklich in eine Richtung schaut. Nicht, dass es reichen würde, wenn dich alle mit einem verachtendem Blick mustern, sobald du eine Zigarette in der Hand hältst – neiiiin – es gibt auch noch Rauchverbot an Orten, wo’s einfach nur lächerlich ist. Wie zum Beispiel draußen in der Bar. Ich wiederhole: DRAUSSEN. Das grenzt ja schon an Diskriminierung! Als ob es einen Unterschied machen würde, ob ich am Tisch oder 2 Meter weiter VOR dem Gartenbereich rauchen würde. Haben die eine unsichtbare Wand? Aus Protest blasen wir den Rauch extra in Richtung Bar. HA! Wir sind Rebellen, ich weiß.
  3. Die Australier sind einfach ein unglaublich freundliches Volk. Jeder ist happy, gut gelaunt, alle haben ein Lächeln im Gesicht: die Verkäuferin, der Schaffner, der Polizist. Nicht aufgesetzt oder künstlich, sondern einfach ehrlich freundlich. Kommst du aber in Australien in ein Geschäft/Café/Restaurant/etc. schreit dich die Verkäuferin schon von Weitem an: „Heeey, how is it going? How are you? What are you up to?“ Ääääh. Ist das eine rhetorische Frage oder muss ich da drauf antworten? Ein Vergleich mit Wien: stellt euch mal vor, die Dame an der Kasse beim H & M sagt zu dir: „Heeey, wie geht’s? Alles klar? Was machst du so?“ – „Heast, wos is mit diiir?“ wäre eine der möglichen Antworten in Wien. Hier wird gegrantelt was das Zeug hält, was aber auch irgendwie zur Stadt gehört. (Ich persönlich bevorzuge ja das unfreundliche i-ziag-an-Fotz-Wien, als das honigkuchenpferdchen-arschkriecher-Australien. Das geht mir irgendwie am Arsch. Aber ich bin auch kein Maßstab wenn’s um Freundlichkeit geht.)

Gibt also doch einige Unterschiede. Trotzdem muss ich zugeben: Melbourne zählt definitiv zu unseren Lieblingsstädten. Warum und wieso? Daaaas erfährt ihr im nächsten Eintrag: things to do in Melbourne 🙂

Also, Geduld, meine Lieben, Geduld! Alles Liebe bis dahin ❤

Asiaten – ein Vorurteilscheck

Klischees über Asiaten gibt es wahrscheinlich genauso viele wie über Österreicher. Im Ausland glaubt man ja noch immer, dass wir unser halbes Leben jodelnd in Dirndl bzw. Lederhose am Berg verbringen.

Wir haben die letzten 2 Wochen 24/7 mit Asiaten, also genauer gesagt mit Chinesen, verbracht und glaubt mir – es hat viele Aha- und Oh- und Ernsthaft?-Momente gegeben.

Unsere Erfahrung will ich natürlich mit euch teilen, deswegen möchte ich ein paar der 08/15 Klischees aufgreifen und anhand dessen, was wir erlebt haben, beantworten: Mythos oder Realität? (Achtung: subjektive Wahrnehmung und so.)

Klischee 1: Chinesen essen Hunde und Katzen.

Tun sie. Wirklich. Wahrscheinlich nicht alle, aber I. schon (damals in China). War sehr lecker und ist gesund, meinte sie.

An dieser Stelle muss ich einfach allgemein über Chinesen und Essen schreiben. Weil, auch wenn’s kein Hund war – speziell war’s trotzdem.

Es war nämlich so: schon am ersten Tag mussten wir feststellen, dass D. und I. nicht gerade die größten Gemüse-Fans waren. Philipp und ich haben gekocht und ich wollte gerade Karotten schneiden, da meinte I.: „Warum schneidest du die Karotten? Du hast doch schon genug Gemüse.“ Ähm, also eigentlich hab ich nur getrockneten Basilikum und Thymian. Wir in Österreich nennen das ja Kräuter, aber okay.

Ich bin ja nach wie vor (jetzt noch viel mehr!) der Meinung: Chinesen haben keine Esskultur. Haben sie nicht, nein. Das mussten wir täglich abends im Restaurant feststellen. D. und I. haben’s gut gemeint und immer für uns bestellt, damit wir auch wirklich die ALLERBESTEN (tha!) Gerichte probieren können. Was wir lieben: mehrere Gerichte bestellen, in die Mitte stellen und teilen. Was wir nicht lieben: wenn alle Gerichte nicht identifizierbares Fleisch und Fisch und Garnelen und Shrimps und weißderteufelnochwas beinhalten. (Ich bin mir sicher, dass da ein paar Mal Ratte und Muzikatz dabei war!)

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Einmal schwarzes Hendl, bitte.

Einmal hat I. dann tatsächlich daheim Suppe gekocht. Es gibt ja so ein Sprichwort… nein, gibt’s nicht, aber ich sag das: jemand, der weiß, dass er nicht kochen kann, sollte einfach niemals kochen. Die Suppe war… wie soll ich sagen… einzigartig. Alle die uns kennen, wissen, dass wir wirklich alles andere als wählerisch sind, was Essen betrifft. Wir kosten alles, was wir nicht kennen, und es gibt selten etwas, dass uns nicht schmeckt. Aber diese Suppe war … der Teufel, der Tod, Krankheit und Hass auf einmal. Hier das Rezept:

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Zubereitungszeit: 5 Minuten.

Zutaten: 1l Wasser, 3 Stk. Knochen mit ein bisschen (altem) Fleisch.

Zubereitung: Wasser kochen. Wenn es kocht, Fleisch hinzugeben. 1 Minute köcheln lassen.

Fertig ist die durchsichtige Brühe!

Ganz einfach oder? Das ist wie Instant-Suppe. Nur anders! Und hat nur ganz wenig Kalorien (weil man danach alles wieder ausspeibt?!) Tipp: JA KEIN SALZ IN DIE SUPPE! Sonst verliert man noch den guten Geschmack vom alten Schweinfleisch. Und das wollen wir ja nicht, gell!

Wenn ihr denkt, schlimmer geht’s nicht mehr, kommt nochmal Suppe im Restaurant daher!

Eines Abends im Restaurant bestellt I. Suppe im Restaurant für uns. Wir haben die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben und sitzen mit überkreuzten Fingern da und warten. Bitte, bitte, lass sie besser schmecken, als I.s Suppe. Negativ. Wieder bekommen wir die uns bekannte farblose Brühe. Dafür kann man zwischen ganz vielen unterschiedlichen Einlagen wählen: Hühnerfüße, Schweineschwanz oder vielleicht doch Schweinemagen? Jaaa, da geht jedem Feinschmecker das Herz auf! Ich such immer noch die versteckte Kamera – sind wir hier im Dschungelcamp?

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Klischee 2: Alles muss fotografiert werden.

Oooooh ja, oh ja. In der Tat. Alles, wirklich alles. I. hat in den 10 Tagen – ohne jetzt zu übertreiben – ca. 4036 Bilder gemacht. Von jeder Pflanze, die blüht oder welkt oder schön oder doof aussieht. Dann vom Essen. Jedes Gericht einzeln natürlich. Sogar von den übrig gebliebenen Fischgräten nach dem Mittagessen (was tut sie mit dem Foto????). Und natürlich von uns: wir beim Arbeiten, wir beim Kochen, wir vor dem Restaurant, wir im Restaurant, ein Gruppenfoto zwischendurch. Ich glaube, die Frau hat mehr Fotos von mir, als meine Eltern.

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Wird eingerahmt.

Alles muss dokumentiert, festgehalten und natürlich gepostet werden. Facebook, Instagram und jeder Whats app-Gruppenchat bekommt minütlich ein Update vom Leben. Wird’s nicht fotografiert, ist’s nicht passiert. Und ich dachte, ICH mach viele Fotos. Nahaaa, es geht noch mehr!

Klischee 3: Schlürfen, rülpsen, schmatzen beim Essen? Je lauter, desto besser!

Auch dieses Vorurteil können wir (zumindest nachdem, was wir erlebt haben) definitiv bestätigen. Ich war ja schon damals in Korea beim Essen anfangs etwas verwirrt, als alle rund um mich laut und ohne Hemmungen die Suppe in sich rein gezogen haben. In Korea wird nämlich geschlürft, was das Zeug hält. Anscheinend soll das den Verzehr von den oft sehr langen Nudeln erleichtern. Anfangs mag das vielleicht etwas irritierend sein, immerhin werden uns im Westen als Kind jahrelang die Tischmanieren eingetrichtert. Da wird man sofort getadelt, sollte man die Suppe vom Löffel schlürfen. Irgendwann gewöhnt man sich aber daran und ertappt sich sogar selbst dabei.

Bei den Chinesen wird allerdings nicht nur geschlürft, sondern auch geschmatzt und gerülpst. Je lauter, desto besser, denn es signalisiert, dass das Essen schmeckt und gehört demnach zum guten Ton. Außerdem mussten wir feststellen: auch mit vollem Mund sprechen oder Fischgräten/kleine Knochenstücke/Knorpel/… auf den Tisch spucken ist kein Problem. Und auch wenn ich weiß, dass das ein Kulturding und normal ist, war ich ein biiiiiisschen angewidert, als die Fleischknorpel direkt vom Mund neben meinem Teller gelandet sind.

Klischee 4: Chinesen lieben Sojasoße.

Chinesisches Essen ist ja geil. So einmal alle 6 Monate… an einem Sonntag, nachdem man am Vortag saufen war. Chinesisches Essen ist nämlich erstens: fettig. Es trieft. Schlimmer als Pommes und Salami Pizza. Drei Tage in Folge chinesisches Essen und man hat so viele Pickel im Gesicht wie ein pubertierender 15-jähriger (wir sprechen aus Erfahrung!). Zweitens: egal, was du bestellst, chinesisches Essen schmeckt einfach immer gleich: nach Sojasoße. Nudeln mit Pak Choi und Rindfleisch in – Sojasoße. Reis mit Karotten, Lauch und Hühnerfleisch in – Überraschung – Sojasoße. Ich bestelle Salat, ich brauch was Frisches, was knackiges, einen anderen Geschmack. Und der Salat kommt in – tadaaa – einem Liter Sojasoße.

Nach einer Portion chinesischem Essen fühlt man sich immer wie nach einer wilden Partynacht: grauslich, schmutzig und aufgedunsen. Chinesisches Essen schreit förmlich nach Gluten. Die Kellner in den Retaurants tragen eine Schürze mit dem Maggi Logo. Das sagt eigentlich eh schon alles. Warum Salz, Pfeffer oder Kräuter verwenden, wenn man doch Sojasoße hat?

Bei aller Liebe – ich liebe ja ungesundes Essen. Pizza, Burger, alles geil, aber so zwischendurch ein paar Vitamine wären schon ganz schön.

Klischee 5: Asiaten – nie ohne ihr Handy.

Jap, leider auch hier ein ganz klares: WAHR! Dass sich die meisten Menschen in der Metro, im Bus, im Zug oder bei den Haltestellen mit dem Handy die Zeit vertreiben, ist nicht wirklich ungewöhnlich. Das ist ja bei uns mittlerweile auch der Fall.

Aber es geht noch mehr. Handysüchtig, Level: Asien. Da sitzen wir im Restaurant und beobachten ein Pärchen, so in unserem Alter, am anderen Tisch. Sie am Handy, schaut was auf Youtube. Er am Handy, schaut einen Film. Mal lacht er, mal sie, nie gleichzeitig, schauen ja beide was anderes. Ich schwöre euch – eine ganze Stunde lang haben sie gegessen und getrunken und sich mit dem Handy beschäftigt und dabei KEIN EINZIGES WORT GEWECHSELT. Schlimmer als jedes altes Ehepaar beim Abendessen. Die sind immerhin schon jahrelang verheiratet, da kann’s schon mal vorkommen, dass man nichts Neues mehr zu erzählen hat. Das war übrigens kein Einzelfall, ganze Familien haben so ihren Restaurantbesuch verbracht. So gibt’s zumindest nie mehr Streit über das Fernsehprogramm am Abend. Auch schön.

Und siehe Klischee 2 – I. ist das beste Beispiel für NIE OHNE MEIN HANDY. Das Telefon wird 24/7 im Bauchtascherl (darin befindet sich außer Telefon nämlich nichts) am Körper getragen – egal, ob beim Frühstück, beim Abendessen, beim Unkaut zupfen, am Klo. Immer und Überall.

5 Klischees, 5x WAHR! Was lernen wir daraus? Klischees gibt’s nicht umsonst! (Ich liebe mein Dirndl und die Berge und wenn ich jodeln könnte, würde ich nichts anderes mehr tun!)

Bis zum nächsten Eintrag: Bussi aus Neuseeland ❤ Bis baaaaald ihr Schnurlis.

Wir und die Farm: garteln in Malaysia.

Schönen guten Morgen Österreich – hier ein bisschen Lesestoff für den Sonntag:

[Geschichten von 15. bis 27. Jänner 2017] Weil wir ja zwei Tage lang in Kuala Lumpur geglaubt haben, wir sind reich (sind wir nicht) und geshoppt und gegessen haben, was das Zeug hält, wollen wir jetzt wieder sparen. Und wo kann man das besser, als auf einer Farm, abseits vom Geschehen. Wir finden die Stelle auf HelpX, eine Online Plattform, wo Leute auf der ganzen Welt Arbeit gegen Kost und Logie anbieten. Wir haben ja bereits in Indien auf einer Farm gearbeitet und waren begeistert, wie viel man dabei lernt. Nicht nur beim Arbeiten selbst, sondern auch über das Land, das Leben, die Kultur, das Essen. Man lebt hautnah mit Einheimischen zusammen und durch die intensiven Gespräche erfährt man extrem viel. Lernen und sparen – unsere Eltern wären stolz auf uns.

Alles, was wir über diese Farm wissen, ist: Farm in Melaka, Obst und Gemüse und Blumen, unsere Aufgaben: im Garten helfen. Nicht wirklich viel, ich weiß. Deswegen sind wir auch ein bisschen aufgeregt, als wir morgens in den Bus Richtung Melaka einsteigen. Naja, wir sind ja zu zweit. Das wird schon. Und im schlimmsten Fall gehen wir. (Sarah ist positiv, wie immer.)

Die Besitzer der Farm sind D. und I., ein Pärchen, beide ca. 55+. Alt, würde man sagen, aber dann würden sich unsere Eltern an dieser Stelle wieder aufregen. Sie holen uns vom Busbahnhof ab und wir gehen zum Markt. Nach „Hallo, wie war die Fahrt?“, war das Zweite, dass wir gehört haben: „Kauft einfach, was ihr braucht bzw. wollt.“ Ääähm, okay. Einmal alles, bitte? Das ist wie Einkaufen daheim mit den Eltern: wir füllen den Einkaufswagen („das wollen wir und das brauchen wir und das schmeckt uns“), bezahlen tun sie. Hihi.

Ein Kofferraum voll mit Essen und ein schicker Chevrolet SUV: ich glaub, wir haben die richtige Wahl bei unserer Farm getroffen. Wir fahren raus aus der Stadt, weiter auf einem Feldweg und steigen 40 Minuten später aus. Hallo Faaarm.

Wir sind wieder mal am Arsch der Welt.

Die Farm ist riesig. 4,5 Hektar, das wussten wir vorher. Aber mit solchen Angaben kann ich nie was anfangen. Das ist so wie „das Haus ist 40 Meter hoch“. Ist das hoch? Keine Ahnung, Alter, weiß ich doch nicht! Jetzt weiß ich: 4,5 Hektar das ist in der Tat groß. Man könnte meinen, riesig. Wir sind umgeben von Ölpalmen- und Gummibaumplantagen. Sonst ist da nichts.

Die Farm besteht aus einem „Haupthaus“ mit zwei Schlafzimmern, einer Terrasse zum Chillen, Outdoor-Küche, Bad und WC. Hier schlafen übrigens wir. Getrennte Betten, war ja klar. Die wollen einfach nie, das man sich liebhat.

Gegenüber gibt’s noch ein zweites Häuschen, darin wohnt Din. Din kommt aus Bangladesch und arbeitet seit 1,5 Jahren hier auf der Farm. Außerdem – natürlich war’s das noch nicht – gibt’s noch  3 kleinere Hütten inklusive Bad und WC (eines für D. und I., die anderen für Gäste) und eine große Terrasse für Partys bzw. Grillereien. Ein Motorrad steht auch da, das wir natürlich jederzeit benützen können. Tha, ist ja geil. Während wir bei der letzten Farm in Indien Sachen 20 Mal hin und her schleppen mussten und uns so sehr eine Scheibtruhe gewünscht hätten, gibt es hier zwei Quads. Weil „dauernd alles hin und her tragen ist ja anstrengend, fahrt einfach mit dem Quad!“ Na eh. Die Farm ist besser ausgestattet als mei Daham. Fettes Bonzn-Auto, Motorrad, zwei Quads – man gönnt sich ja sonst nichts.

Der Kühl- und Gefrierschrank, die Regale sind gedroschen voll mit Lebensmitteln und Snacks. Im Kühlschrank finden wir Bier en masse, Wein, Scotch. „Fühlt euch wie zuhause und greift zu!“ Hm. Wo ist der Haken?!

Bevor’s mit dem Arbeiten losgeht, bekommen wir erst mal eine Führung. Bei der „Bewerbung“ haben wir sowas geschrieben wie „wir haben den grünsten Daumen der Welt und kennen uns mit Pflanzen aus – wir sind genau richtig für eure Farm!“. Euch kann ich’s ja sagen: das war eine Lüge. Bei mir stirbt sogar der Kaktus. Darum will ich auch (noch?) keine Kinder kriegen: wenn ich mich nicht mal um ein grünes Gebüsch in einem Topf kümmern kann, wie bitte soll ich dann ein Lebewesen am Leben erhalten?! Das hab ich mir selbst versprochen: überlebt die Pflanze, kauf die ein Tier. Überlebt das Tier, dann eventuell Mini-Sarah.

Auf der Farm gibt es gefühlte 876 verschiedene Pflanzen. Blumen, Bäume, Sträucher, Büsche, Kräuter. What the fuck. Schaut meiner Meinung nach alles gleich aus. Wir tun natürlich so, als würden wir die Pflanzen NATÜÜÜÜRLICH kennen. Fuchsia, mhm. Vaccinum macrocarpon, ja klar. Eine Orchidee, juhu, kennen wir! Wie immer im Leben muss man einfach total selbstsicher wirken, auch wenn man absolut keinen Dunst hat, worum’s geht. Lernt man in der Schule.

Außerdem wächst hier mehr Obst, als man beim Billa kaufen kann: Ananas, Mango, Sternfrucht, Kokosnuss, Bananen, Papaya, Jack Frucht und tauuuusend andere exotische Früchte, die wir noch niemals gesehen haben. Neben Pflanzen gibt es auch noch andere Lebewesen (Pflanzen sind Lebewesen oder?): Ziegen, Hühner, Pfauen, Truthähne. Und vier Hunde. Also eins weiß ich schon mal: fad wird uns sicher nicht.

Neben garteln (ich liebe dieses Wort!) müssen wir auch kochen, weiiiil… die beiden weder kochen mögen noch können. Kochen – für uns eigentlich weniger Arbeit als Paradies. Vor allem, wenn man alles einkaufen kann, was man will, ohne dafür bezahlen zu müssen. Also zaubern wir gleich mal gebratenen Reis á la China-Restaurant und schleimen uns bei den Besitzern ein. Beim Mittagessen erfahren wir die ganze Geschichte von D. und I.: die beiden sind Chinesen und wohnen eigentlich in KL. D. ist Geschäftsführer bei einer großen Firma und vereinfacht ausgedrückt für die Überseeverkäufe zuständig. I. interessiert sich schon immer für Blumen und Bäume und Kräuter und so Zeug, vor allem für exotische Pflanzen aus dem Ausland. Deshalb haben sie vor 10 Jahren diese Farm gekauft, so zwecks der Gaudi. Seither verbringen sie fast jedes Wochenende hier und toben sich aus. Die Farm ist also ihr Hobby. Gut für uns, dann ist’s ja nur halb so schlimm, wenn wir was kaputt/falsch machen und/oder Unkraut ausreißen, das in Wirklichkeit eine teure Pflanze ist.

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Kochen – können wir.

Am Nachmittag beginnen wir mal mit Unkraut zupfen. Locker flockig, man muss ja mal reinkommen in so ein Farmleben. Um 18 Uhr hören wir D. schreien „Feierabend, trinken wir ein Bier!“

Ai, ai, Sir. Man muss immer tun, was der Chef sagt!

Am Abend gibt’s als Belohnung nach dem Bier auch noch Dinner im Restaurant. Fazit, Tag 1: okay, wir wissen jetzt, wie der Hase läuft: Geschäftsführer, eine Farm als Wochenendzeitvertreib, im Kühlschrank der teuerste Scotch und die Kamera von I.s Handy ist besser als die meiner Spiegelreflexkamera = Kohle ohne Ende.

 

Um die nächsten Tage kurz zusammen zu fassen: wir mögen es hier. Die zwei sind ziemlich entspannt, genauso ist der Tagesablauf: aufstehen und gemütlich frühstücken. Da es hier mittags ziemlich heiß wird, arbeiten wir nur vormittags und nachmittags bis abends. Mittags kochen wir, anschließend gibt’s Pause mit Kaffee, ganz viel Kaffee. Abends werden wir täglich zum Essen in unterschiedliche Restaurants ausgeführt, um uns die chinesische und malaysische Küche näher zu bringen. Danach gibt’s dann entweder Bier daheim auf der Terrasse oder Whiskey im Pub. Aja: ich bin ab jetzt Whiskeytrinkerin, wer’s noch nicht weiß. Tja, bin ja auch schon 26.

Da D., der feine Herr, geschäftlich auf die Malediven fliegen muss und I. in KL zu tun hat, sind wir sogar ein paar Tage allein auf der Farm. Eigentlich könnten wir also den ganzen Tag auch NICHTS tun und es würde niemandem auffallen. Philipp ist aber wie immer überdrübermotiviert (ich wär auch glücklich mit tagelang nur Blog schreiben, aber okay) und so sind WIR diejenigen, die eine Liste machen, für Dinge, die erledigt werden müssen. WIR, WIR machen das. Nicht D. oder I. Wenn’s nach denen gegangen wäre, hätten wir in der ganzen Zeit wahrscheinlich einen Baum gefällt, das war’s. Irgendwann haben wir ihnen um 15 Uhr mal ein Foto von einem fertigen Projekt geschickt. Die Antwort war „Cool, and now go and drink beer“. Na gut, wenn’s unbedingt sein muss.

Als wir alleine auf der Farm waren, hatten wir meistens eine klare Rollenverteilung: Philipp hat im Garten gewerkelt, gesägt, gehämmert. Und ich hab Stuuunden in der Küche verbracht und gekocht, neue Rezepte ausprobiert und literweise Eistee mit jeweils 1 kg Zucker für Philipp gemacht. Er hat ja soviel abgenommen und als Vorzeige-Freundin ist es natürlich meine Pflicht, ihn zu mästen und wieder aufzupeppeln. Ich liebe es, im Garten Gemüse, Obst oder Kräuter zu sammeln, zu kochen, zu probieren und Menschen zu versorgen. Ich werd mal soooo eine gute Hausfrau, das sag ich euch!

 

Damit ihr euch einen Eindruck davon machen könnt, was wir (vor allem Philipp, ich mach uns meistens nur mit Essen dick) den ganzen Tag gemacht haben, eine kleine Auflistung:

  • Unkraut zupfen – stundenlang. Darf ich bitte sterben.
  • Einen Zaun bauen – Herausforderung: Kommunikation mit Din (spricht kein Englisch)
  • Gehwege machen bzw. pflastern (=Workout für Philipp)
  • Umpflanzen, einsetzen, anbauen (haben wir uns selbst beigebracht)
  • Sträucher schneiden und Äste mit dem Quad zum Häcksler bringen = so viel Spaß!
  • Eine gefühlte Million Äste, Laub, etc. zerhäckseln
  • Einen Anhänger reparieren bzw. restaurieren
  • Diverse Gehege bauen (meistens a Pfusch)
  • Obst ernten und Fruchtsalat essen (meine Lieblingsaufgabe)

 

So ein paar Tage zwischendurch arbeiten ist eigentlich ganz schön, muss ich sagen. Ein bisschen Arbeit hat ja noch niemandem geschadet. Nicht, dass wir heimkommen und gar nicht mehr wissen, wie arbeiten eigentlich geht. Um 7 aufstehen – wie jetzt? Ich muss was tun – muss ich wirklich? Obwohl’s nach 4 Stunden Unkraut zupfen schon mal, äh, wie soll ich sagen, elendig werden kann. Dann mach ich das so wie früher beim Ferialjob im Sommer und denk mir: „Sarah, das ist nicht dein echter Job. Du machst das nur ein paar Tage, dann ist’s wieder vorbei.“ Dann geht’s wieder.

Zwischendurch haben wir einen Ausflug in die nächste, größere Stadt namens Melaka gemacht. Nach dem Sightseeing sind Phips und ich stundenlang durch die berühmte Jonker Street spaziert und haben uns den Bauch vollgeschlagen. Hier haben wir übrigens die in Asien so beliebte Stinkfrucht (auch Durian genannt) probiert. Der Geschmack hat so viele Gefühle gleichzeitig in mir ausgelöst: Ekel, Abneigung, Übelkeit, Horror, Abscheu. So in etwa. Schrecklich. Schmeckt eindeutig so wie’s riecht.

Ein anderes Mal fahren wir zu den Hot Springs in der Umgebung. I. hat so davon geschwärmt und wir uns so gefreut: juhu, planschen! Dann kommen wir dort an… äh, ja. Hot Springs – was wir darunter verstehen: heiße Quellen mitten in der Natur. Oder: natürliche Thermalquellen, schönes, klares Wasser, relaxen, chillen. Realität: ein abgefucktes Freibad mit heißem Wasser. Da merkt man wieder: alles ist subjektiv. Mein absolutes Highlight war dann noch die Frau, die im Bad ihre Pediküre gemacht hat. Hornhautschrubbeln in einem öffentlichen Bad. Nein, einfach nur nein.

 

Die Farm, ein Resümee:

Wir haben wieder einiges gelernt, vor allem mein brauner Daumen bei Pflanzen kann definitiv davon profitieren. Ich weiß jetzt auch, bei welcher Krankheit man welche Pflanze kochen, braten, zerstampfen, auflegen muss. Nagel und Hammer sind immer noch nicht meine Freunde, aber man muss ja nicht alles können.

Neben der Gärtner- und Handwerker-Ausbildung kann man sich beim gemeinsamen Arbeiten natürlich auch beziehungstechnisch weiterentwickeln. Teamwork – klingt einfach, ist es manchmal aber gar nicht. Unterschiedliche Vorstellungen, nicht dieselbe Arbeitsweise, andere Ideen – Konfliktpotential: möglicherweise da. Das hat schon in der Agentur manchmal zu Diskussionen geführt: Philipp, der Chaot und Sarah, die Streberin. Aber man lernt. Man akzeptiert. Man geht Kompromisse ein. (Bsp: Wann räumt er das endlich weg? … Okay, er räumt es echt nicht weg. … Na gut, dann räum ich es halt weg.) Da muss ich uns schon auf die Schulter klopfen, das haben wir mittlerweile echt drauf. Team Philipp & Sarah: Top. High Five drauf, Phips!

Kuala Lumpur – back to civilization.

Hach Gott, immer dieses Jetset-Leben.

Wir stehen am Flughafen von Kuala Lumpur und haben den Flug mehr oder weniger gut überstanden. Es ist 5 Uhr morgens und während Philipp wie immer den ganzen Flug über geschnarcht hat (NEID! Und ein bisschen AGGRESSION!), hab ich wieder mal gar nichts geschlafen. Im Sitzen schlafen – geht einfach nicht.

Stand der Dinge: Augenringe.

Wir freuen uns zwar sehr auf die neue Stadt, aber noch mehr auf ein weiches, flauschiges Bett und Dusche und Powernap. So schmuddelig und mit diesen schwarzen Panda-Augen können wir Kuala Lumpur nicht unter die Augen treten.

Wir fahren mit der Metro Richtung Zentrum und bemerken sofort den Unterschied zu den letzten Ländern: so (!) anders! Die Metro ist sauberer und moderner, als die U-Bahn in Wien (was angesichts der U6 auch nicht so schwer ist). Und dann die Leute, ich fass es nicht: bei der Station bilden sich alle 5 Meter, dort sich die Türen der Metro öffnen werden, Schlangen. Alle warten in einer Reihe hintereinander. Kerzengerade. Als hätte man die Wasserwaage ausgepackt. Haha, die Asiaten, es ist also doch nicht nur Klischee. So ordentlich, so organisiert, so gesittet und geordnet. Ich liebe es! Ich will das auch in meiner Welt! Wieso gibt’s das bei uns nicht?

Die Unterkunft liegt (das wussten wir vorher wirklich nicht) im Stadtteil Little India. Ja, ich weiß, offensichtlich können wir uns immer noch nicht so ganz von Indien trennen. Da sind wir weg und dann doch wieder nicht.

Als wir dort ankommen, sind wir plötzlich munter. Putzmunter. Schlafen? Wer will schlafen? Ich sicher nicht. Zumindest nicht hier. Zuerst der unfreundliche Typ an der Rezeption (mag wohl sein Arbeitsumfeld nicht so sehr – kann ich verstehen) und dann das „Zimmer“: winzig, alter ranziger Teppichboden, die Wände voll mit Schimmel und Bettwäsche mit nicht identifizierbaren Flecken.  Und dann der Geruch. Das kann ich gar nicht beschreiben. Okay, ich versuch’s: Nasser Hund und ungewaschene Füße und alter Fisch und Oasch und Beidl.

Alter, nein. Nein nein nein. Little India ist schlimmer als Indien, in den ganzen 3,5 Monaten mussten wir nicht einmal in einem annähernd so grindigen Zimmer schlafen. Ganz ehrlich: ein dreckiger Gehsteig mit Spuckeflecken, Zigarettenstummeln und Kaugummis ist einladender als dieser Raum. Das Problem ist nur, dass wir bereits im Voraus zahlen mussten und wir in unserer Müdigkeit ganz vergessen haben, eventuell das Zimmer vorher anzusehen. Schon fast 5 Monate unterwegs und noch immer nichts gelernt.

Also, was bleibt uns anderes übrig: wir ziehen uns unseren eigenen Schlafsack bis zum Haaransatz hoch, um jaaa nicht die Bettwäsche zu berühren. Und: durch den Mund atmen! Sonst muss ich speiben. Gott sei Dank sind wir wirklich richtig müde.

Ich wache auf und hoffe, alles war nur ein (Alb)Traum. Augen auf, kurzer Kontrollblick links, rechts: nö, alles echt. Kein Traum. Auf einmal schreit Philipp: „Da sind Flöhe! Ohne Scheiß, da sind Flöhe! Da springt was, ich schwöre!“ Oh. Mein. Gott. Am besten wir fackeln die Bude ab.

Da Streifen dick machen und ich Angst vorm Frauenknast in Malaysia habe, fackeln wir die Bude nicht ab. Aber wir flüchten nach draußen. Immerhin.

Kuala Lumpur hat knappe 1,6 Millionen Einwohner und wird von den Bewohnern liebevoll KL genannt. Das werd ich in Zukunft in Wien auch nur noch so machen, zwecks der Coolheit:

Ich fahr heut nach W, und du so?

Heute am Plan: flanieren und ersten Eindruck machen. UND: Shopping! Die Backpacker-Garderobe muss dringend mal ausgewechselt werden. Man sieht’s unseren 5 Leiberl wirklich schon an, dass wir in den letzten Monaten nichts anderes getragen haben: Schwarz ist nicht mehr schwarz, alles hat Löcher und/oder die Nähte gehen auf. Und wo kann man besser shoppen, als in KL? Eine Großstadt mit gefühlten 357 Shopping Malls, darunter eine der 6 größten der Welt. Ein Paradies für Kaufsüchtige.

Mit dem Shoppen ist das so wie mit dem Fortgehen: wichtig ist, was und wie viel man davor isst, sonst fehlt die Energie und der Spaß ist schnell vorbei. Wir gehen ins Capital Café – ein unauffälliges und nicht unbedingt einladendes Lokal, allerdings soll die Küche dort richtig gut sein. Wir lesen, dass hier schon seit den 1950er Jahren Chinesen, Inder und Malaien gemeinsam kochen. Uns ist schon am Weg hier her aufgefallen, wie multikulti KL ist: von Moscheen über chinesische und hinduistische Tempel bis Kirchen sieht man hier alles. Das gefällt uns.

Wie so oft bei den weniger touristischen Restaurants fehlt die Speisekarte, also bitten wir den Kellner darum, uns einfach die besten vegetarischen Gerichte zu bringen. (Nach Indien und Sri Lanka wollen/wollten wir zumindest als Semi-Vegetarier weiterreisen, weil: 1. Das Fleisch hier gaga ist und 2. uns Fleisch/Wurst eigentlich auch nicht fehlt.) Er sieht uns verwirrt an: „Wir haben nur 1 vegetarisches Gericht“. Ooookaaaay… das wird wohl schwieriger, als gedacht. Naja, scheiß drauf, dann bring uns bitte einfach irgendwas. Wir bekommen irgendwas mit Nudeln und Erdnusssoße und Gemüse und Suppe und Fleisch, viiiiel Fleisch. Wir werden nie erfahren, was es war, aber es war gut.

Gestärkt für den Shopping-Tag machen wir uns auf den Weg. Zu Fuß natürlich, wir wollen ja was sehen von der Stadt. Und ich sag’s euch: alles ist so anders! So neu. So schick und fancy. So sauber! Kein Müll, es gibt sogar Mülleimer! Und die Menschen benützen diese auch tatsächlich! Wir sehen richtige Restaurants und Cafés mit richtigen Kaffeemaschinen. Richtige, große Lebensmittelgeschäfte! Richtige Taxis, richtige Autos statt Tuktuks. Auf dem Gehsteig (Gehsteig!) gehen Menschen, keine Hunde, keine Kühe, keine Ziegen.

Back to civilization, oida!

 

KL ist neben sauber und schön und modern auch noch multikulti. Viele unterschiedliche Kulturen und Religionen leben hier gemeinsam auf einem Fleck: Moslems mit Kopftuch, Moslems ohne Kopftuch, Moslems mit Burka, Inder in Saris, Inder in Hot Pants, Chinesen, Malaien, Weiße, undsoweiter. Multikulti, aber trotzdem eins. Die Malaien essen beim Inder, die Chinesen sitzen im malaysischen Restaurant und die Inder mampfen beim Chinesen. Jeder bei jedem und vor allem, jeder mit jedem. Little India neben Chinatown in Malaysia. Ich mag das.

40 Minuten später stehen wir vor der Mall. Sie ist… groß. Riesig. Größer als der 1. Bezirk in Wien. Zivilisation in nur einem Gebäude. Die volle Dröhnung. Auf los geht’s los. Die Auswahl der Shops ist unendlich groß, meine Freude noch größer. Ich will mich durchwühlen, richtig eintauchen und voll abgehen. Ich muss 4,5 Monate Shoppen in 2 Stunden nachholen. Das ist Sport, meine Lieben, Sport! Ganz kurz, wirklich nur ganz kurz, hasse ich meinen Rucksack. Der ist einfach viel zu klein!

Nachdem ich mich wieder beruhigt habe und dem Kaufrausch halbwegs entkommen bin, kaufe ich doch nur das, was ich wirklich brauche. Und ein Kleid. Nennt mich Backpacker-Tussi, aber ich hab das Verlangen nach schön sein. Nur ein bisschen. Mit Kleid und vielleicht sogar Wimperntusche. Mehr hab ich eh nicht.

Shopping, Teil 1: check. Wir haben leider nicht alles bekommen, was wir brauchen/suchen, also geht’s weiter in die nächste Mall. Beim Rausgehen aus der dunklen Mall, fühlen wir uns wie Vampire: die Sonne brennt auf der Haut, es ist viel zu hell und viel zu heiß. Kchhh. Natürlich bekommt man beim Einkaufen nichts vom Badewetter mit, die Klimaanlage wird auf Anschlag aufgedreht und das Center auf ungemütliche 16 Grad heruntergekühlt. Meine Lippen sind schon ganz blau. Aber wie sagt man so schön: wer schön sein will, muss leiden!

Vor dem nächsten Kaufrausch-Anfall brauchen wir eine Stärkung: Kaffee und Zigarette und „Leid schauen“, wie man in Österreich so schön sagt. Zwischendurch gibt einer von uns Kommentare ab wie „Haha, der hat ja eine lustige Frisur“ oder „Wow, ist die schön!“ oder „Leggings sind keine Hosen!“. Die meisten hier in KL sind allerdings richtig stylisch (v.a. im Vergleich zu mir – als Backpacker kann der Style-Faktor leider selten berücksichtigt werden), die Asiaten sind uns ja normalerweise immer einen Schritt voraus. Ich kann mich noch daran erinnern, wie mich alle kritisch gemustert haben, als ich 2014 mit Birkenstock-Schlapfen vom Korea-Urlaub nach Hause gekommen bin. In Korea waren die gerade total angesagt und jeder hat sie getragen, in Österreich war einer der ersten Sätze, die ich gehört habe: „Was bistn du für a Öko?“.

Und jetzt, 2 Jahre später, läuft jeder Möchtegern-Hipster darin auf der Mahü auf und ab und glaubt, er ist cool. Pah! Meistens ist es ja so: sobald etwas in Österreich in ist, kannst du dir sicher sein, dass es fast überall auf der Welt schon wieder out ist. Nicht, dass ich mit meinen ausgeleierten, alten Hosen mit Blumenprint kombiniert mit bunten Stricksocken und XL Kapuzenpulli da mitreden darf. Aber ich sag ja nur.

Wir sitzen im Café, nebenan spielt eine Band. Es wuselt, aber nicht zu sehr. Großstadt, aber überschaubar. Schnell, aber nicht hektisch. Wir mögen es hier so sehr! Wir sind zwar erst ein paar Stunden hier, aber KL gefällt uns so so soooo! Der erste Eindruck: positiver als positiv! Vielleicht liegt es daran, dass wir in den letzten 4,5 Monaten NICHTS dergleichen gesehen haben? Vielleicht auch daran, dass wir immer am Arsch der Welt waren und die Städte keine coolen Städte waren? Oder daran, dass es zwischendurch echt wieder mal schön ist, ganz normale Dinge zu tun wie shoppen oder Kaffee trinken oder am Gehsteig gehen. Und das, ohne dass dich dabei jemand anstarrt oder anspricht. Vielleiiiicht liegt’s aber auch einfach daran, dass KL eine supertollefancycoolemodernegeniale Stadt ist. Wahrscheinlich, ja.

Es würde mich wirklich interessieren, ob wir genau so beeindruckt wären, wenn wir von Wien gekommen wären. Wir haben ja immer versucht, die Städte zu meiden und wollten deswegen auch nur zwei Tage hier verbringen. Und jetzt sind wir hier und wollen mehr! Wir wollen nicht weg. Wir wollen hier bleiben und einfach nur gehen und schauen und staunen und normale Dinge tun. Hier ist alles so normal. Schön normal.

Manchmal ist normal schon cool.

Wir betreten die nächste Mall, die übrigens dreimal so groß ist, wie die erste. 8 Stockwerke, ohne Scheiß. Überforderung: da. Während Phips noch weiter shoppt („Ich brauch ein Leiberl, ich will jetzt ein Leiberl!!!“), gehe ich zum Friseur. Nach der Stroh-Geschichte vom letzten Eintrag, könnt ihr euch vorstellen, WIE dringend ich das brauche. An dieser Stelle fällt mir eine lustige (damals alles andere als lustig!) Geschichte zum Thema Friseur ein. Ich schneid Philipp ja schon seit einem Jahr die Haare (ja, ich weiß! An mir ist eine Friseurin verloren gegangen!) und irgendwann vor ein paar Monaten meint er so: „Soll ich deine auch schneiden? Ich mach das! Das kann doch nicht so schwer sein.“ Öh ja. Schlussendlich war eine Seite 3 cm kürzer als die andere und das Ganze endete in einer Diskussion, weil er nicht zugeben wollte, dass er ein scheiß Friseur ist. Soviel dazu. Kann also doch schwer sein.

Es ist schon spät und wir sind total kaputt: neue Stadt, neue Eindrücke und shoppen – das macht müde. Lieber würd ich mich ja auf die Straße legen und dort schlafen, als in unserem Bett (Zoo?), aber naja. Qualifizierung für’s Dschungelcamp: check.

Tag 2 in KL widmen wir voll und ganz unserer großen Liebe, unserer Leidenschaft, unserem Hobby:

Essen.

Die malaysische Küche ist so bunt wie die Bevölkerung. Sie wurde/ist sehr stark von China (Chinatown) und Indien (Little India) beeinflusst. Neben indischen Spezialitäten und der chinesischen Küche gibt es aber auch landestypische kulinarische Köstlichkeiten. Obwohl es zig Restaurants gibt, ist es mehr die Streetfood-Kultur, die hier von Einheimischen und Touristen zugleich gefeiert wird. Für so einen Tag gibt’s nur eine, aber dafür richtig wichtige Regel: zieh das Weiteste und Gemütlichste an, das du findest. Hose mit Gummizug oder so.

Bevor wir uns allerdings durch KL (fr)essen, muss ich noch ein paar Dinge für den Blog erledigen. Ihr kennt das: zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Haha. Mit dem Laptop im Café sitzen, Kaffee schlürfen und schreiben – wenn ich groß bin, werd ich echte Bloggerin.

 

Dann beginnen wir mit dem bekannten Katsuri Walk und dem Central Market. Kurze Erklärung: eine Straße mit Streetfood-Ständen – und – eine Halle mit Restaurants und Essensständen (und Souvenirs, Schmuck, Kleidung).

Fresswalk.beginnt.jetzt.

Dann flanieren wir weiter Richtung Chinatown bzw. Petaling Street. Dort könnte man sich stundenlang aufhalten und Geld verprassen. Angefangen bei Kleidung (gefälschte Gucci-Uhr oder Dior-Brille gefällig?) über elektronische Dinge wie Kameralinse, Adapter oder Selfiestick mit gefühltem 5 Meter Stick (man will ja auch die ganze Stadt auf’s Foto kriegen) bis zu Schmuck (von tschechien-plastik-billig bis sieht gar nicht mal so billig aus – alles dabei): es ist einfach für jeden etwas dabei. Und auch, wenn dir der Typ 15 Minuten lang erklären will, dass das eine echte Ray Ban Sonnenbrille und natürlich „best quality“ ist: Verhandeln ist Pflicht.

Chinatown ist – wahrscheinlich, ich war noch nie dort, so wie China: laut und hektisch. Es ist viel los, die einen wollen was kaufen, die anderen was verkaufen. Es wird geschrien „You want bag, madam?“ oder „Cheap cheap for you, mister!“ und es wuselt. Aber es ist nicht stressig. Es wird nicht gedrängelt, man wird nicht auf die Seite geschubst, wenn man langsam bei den Ständen vorbeigeht. Genau das meine ich: diese Gelassenheit, die diese Stadt ausstrahlt. KL ist… chillig quirlig. Oder auch: gemütlich fink. Hört sich vielleicht ein bisschen dumm an, aber ja, genau SO würde ich KL beschreiben.

So und nun befassen wir uns wieder mit den wichtigen Dingen im Leben: Essen. Wir stopfen uns so ca. alles hinein, was wir finden. Wir wollen die Stadt schmecken, wir wollen kosten, probieren, schlecken, naschen, nippen. Es gibt so viel! Wir fühlen uns zwar schon kugelrund (Dank sei dem neuen Kleid, dass gekonnt meinen „bist du schwanger?“-Bauch kaschiert!) und es tut schon weh, aber tja: manchmal muss man da einfach durch.

Bevor wir zum nächsten Markt gehen, gibt’s einen kleinen Verdauungsspaziergang. Die Stadt gefällt uns immer mehr. Hier kann man stunden-, nein tagelang flanieren und es wird immer noch nicht fad. Notiz an mich: überlegen, was ich in KL arbeiten kann… vielleicht ein Schnitzel-Restaurant neben Chinatown und Little India? Jap, damit werd ich reich.

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Gehengehengehengehengehen. Und dann wieder essenessenessenesssenessen.

Abends befassen wir uns dann wieder – Überraschung, tadaaaa – mit Essen. Wir gehen zu Jalan Alor, eine lange Straße, gesäumt von Street Food- und Obstständen sowie Restaurants – japanisch, thai, chinesisch, malaysisch. Alles. Vor allem abends und an den Wochenenden (heute ist Samstag!) sollen die meisten Tische in und vor den Restaurants voll sein. Sind sie, trotz Regen.

Die Straße kann man schon von Weitem riechen, in der Luft liegt der Geruch von Sojasoße und Fett. Je näher wir kommen, desto mehr wird unsere Nase überfordert: es riecht nach Fleisch. Fisch. Kokosnuss. Das Fett brutzelt, der Grill raucht, die Töpfe dampfen. Wir gehen weiter. Links: Hühnerfüße, gebraten. Rechts: Maiskolben, gekocht. Auf der einen Seite bekommt man Thai-Nudeln mit Rind, auf der anderen japanischen Reiskuchen mit Schoko-Füllung. Schlangen bilden sich vor jedem Stand, die Kellner laufen, die Verkäufer schwingen hastig ihre Pfannen.

Überall hängen bunte Schilder, überall schreien die Verkäufer und wollen aufmerksam auf ihr Essen machen. Auf den Tischen liegen die Speisekarten, dicker als ein Harry Potter Band. Die Auswahl ist groß: Schweinemagen, Hirn oder vielleicht doch Froschschenkel? Am Tisch sitzen die Leute mit zufriedenem Gesichtsausdruck und verschlingen mit ihren Stäbchen die unterschiedlichsten Köstlichkeiten. Ich schau mich um. Es wurlt, es ist viel los, es tut sich was. Das ist Leben. KL ist Leben!

Wir tauchen ein und geben es uns nochmal so richtig. Wir feiern das Street Food, wir gehen ab. Ein bisschen davon, ein Stück davon. Das will ich auch kosten! Und ein Dessert brauchen wir auch! Leute, ich sag’s euch. Ich roll heute heim. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich will jetzt mindestens 3 Tage (in Wahrheit 8 Stunden) nichts mehr essen.

Foodtour – beendet. Fazit – ich fühl mich mopsig. Bevor wir nach Hause gehen, machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Wahrzeichen von KL: den Petronas Towers. Wenn wir schon mal hier sind, dann muss das einfach sein. Man fliegt ja auch nicht nach Wien und sieht dann den Stephansdom nicht.

Bereits aus der Ferne sieht man die zwei glitzernden und leuchtenden Türme. Funkel, funkel. Sie sind groß und hell und wow. Beeindruckend. Aber halt auch nur Türme. Also schnell ein paar Fotos und hopps – ins Bett. Wir müssen morgen nämlich früh auf.

 

Kuala Lumpur, ein Resümee:

Kuala Lumpur ist eine Großstadt, aber sie gibt nicht damit an. Sie macht nicht einen auf „Ich bin die Modemetropole“-New York. Oder einen auf „Ich bin so Hipster“-Berlin. KL ist cool, ohne es zu wollen. Ungezwungen cool, mit so einer gewissen Leichtigkeit. KL ist wie das eine Mädchen in der Schule, dass immer so hip und lässig angezogen war, ohne sich dessen bewusst zu sein. So, als hätte es einfach das angezogen, was so im Zimmer herumgelegen ist. Nicht aufgesetzt. Nicht bei der Angeber-Clique dabei, vielleicht sogar eher eine Außenseiterin. Aber eine coole halt.

KL ist futuristisch irgendwie. Natürlich. Lebendig. Wie war das noch… genau: gemütlich flink. Oder so. Auch wenn wir nur zwei Tage hier waren und wir dich nur dreiviertel kennen: KL, wir lieben dich!

Morgen geht’s für uns aber weiter in den Süden nach Melaka. Dort werden wir die nächsten zehn Tage auf einer Farm für Kost und Logie arbeiten. Jaja – es kann halt nicht immer nur Urlaub sein. Das ganze Shopping muss wieder rein gearbeitet werden!

Ihr hört bald von uns und unser Leben auf der Farm 🙂 Bis dahin Ghettofaust und Schmuser.

 

 

a story about sri lanka.

Schönen guten Morgeeeeen (ich wette, ihr seid gerade erst verkatert aufgewacht :P)

Sonntag ist Chilltag. Perfektes Timing, denn heute ist unser Video von Sri Lanka fertig geworden. Ich selbst bin wieder mal größter Fan und total begeistert, haha. Ein groooooßes Dankeschön an Phips für diese schöne Zusammenfassung!

Aber Achtung: Neidgefahr! Deswegen am besten schnell den nächsten Urlaub gaaanz weit weg von der österreichischen Kälte buchen 😉

Habt einen gemütlichen Tag, wir naschen jetzt selbst gebackenen Apfelstrudel in Tasmanien. Nommiiii 🙂

Schmusi ❤

wirunddiewelt goes kärntner monat

Hallo ihr Liebiiiis!

Was für eine ereignisreiche Woche: gestern 21 Monate Philipp und Sarah und 5 Monate wirunddiewelt und dann noch das:

In der aktuellen Ausgabe vom Magazin Kärntner Monat wurde ein Artikel über uns und unsere Reise veröffentlicht! Sind das nicht aufregende und einfach wunderbarste Nachrichten?!

Philipp und Sarah – Einmal um die Welt

Das Magazin ist seit gestern (2.Februar 2017) erhältlich – leider nur in Kärnten, aaaber man kann die Ausgabe auch als PDF downloaden. (Falls ihr den Artikel ausschneiden und auf eure Pinnwand hängen wollt. Als richtiger Fan sollte man das nämlich.)

Wir freuen uuuuns! Yeah, yeah. Und das oben-ohne-Foto war Absicht, zwecks der Aufmerksamkeit und so.

PS: Man möge bitte den Satz in der Einleitung nicht wortwörtlich nehmen: […] Medved packte Erspartes und Freundin ein […]. Niemand packt mich einfach ein. Ich bin ja kein Handtuch!

Viel Spaß beim Lesen und High Five darauf! Wir signieren eure Ausgaben natürlich gerne, wenn wir wieder daheim sind. Haha.

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Heimat, weit weg von der Heimat.

Meine Damen und Herren, es ist vollbracht: Es folgen die letzten Geschichten und Abenteuer aus Sri Lanka! Viel Spaß 🙂

Wo waren wir? Galle, genau. Nach 2 Tagen haben wir auch schon wieder genug von Stadt und flüchten wieder ins Hochland. Da fühlen wir uns wohl, da ist es schön. Zu unserem nächsten Ziel, Dalhousie, dort wo der Adam’s Peak steht, sind es rund 230 km. Statt einfach schnurstracks quer durch’s Land zu fahren, erreichen wir Dalhousie natürlich über 20 Umwege. Kennt ihr dieses Lied von Fanta 4: es könnteee… so einfach sein… isses aaaaber nicht. Slogan für Sri Lanka. Auf jeden Fall machen wir uns um 6 Uhr morgens auf den Weg, tuckern zuerst mit dem Bus nach Colombo (ca. 130 km und 3 Stunden), daaaann mit dem Zug nach Hatton (ca. 130 km und 5 Stunden) und schließlich, nein es ist noch kein Ende in Sicht, nochmal mit einem Bus nach Dalhousie (ca. 30 km und 1,5 Stunden). Was soll man dazu noch sagen… 9,5 Stunden für 230 Kilometer. Es könnteeee… so einfach sein… isses aaaaber nicht.

Euch kann ich es ja sagen… so unter uns: Sri Lanka nervt uns teilweise so richtig. Das Land ist schön und überzeugt definitiv mit seiner Vielseitigkeit (Strand, Berge, Tiere), aber so richtig wohl fühlen tun wir uns hier nicht.

Das hat mehrere Gründe:

1. Weiß sein = reich sein.

Man fühlt sich hier wie ein lebendiger Geldschein. Überall auf der Welt werden Touristen abgezockt und jedem kann es passieren, dass man einen Arsch-Taxifahrer erwischt und mindestens das Dreifache für die Fahrt bezahlt. Klar. Hier in Sri Lanka ist es allerdings wurscht, wo und wer und wieso, egal, ob Bus, Markt, Restaurant, Hostel: du wirst verarscht. Im Bus sollen wir statt 70 Cent 4 Euro bezahlen und in den Restaurants gibt’s sogar teilweise eigene Speisekarten mit anderen Preisen für Touristen. Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht darum, dass ich vielleicht mal 50 Cent mehr bezahle, als es eigentlich ausmacht. Da geht’s mir um’s Prinzip. Ich glaube, das fällt uns auch nur so sehr auf, weil wir eben länger reisen und demnach sparen müssen. Wenn wir zum Beispiel sonst für 2 Wochen irgendwo Urlaub machen, sind wie die Letzten, die auf’s Geld schauen  -da will ich genießen und nicht darüber nachdenken und schon gar nicht mit dem Schaffner wegen einem Euro diskutieren. (Kleiner Tipp: je lauter man verhandelt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man den normalen Preis bezahlt).

2. Die Sri Lanker.

Natürlich nicht alle, aber viele heucheln dir Freundlichkeit vor, wollen aber aller immer nur das Eine: dein Geld. So mussten wir uns in einigen Hostels anhören, dass man mit uns aber kein gutes Geschäft macht, wenn wir nicht hier, sondern in der Stadt essen gehen. Dann wird man doof angemacht, weil man das Bier im Supermarkt kauft und nicht in der Unterkunft. Ich mein, geht’s noch? Wir fühlen uns irgendwie verarscht. Und wie kann man sich an einem Ort wohl fühlen, wenn man dauernd Hass-Blicke vom Besitzer zu geworfen bekommt?

3. Indien – Sri Lanka.

Und dann ist da immer noch der Vergleich mit Indien. Wir versuchen’s ja zu ignorieren, aber es funktioniert nicht so richtig. Indien war einfach der Wahnsinn. Wir hatten auch so unsere Momente, aber niemals das Gefühl „Ich fühl mich nicht wohl“. Indien ist einfach SO anders. Wir hatten so oft einen Kulturschock, dass ich mir mittlerweile sicher bin, dass das gesundheitliche Schäden am Körper hinterlassen hat. Indien war hardcore, aber zumindest authentisch. Indien ist krass, steht aber dazu. Und krass ist ja auch irgendwie gut.

Sri Lanka hingegen ist weder Fisch noch Fleisch. Sri Lanka ist nicht hardcore, weder hardcore arg noch hardcore cool. Hardcore nervig vielleicht. Sri Lanka ist ganz nett und nett ist ja bekanntlich der kleine Bruder von scheiße. Sri Lanka ist wie die Person, mit der man aus Höflichkeit Smalltalk führt, aber mit der man eigentlich nichts zu tun haben will, weil sie ziemlich langweilig ist. Wisst ihr was ich meine?

Ich weiß, ich weiß – das ist Jammern auf höchstem Niveau. Wir sollen uns ja eigentlich immer wieder daran erinnern, dass wir froh sein sollten, dass wir ÜBERHAUPT irgendwo sind und nicht gerade im Büro sitzen und arbeiten müssen. Aber so fühlen wir nun mal. Und das kann jedem passieren: man fliegt glücklich und erwartungsvoll in den Urlaub und wird dann vielleicht enttäuscht. Bei einer Reise, bei der man dann auch noch ganz viele verschiedene Länder sieht, ist das Risiko, dass eines davon nicht gefällt, dann natürlich noch größer. Man kann ja nicht alles mögen, so ist das halt im Leben. Man mag ja auch nicht jeden Menschen. Deswegen: Sri Lanka, du bist okay, aber wir werden keine dicken Freunde. Leider.

ABER – ganz wichtig – wir haben viele, ganz viele Leute getroffen, die total überdrüberbegeistert von Sri Lanka sind. Wie gesagt, das Land an sich ist wirklich schön, das ist einfach unser persönliches Empfinden. Aber Menschen sind verschieden und genauso verschieden sind die Eindrücke und Erfahrungen. Ich liebe Russland, andere nicht. Andere lieben Frankreich, ich nicht. Deswegen: herkommen, anschauen, eigenes Bild machen.

Statt aber die letzten Tage in Sri Lanka grantig aus der Wäsch‘ zu schauen (oder an Fotz zu ziang – ich liebe die österreichische Sprache!), machen wir das Beste draus. Nervige Leute mit Überfreundlichkeit überschütten, noch nervigere Leute ignorieren. Bevor ich nun endlich zum Jammern aufhöre, muss ich noch kurz unser persönliches Reise-Prinzip betonen: nichts im Voraus planen oder buchen. Hätten wir nämlich nicht schon unseren Flug gebucht, würden wir wahrscheinlich schon längst im Flugzeug in ein anderes Land sitzen. Spontan ist, wenn möglich, immer besser. Allerdings mussten wir den Flug schon buchen, warum und wieso, erzähl ich euch bald.

So. Nun wieder zu uns. So viel Strand und so viel Stadt, jetzt zieht’s uns zwei Neo-Bergliebsteiger, wie gesagt, schon wieder ins Hochland. Auffi aufn Berg und zwar auf den berühmtesten in Sri Lanka, auf den Adam’s Peak. Wegen seiner religiösen Bedeutung zieht es täglich hunderte Pilger und Touristen auf den 2.245m hohen Berg: auf dem Gipfel befindet sich nämlich ein 1,8 Meter langer Fußabdruck (Lüge, ich erkenn da nicht mal ansatzweise einen Fuß, aber okay). Von wem dieser Fußabdruck ist, hängt von Glaube und Religion ab: Buddhisten sehen darin den des Buddha, Hindus den von Shiva, die Christen verehren ihn als Fußabdruck des Apostel Thomas und Muslime als den von Adam. Na wer jetzt?

Wir quartieren uns im Hotel ein und liegen um 19:30 Uhr im Bett. Kein Schmäh. Aber wir gehen nicht ohne Grund früher als jeder Pensionist ins Bett: Der Wecker am Handy läutet morgen nämlich um 2 Uhr. Der Sonnenaufgang am Adam’s Peak soll spektakulär sein und das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Viel geschlafen haben wir nicht, trotzdem machen wir uns um 2:30 Uhr auf den Weg Richtung Gipfel. Die Müdigkeit ist zwar noch da, Motivation aber auch. Die und Kraft braucht man auch: bis zum Gipfel sind es nämlich 7 km und 1000 Höhenmeter in Form von mehr als 5500 Stufen. Klingt schlimm – ist es auch. Wieder einmal waren wir nicht die Einzigen, die den Reiseführer gelesen haben und viele viele andere Touristen wollen ebenfalls die Sonne am Gipfel aufgehen sehen.

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Selfie um 2:30 Uhr. Man sieht’s uns an: zu früh.

Wir beginnen langsam. Das haben wir spätestens beim Trek in Indien gelernt: nicht zu schnell und schon gar nicht schnell und dann wieder langsam. Sein Tempo finden, gehen und niemals hochschauen. Würde auch nichts bringen, es ist 3 Uhr und stockdunkel.

Wir gehen. Stufe für Stufe. Neben uns die russischen Touristen, die an uns vorbei ziehen. Puh, die sind aber schnell. 5 Minuten später sitzen sie auf der Stufe, ohne Puste. Tja, g’lernt is g’lernt. Hätt mich ja auch gewundert, wenn man gefühlte 3 Millionen Stufen ohne Probleme rauf rennt. Und schon gar nicht die russische Tussi mit rosa Dolce & Gabbana Kapperl und Sandalen. Zuschauen und lernen, du Nuss! Apropos Sandalen: es ist Nacht und es ist kalt, wirklich sauuuukalt. Das hindert die Einheimischen aber nicht daran, mit Flip Flops oder gar barfuß (ja wirklich, BARFUSS!) den Berg zu besteigen. Also ich will ja nichts sagen, aber ernsthaft? Wir haben in Sri Lanka ja schon oft Einheimische in ihren Flip Flops ausgelacht. Haube am Kopf und in eine dicke Daunenjacke eingepackt, aber immer Flip Flops – egal, wie kalt oder ob es regnet. Versteh ich nicht. Ich hab ja eher das Prinzip „Füße kalt, alles kalt“. Aber gut. Barfuß wandern, als wäre die Wanderung nicht so schon eine Herausforderung.

Wir gehen noch immer. Also eigentlich gehen wir nicht, sondern wir steigen. Stufe für Stufe für Stufe. Rauf, rauf, rauf. Blick nach unten. Trotz den eisigen Temperaturen wird uns warm. Die Füße brennen. Stufe, Stufe, Stufe. 1, 2, 3, 1, 2, 3. Immer weiter. Es tut weh, wirklich weh. Das ist kein Spaziergang. Ich sehe, wie die anderen kämpfen, immer wieder stehen bleiben, sich beim Geländer hochziehen. Manche drehen um und geben auf. Zu steil, zu viel. Nicht, dass wir die ultra Wanderer sind oder unsere Kondition so gut wäre, aber wir gehen gehen gehen. Ohne Pause. Wir haben unser Tempo und anscheinend haben die vielen Wanderungen und das Yoga was geholfen. Wahrscheinlich liegt’s nur am Gedanken in meinem Kopf, der mich die vielen Stufen steigen lässt: das ist gut für den Popsch, das ist gut für den Popsch. Knackarsch, Knackarsch. Bikinifigur 2017, Bikinifigur 2017. Hilft.

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Stufe 2387 von 5500. Oida.

Immer wieder gibt es am Weg kleine Hütten, wo man sich bei Tee, Linseneintopf und Roti (Fladen) stärken kann. Ich will nur kurz Kaffee – ein Morgen (es ist 03:30!) ohne Kaffee geht gar nicht. Philipp schimpft mich: Poah he, ich hab grad mein Tempo gefunden. Jaja, ich komm ja schon.

Überall steht, dass man ca. 3 Stunden für den Marsch einplanen sollte. Ich will ja nicht angeben, aber wir sind nach 2 Stunden und 10 Minuten oben. Nicht, dass mich das freuen würde, denn es ist erst 04:40 und der Sonnenaufgang beginnt um ca. 6 Uhr. Heißt: warten. Und warten bei Temperaturen gegen 0 Grad und eisigem Wind ist kein Spaß. Abeeeer – schon wieder sind wir einfach so klug! – wir haben Kleidung zum Wechseln, Schal, Haube und sogar eine Decke mit.

Dafür, dass wir beide eigentlich Morgenmuffel sind und unsere Laune am Morgen definitiv großes Streitpotenzial hat (haha), sind wir heute erstauuunlich gut drauf. Wir plappern wie sonst nie und so vergeht die Zeit recht schnell.

Und dann ist es soweit… es wird heller… man sieht dunkle Schatten und die Umrisse von den umgebenden Bergen. Der Himmel wird dunkelblau statt schwarz, wird immer heller. Hinter einem einzigen Berg, weit weit weg, färbt sich der Himmel orange. Da muss sie sein, die Sonne. Alle stehen gespannt da, jeder wartet sehnsüchtig auf die ersten Strahlen, die den eisigen Körper wieder aufwärmen.

Und dann… berühren mich die ersten Sonnenstrahlen. Dieses wohlige Gefühl, wenn die Finger, die Zehen und die Wangen im Gesicht zu kribbeln beginnen. Ab und zu hört man das Klicken der Kameras, sonst ist es still. Der Himmel wird hellblau, am Horizont die gelben Strahlen und endlich zeigt auch die Sonne ihr hübsches Gesicht. Nach und nach erscheinen die Berge in ihrer vollsten Pracht. Vor uns der Regenbogen der Natur: die grünen Berge, der azurblaue Himmel, der orange-rote Horizont, die gelbe Sonne. Ich liebe Sonnenaufgänge, man sieht sie viel zu selten. Sonnenuntergang kann jeder, aber extra aufstehen für dieses Spektakel und dann auch noch am Berg – das zeugt von Motivation. Da muss man schon was dafür tun.

Ein unbeschreibliches Gefühl, immer wieder. Ich liebe die Berge und am Berg zu sein. Nach einer Wanderung oben am Gipfel anzukommen, ist mein Highlight. Der Weg ist das Ziel? Beim Wandern eher: das Ziel ist das Ziel. Klar, dass Wandern und Gehen an sich ist schön, die Ruhe, die Natur, die Zeit, in der man träumen und nachdenken kann. Aber nichts toppt das Gefühl, wenn man sein Ziel, den Gipfel, erreicht hat. Wenn man die Strapazen der Besteigung vergisst, weil man die Schmerzen doch immer vergisst, wenn das Ergebnis danach so schön ist.Wenn man oben ist, größer und höher als alles andere. Wenn man unten die Menschen oder die Bäume sieht, die einem klitzeklein vorkommen. Irgendwie fühlt man sich mächtig.

Auch am Adam’s Peak überkommt mich das Gefühl von Freiheit. Der Ausblick: atemberaubend. Das persönliche Gefühl: magisch. Das Blöde: runtergehen. Der Abstieg war nerviger und anstrengender, als das Raufgehen. 5500 Stufen, das schreit nach neuen Plastikknien. Fazit vom Adam’s Peak: nichts für schwache Beine, aber es lohnt sich sowas von!!!

Die Oberschenkel brennen, der Körper ist müde und eigentlich schreit alles nach Bett. Doch wir fahren zuerst in den nächsten Ort, klitzeklein, nichts los, aber schöne Unterkunft. Dort werde ich mich heute und morgen dem Blog widmen – in der Natur, ungestört und inspiriert. Oder so. Philipp macht sich währenddessen auf den Weg nach Colombo und kommt erst morgen wieder. Aber nicht alleine! Wir bekommen nämlich Besuch aus Österreich, juhu!

Das Ganze war nämlich so: Lolo (Philipps bester Freund) hat angerufen und gesagt: „Hey, ich hab spontan frei bekommen. Wo seid ihr gerade, ich komm euch besuchen.“ Ööööh, das nenn ich mal spontan. Ein paar Stunden später war der Flug schon gebucht und wir sind vor Freude gesprungen. Genau das mag ich an Lolo so sehr: spontan und unkompliziert.

Auch auf die Frage, was er denn machen will, wenn er da ist, kommt eine für ihn so typische Antwort: es ist mir egal, was wir machen. Ich mach’s mit euch und darum geht’s. Weise Worte. Philipp ist natürlich noch mehr aus dem Häuschen, als ich. Die Zwei haben vorher in einem Zimmer (ohne Scheiß!) zusammen gewohnt, in der Freizeit viel gemeinsam gemacht, ich war dann so das dritte Rad am Wagen, haha.

Die Zwei sind einfach ein Herz und eine Seele. Das ist wie Toast und Nutella oder Würstel und Senf oder Pommes und Mayo – gehört zusammen, geht nicht ohne einander. Ich weiß, wie groß Philipps Sehnsucht nach Männergesprächen ist und wie sehr er sich auf Lolo freut. Er hat das ja schon vor ein paar Wochen prophezeit: „Ich bin mir sicher, dass Lolo der Erste sein wird, der uns besucht“. Sollte mal über eine Karriere als Hellseher nachdenken.

18 Stunden alleine, das gab’s schon lange nicht mehr. Nicht, dass ich nichts mit mir anzufangen weiß, aber wem erzähl ich dann davon? Wenn das so weiter geht, müssen Philipp und ich wieder in derselben Agentur arbeiten, sonst bombardier ich ihn wahrscheinlich stündlich mit Whats App Nachrichten á la „Was machst du gerade?“ oder „Was essen wir heute Abend?“ oder „Vermisst du mich auch so wie ich dich?“. Gott, ich bin ja so peinlich.

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Meanwhile in Colombo.

Nacht überstanden, heute treff ich Philipp und Lolo am Busbahnhof, wir fahren nach Nuwara Eliya. Strahlend kommen sie mir entgegen, ein Grinsen bis über beide Ohren und glücklich darüber, dass sie nun endlich wieder vereint sind. Ich freu mich nicht weniger: eine Umarmung, ganz fest drücken. Heimat passt also in zwei Arme.

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Erstes Besuchausösterreichinsrilankaundwirfreuenunsso-Selfie. (Lolo freut sich auch, auch wenn’s nicht so ausschaut 😀 )

Neben der Freude über unseren Besuch ist auch die Freude über die Mitbringsel ganz groß: Mein Papa hat uns nämlich ein Weihnachtspackerl mit ganz vielen österreichischen Schmankerln zusammengestellt: Speck, Würstel, Mannerschnitten, Weihnachtskekse, Schweizer Schokolade. Lolo hat noch frische Salami dazugepackt und Eva, die Liebe, hat auch noch Vanillekipferl mit gegeben. Soviel Liebe und vor allem Heimat in einem Packerl, oh mein Gott. Das ist wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Philipp und ich sitzen mit fettigen Fingern und Krümel im Gesicht da und wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen: drei Vanillekipferl für miiiich, eins für dich, zwei Würstel für miiiich, eins für dich. Bis uns schlecht wird, aber das war’s wert.

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+ 3 kg in 20 Minuten.

In Nuwara Eliya haben wir alles, was man für gemütliche Tage zu dritt braucht: eine tolle Unterkunft mit Balkon, Bier und wir sind mitten in der Natur, viele Hügel und Berge für’s Wandern. Das machen wir dann auch gleich am nächsten Tag und zwar nach Lolos Motto: Let’s get lost. Da wird nicht geschaut, wo ist was oder wo gehen wir hin oder was machen wir eigentlich, sondern wir gehen. Wir gehen gehen gehen, biegen mal ab, gehen wieder weiter, durch Teeplantagen, biegen links ab, biegen rechts ab. Wohin? Keine Ahnung. Wir reden und gehen und reden. Lolo macht das im Urlaub immer so und ich hab mir dabei immer nur gedacht: ja aber, was, wenn man falsch ist? GIBT KEIN FALSCH! Was ist, wenn man sich verläuft? GEHT MAN EBEN WIEDER ZURÜCK! Was, wenn. Was, wenn. Jetzt bin ich begeistert. Diese Art von Wandern gefällt mir. Let’s get lost, aber sowas von.

7 Stunden und 26 km später sind wir wieder im Zentrum. Ich liebe den körperlichen Zustand nach Sport: alles brennt, die Füße sind schwer, man ist gleichzeitig müde und aufgedreht. Wir finden zufällig ein Lokal, bei dem man Essen für 20 Cent bekommt und schlagen dazu. Das haben wir uns verdient! Am Abend besuchen wir Elly und Philipp, zwei Freunde aus Österreich, sitzen am Lagerfeuer und lassen den Tag bei einem Bier ausklingen. Ein lustiger Zufall: Elly hat vor Sri Lanka zufällig Philipps Onkel getroffen, der ihr dann das Einzige, dass er im Auto gefunden hat, spontan als Überraschungsgeschenk für uns mitgegeben hat: einen Zirbenschnaps, made in Austria. Ich frag mich ja noch immer, warum er Schnaps im Auto hat, aber trotzdem: ein großes Dankeschön von uns!

Was für ein Tag. Wenn’s eine Steigerung von perfekt geben würde, dann wäre der heutige Tag am perfektesten gewesen.

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Zirbenschnaps aus Österreich und Gaudi.

Am nächsten Tag starten wir eigentlich genau so, nur in eine andere Richtung. Irgendwo hier soll es einen Wasserfall geben. Sri Lanka und Wasserfall, das kennen wir ja schon. Wir laufen mal in die Richtung, mal schauen, wo wir landen. Nach 3 Stunden marschieren hören wir plötzlich ein Plätschern. Das Rauschen wird immer lauter und stärker und schließlich stehen wir vor dem Wasserfall. Doch dieses Mal kein Rinsal, kein kleiner Strahl, dieses Mal ist es anders. 30 Meter, nein, 40. Riesig, gewaltig, das Wasser prasselt runter, davor bildet sich eine große Lacke.

Mitten im Nirgendwo, keine Menschenseele. Nur wir und diese Riesendusche. Zack, da springen wir auch schon ins kalte Nass und lassen uns von dem starken Strahl die Schultern massieren. Let’s get lost – gefällt mir immer mehr. Wir liegen auf den Steinen, die Sonne trocknet unsere Haut. Wir chillen so wie sonst im Sommer beim Baden in der Donau. Und dann auch noch als Jause österreichische Salami. Recht viel mehr Heimat geht im Ausland nicht.

Am nächsten Tag fahren wir morgens an die Westküste Sri Lankas. Unser letzter Halt, bevor’s weiter nach Malaysia geht: Bentota. Wie gesagt, gibt es in Sri Lanka unglaublich viele verschiedene Strände. Also haben wir auf gut Glück einen ausgesucht und BÄM, Volltreffer. Toller Strand, ohne viel Touristenscheiß, ohne die Möchtegern-Surfer, die nur ihren trainierten Oberkörper präsentieren wollen, ohne die russischen Damen, die sich mit der Selfie-Stange im Wasser räkeln und dabei ganz vergessen, dass sie wie ein gestrandeter Wal aussehen. Kein Restaurant, keine Bar und demnach auch keine Leute, die dir mit der offenen Speisekarte nachlaufen und dich mit ihren schlechten Bildern vom Essen überzeugen wollen. Nichts dergleichen. Nur wir und der Strand.

Unsere Unterkunft ist auch ganz nett – nicht weit vom Strand und gutes Essen. Das Schönste ist: im Zimmer steht links ein Doppelbett, rechts ein Doppelbett, in der Mitte ist ein 1 Meter breiter Gang. Das versteht ihr jetzt vielleicht nicht und denkt euch: „Und weiter?“ Aber das Zimmer sieht genauso aus wie in der Wohnung von Philipp und Lolo. Links ein Bett, da schläft Lolo, rechts ein Bett, da schlafen wir.Dann unsere Abende zu dritt: gemeinsam kochen oder trinken, stundenlang tratschen, Filme schauen bis spät in die Nacht. Schon wieder kommt das Gefühl: Heimat.

Der Eigentümer der Unterkunft ist zwar die nervigste Nervensäge, die wir in Sri Lanka, nein die wir jemals gesehen haben, aber okay. Entweder er sitzt da, wenn wir essen und schaut uns zu (äääh, mach einfach was und starr nicht so) oder er nervt mit dummen Fragen wie „ist das ein echtes Tattoo oder ein Sticker?“ (aus dem Alter, in dem man sich Tattoos mit dem Schwamm auf den Oberarm klebt, bin ich raus) oder er gscheidwastelt: macht das so, macht das nicht so, warum macht ihr das so? FRESSE! Hab ich natürlich nicht gesagt, aber in Gedanken hab ich ihn schon mit Klebeband auf dem Mund vor mir gesehen.)

Am Abend steigen wir auf’s Dach, liegen am Boden und schauen in den Himmel. Die Sterne leuchten. Wir reden über alte Zeiten: wisst ihr noch, damals? Wir reden über gemeinsame Erinnerungen: wisst ihr noch, als wir in Dürnstein waren und den letzten Zug nach Wien versäumt haben? Wie wir dann auf der Burgruine, ganz oben am Felsen, geschlafen haben, weil es im ganzen Ort kein freies Zimmer mehr gab. Und wie wir dann am nächsten Tag um 11 Uhr schon wieder mit Spritzer und Blunznbrot beim Heuriger saßen und wieder den ganzen Tag dort verbracht haben? Wir reden darüber, was daheim gerade läuft und passiert. Wer mit wem, was und wo, wann und wie. Aber wir reden auch über die Zukunft und darüber, was wir nicht alles machen werden, wenn wir wieder zurück kommen.

Ich bin traurig, wenn ich daran denke, dass die Zeit mit ihm bald schon wieder vorbei ist. Zeit ist böse, Zeit vergeht immer schnell, wenn’s toll ist und ganz langsam, wenn’s blöd ist. Zeit ist ein Arschloch. Aber jetzt mal den Moment genießen, in Erinnerungen schwelgen und sich freuen, anstatt schon wieder an morgen zu denken.

Bevor wir Lolo nach Österreich lassen, müssen wir nochmal alles essen, was typisch für Sri Lanka ist. Vor allem, weil ja Koch ist, muss er Sri Lanka nicht nur sehen, sondern auch schmecken. Also gibt’s… einmal alles. Kottu (Fladenbrot, dass klein geschnipselt wird und mit Gemüse und Ei angebraten wird), alle möglichen Currys, Watalappan (sowas wie Pudding aus Kokosnuss), Fisch und Garnelen aus dem Indischen Ozean und Hoppers (ähnlich wie Palatschinken, aus Reismehl und Kokosmilch). So und jetzt brauchen wir mal 3 Tage nichts mehr zu essen.

Am letzten Tag am Strand schau ich den beiden beim Ball spielen zu. Sie spielen und springen und lachen und schimpfen, wenn einer besser ist, als der andere. Wie die Kinder. Ich weiß, wie viel ihnen die letzte Tage beide wert waren.

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Ich könnt stundenlang zusehen.

Beim Verabschieden müssen wir mit den Tränen kämpfen. Wir umarmen ihn so fest es geht, manchmal sagt eine Umarmung mehr als tausend Worte. Ich sehe Philipps Gesichtsausdruck und weiß, wie schwer es ihm gerade fällt. Am besten einfach gehen und nicht mehr umdrehen. Wir drehen uns trotzdem um… da steht er, alleine und wir auf dem Weg in ein neues Abenteuer. Lieber Lolo, solltest du das lesen: danke für die Zeit. Danke für so viel Heimatgefühl in einem fremden Land, du hast die letzten Tage in Sri Lanka schöner und besser gemacht. Es war viel zu kurz, aber wir freuen uns auf ein Wiedersehen. Irgendwo anders auf der Welt.

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Schweren Herzens verlassen wir Lolo, gar nicht so traurig sind wir über den Verlust von Sri Lanka. Du bist so schön, schade, dass du so blöd bist. Nein, im Ernst: auch, wenn du nicht unser Lieblingsland sein wirst, hast du uns trotzdem viele tolle Momente beschert und du wirst immer ein Teil unserer großen Reise bleiben.

Auf uns wartet ein neues Land und mit ganz viel Freude und Lust und Wuhu sitzen wir am Flughafen und warten auf das Boarding vom Flug Richtung… Malaysia. Yihaaaa!

Baba Sri Lanka und baba an alle, die das gerade lesen!