Einen Scheiß muss ich!

Ich weiß, ihr seid schon ganz gespannt auf die versprochene Bus-Geschichte. Also.. gebt euch das: da stehen wir also am vereinbarten Ort und warten auf den Bus. Kurze Zeit später kommt er, dreht um und – BAM – fährt gegen eine Säule. Rechtes Licht kaputt. Scheißegal, wofür hat man denn zwei? Beim Einsteigen sehen wir, dass der Bus noch weitere Schäden vom BAM getragen hat: ein Fenster zersplitterte durch den Aufprall und das Knacken wies darauf hin, dass es jeden Moment in tausende Stücke zerspringen wird. Trotz mehrfacher Hinweise blieb die erwartete Reaktion vom Busfahrer aus: „Das passt schon“. Aha. 5 Minuten und ein Schlagloch später – BAM, die Zweite – Glassplitter überall. Nach dem Geschrei (wir waren’s nicht #cool) blieb der Busfahrer widerwillig stehen und betrachtete selbst mit schräg gehaltenem Kopf das Desaster. Hmm… kurz die restlichen Splitter entfernen, zusammenkehren und… Vorhänge zu. Weiter geht’s. Gott sei Dank sitzen wir zwei Reihen dahinter. Ich wollt sowieso immer mal das Feeling von einem Cabrio erleben.

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Wie viel frische Luft ist zu viel frische Luft?

Tja.. soviel zu unserer 8 Stunden Busfahrt. „Thank god, we don’t look like what we’ve been through“. Allerdings.

Wenn man sowieso schon krank ist, ist ein Open Air-Bus natürlich nicht die beste Art zu Reisen. Trotz Müdigkeit und lauter Trance-ufzufz-Musik im Taxi um 6 Uhr morgens waren wir sofort fasziniert von Manali. Manali liegt auf 2000m und wegen seiner unglaublich grünen, hügeligen Landschaft nennen es viele „Switzerland of India“ (Wieso eigentlich schon wieder nicht „Austria of India“?! Diskriminierung, tz!).

 

Unser Hostel liegt zwischen Bauernhöfen irgendwo im Nirgendwo. Außer Vögelgezwitscher und Muuuuh hörst du nichts. Am Boden häufen sich die Kuhfladen, nebenan liegt getrocknetes Heu. Riecht nach Heimat.

Manali ist außerdem ein wunderbares Hippie-Dorf. Der Straße entlang reihen sich Märkte mit bunten Gewändern und Schmuck sowie Cafés mit Live-Music und wunderschönen Gärten. Dort sitzen dann zwischen den Sonnenblumen junge und alte Hippies im Batik-Shirt mit Dreads und Joint (Zugegeben, nicht alle sehen so aus) und schlürfen einen Special Green Smoothie (keine Ahnung was da drin ist, aber wenn man schon das Doppelte dafür bezahlt, muss es gut sein 😀 ) Wir für uns brauchen weder Joint noch Special Smoothie – die Stimmung im Dorf allein genügt, um gechillter als nach 3 Yoga Stunden und einem Schaumbad zu sein.

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Lieblingscafé.

Also – wie sahen unsere Tage aus? Chilly Milly! Und das mein ich vollkommen ernst. Um 15 Uhr war meist Frühstücken das Produktivste, das wir getan haben. Hier kannst du stundenlang im Garten sitzen, Blog schreiben 🙂 , lesen oder dich mit anderen unterhalten. Natürlich könntest du hier auch richtige Action erleben – überall wird Rafting, Paragleiten, Trekking, Mountain Biking angeboten. Da ich aber krank war und wir sowieso ziemlich Bock auf chilly milly hatten, verbrachten wir unsere Tage lieber gemütlich mit Spaziergängen, Karten spielen und gutem Essen.

Und ich sag’s euch – ich bin wirklich stolz darauf! Chillen kann ich ja… so am Sonntag… ein bisschen… aber tagelang?? Generell würde ich uns beide eher als „kan ruhigen Oasch“ beschreiben, das Nichtstun fiel uns immer schwer. Um ehrlich zu sein gab es anfangs schon (schwache) Momente, in denen ich es verfluchte, krank zu sein und bei den Abenteuern der anderen dabei sein wollte. Ich mein, da bist du einmal im Leben (hoffentlich nicht!) in Indien und dann liegst du krank im Bett bzw. sitzt halbtot im Garten. Aber ich muss doch den Tempel sehen! Und den alten Stadtteil von Manali! Und die anderen haben von einem Berg gesprochen, da muss ich auch hin…

… und dann sitzt du mit den anderen draußen und hörst beim Gitarre spielen zu und denkst dir… einen Scheiß muss ich!

Do schauts oba, haaa! GEHEILT, tha! Wir sollten sowieso viel mehr Zeit mit guten Gesprächen und glücklich sein verplempern.

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Als wir letztens alle gemeinsam am Balkon saßen, Bier tranken (bin wieder gesund, ich darf!) und Karten spielten, meinte Fer so „If this is life, I wanna live forever.“ Sie hat ja sowas von Recht!

Ich weiß, dieses Weltreise-Ding ist nicht für jedermann was. Ich weiß auch, dass einige Leute von euch da draußen nicht verstehen, warum man sowas macht. Aber mal ehrlich: mal abgesehen von unfassbar (hahaha an alle Betroffenen 😀 ) schönen Plätzen, interessanten Leuten mit unterschiedlichen Geschichten und Schicksalen,  dem geilsten Essen, einmaligen Momenten undsoweiter (ich könnte die Liste ewig fortsetzen) –  das ist wie Urlaub! Ein gaaaanz laaaaanger Urlaub. Wen zaht des bitte ned? 😀

Zum Abschluss noch ein paar allgemeine Infos:

  1. Gleich im ersten Hostel wurde uns mitgeteilt, dass Küssen oder Händchen halten auf der Straße ein NO GO ist. Als würden dich die Inder nicht sowieso schon anstarren, würden Zärtlichkeiten auf der Straße noch mehr Aufsehen erregen. Aus dem einfachen Grund, weil es hier nicht üblich ist. Wenn man sich lieb hat, tut man das im Haus oder im Bett. Und nicht vor anderen. ES SEI DENN zwei Männer haben sich lieb. Dann kannst du dich umarmen und zerknuddeln wo immer du willst. GEMEIN!
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Sam als Kuschelersatz? 😦

2. Indien ist langsam. Die Leute sind langsam. Und damit mein ich wirklich laaangsaaam (außer beim Autofahren). Du gehst nicht einfach mal schnell ein Sandwich holen. Oder kurz frühstücken. Wenn du essen gehst, sitzt du mindestens 1 Stunde und wartest auf dein Essen. Auf die Rechnung manchmal genauso lang. Wenn es heißt, der Bus fährt um 22:00 Uhr los – chill, er kommt FRÜHESTENS um 22:30 Uhr. Für uns pünktliche, korrekte und stressige (okay, wahrscheinlich bin nur ich so) Österreicher ist das natürlich unvorstellbar. Anfangs sitzt du im Restaurant, zappelst mit den Füßen und bist mit den Gedanken schon bei der nächsten Sache. Und irgendwann checkst du‘s dann: Chill einfach! Wofür der ganze Stress, du hast keine Verpflichtungen, niemand wartet auf dich! (Ich schwöre euch, ich bin nicht stoned, ich bin jetzt so!)

3. Trotz bedeckten Beinen und ungeschminktem Gesicht wird man als Frau auch in touristischen Gegenden angestarrt. Das kommt daher, dass wir halt einfach anders aussehen und man manchmal die erste weiße Person im Leben eines Inders ist. Außerdem – und jetzt haltet euch fest! – kennen sie weiße Frauen, wenn überhaupt, nur von Pornos. Deswegen gehen sie davon aus, dass jede weiße Frau diesen Beruf ausübt. Und – noch besser – ich hab euch ja erzählt, dass viele Leute ein Foto von dir bzw. ein Selfie mit dir wollen. Einige, weil du weiß bist. Andere, weil sie dann erzählen können, dass sie ein Foto mit einem österreichischen Pornostar haben. „Hey, die kenn ich!“. Öh, eher nicht.

Montag war unser letzter Tag in Manali. Nach langem Überlegen haben wir uns für unser nächstes Ziel entschieden: Leh, wuuu! Und ich war so aufgeregt! Wollt ihr wissen warum?

Weil…

… Leh zu den höchstgelegenen ständig bewohnten Städten der Erde gehört.

…Leh auf 3.506m liegt.

… uns eine 16 Stunden Fahrt mit dem Jeep bevorsteht.

… wir auf dem Weg über den zweithöchsten Pass der Welt fahren (5328m).

… die Straße nach Leh scheiße ist. Und damit mein ich WIRKLICH SCHEISSE: „Straßen“ mit Schlaglöchern. Auf der Seite der Abgrund. Fuuuuck.

Aber hey – wann werden wir je wieder diese Gelegenheit bekommen! Wir haben so coole Leute kennen gelernt, die auch dorthin wollen. Also scheiß drauf! #YOLO

Details und Speib-Fotos dann im nächsten Eintrag.

Umarmung an alle. Höhenkrankheit-Tabletten für uns.

Bis bald.

PS: Wir laden immer wieder Bilder auf Impressionen rauf. Enjoy!

 

 

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