Eine kulinarische Reise.

Letztens hat mich eine Freundin gefragt, ob ich nicht einen Eintrag über Essen bzw. die indische Küche online stellen kann. Essen – die schönste Sache der Welt (neben Bussis. Und schlafen.). Philipp und ich lieben kochen, wir essen gerne (und viel) und sind von der indischen Küche absolut fasziniert. Natürlich nehm‘ ich mir da gern ein bisschen Zeit und erzähl euch was darüber 🙂

Beim Recherchieren und Notizen machen hab ich allerdings schnell gemerkt: darüber zu schreiben, ist gar nicht so einfach. Aufgrund der enormen Größe des Landes und der unterschiedlichen Religions- und Kulturgeschichte umfasst die indische Küche so viele regionale Gerichte, dass eine Zusammenfassung eine echte Herausforderung ist. Ich versuch’s trotzdem 🙂 Aber ich warne euch: Fressattacken-Gefahr!

Die indische Küche – ein Überblick

Indien ist das Land der Vegetarier. Bei den Hindus ist der Verzehr von Rindfleisch ein Tabu, da im Hinduismus der Kuh eine ganz besondere Bedeutung zukommt. In den muslimischen Bevölkerungsteilen betrifft dieses Tabu den Verzehr von Schweinefleisch. Ein weiterer Faktor der den geringen Fleischkonsum begründet, ist die Tatsache, dass die in ärmeren Menschen natürlich nur das essen, was sie sich leisten können und Fleisch zählt nicht zu den günstigen Optionen. Als Eiweißlieferant dienen in Indien hauptsächlich Milchprodukte und/oder Hülsenfrüchte wie Linsen oder Kichererbsen.

An alle Fleischtiger – nicht verzagen! Hühnerfleisch und auch Ziegenfleisch bekommt man allerdings fast überall (die Qualität lässt teilweise aber zu wünschen übrig…). Auch wir haben fast ausschließlich auf Fleisch verzichtet – die Auswahl an vegetarischen Gerichten ist dermaßen groß, dass dir Fleisch so gut wie gar nicht abgeht. Entlang der Küste bekommt man guten, frischen Fisch und Meeresfrüchte wie Garnelen oder Calamari (da konnten wir dann nicht mehr widerstehen).

Ein weiterer Grund für die Vielfältigkeit der Küche ist die Tatsache, dass in jedem Ort genau das als Hauptzutat verwendet wird, dass im Überfluss vorhanden ist. So findet man beispielsweise im Süden in jedem Gericht Kokosnuss – sei es in Form von Kokosraspeln, Kokosöl oder Kokosmilch. Regionales Kochen verstehen sie, die Inder!

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Kokosnuss im Überfluss

Egal was und wo – das Essen ist und war jedes Mal eine Geschmacksexplosion! Die indische Küche ist ein Fest für alle Sinne. Die Liste der Gewürze ist lang, sie werden in den unterschiedlichsten Kombinationen eingesetzt. Die meisten Gewürze sind auch viel intensiver, als wir sie von zu Hause kennen. Erstens weil sie frisch von den Plantagen kommen und zweitens, weil man das Gewürz immer erst vor dem Kochen im Mörser zerkleinert, anstatt wie wir Pulver zu verwenden. Gewürze, die jede Hausfrau in ihrer Küche hat sind Chili, Kurkuma, Kreuzkümmel, Fenchelsamen, Senfkörner, Kardamom (für Süßspeisen).

Wo kauft man ein?

Supermärkte, wie wir sie kennen, gibt es nur ganz selten, meistens nur in größeren Städten. Hier findet man eher kleinere Shops – quasi wie früher der Kramer von nebenan. Diese Shops variieren jedoch auch in ihrer Größe, manche haben eine Verkaufsfläche von 1,5 m², ein Regal und einen Tisch als Tresen, das war’s. Klein, aber fein! Verkauft werden hier größtenteils Snacks wie Chips, Nüsse, Kekse, Schokolade, Getränke, Hygieneartikel. Die Auswahl hält sich allerdings in Grenzen: in manchen Shops findest du eine Sorte Kekse, 3 Zahnbürsten und Dosen-Cola. Ich hab zum Beispiel gefühlte (nicht übertrieben!) 43 verschiedene Shops durchforstet, bis ich endlich mein Nivea Deo gefunden hab.

Wenn man die Nase voll von süßen, klebrigen, ungesunden Snacks hat, gibt es immer noch die Möglichkeit, zum Obst- und Gemüseverkäufer von Nebenan zu spazieren. Ananas, Bananen, Papaya, Melone, Mango, Guave – die Auswahl ist groß, das Obst schmeckt wirklich gut und es ist unglaublich billig. Für 4 Bananen, 4 Mandarinen, 1 Ananas bezahlt man beispielsweise umgerechnet ca. € 1,30 (Preis kann auch wieder je nach Region variieren).

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Alkohol gibt’s nicht im Supermarkt (wäre ja zu einfach), sondern in speziellen sogenannten English Beer & Wine Shops (warum genau English weiß kein Mensch). Dort bekommt man dann alles, was man für einen richtigen Rausch braucht: Bier, Wein, Whiskey, Vodka, Rum. Und natürlich billiger, als im Restaurant. In diesem Sinne: Prost!

Was essen wir?

Viel, haha. Da Essen gehen hier sehr günstig ist, gehen wir meistens zwei Mal täglich ins Restaurant für Frühstück und Abendessen (selbst kochen würde unterm Strich teurer sein). Eine Mahlzeit inkl. Getränk kostet normalerweise zwischen € 0,70 und 3,-, in touristischen Gebieten bis zu € 5,-. Am Nachmittag essen wir meistens einen kleinen Snack wie Obst, Nüsse, Kekse, Chips etc. Hängt aber natürlich immer vom Tagesablauf ab. Mehr dazu unten bei Street Food.

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Dafür bezahlt man meistens um die 70 Cent.

Wie ich weiter oben schon beschrieben habe: egal, wo wir waren, wirklich überall gibt es andere Gerichte oder zumindest Variationen. Deshalb schränk ich das ganze auf unsere Favourites ein.

Frühstück

An dieser Stelle muss ich peinlicherweise zugeben, dass wir vor allem im Norden fast immer auf unser bekanntes westliches Frühstück zurückgegriffen habe: Porridge mit Bananen und Honig, Spiegeleier mit Toast, manchmal sogar Avocado Sandwich (so fancy!).

Im Süden waren wir dann aber schon voll indisch und haben schon morgens mit Zwiebelchutney in den Tag gestartet (Ich glaube, wir sind die ärgsten Stinkis und merken’s gar nicht mehr!). Das wahrscheinlich beliebteste Frühstück ist Dosa und Idly. Bei Dosa handelt es sich um eine Art Palatschinken, der traditionell auf einer gusseisernen Platte zubereitet wird. Er besteht aus einem fermentierten Teig aus Reis und Urdbohnen.

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Dosa mit Sambar, Erdnusschutney, Korianderchutney und Joghurt – groß, billig (70 Cent) und einfach SO gut!

Aus demselben Teig wird auch Idly zubereitet, allerdings wird der Teig nur gedämpft. Beides wird mit Sambar (einer Soße auf Basis von Linsen und Tamarinde) und den unterschiedlichsten Chutneys aus Tomate, Erdnuss, Kokosnuss, Koriander, usw. serviert. G A U M E N O R G A S M U S, sag ich nur.

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Foto: Pinterest

Mittag- und Abendessen

Die Auswahl ist dermaßen groß, dass man jedes Mal aufs Neue mit hilferufendem Blick vor der Speisekarte sitzt. Vor lauter Überforderung haben wir oft einfach mit dem Finger auf ein Gericht gezeigt und uns überraschen lassen. Und es war JEDES Mal einfach nur der Wahnsinn.

Inbegriff indischer Küche ist in der westlichen Welt definitiv Curry. Achtung – in Österreich meinen damit die meisten nämlich das gelbe Gewürz, dass man bei uns in jedem Supermarkt kaufen kann. Das „wirkliche“ Curry in Indien ist aber kein Gewürz, sondern der Name für ein Gericht auf Basis einer sämigen Sauce mit verschiedenen Gewürzen und Zugaben von Gemüse und/oder Fleisch bzw. Fisch. Ich finde, man könnte es mit einem Eintopf vergleichen: es gibt keine festgelegten Zutaten und je länger es gekocht wird, desto geiler schmeckt’s. Wir nennen es auch liebevoll „Gaaatsch“.  [Anm.: das gelbe Curry-Gewürz ist übrigens eine Zusammensetzung aus mehreren Gewürzen. In Indien kennt das niemand, hier wird nur Kurkuma verwendet.] Unsere Lieblingscurrys: Melanzani, Okraschoten, Kartoffel und Karfiol, Panir (fester Frischkäse).

Was ich mir eventuell vor einer Indien- Reise überlegen hätte sollen: zum Curry wird oft Reis gereicht. Ich hab aber ein ganz großes Problem mit Reis. Genau genommen mag ich Reis nicht, außer in Form von schlabbrigen Risottoreis. Aber – dank sei Gott – neben Reis gibt es auch die Möglichkeit, als Beilage eines der vielen unterschiedlichen Brotarten zu bestellen. Brot mit Gaaatsch – simpel und trotzdem im Geschmack so kreativ und unterschiedlich!

Die Auswahl beim Brot ist genauso groß wie die der Currys: es gibt Chapati (Fladenbrot aus Vollkornmehl, eher im Norden), dann natürlich das allseits bekannte Naan (ähnlich dem Pizzateig, Teig aus Hefe, Weizen, oft auch Joghurt). In der südindischen Küche ist vor allem Parotta verbreitet (ungesäuertes Fladenbrot). Auch Idly und Dosa (siehe Beschreibung Frühstück) passen zu Curry und können zu jeder Tageszeit bestellt werden.

Süßigkeiten und Desserts

Die Inder haben eine Vorliebe für Süßigkeiten, deswegen gibt es an jeder Ecke sogenannte Sweet Shops, in dessen Theken man die buntesten und unterschiedlichsten Süßigkeiten bestaunen kann. Achtung – Diabetes Gefahr! Wenn du denkst, dass Baklava aus der Türkei süß ist, dann probier mal indische Süßigkeiten. Karies-Alaaaaarm!!!

Hauptbestandteil: Zucker, eh klar. Allerdings wird meistens Jaggery, eine Art Palmzucker, verwendet. Dieser soll nämlich viiiiel gesünder sein, als normaler Zucker. Als ob das bei einer Tageszufuhr von 877 g nicht sowieso schon wurscht wär.

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Und das ist noch gar nichts. Die Theken sind normalerweise bis zu 4 m lang. 

Unser absolutes Lieblingsdessert ist eins von der Sorte „i bin so voi, i speib glei, oba i kaun ned aufhern“. Hello to the queen. Nomen est Omen, oida. Vor diesem Dessert sollten wir uns alle verbeugen.  Da geht dir einer ab. Das packt kein Mensch. Ein Boden aus Bananen und Keksstückchen (warm) mit Vanilleeis (kalt), Nüssen und Schokosoße. Ich hab nicht mal ein Foto, weil wir unseren Appetit nicht bändigen konnten und schon nach 10 Sekunden die Schüssel ausgeschleckt haben. Dafür hier das Rezept als Wiedergutmachung.

Getränke

Was ist das Einzige, das jeder Inder mag, dass du überall bekommst und überall gleich schmeckt? Genauuuu – MASALA CHAI! The real shit. Es dauert zwar ein wenig, bis du dich an den Zuckerschock gewohnt hast, aber spätestens nach Tasse 3 hat dich die Sucht gepackt und du willst meeeehr! Die Inder machen hier keine halben Sachen und solltest du den Chai mit weniger Zucker bestellen, wird dir ein verächtlicher Blick zugeworfen. Zutaten: schwarzer(offener) Tee, Kardamom und schwarzer Pfeffer (gemörsert), Milch und Zucker en masse. Eine Tasse wirkt wie eine Line Koks – Energie für die nächsten 12 Stunden.

Street Food

Wenn um das Thema Snacks in Indien geht, muss ich an dieser Stelle leider leider die indische Küche kritisieren. Wir, als Österreicher, kaufen uns, wenn es schnell gehen muss, vor der Zugfahrt am Bahnhof zum Beispiel noch ein fluffiges Vollkornbrötchen mit Schinken, Käse, Salat, Tomaten. Wenn du in Indien die langen Busfahrten überstehen willst, ist die Auswahl aber klein: entweder Kekse oder Chips, was auf Dauer ungesund ist und den Hunger auch nur für kurze Zeit stillt. Oder aber das bei den Indern heiß begehrte und für Indien sehr berühmte – natürlich auch ungesunde – Street Food. Den Salat to go, der frische Obstsalat, ein leckeres Weckerl – kennt hier niemand. Wie gern hätte ich ein Leberkassemmerl. Mit Gurkerl. 😦

Was es in Wien an Kebap-,Pizza- und Würstelbuden gibt, gibt es hier an Street Food Ständen. Street Food allerdings gibt es im Überfluss, an jeder Ecke, überall. An den Straßen reihen sich die Stände mit ihren vor Fett triefenden Snacks, die teilweise schon stundenlang in der Sonne brutzeln, davor die ewig lange Schlange der hungrigen Leute. Es gibt viele verschiedene Arten, Sorten, manchmal mit Huhn, manchmal vegetarisch, manchmal wirklich gut und frisch, manchmal alt und trocken. Eins haben aber alle gemeinsam: alles frittiert. Egal, ob Zwiebelringe, Couscous-Laibchen, Panir (Käse), Gemüse – rein in das heiße Fett und – schwuppsdiwupps – fertig ist das Abendessen.

 

Street Food in Indien: schmeckt geil, aber rechne mit + 5 Kilo in einem Monat.

Wie isst man?

Traditionell wird in Indien auf Besteck verzichtet und stattdessen mit den Händen gegessen. Achtung! Nur mit der rechten Hand! Die linke wird nämlich für andere Dinge verwendet und gilt als unrein. Mehr dazu im nächsten Eintrag. Es heißt, dass sich dadurch der Geschmack viel besser entfalten kann. Finden wir auch. Unsere Fingernägel an der rechten Hand sind deswegen zwar seit 3 Monaten immer gelb, da sich das gelbe Kurkuma-Gewürz nicht abwaschen lässt, aber das ist es wert. Sehen wir halt aus wie Kettenraucher.

Wie ihr seht: ein einziger Eintrag reicht gar nicht aus, um euch alles zu erzählen – es gibt viel zu viel und vor allem viel zu viel Gutes! Wundert euch nicht, wenn wir rund und mit Hamsterbäckchen zurück rollen 🙂

Nach dem ganzen Geschreibe hab ich jetzt auf jeden Fall mega Hunger und schau mal zum Street Food Verkäufer unseres Vertrauens.

Bis bald ihr Liebis! ❤

PS: Einmal wollte ich was Gesundes und hab Salat bestellt. Das hat dann so ausgesehen:

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Ohne Essig und Öl, aber zumindest nett angerichtet. 

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