Endspurt in Indien.

Bevor ich euch mit neuen Geschichten zutexte, aus gegebenem Anlass ein paar Zeilen zum Fest der Liebe: wir wünschen euch allen da draußen das allerschönste Weihnachten und eine wundertolle Zeit mit euren Liebsten. Wahrscheinlich schmückt ihr gerade den Weihnachtsbaum… oder stopft euch die Vanillekipferl rein.. oder rennt panisch auf der Mahü auf und ab, um noch ein 08/15 Geschenk zu finden. Haha, darum beneiden wir euch wirklich nicht! Dieses ganze Kitsch-Glitzer-Geschenke-Ding geht uns ziemlich am Arsch vorbei, Weihnachtsstimmung hier = nullkommanull. Trotzdem müssen wir natürlich zugeben, dass wir genau das vermissen, worum es doch eigentlich an Weihnachten geht (gehen sollte): unsere Familie. Wie gern würden wir gerade mit euch im warmen Wohnzimmer heißen Tee trinken, quatschen und die dicken Schneeflocken durch’s Fenster beobachten.

An alle, die wir lieben: wir vermissen euch! Habt ganz zauberschöne Feiertage, trinkt eine Tasse Punsch für uns mit und wir schicken euch die dickste Weihnachts-Umarmung der Welt!

Nun zu uns (da jeder immer zwecks Datum verwirrt ist: die folgenden Geschichten haben zwischen 22. Und 30.11. stattgefunden):

Wir kommen abends in Munnar mit dem Bus und an und wissen gar nicht, wie uns geschieht, als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster schauen: grün, grün, grüüüün! Alles grün. Überall wächst und gedeiht es. Aber kein doofes Unkraut, nein! Die Berge, ok Hügel, sind überzogen mit Tee. Teeplantagen soweit das Auge reicht. Ich weiß, ich wiederhole mich… aber es ist schon wieder so schön hier!

In Munnar befinden wir uns auf 1.700 m Höhe, sprich: man kann wieder atmen. Frische, saubere Luft. Nach dem Dunst in den Städten, fühlt es sich hier an, als würde man einen scharfen Airwaves Kaugummi kauen. Aber den starken, den in der blauen Verpackung, der dir Tränen in die Augen treibt. Abends ist es kühl und ich muss mich sogar in meinen Pullover kuscheln! Ich bin ja normalerweise der absolute Sommer-Typ. Ich liebe die Sonnenstrahlen auf der Haut, die warme Brise, die braune Haut, abkühlen im kühlen Wasser. Aber Sommer ist halt nicht gleich Sommer. In Indien ist es heiß, aber schwül, grauslig, doof. Deswegen ist es SO schön, hier zu sein. Hier fühlt es sich an wie auf der Alm in Österreich. Es ist sogar so kühl, dass man abends im Bett wieder richtig gern kuschelt – und zwar ohne aneinander zu kleben und während dem Busseln die Moskitos vertreiben zu müssen.

Am nächsten Tag gehen wir das erste Mal seit über 2 Monaten E N D L I C H wieder unserer Leidenschaft nach: Kochen. Wir lieben es, den Sonntag damit zu verbringen, stundenlang in der Küche zu stehen und neue Rezepte auszuprobieren, Kekse zu backen, Marmelade zu kochen. Kochen ist für Philipp und mich wie für andere lesen: entspannend, gleichzeitig lehrreich. Um wieder mal in einer Küche zu stehen und den Kochlöffel zu schwingen, haben wir uns für einen indischen Kochkurs angemeldet. Jippiiiiie, Zwiebel schneiden! Ich hab mich selten so darauf gefreut.

Wir treffen uns am bei Nimi (Kochlehrerin) daheim mit ein paar anderen kochbegeisterten Touris. Zuerst bekommen wir eine Einführung in die südindische Küche und die verschiedenen Gewürze, die übrigens alle mehr oder weniger frisch aus ihrem Garten kommen. Wir bekommen sogar ein Kochbuch, können während dem Kochen Fragen stellen und Notizen machen – immerhin wollen wir ja in Österreich alles nachkochen (für euch? 🙂 )

Nimi selbst ist eine unglaublich beeindruckende Frau: als Touristin besucht sie vor vielen Jahren Munnar und wird hier von ihren zukünftigen Schwiegereltern angesprochen, dass sie sie gerne mit ihrem Sohn verheiraten möchten. Nach dem Studium heiraten sie, sie zieht nach Munnar, ihre Schwiegereltern verbieten ihr zu arbeiten. Als Hausfrau entdeckt sie so ihre Liebe zum Kochen und beginnt auf einem Blog ihre Rezepte zu veröffentlichen. Mittlerweile hat sie drei Kochbücher geschrieben, eines davon wurde letztes Jahr zum besten indischen Kochbuch ausgezeichnet.

Falls ihr mal richtig gut indisch kochen wollt, besucht doch ihre Website: http://nimisrecipes.com/

Tagwache am nächsten Morgen: 06:00 Uhr. Unchristliche Zeit, allerdings aus einem guten Grund: mit einem Guide (und einem indischen Pärchen) machen wir eine Wanderung durch die Teeplantagen. Hier leben sogar wilde Elefanten und es wäre rein theoretisch möglich, dass wir diese während der Wanderung sehen. Hr. Blümchen, wo sind siiiiiie? Wir sehen nur seinen riesigen Kackhaufen. Naja.

6 Stunden marschieren wir durch die Plantagen – Hügel rauf, Hügel runter. Für uns mehr Spaziergang als Trek. Irgendwann hören wir allerdings das indische Mädchen hinter uns keuchen und weinen, weil ihr der Weg zu steil ist. Weniger Curry, mehr Fitnesscenter vielleicht? Der Guide erklärt uns heimlich, dass die Inder oft nicht sehr sportlich sind und demnach schon kleine Hügel sehr anstrengend für sie sind. Hinter vorgehaltener Hand flüstert er uns zu: „Aber ihr, ihr seid fit!“ Tha, do schaust, ha! Wir sind ja auch aus Österreich. Wir leben praktisch am Berg (und jodeln den ganzen Tag in Lederhose und Dirndl, haha).

Während der Wanderung bekommen wir eine ausführliche Einführung in die Welt des Tees. Rund 20.000 der 50.000 Einwohner Munnars arbeiten auf den Teeplantagen und pflücken täglich hunderte Kilo Teeblätter, die anschließend in die Teefabrik gebracht werden, um dort weiter verarbeitet zu werden. Ich als Kaffeejunkie hab natürlich keiiiiine Ahnung von Tee und so musste ich feststellen, dass es doch tatsächlich – ich weiß nicht, ob ihr es gewusst habt, aber ohne Scheiß – nur eine einzige Teepflanze gibt. Ausschließlich der Trocknungs- bzw. Weiterverarbeitungsprozess bzw. das Beimengen anderer Gewürze führen zu unterschiedlichen Teesorten. Schwarztee, Grüner Tee, Weißer Tee – alles von derselben Pflanze. Da hab ich aber geschaut… naja, man lernt nie aus – wie meine Oma immer so schön sagt.

Neben der Schönheit der riesigen leuchtend grünen Plantagen können wir oben am Berg die absolut traumhafte Aussicht genießen. Vor allem morgens, wenn noch der Nebel zwischen den Bergen hängt und zwischendurch das grüne Dickicht des Tees zum Vorschein kommt, wirkt alles irgendwie mystisch. Ab und zu blitzt die Sonne hinter den Wolken hervor und beleuchtet einen kleinen Teil der Plantagen. Beim Frühstück auf 2.300 m lösen sich die Wolken dann endgültig auf und mit Sonnenstrahlen im Gesicht können wir die spektakuläre Kulisse noch mehr genießen. Beim Weitergehen treffen wir Feldarbeiterinnen und trinken mit ihnen eine Tasse Tee. Ich liebe es hier. Ich liebe die Berge (Hügel), den Tee (schmeckt echt gut!), die Leute (uuuunglaublich freundlich). Hier könnte ich wochenlang verbringen, hier kann man abschalten und alles vergessen.

Nach ein paar Tagen zieht es uns dann doch weiter, in einen ebenso grünen Ort namens Thekkady. Beim Busfahren sehen wir alle 2 km das Schild „Elephant Crossing Area“. Den Fahrer interessiert das wenig, trotz Serpentinen rasen wir wie immer dahin. Na das sollte uns jetzt noch passieren… einen Elefanten anfahren. Elefant 1, Bus 0. Dann flieg ich ernsthaft heim.

Thekkady ist auch grün. Die Kokospalmen wachsen hier wie bei uns die Gänseblümchen. Zwar keine Teeplantagen, dafür Kaffeeplantagen – noch geiler. Frischer Kaffee von der frischen Kaffeebohne von der Plantage – intensiv, ohne Zucker, ohne Milch. Einfach nur tiefschwarzer, starker Kaffee. Ein Traum!

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Ein perfekter Morgen.

Nachdem Philipp stundenlang erfolglos nach Kaffeeplantagen von Nespresso gesucht hat (wäre für uns ja richtig interessant, nachdem wir ja die Marke Nespresso promotet haben), haben wir eine andere Kaffee- und Gewürzplantage gefunden. 70 Prozent der Gewürze weltweit stammen nämlich aus Indien, habt ihr das gewusst? Ich nicht. Wieder was gelernt. Nach der Reise kann ich wirklich gscheidwasteln.

Auf jeden Fall haben wir die unterschiedlichsten Gewürze gesehen: Nelken, Muskatnuss, Zimt, Pfeffer, Kardamom. Glaubt mir, den Geschmack von unserem Zimt kann man mit dem von hier nicht mal ansatzweisen vergleichen. So intensiv, so stark, so gut! Neben Gewürzen sehen wir auch einen riesigen Gemüse- und Obstgarten. Ich mein, Ananas zum Beispiel. Alter, wisst ihr wie eine Ananas wächst? Die kommt nämlich nicht vom Baum. Eine ganze Pflanze für eine einzige Ananas. Der Wahnsinn! Im Nachhinein ist mir generell aufgefallen, dass ich von den wenigsten Gewürzen wusste, ob die am Baum, am Strauch oder sonst wo wachsen und/oder wie der Prozess von Garten bis zum Verkauf aussieht. Und das, obwohl man täglich damit kocht. Das wär ja so, als würde man ein Steak essen und glauben, dass die Kuh wirklich lila Flecken wie in der Milkawerbung hat.

Am Abend sehen wir uns die im ganzen Bundesstaat bekannte und berühmte Kampfshow, sowie ein traditionelles Theater an. Wir sitzen in der ersten Reihe und schieben beide die ärgste Paranoia. Warum? WEIL WIR IN DER ERSTEN REIHE SITZEN! Ich kann mich kaum auf das Spektakel auf der Bühne konzentrieren, da ich mir im Kopf schon die schlimmsten Szenarien ausmale. Und dann.. wird der Albtraum wirklich wahr: ich werde auf die Bühne gebeten. Schweißgebadet sitze ich auf der Bühne und bin kurz vorm Kollabieren. Im Nachhinein gesehen muss ich zugeben, dass ich ein bisschen übertrieben habe. Mein „Auftritt“ war nur 3 Minuten und relativ unspektakulär. Philipp allerdings hat währenddessen immer noch so Panik, dass er auch auf die Bühne gerufen wird, dass er nicht mal ein Foto von mir machen kann. Haha. Wir sind ja sowas von blöd.

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Sieht komisch aus. War es auch.

Thekkady ist ein Miniort, hier gibt es so gut wie keine Touristen und – das Beste – nur indische Restaurants. Normalerweise bekommt man fast überall Pizza, Pasta und Schnitzel (steht übrigens immer unter Israeli Food, tz!). Hier muss man froh sein, wenn man die Speisekarte überhaupt lesen kann, vorausgesetzt es gibt überhaupt eine. Wenn du ein Lokal siehst, in dem nur Inder sitzen, ist es meistens der geilste Scheiß, den du dir vorstellen kannst. Ich glaub, ich werd dick.

In unserer letzten Stadt in Indien, Madurai, wollen wir endlich Couchsurfing ausprobieren. Wir schreiben jemanden an, der uns kurz darauf unseren Aufenthalt bestätigt und uns gleichzeitig zur Hochzeit seines Bruders einlädt. Haha, na eh, wir kennen dich ja auch richtig gut und so. Den Indern ist es allerdings wuaaaascht, ob sie dich kennen oder nicht. Hauptsache, du bist weiß und sie können damit angeben. Dann ist man nämlich die Attraktion der Hochzeit (sorry an die Braut) und wird von allen anderen wahrscheinlich zur nächsten Hochzeit eingeladen. Vielleicht gründe ich eine Firma, in der man Weiße für seine Hochzeit buchen kann. Marktlücke!

Hochzeit geht sich für uns leider nicht aus (wegen Yoga und Meditation Retreat), allerdings ist es schon mal vorgekommen, dass wir zu einer Geburtstagsfeier eingeladen wurden. Der Papa vom Geburtstagskind hat nämlich alle Weißen im Restaurant aufgefordert, an der Party teilzunehmen. Nach einem Fotoshooting für’s Familienalbum stehen wir 5 Minuten später mit Geburtstagskuchen im Mund da und singen „Happy Birthday to … murmel,murmel.. Happy Birthday to youuuu“! Ich kenn zwar weder deinen Namen, noch weiß ich wie alt du bist, aber die Torte schmeckt zumindest geil.

Frühmorgens packen wir unseren Rucksack, um den nächsten Bus nach Madurai zu nehmen. Aaaaaber.. das wäre ja zu einfach. Es wird uns erzählt, dass aufgrund der Geldsituation in Indien den ganzen Tag ein Streik der öffentlichen Verkehrsmittel im Bundesstaat Kerala stattfindet. Solche Streiks kommen hier häufig vor und werden auch ziemlich ernst genommen. Trotzdem sollte es anscheinend Busse geben, die darauf scheißen und trotzdem fahren. Naja, so schlimm kann’s nicht sein, vielleicht erwischen wir ja tatsächlich einen Bus. Die Hostel-Besitzerin erklärt uns allerdings dann, dass die Kommunisten den von ihnen initiierten Streik TODERNST nehmen und auszucken, wenn jemand nicht beim Streik mitmacht. Sie werfen Steine auf die Busse und schlagen auch gerne mal zu. Okayyyyy, vielleicht warten wir doch. (Immerhin erklärt das wieder das Mysterium „Warum haben die Busse im ganzen Bundesstaat Kerala keine Fensterscheiben?“. Wär ja auch teuer, wenn man das Glas dauernd wechseln muss. Lieber gar keine Scheiben und gleich die Leute im Gesicht treffen. Macht Sinn.)

Naja. Abends hat sich dann die Situation gelegt und wir können endlich den Bus nach Madurai nehmen. Mit unserem Couchsurfing Host Ramchand haben wir den Jackpot gemacht: er zeigt uns die tollsten Plätze der Stadt, wir gehen zu den mit Abstand besten und billigsten Restaurants und durch die intensiven Gespräche mit ihm erfahren wir natürlich unglaublich viel über das Leben in Indien. Dann werden wir zu einem Freund zu seiner Farm eingeladen: die Frau mästet uns wie Oma („Du bist ja sooo dünn, iss noch was!“), wir bekommen eine Führung durch die Farm und frische Kokosnuss vom Baum. Außerdem kutschiert uns Ramchand dauernd auf dem Motorrad durch die Stadt – entweder wir sitzen zu dritt am Bike oder er fährt so schnell, dass dir die Tränen das Gesicht runterlaufen. Aber immerhin vermeiden wir so den Bus – man muss immer das Positive sehen!

Wir verabschieden uns von Ramchand und – von der Welt. Die nächsten Tage verbringen wir nämlich in einem Ashram am Land für ein Yoga und Meditation Retreat – ohne Internet und ohne Ausgang. Ein bisschen Kraft und Energie tanken, bevor es weiter nach Sri Lanka geht.

Mehr dazu könnt ihr im nächsten Eintrag Om Shanti Om lesen.

Fühlt euch alle umärmelt ❤ Wir denken ganz fest an euch, während wir mit unserem Cocktail in der Sonne brutzeln.

2 Kommentare zu „Endspurt in Indien.

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