Om Shanti Om.

Aufenthalt im Sivananda Yoga Vedanta Meenakshi Ashram von 30. November 2016 bis 11. Dezember 2016. Tagebucheinträge einer Leidenden.

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Der letzte Marlboro-Zug.

Der Vollständigkeit halber kurz eine allgemeine Erklärung: Ashram ist der indische Name für ein klosterähnliches Meditationszentrum. Die Sivananda Yoga Zentren sind eine gemeinnützige Organisation benannt nach dem Swami Sivananda, einer der einflussreichsten spirituellen Lehrer des 20. Jahrhunderts. Weltweit gibt es 9 Ashrams und 30 Zentren.

30.11.16: Ankunft am Arsch der Welt. Irgendwo zwischen Eukalyptusbäumen und Kokospalmen befindet sich das Ashram – unser Zuhause für die nächsten 10 Tage.

Bei der Anmeldung bekommen wir einen Zettel mit den Regeln: Konsum von Alkohol, Drogen, Zigaretten strengstens untersagt.Verpflichtende Teilnahme an allen Kursen, die täglich zwischen 06:00 und 21:30 Uhr stattfinden. Freitags haben wir nach der Morgenmeditation bis zur Abendmeditation Ausgang (wie das schon klingt!), allerdings nur mit einem vorher ausgestellten gültigen Ausgangspass. Auch außerhalb des Ashrams sollen wir auf Zigarettenkonsum usw. verzichten und uns an die strenge Diät halten: kein Fleisch, kein Salz, wenig Öl, kein scharfes Essen, keine Zwiebeln, kein Knoblauch, kein Zucker, nur Wasser und Kräutertee. Unterkunft in für Frauen und Männer getrennten Schlafsälen: 20 Leute in einem Zimmer, Bett an Bett, wie im Bundesheer.

Kein Kaffee, Nikotin, Schmusen und keine Pizza. Gibt’s hier auch Spaß?

Nicht zu lange drüber nachdenken und unterschreiben. Es gibt kein Zurück!

Tagesprogramm:

05:30 Uhr – Guten Morgen Welt (oder einfach nur oidaaaa!)

06:00 – 07:30  Uhr – Satsang Meditation (gemeinsames Meditieren, Beten, Singen und Reden)

07:30 Uhr – Tee

08:00 – 10:00 Uhr – Pranayama (Atemübungen) und Asanas Yoga (das, was wir unter Yoga verstehen)

10:00 Uhr – Frühstück

11:00 Uhr – Karma Yoga (jeder bekommt eine Aufgabe zugeteilt; bspw. Bad putzen, Boden wischen)

13:00 Uhr  – Yoga Coaching (Korrektur und Hilfe bei diversen Positionen)

13:30 Uhr – Tee

14:00 – 15:15 Uhr – Yoga Vorlesung (Theorie über Yoga, Meditation, etc.)

16:00 – 18:00 Uhr – Pranayama und Asanas Yoga

18:00 Uhr – Abendessen

20:00 – 21:30 Uhr – Satsang Meditation

22:00 Uhr – Nachtruhe

Okay. Auf los geht’s los.

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Om Shanti Om. Zur Einstimmung.

Tag 1: Da wir die letzten Tage wenig geschlafen haben, sind wir um 21:30 Uhr ins Bett gefallen, demnach war das Aufstehen um 05:30 Uhr gar nicht mal so schwer. Wir beginnen den Tag mit stiller Meditation. Erste Herausforderung: 30 Minuten lang im Schneidersitz sitzen. Au. Nebenbei soll man auch noch seinen Kopf von den herumschwirrenden Gedanken befreien und sich auf Ommm konzentrieren. Ommmmm… ich hab Hunger. Sarah, konzentrier dich! Ommm, oh mein Gott, ich spür meine Füße nicht mehr. Scheiß Schneidersitz. Saraaah! Ommm.. mir ist fad.

Fazit: Gar nicht mal so leicht. Naja, erster Tag, alles noch ausbaufähig. Anschließend singen wir, klatschen zu den Trommeln, beten den Guru Swami Sivananda an. Da denkst du, du hast dein Leben im Griff und dann sitzt du plötzlich mit 90 anderen Leuten da und singst „Hare Krishnaaaa“.

Dann gibt’s Tee. Und zwar nur Tee. Mein Magen knurrt und bei dem Gedanken daran, jetzt ohne Frühstück auch noch 2 Stunden Yoga zu machen, kipp ich fast um. Könnte interessant werden.

Ich hab schon mal sporadisch einen Yoga Kurs besucht und mich auch in den letzten Wochen in Indien immer wieder mal ein paar Übungen gemacht. Philipp ist erst zwei Mal in seinem Leben in den Genuss gekommen, ist also mehr oder weniger ein Anfänger. Trotzdem sind wir beide gleich aufgeregt vor unseren ersten Stunde. Allerdings sind wir nicht die einzigen Anfänger, das muntert auf. Ich glaube, manche Menschen sind einfach generell gedehnter als andere und ich gehöre glücklicherweise zur ersten Kategorie. „Maaan, you’re flexibel“, sagt der Lehrer. Na, da bin ich aber beruhigt. Neben mir hör ich immer wieder nur ein Stöhnen und „Hä?“, „Wie?“ oder „Au!“. Philipp kämpft. Notiz an mich: öfter Twister mit ihm spielen.

Yogastunde Nummer 1 – check. Puste – weg. Hunger – oh jaaaa! Zu unserer Verwunderung ist das Essen richtig richtig gut. Viel Gemüse, viel Salat, viel Reis, viel Geschmack (trotz wenig Salz). Ich hab selten so viel gegessen.

Danach bekommen wir unseren Karma Yoga Dienst zugeteilt. Hier geht es darum, dass jeder während seines Aufenthalts eine Aufgabe übernimmt, um damit positiv an seinem Karma zu arbeiten. Während andere das Bad putzen oder den Boden schrubben müssen, sind Philipp und ich beim Abendessen für’s Servieren verantwortlich. Irgendwie fühl ich mich wie im Internat.

Bei der Yoga Vorlesung sitzen wir (wieder mal) im Schneidersitz aufgefädelt am Boden, vor uns sitzt ein graubärtiger, sympathischer, alter Mann namens Swami G (Swami ist lt. Wikipedia „ein hinduistischer religiöser Titel, der vereinfacht Herr bedeutet und üblicherweise angesehenen Männern und Lehrern beigegeben wird.“). Seit über 40 Jahren beschäftigt er sich mit Yoga und Meditation und liest irgendwelche klugen weisen Bücher, um das Gelesene im Anschluss mit anderen Swamis zu diskutieren. Naja, wem’s gefällt. Wir lauschen gespannt seinen Geschichten – erlebt hat er ja wirklich was, der gute alte Swami.

Es regnet. Den ganzen Tag schon. Regen macht ja bekanntlich nie so die mega Stimmung. Philipp ist richtig schlecht gelaunt und depri. Er fühlt sich eingesperrt (ist man ja auch) und nicht wirklich wohl (die Leute sind irgendwie schräg). Ich versteh’s, mir geht’s aber eigentlich relativ gut. Das muss man uns ja echt lassen, wir haben wirklich das perfekte Timing: wenn einer schlecht drauf ist, ist der andere happy und muntert auf. Eine feste Umarmung bewirkt Wunder.

Die Yoga-Einheit am Nachmittag hat uns dann den Rest gegeben. Wir spüren, dass wir in den letzten Wochen wenig bis gar keinen Sport gemacht haben. Von nichts auf 4 Stunden Yoga am Tag = Schmerzen. Natürlich auch ein gutes Gefühl, wenn man weiß, man tut seinem Körper was Gutes.

Nach dem Abendessen zwischen 18:30 und 19:30 Uhr gibt es Internet. Natürlich möchte jeder skypen, Nachrichten schreiben, Mails und Facebook checken, weswegen das Internet überlastet ist und eigentlich gar nicht geht. War ja klar.

Der Tag war lang. Philipp und ich sind Strizis und schwänzen die Abendmeditation. Stattdessen nutzen wir die Zeit, um den ersten Tag zu besprechen, um dann einstimmig zu beschließen, dass es hier … naja, gewöhnungsbedürftig ist. Die Leute sind irgendwie komisch. Alle so spirituell und viel zu shanti. Naja. Wir beschließen, erst mal schlafen zu gehen. Bekanntlich sieht morgen ja immer alles gleich wieder besser aus. Das erste Mal seit 3 Monaten, dass wir nicht im selben Zimmer schlafen. Kaum lieg ich im Bett, hab ich Sehnsucht.

Soviel zum ersten Tag.

Fazit, Tag 1: Au.

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Unser gemütlicher 20-Bett-Schlafraum. Privatsphäre: geht so.

Tag 2: Heute wäre eigentlich unser freier Tag. Eigentlich könnten wir raus und uns so viele Zigaretten reinziehen, bis uns schwindlig. Aber mal ehrlich – ist ja erst unser zweiter Tag. Das wär schon peinlich. Also bleiben wir hier. Motivation und los!

Bereits beim Meditieren bereue ich unsere Entscheidung. Schmerzen. Ü B E R A L L. Ich verfluche den Schneidersitz. Der stechende Schmerz im Rücken (gerade sitzen mach ich anscheinend auch eher weniger) wird immer schlimmer. Meine Gedanken sind wie immer bei allem, außer bei Om. Abgesehen von den Schmerzen, muss ich allerdings zugeben: Morgenmeditation gefällt mir. Aufwachen ohne Reden, Fragen, Entscheidungen treffen – perfekt für einen Morgenmuffel wie mich. So hab ich Zeit für mich, kann meine Gedanken sortieren und meine (oft) schlechte Laune in gute umwandeln. Einfach mal munter werden. (Auch Philipp ist begeistert davon. Sollten wir im Alltag einbauen!)

Yoga war dann eher so: aaaaaaaaaaaaaah! Muskelkater auf einer Skala von 1 bis 36: 48.

Bis zum nächsten Kurs chillen wir gemeinsam im Garten und bemitleiden uns selbst. Alles tut weh, alles ist schlimm, wir sind so arm. Mimimi. Der Verzicht auf Kaffee, Zigaretten UND Philipp auf einmal ist unmenschlich.

Die Yoga Session am Nachmittag ist einfach nur schlimm: der Lehrer erinnert mich an meinen Russisch-Prof auf der Uni: kein Erbarmen und kein Mitleid, . Ich hasse ihn. (Okay, tu ich nicht, aber er ist wirklich fies!)

Dafür hasse ich die Abendmeditation. Zu viel Gesinge, zu viel Gebete, zu viel Verbeugen. Philipp und ich stehen immer nur mit ausdrucksloser Miene da und weigern uns, mitzumachen. Da bin ich schon wieder viel zu anti! Auch mit dem Meditieren haben wir noch unsere Problemchen: die Zeit vergeht zu langsam. Heute verbringe ich die meiste Zeit damit, das 1×1 zu trainieren (23 x 6 – das rechnet man ja wirklich nie!) und das ABC rückwärts aufzusagen. Kann ich jetzt alles.

Fazit, Tag 2: I wü nimaaaaa.

Tag 3:

Scheißtag. Schlecht gelaunt. Morgenmediation ist doof. Sitzen tut weh. Ich schummle und strecke meine Füße aus. Haben sowieso alle die Augen geschlossen, also sieht mich zumindest niemand. Dann sehe ich, dass Philipp dasselbe macht. Ich find uns lustig.

Yoga war okay, die Balance wird zwar besser, der Muskelkater dafür schlimmer.

Die Leute sind noch immer komisch. Die meisten tragen gelb oder orange oder bunt. Solche Menschen sind mir sowieso suspekt: man kann doch nicht ernsthaft 24 Stunden am Tag glücklich sein. Honigkuchenpferdchenfroh herumrennen und alles und jeden lieben. Anti-Sarah trägt schwarz. Aus Protest. Ha! Ich bin umgeben von der scheiß himmlischen Familie (kennt ihr diese Serie noch, in der sich alle lieben und mit einem Dauer-Smile herumlaufen? Gott – schrecklich!). Dann müssen wir uns von unseren happy-peppy Moralaposteln auch noch einen Vortrag darüber anhören, wie sehr uns Yoga bzw. Meditation helfen könnte, mit dem Rauchen und dem Kaffee trinken aufzuhören. 1. Wollen wir das? NEIN. 2. Wer hat euch Gscheidwastln überhaupt nach eurer Meinung gefragt? 3. Pappn!

Nein, aber im Ernst: mit solchen Menschen kann ich nichts anfangen. Beim Essensservice am Abend sagen sie weder Bitte, noch Danke. Sie starren in ihren Teller, schaufeln das essen rein und schreien uns nach „Mehr!“, während sie mit dem Finger auf ihren Teller zeigen. Aber dann ein paar Stunden später über Liebe, Frieden und so Zeug singen. Scheinheilige Heuchler! Pfui. Ich bin wie der pummelige, pickelige Spätzünder in der Schule: lieb, trotzdem ein Außenseiter. Es gibt zwar ein paar nette Leute hier, hab aber nicht wirklich Lust auf Konversation. Ich fühl mich allein und irgendwie eingesperrt. Philipp auch. Wir können nicht raus, wir können nicht zueinander, wir können nicht mit den anderen. Blöde Kombi.

Ich bin ja wirklich gespannt, wie ich die nächsten Tage überstehen soll. Tag 3 und ich bin schon am Verzweifeln. Irgendwie hab ich mir das einfacher vorgestellt. Aber Aufgeben ist nicht drin. Durchbeißen, durchhalten, durchstehen!

Allerdings gibt es einen Lichtblick: statt der Meditation gibt’s heute Abend nämlich eine Talentshow! Talent war – Überraschung! – eher nicht so vorhanden, dafür haben wir uns köstlich amüsiert. Semi-professionelle Sänger und Tänzer die mit 100 % Selbstbewusstsein die Bühne rocken. Oder so. Die pure Unterhaltung und perfekt, wenn man einen schlechten Tag hat. Ich weiß, ich bin gemein. Meine Seele ist so schwarz wie meine Leggings.

Fazit, Tag 3: Ich fühl mich wie im Knast.

Tag 4:

Statt der üblichen Meditation starten wir heute den Tag mit einem Silent Walk. 60 Minuten lang spazieren, die Sonne beim Aufgehen beobachten, die Vögelchen zwitschern hören. Niemand spricht. Nur die Natur und ich. Das gefällt mir. Ich würd das gerne auch mit Philipp einführen: aufstehen und einfach mal die Klappe halten.

Ob ihr’s glaubt oder nicht: der Muskelkater wird besser. Die Schmerzen werden weniger, die Positionen einfacher, wir fallen nicht mehr um. Fortschritte, Alter! Bei den Entspannungsübungen am Schluss versuche ich, total loszulassen. Relax your mind… clean your mind. Ich sehe kleine Männchen in meinem Kopf, die mit dem Besen alle Gedanken aus meinem Kopf fegen. Warum auch immer, aber es klappt. Control your mind. Ich spüre die Moskitos auf mir und den brennenden Schmerz auf meinem Fuß. NEIN, ich kratze mich nicht! Mein Kopf bestimmt, was mein Körper zu tun hat, nicht umgekehrt. Es funktioniert, es FUNKTIONIERT!

Bei der Yoga Vorlesung erzählt uns der alte, weise Mann etwas, was mich, wahrscheinlich alle, sehr beruhigt: „Yoga macht glücklich. Irgendwann. Später. Wenn du allerdings mit Yoga und Meditation beginnst, bist du höchstwahrscheinlich traurig und möchtest weinen. In deinem Kopf sind tausende Gedanken, tausende Gefühle. Plötzlich hast du so viel Zeit, über alles nachzudenken. Stille, nur du und deine Millionen Gedanken. Alles kommt hoch. Aber es wird besser und irgendwann… irgendwann macht es dich glücklich.“

Na, da bin ich ja beruhigt. Es kann also nur besser werden.

Ich fühl mich heute eigentlich ganz okay. Die Yoga Einheiten sind nach wie vor richtig auspowernd, anstrengend und ermüdend – aber richtig gut. Alles andere blende ich einfach aus.

Fazit, Tag 4: Ich glaub, es wird.

Tag 5:

30 Minuten lang im Schneidersitz mit geradem Rücken sitzen: Check. Kontrolle über die eigenen Gedanken: es geht. Ich brauch eine andere Methode. Bis dahin: Z, Y, X, V, …

Yoga: wir sind schon beweglich wie Brezeln (lecker… Brezeln…). Ohne Witz.

Heute ist irgendwie ein guter Tag. Bis zum Abendessen. Da fällt mir wieder auf, dass ich umgeben von Wixern bin. Unfreundlich, unverschämt und verfressen. Da hat Mama zuhause wohl ein paar grundlegende Dinge vergessen. Ich weiß ja, warum ich niemals im Service arbeiten könnte: wenn jemand scheiße zu mir ist, bin ich auch scheiße. „Mehr Reis“ – „da hast du deinen Reis“  – zack, voll ins Gesicht. Arschloch. (Natürlich hat dieses Spektakel nur in meinem Kopf stattgefunden.)

Das Abendessen hat mir den Tag versaut. Ich hab Heimweh und will einfach nur weg. Scheiß Leute hier, scheiß meditieren, scheiß alles. Ich geh schlafen.

Fazit, Tag 5: Beschissener Scheißdreckscheiß.

Tag 6:

Hälfte, Hälfte, Hälfteee! Trotzdem bin ich unmotiviert und deprimiert. Ich will nicht singen, beten oder klatschen. Und schon gar nicht mit den blöden Heuchler-Menschen reden. Philipp umarmt mich und meint: „Scheiß drauf. Es ist so wie’s ist. Lass dir nicht die Laune von diesen Leuten verderben. Genieß das, was dir gefällt (Yoga) und ignoriere alles andere.“ Wie froh bin ich über diesen Mann. Eine Umarmung von ihm reicht, um mich aufzumuntern. Er weiß einfach immer, was er in solchen Situationen sagen muss. Manchmal bin ich neidisch auf seinen Optimismus.

Okay, Sarah. Du willst nicht aufgeben und nicht gehen, also Schluss mit dem Selbstmitleid! Du bist freiwillig hier. Ich mag’s ja auch eigentlich hier. Ich mag Yoga und Meditation. Ich fühle mich so fit und vital wie selten zuvor. Ich mag nur die Menschen nicht. Wenn ich an das Abendessen denke, graust mir. Bei den Entspannungsübungen nach dem Yoga reicht es mir. Ich will mir nicht die Laune von den Leuten vermiesen lassen und denke an Philipps Worte. „Sei positiv. Du bist freiwillig hier. Du kannst die Leute nicht ändern, aber du kannst anders damit umgehen.“

Also sind wir beim Abendessen sauuuufreundlich und kriechen den anderen sowas von in den Arsch. „Was, du möchtest mehr Curry? Natüüüürlich, geeerne! Mahlzeiiit!“ Plötzlich heben sie ihren Kopf und murmeln mit einem verwirrten Gesichtsausdruck: „äääh.. danke.“ Ha! Damit habt ihr nicht gerechnet, was! Weisheit des Tages: es kommt zurück, was du gibst. Oder: blöde Menschen kann man nicht ändern.

Bei der Abendmeditation finde ich mein ganz eigenes System, um meditieren zu können. Das erste Mal! Ich schwimme. Ich tauche tief ein in lauwarmes Wasser, ich tauche im See, ich gleite durch das Wasser. Ganz langsam. Ich spüre das Wasser auf meiner Haut. Es fühlt sich an, als würde es mich umarmen. Ich und das Wasser sind eins. Ich tauche, lasse mich treiben, ich muss nicht atmen. 30 Minuten lang denke ich an das warme, wohlige Gefühl im Wasser und vertreibe so alle Gedanken in meinem Kopf. Erfolgserlebnis! Mein Mantra hab ich anscheinend aus dem Film „Findet Nemo“ geklaut: einfach schwimmen, einfach schwimmen, einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen. [https://www.youtube.com/watch?v=TzC2ZeNr7Ic – LIEBE]

Fazit, Tag 6: Kleine Erfolgserlebnisse. Schön.

Tag 7:

1 Woche, wuuuuuuuuuuuuu! Und der Tag beginnt sehr gut: beim Meditieren mach ich noch immer auf Nemo und schwimme im Wasser und beim Yoga schaffen Philipp und ich beide zum ersten Mal den Kopfstand zu halten. Ich fühl mich so fit und schön. Was so ein bisschen Sport nicht ausmacht.

Fazit, Tag 7: Schöner Tag, glücklicher Philipp, glückliche Sarah, alles gut.

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Gleichgewicht, Haltungsnote 1.

Tag 8:

Yoga macht mich zwar sehr ausgeglichen und froh und glücklich und danach fühle ich mich richtig gut, aber ich würd so gern raus! Ich weiß nicht warum, aber einfach nur spazieren oder durch die Stadt flanieren würde schon reichen. Das Gefängnis-Gefühl bleibt.

Trotzdem bin ich positiv. Weil was haben wir gelernt: sei positiv, dann kommt Positives. Gott, jetzt brauch ich nur noch ein gelbes Leiberl mit Peace Aufdruck und ich gehör zu diesen Lebe-Liebe-Lache-Menschen. Wäh.

Was den Körper betrifft, habe ich mich selten so gut gefühlt. Normalerweise kämpfe ich oft mit Rücken- und Kopfschmerzen. Hier: nichts! Ich lege mich um 21:30 Uhr ins Bett und schlafe um 21:32 Uhr ein. Sonst liege ich vor dem Einschlafen ewig im Bett, wälze mich hin und her und versuche vergeblich die Gedanken zu vertreiben. Durchschlafen kenne ich nicht, ich wache auf, muss auf’s Klo, denke wieder nach und der Teufelskreis beginnt von vorne. Im Ashram schlafe ich wie ein Baby. Nach den anfänglichen „Problemchen“ (Untertreibung des Jahres) sind wir ausgeglichen und fit. Schönes Gefühl.

Ich muss zugeben: unsere Laune wird immer besser. Vielleicht liegt es daran, dass alles leichter geht: wir können im Schneidersitz sitzen, wir können die Yoga-Positionen, kein Muskelkater mehr. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir nun doch ein paar richtig nette Leute kennen gelernt haben. Vielleicht aber auch daran, weil wir wissen, dass es bald vorbei ist. Jap, definitiv daran.

 

Fazit, Tag 8: Gedehnt wie eine Gummipuppe und fit wie ein Turnschuh.Läuft.

Tag 9:

Heute ist Freiiitaaaag, ding ding ding! Das heißt: freier Tag und wir dürfen raus. Wollen wir das? Jaaaa! Wir sind sogar noch so motiviert, dass wir trotzdem an den Kursen bis zum Frühstück teilnehmen. Aber kaum haben wir unseren Ausgangspass, husch husch, sind wir weg. Das erste Mal nach 8 Tagen sehen wir wieder Müll, werden von den Leuen angestarrt und fast vom Bus angefahren. Hach.. haben wir irgendwie vermisst.

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Ohne Worte. *hust* Gefängnis.

Wir spazieren 3 Kilometer zu einem fancy schmancy Hotel. Dort gibt’s alles, was man für einen Chill Out-Tag braucht: Swimming Pool mit Aussicht auf die unglaubliche Landschaft, gutes Essen, keinen Yoga Drill Sergeant.

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Energie tanken für den letzten Tag.

Ich weiß, man sollte ja die Regeln während des Retreats auch außerhalb des Ashrams befolgen, aber… nö. Wir gönnen uns einen guten Kaffee und eine Zigarette. (Aber nur eine, mich dreht’s eh schon von soviel Nikotin.) Ich finde, das haben wir uns verdient.

Fazit, Tag 9: Frei wie ein Vogel.

Tag 10 und allgemeines Fazit:

Meditation, Yoga, undsoweiterundsofort. Und dann: düdeldüüüü, wir haben’s geschafft! Wir haben es tatsächlich geschafft. 10 lange Tage mit vielen Höhen und Tiefen, lachen und weinen. Vorbei. Vorbei!

Ich bin wirklich richtig richtig stolz auf uns. Ihr werdet sicher nicht verstehen, was das Problem oder was denn so schlimm war. Verstehen wir eigentlich auch nicht. War es aber. Es klingt einfacher als es ist, wir mussten auch erst dort feststellen, dass es definitiv eine richtige Herausforderung wird. Es war hart, traurig, deprimierend, anstrengend, nervig, schwierig. Deswegen sind wir auch umso stolzer auf uns, dass wir die 10 Tage durchgezogen, durchgehalten, durchgestanden haben. Und das Gefühl danach, wenn man das Ashram guten Gewissens verlässt, ist unglaublich. Ich glaube, ich hab soviel Freude und Liebe ausgestrahlt, dass ich gar kein gelbes Leiberl mehr brauch.

10 Tage lang gesunde Ernährung, viel Wasser und viel Yoga: man merkt danach definitiv, wie viel Einfluss Essen und Sport auf unsere Energie haben. Nebenbei hab ich mindestens 8 Cellulite-Dellen weniger. Auch schön. Natürlich könnte das ein Anstoß für einen Lebenswandel sein: mehr Yoga, weniger Netflix, mehr Brokkoli, weniger Pizza. Also nach der Reise dann… vielleicht.. wenn ich mag.

Bevor ich mir eine Tschick anzünde und an meinem Kaffee nippe, muss ich noch kurz liebi-kitsch-schleimi sein: Philipp ist der Tollste. Ohne ihn mag ich nicht mehr. Er war derjenige, der mich immer wieder aufgemuntert und motiviert hat. Danke für dich und danke dafür, dass du gelbe Sonnenstrahlen auf meine schwarze Seele wirfst.

So. Adios Bitchachos!

PS: Falls wer auf die absurde Idee kommt, dass er sowas auch mal machen möchte: einfach schreiben für weitere Infos! 🙂

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