Leise rieselt der Sand…

….oder Jingle shells? Weihnachten in Sri Lanka, ein Resümee:

Heute ist der 23.12. und wir fahren Richtung Osten, Richtung Meer, Richtung Arugam Bay. Ich will nämlich pünktlich zu Weihnachten mit Kokosnussschalen-BH und Bastrock am Strand tanzen. Das war unsere einzige Bedingung: wir wissen nicht, was wir tun oder wo wir genau sein werden, ABER wir wollen definitiv das Gegenteil von Zuhause: Sand statt Schnee, Sonne statt Kälte, Meer statt Frost, Muscheln statt Schneeflocken. Wenn schon Weihnachten wo anders, dann aber so richtig anders.

Gesagt, getan. Arugam Bay: Meer, Strand, Sonne. Weil hier eigentlich gerade Monsunzeit sein soll (kein Regen seit 2 Monaten, aber okay) und die Hauptsaison erst beginnt, ist relativ wenig los. Es gibt nur wenige Restaurants bzw. Unterkünfte, die offen haben und der Strand ist leer. Wir haben wieder ein kleines Häuschen 1 Minute vom Strand entfernt und sind glücklich. Genau so haben wir uns das vorgestellt.

Philipp und ich haben die letzten Tage ja schon oft darüber gesprochen, wie wohl Weihnachten ohne Familie wird. Bisher haben wir eigentlich wenig von Weihnachten mitbekommen… ab und zu sieht man mal ein Merry Christmas-Schild oder einen halblustigen Sri Lanker, der mit Weihnachtsmütze Gäste ins Restaurant locken will. Sonst ist der ganze Weihnachtstrubel bisher spurlos an uns vorbei gegangen. Weihnachtsstimmung bei 35 Grad ist auch irgendwie schwierig, wenn ich ehrlich bin. Deshalb haben wir vier beschlossen, einfach einen gemütlichen Tag zu verbringen und es uns so richtig gut gehen zu lassen.

24.12.2016.

Wir wachen auf und hören Weihnachtslieder…Jingle bells, jingle bells… hm, das mit der Weihnachtsstimmung funktioniert nicht so richtig. Es ist heiß und man hört die Moskitos summen… Heute kommt das Christkiiiiind! Nä, unmöglich. Egal. Wir starten den Tag mit einem ausgedehnten Brunch mit allem, was Sri Lankas Küche hergibt: Kokosnuss-Schokolade Palatschinken, Omelette mit Toast, frische Früchte. Den Nachmittag verbringen wir gechillt am Strand und bruzeln in der Sonne. Ein ganz normaler Tag, wir vergessen, dass heute Weihnachten ist.

Erst nachdem wir am Abend mit unseren Leuten skypen, plagt uns das Heimweh. Alle sitzen gemeinsam vorm bunt geschmückten Christbaum, herausgeputzt für das Weihnachtsdinner, daneben die schön verpackten Geschenke. Das macht uns traurig. Erst jetzt fällt mir auf, wie sehr ich die vorweihnachtliche Zeit mag, wenn alles glitzert und funkelt, die Straßen und Häuser bunt und kitschig, aber liebevoll dekoriert werden und die Lichterketten die Bäume leuchten lassen. Wenn man sich mit den Freunden abends am Christkindlmarkt trifft und die eine Tasse Glühmost wie jedes Jahr mit einem Vollrausch endet. Obwohl ich normalerweise kein großer Fan von Winter bin, gehört Kälte zu dieser Zeit einfach dazu. Wenn man draußen spaziert, eingepackt, den Schal bis zur Nasenspitze hochgezogen und es so kalt ist, dass man den Atem beim Ausatmen sieht. Und wenn man dann endlich wieder heimkommt, die Füße auf dem Heizkörper und die eiskalten Finger an einer heißen Tasse Tee wärmt. Wenn man Oma’s Kekse nascht bis einem schlecht wird, weil sie einfach soooo gut sind. Oder wenn man aufsteht und sich jeden Tag aufs Neue darauf freut, das Türchen beim Adventkalender öffnen zu dürfen.

Ich liebe Weihnachten. Weihnachten ist wie das Gurkerl im Cheeseburger: jeder tut so, als würde er es nicht mögen, aber eigentlich ist es voll geil. Ich war schon immer ein Fan von solchen Feiertagen: alle treffen sich, es wird gegessen, getrunken, es gibt Geschenke, man sitzt zusammen und tratscht. Wie kann man das nicht mögen?

Ich liebe sogar den Stress und die Hektik beim Einkaufen. Wenn man sich durch die Mahü wursteln muss und alles wuselt, weil alle ganz panisch auf der Suche nach einem passenden Geschenk sind. Ich liiiebe Geschenke, aber noch viel mehr liebe ich schenken. Ich bin eine von denen, die sich das ganze Jahr über Notizen und Anmerkungen zu potenziellen Geschenken für die Liebsten macht und dann 3 Monate vor Weihnachten mit der Vorbereitung beginnt. Die Wohnung verwandelt sich in eine Werkstatt und ich sitze am Boden im absoluten Chaos und bastle, zeichne, klebe, schreibe (wenn ich Kinder lieben würde, würde ich ja Kindergärtnerin werden!). Ich bin anti 08/15 Geschenk, ich bin perfektionistisch und halte nichts von Last-Minute-Einkäufen am 23. Dezember. Oder von Parfum. Oder von Gutscheinen. Wobei ich meine 1000 Bussis, 10x Most holen und 3x Auto waschen Gutscheine für die Eltern als 10-jährige nach wie vor sehr kreativ finde.

Jap, ich gebe es offen und ehrlich zu:

Hallo, mein Name ist Sarah und ich bin Weihnachtsfan.

Naja und jetzt sitzen wir hier. Es ist heiß, wir hören das Meeresrauschen und spüren den Sand unter den Füßen. Das funktioniert so nicht! Plötzlich vermisse ich Österreich, den Winter, meine Familie. Mama, die immer so liebevoll den Christbaum dekoriert hat. Papa, der an Weihnachten in Jogginghose beim Herd steht und stundenlang kocht. Meine Schwester, die den Trubel immer ganz gelassen nimmt und mit der solche Feiertage immer schon doppelt so viel Spaß gemacht haben. Und natürlich meinen Neffen, für den Weihnachten das Größte ist und dessen Augen leuchten, wenn er die Geschenke vom Christkind auspackt.

Bei dem Gedanken, dass ich heuer zum ersten Mal (!!!) seit 26 Jahren auf unser traditionelles Bergmair-Weihnachtsfestessen verzichten muss, könnt ich weinen. Frische Bratwürstel vom Metzger des Vertrauens, Erdäpfelschmarrn (schmeckt nur gut von Papa), Sauerkraut und das geliebte Störri (Brot mit Anis). Jedes Jahr, kein Witz. Als ich 14 war, ihr wisst ja wie pubertierende Jugendliche so sind, hab ich mich aufgeregt und wollte unbedingt was anderes essen. Andere Familien essen Fisch oder Raclette oder Fondue. So fancy! Und wir sitzen hier mit unserem Bauernschmaus, jedes Jahr denselben Schas. Puh, ihr hättet Papa sehen sollen. Am liebsten hätt er mir die Bratwürstel um die Ohren g’haut, aber die waren ihm dann Gott sei Dank doch zu heilig. Heute verstehe ich das. Das Essen ist eigentlich nichts Besonderes und trotzdem bekomme ich alleine vom Geruch in der Küche das Gefühl von esistweihnachtenundichfühlmichsowohlundallesistschön. Bratwürstel – ein Gefühl von Heimat… Tha, jetzt muss ich selber schon lachen.

Die Stimmung ist komisch. Philipp und ich sind traurig. Weihnachten ohne Familie ist kein richtiges Weihnachten. Aber – wir haben uns… und das ist doch irgendwie auch Familie. Das komische Gefühl in meinem Bauch geht weg. Es ist so wie’s ist. Wir sind wo anders, deswegen ist’s auch anders. So. Und jetzt genug gesudert, jetzt trinken wir erst mal ein Bier.

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Fotoqualität bäh, Essen gut.

Beim Weihnachtsdinner gibt’s Fischcurry statt Bratwürstel (das erste und das letzte Mal). Danach sitzen wir auf unserer Terrasse, trinken zur Feier des Tages Rotwein und hören Weihnachtslieder.

Weihnachten 2016, ein Fazit: zu wenig Familie, zu viel Rotwein. Nächstes Jahr feier ich dafür doppelt, das schwör ich euch. Da lauf ich dann schon im September in Rentier-Pullover und Socken mit bunten Zuckerstangen herum!

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Schluckspecht.

Die nächsten Tage in Arugam Bay tun wir genau das, was man am Strand halt so macht: ein bisschen planschen, ein bisschen sonnen, ein bisschen Ball spielen, ein bisschen Bier und ein bisschen chillen.

Nach Arugam Bay fahren wir weiter in den Süden, um dort eine Safari durch den Yala Nationalpark zu machen. Unglaublich touristisch, ABER zu unserer Verteidigung: auch unglaublich typisch für Sri Lanka. In jedem Reiseführer werden die Safaris nicht nur seitenlang erwähnt und beschrieben, sondern auch hoch angepriesen. Im Nachhinein kann ich euch mit gutem Gewissen sagen: egal, was in eurem Reiseführer steht, macht es nicht.

Ihr kennt doch diese Dokumentation über diese traumhaften Safaris in Afrika, wo sie mit dem Jeep alleine durch die Wildnis fahren, weit und breit nichts außer wilden Tieren, die man beim Leben in der freien Natur beobachten und bestaunen kann. Natürlich nicht genau so, aber schon so cool haben wir uns das vorgestellt. Ihr auch? Dann muss ich euch enttäuschen. In Wirklichkeit war’s nämlich so: 30, 40, nein 50 Jeeps, die hintereinander auf einer Feldstraße fahren und auf der Suche nach wilden Tieren sind. Brumm Brumm statt Törööö.

Aufregend war’s trotzdem – wer kann schon von sich behaupten, dass er Elefanten, Leoparden, Krokodile oder Büffel in freier Wildbahn gesehen hat. Aber was haben wir daraus gelernt? Ohne Erwartungen kann man auch nicht enttäuscht werden. Und was noch? Vertraue nie den Reiseführern. Sie lügen.

Nach der Safari treffen wir uns wieder mit Chris und Josi am Strand. Strände gibt’s in Sri Lanka wie Sand am Meer. Die Auswahl ist groß, unsere Ansprüche aber noch größer. Sand: fein, Meer: türkis, Menschen: am besten keine. Genau das finden wir in Weligama. Gefühl: Bleiben!

Nachdem wir in den 3,5 Monaten in Indien nur 10 Tage am Strand verbracht haben, haben wir uns dafür entschieden, das Meer in Sri Lanka mehr auszukosten und viel öfter einfach mal nur zu entspannen. Ich mein, da hat man keinen Job und nichts zu tun und dann tut man erst recht wieder so viel. Und auch die ersten 10 Tage in Sri Lanka waren eigentlich alles andere als entspannend. Stadt, weiter, Berg, weiter, Stadt, weiter. Immer nur für eine Nacht am selben Ort, wieder packen, wieder stundenlang im Bus. Das nervt und stresst. Darum jetzt lieber mal faul sein. Lieber 1,2 Orte weniger, dafür bessere Laune, oder? 😉

 

Wir schicken euch Sonne und Wärme ins kalte Österreich! Bis bald ❤

 

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