Auf das, was war. Auf das, was kommt!

Serwas Österreich und Ayubowan aus Sri Lanka (für alle, die der singhalesischen Sprache nicht mächtig sind: das heißt hallo. Damit ihr auf unserem Blog auch was lernt!).

Wo waren wir? Aja, Strand. Ich hab ja fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir die österreichischen Temperaturen anschaue und mir im selben Moment die Schweißperlen auf der Stirn stehen. Falls jemand der Kälte entkommen will, einfach schreiben. Wir treffen uns dann im Paradies.

Wir sind hier in Mirissa und mieten uns für die nächsten Tage eine Wohnung auf Airbnb.. Bedingung: wir wollen eine Küche zum Kochen und eine Terrasse. Gesucht, gefunden. Unsere eigenen vier Wände, wir springen vor Freude. Die Küche ist zwar uralt und nicht gerade sauber, der Garten eine Baustelle und das Teuerste in der Wohnung ist wahrscheinlich unser Schweizer Taschenmesser, aber hey – es ist ein Haus mit 4 Wänden und einem Dach! Das ist doch was!

Von hier aus können wir entweder nach Weligama – Traumstrand ohne Menschen –  oder nach Mirissa – Partystrand mit ganz vielen Menschen. Ruhig oder laut? Leer oder voll? Kokosnuss oder Bier? Fischer oder Surfer? Die Qual der Wahl. Angesichts der Tatsache, dass bald Silvester ist, entscheiden wir uns für Nummer 2. Silvester am Strand mit ganz vielen anderen Touristen bei ganz schlechter Musik mit ganz viel Alkohol – die volle Dröhnung. Wenn schon, denn schon.

Silvester. Mein Lieblingsfest… NOT.

Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Fan von Feiern. Mittwoch, juhuuu, die Hälfte der Woche hinter uns, das müssen wir feiern. Freitag, juhuuu, Wochenende, das müssen wir feiern. 31. Dezember, juhuuu, das Jahr ist vorbei, das müssen wir feiern. Von mir aus. Das Problem daran ist nur, dass der 31. Dezember immer unglaublich toll und lustig und besonders sein muss, weil man ja nur einmal im Jahr die Möglichkeit hat, diesen Tag gebürtig zu feiern. Da darf nichts schief gehen, das muss geplant werden. Wohingegen es wurscht ist, wenn das Fortgehen an einem gewöhnlichen Freitag blöd ist und man die Party früher als sonst verlässt. Aber NEIN, nicht an Silvester. Nicht an diesem besonderen Tag.

Silvester ist so gezwungen und aufgesetzt, wie das Lächeln von einem Filmstar auf dem roten Teppich. Deswegen bin ich anti Silvester. Wahrscheinlich von Papa geerbt. Ich kann mich noch genau daran erinnern: Ich war 15, es war Mitternacht und meine Freunde und ich sind uns gerade alle betrunken in die Arme gefallen und haben uns zum neuen Jahr gratuliert. Dann sehen wir ein Licht. Es kommt auf uns zu. Es ist mein Papa mit seiner Stirnlampe, der gerade seine 10 km Joggingrunde beendet hat. An Silvester. Um 0 Uhr. Ohne Scheiß. „Warum muss ich feiern, weil alle feiern?“ Wo er Recht hat.

Seid mal ehrlich: wie oft war euer Silvester schon richtig gut? Und wie viele Abende, an denen man sich spontan mit seinen Leuten auf einen (jaja) Spritzer trifft und dann um 6 Uhr morgens aus dem Club raustorkelt, waren besser? Eben.

Deswegen wurde in der Familie Bergmair das Prä- Silvester eingeführt.

Meine eigene Definition (Duden weigert sich, das Wort aufzunehmen, tz!):

Prä-Silvester, das. Ein ausschweifendes Fest, bei dem es darum geht, sich den gesellschaftlichen Zwängen von Silvester zu widersetzen und aus Protest bereits am 30. Dezember den Beginn des neuen Jahres zu feiern. 

Wir feiern nämlich dann, wann wir wollen und nicht dann, wann wir müssen. So schaut‘s nämlich auuuuus, tha!

Die Tradition wird natürlich auch in Sri Lanka weiter geführt. Gin Tonic zur Feier des Tages. Happy Prä-Silvester!

Zu viel Gin, zu viel Zigaretten… jaja, der Morgen nach dem Prä-Silvester ist jedes Jahr ein Graus. Zum Glück können wir uns am Nachmittag am Strand erholen. Am Abend kochen wir ein 3 Gänge Menü – Bruchbude hin oder her, Hauptsache, das Essen ist schick! Vollgegessen und unmotiviert sitzen wir da. Es ist 23:40 Uhr. Normalerweise würden wir jetzt ins Bett fallen. ABER NEIIIIN – HEUTE IST SILVESTER! Geht natürlich nicht. Noch schnell ein Gin Tonic runterkippen für die Motivation.

Pünktlichst um 23:59 Uhr kommen wir am Strand an und stehen mit hundert anderen Touristen am Strand. Schon beginnt der Countdown: 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1… Wuuuuuu! Die Leute springen und schreien, die DJ’s geben Vollgas und aus den Boxen dröhnt der Bass. Happy New Year. So wenig ich Silvester auch mag, ein Fan vom Feuerwerk bin ich trotzdem. Irgendwie finde ich es schön, wenn man dann so Arm in Arm dasteht, die bunten Funken am tiefschwarzen Himmel sieht und in Gedanken das Jahr Revue passieren lässt.

Was war, was ist passiert, was war gut, was war schlecht und natürlich: was kommt?

Ich freue mich auf ein neues Jahr und vor allem auf die nächsten Monate der Reise mit Phips. Meine Vorsätze: weniger sudern. Mein Durchhaltevermögen: naja.

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Yeah.

Wir denken an unsere Liebsten zu Hause und fragen uns, wie und wo und mit wem sie gerade feiern. Obwohl… in Österreich ist es ja erst 19:30 Uhr. Oh mein Gott, wir leben in der Zukunft!

Trotz anti Silvester haben Philipp und ich Lust auf Tanzen. Am Strand von Mirissa reihen sich die Bars und Restaurants, die extra  für heute ihre Bühnen aufgebaut haben. Tanzen im Sand gehört definitiv zu einer Vorstellung, die im Kopf schöner ist, als in der Realität. Die Wellen sind nämlich richtig hoch und kommen der Tanzfläche immer näher. Dann stehen wir bis zu den Knien im Wasser, neben uns schwimmen die leeren Becher und Bierflaschen vorbei. Mein bodenlanges Kleid ist bis zu den Knien nass und wiegt mindestens 10 kg. Merke: bei einer Party am Strand keine Schuhe (die riechen jetzt nach Fisch) und ein kurzes Unterteil tragen.

Irgendwann um 4 torkeln wir Hand in Hand nach Hause, wo wir uns dann – Postfortgehtradition – Eierspeis machen. Wie sehr ich diese Halbrausch-Gespräche über Gott und die Welt liebe. Es wird schon hell, als wir endgültig ins Bett fallen.

Silvester 2016 – auf das, was war und vor allem: auf das, was kommt!

Weihnachten und Silvester vorbei, das Leben geht wieder normal weiter. Hallo Alltag! Naja, eigentlich nur bei euch (sorry!). Ihr so: arbeiten und Feiertagskilos runtertrainieren. Wir so: das Leben als Vollzeitjob! Juhu! Es macht noch immer so Spaß. (PS: Kann ich das so in meinen Lebenslauf übernehmen?)

Wir verabschieden uns von Chris und Josi und fahren der Küste entlang in eine Stadt namens Galle. Galle an sich ist, wie alle Städte in Sri Lanka, nicht besonders aufregend. Allerdings überzeugt sie mit ihrer wunderschönen Altstadt inmitten der Festungsmauern, dem Galle Fort. Galle Fort ist ein Traum: es gibt kaum Verkehr, es ist ruhig, angenehm, fast idyllisch. Wir gehen auf den gewaltigen Außenmauern entlang der Küste spazieren und sind noch immer müde von den letzten Abenden im Jahr 2016. Soviel getrunken haben wir auf der ganzen Reise nicht.

Galle Fort ist genau der richtige Ort, um sich zu erholen.Keine Spur von Hektik. Spazieren, Eis essen, sitzen und schauen, Klippenspringer, die für Geld von den Felsen springen, zusehen und grübeln, warum man eigentlich auf die Idee kommt, das zu machen. In den Straßen sieht man die alten Villen, in denen sich heute einladende Cafés, Galerien, bunte Kunstläden oder schicke Hotels befinden. Man könnte hier richtig shoppen gehen: egal, ob Souvenirs, Kleidung, Schmuck, Kunstfiguren, Bilder, antike Dinge – es gibt alles. So viel Schönes und so wenig Geld. Hach… das Reisen als Backpacker ist manchmal wirklich gemein.

 

Zum Schluss wieder eine kleine Anekdote zum Schmunzeln. Kurze Vorgeschichte: Philipp hat ja relativ viel abgenommen, nicht nur Gewicht sondern auch an Muskeln. Er hadert selbst ziemlich mit seinem Fliegengewicht und mag es gar nicht, wenn ich ihn darauf anspreche. Sarah beschwert sich schon seit Wochen über ihre Haare: zu viel Sonne, zu viel Meer… die Haare sind ausgetrocknet und grauslig und Sarah will einfach nur zum Friseur.

Eines Abends liegen wir im Bett, Sarah kuschelt sich zu Philipp, den Kopf auf seiner Brust.

Sarah: „Das ist irgendwie unbequem. Früher waren da noch Muskeln, da bin ich nicht dauernd runter gerollt!“

Philipp: „Früher ist auch nicht Stroh auf meiner Schulter gelegen.“

Pam! Schlagfertigkeit: hat er.

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