Heimat, weit weg von der Heimat.

Meine Damen und Herren, es ist vollbracht: Es folgen die letzten Geschichten und Abenteuer aus Sri Lanka! Viel Spaß 🙂

Wo waren wir? Galle, genau. Nach 2 Tagen haben wir auch schon wieder genug von Stadt und flüchten wieder ins Hochland. Da fühlen wir uns wohl, da ist es schön. Zu unserem nächsten Ziel, Dalhousie, dort wo der Adam’s Peak steht, sind es rund 230 km. Statt einfach schnurstracks quer durch’s Land zu fahren, erreichen wir Dalhousie natürlich über 20 Umwege. Kennt ihr dieses Lied von Fanta 4: es könnteee… so einfach sein… isses aaaaber nicht. Slogan für Sri Lanka. Auf jeden Fall machen wir uns um 6 Uhr morgens auf den Weg, tuckern zuerst mit dem Bus nach Colombo (ca. 130 km und 3 Stunden), daaaann mit dem Zug nach Hatton (ca. 130 km und 5 Stunden) und schließlich, nein es ist noch kein Ende in Sicht, nochmal mit einem Bus nach Dalhousie (ca. 30 km und 1,5 Stunden). Was soll man dazu noch sagen… 9,5 Stunden für 230 Kilometer. Es könnteeee… so einfach sein… isses aaaaber nicht.

Euch kann ich es ja sagen… so unter uns: Sri Lanka nervt uns teilweise so richtig. Das Land ist schön und überzeugt definitiv mit seiner Vielseitigkeit (Strand, Berge, Tiere), aber so richtig wohl fühlen tun wir uns hier nicht.

Das hat mehrere Gründe:

1. Weiß sein = reich sein.

Man fühlt sich hier wie ein lebendiger Geldschein. Überall auf der Welt werden Touristen abgezockt und jedem kann es passieren, dass man einen Arsch-Taxifahrer erwischt und mindestens das Dreifache für die Fahrt bezahlt. Klar. Hier in Sri Lanka ist es allerdings wurscht, wo und wer und wieso, egal, ob Bus, Markt, Restaurant, Hostel: du wirst verarscht. Im Bus sollen wir statt 70 Cent 4 Euro bezahlen und in den Restaurants gibt’s sogar teilweise eigene Speisekarten mit anderen Preisen für Touristen. Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht darum, dass ich vielleicht mal 50 Cent mehr bezahle, als es eigentlich ausmacht. Da geht’s mir um’s Prinzip. Ich glaube, das fällt uns auch nur so sehr auf, weil wir eben länger reisen und demnach sparen müssen. Wenn wir zum Beispiel sonst für 2 Wochen irgendwo Urlaub machen, sind wie die Letzten, die auf’s Geld schauen  -da will ich genießen und nicht darüber nachdenken und schon gar nicht mit dem Schaffner wegen einem Euro diskutieren. (Kleiner Tipp: je lauter man verhandelt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man den normalen Preis bezahlt).

2. Die Sri Lanker.

Natürlich nicht alle, aber viele heucheln dir Freundlichkeit vor, wollen aber aller immer nur das Eine: dein Geld. So mussten wir uns in einigen Hostels anhören, dass man mit uns aber kein gutes Geschäft macht, wenn wir nicht hier, sondern in der Stadt essen gehen. Dann wird man doof angemacht, weil man das Bier im Supermarkt kauft und nicht in der Unterkunft. Ich mein, geht’s noch? Wir fühlen uns irgendwie verarscht. Und wie kann man sich an einem Ort wohl fühlen, wenn man dauernd Hass-Blicke vom Besitzer zu geworfen bekommt?

3. Indien – Sri Lanka.

Und dann ist da immer noch der Vergleich mit Indien. Wir versuchen’s ja zu ignorieren, aber es funktioniert nicht so richtig. Indien war einfach der Wahnsinn. Wir hatten auch so unsere Momente, aber niemals das Gefühl „Ich fühl mich nicht wohl“. Indien ist einfach SO anders. Wir hatten so oft einen Kulturschock, dass ich mir mittlerweile sicher bin, dass das gesundheitliche Schäden am Körper hinterlassen hat. Indien war hardcore, aber zumindest authentisch. Indien ist krass, steht aber dazu. Und krass ist ja auch irgendwie gut.

Sri Lanka hingegen ist weder Fisch noch Fleisch. Sri Lanka ist nicht hardcore, weder hardcore arg noch hardcore cool. Hardcore nervig vielleicht. Sri Lanka ist ganz nett und nett ist ja bekanntlich der kleine Bruder von scheiße. Sri Lanka ist wie die Person, mit der man aus Höflichkeit Smalltalk führt, aber mit der man eigentlich nichts zu tun haben will, weil sie ziemlich langweilig ist. Wisst ihr was ich meine?

Ich weiß, ich weiß – das ist Jammern auf höchstem Niveau. Wir sollen uns ja eigentlich immer wieder daran erinnern, dass wir froh sein sollten, dass wir ÜBERHAUPT irgendwo sind und nicht gerade im Büro sitzen und arbeiten müssen. Aber so fühlen wir nun mal. Und das kann jedem passieren: man fliegt glücklich und erwartungsvoll in den Urlaub und wird dann vielleicht enttäuscht. Bei einer Reise, bei der man dann auch noch ganz viele verschiedene Länder sieht, ist das Risiko, dass eines davon nicht gefällt, dann natürlich noch größer. Man kann ja nicht alles mögen, so ist das halt im Leben. Man mag ja auch nicht jeden Menschen. Deswegen: Sri Lanka, du bist okay, aber wir werden keine dicken Freunde. Leider.

ABER – ganz wichtig – wir haben viele, ganz viele Leute getroffen, die total überdrüberbegeistert von Sri Lanka sind. Wie gesagt, das Land an sich ist wirklich schön, das ist einfach unser persönliches Empfinden. Aber Menschen sind verschieden und genauso verschieden sind die Eindrücke und Erfahrungen. Ich liebe Russland, andere nicht. Andere lieben Frankreich, ich nicht. Deswegen: herkommen, anschauen, eigenes Bild machen.

Statt aber die letzten Tage in Sri Lanka grantig aus der Wäsch‘ zu schauen (oder an Fotz zu ziang – ich liebe die österreichische Sprache!), machen wir das Beste draus. Nervige Leute mit Überfreundlichkeit überschütten, noch nervigere Leute ignorieren. Bevor ich nun endlich zum Jammern aufhöre, muss ich noch kurz unser persönliches Reise-Prinzip betonen: nichts im Voraus planen oder buchen. Hätten wir nämlich nicht schon unseren Flug gebucht, würden wir wahrscheinlich schon längst im Flugzeug in ein anderes Land sitzen. Spontan ist, wenn möglich, immer besser. Allerdings mussten wir den Flug schon buchen, warum und wieso, erzähl ich euch bald.

So. Nun wieder zu uns. So viel Strand und so viel Stadt, jetzt zieht’s uns zwei Neo-Bergliebsteiger, wie gesagt, schon wieder ins Hochland. Auffi aufn Berg und zwar auf den berühmtesten in Sri Lanka, auf den Adam’s Peak. Wegen seiner religiösen Bedeutung zieht es täglich hunderte Pilger und Touristen auf den 2.245m hohen Berg: auf dem Gipfel befindet sich nämlich ein 1,8 Meter langer Fußabdruck (Lüge, ich erkenn da nicht mal ansatzweise einen Fuß, aber okay). Von wem dieser Fußabdruck ist, hängt von Glaube und Religion ab: Buddhisten sehen darin den des Buddha, Hindus den von Shiva, die Christen verehren ihn als Fußabdruck des Apostel Thomas und Muslime als den von Adam. Na wer jetzt?

Wir quartieren uns im Hotel ein und liegen um 19:30 Uhr im Bett. Kein Schmäh. Aber wir gehen nicht ohne Grund früher als jeder Pensionist ins Bett: Der Wecker am Handy läutet morgen nämlich um 2 Uhr. Der Sonnenaufgang am Adam’s Peak soll spektakulär sein und das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Viel geschlafen haben wir nicht, trotzdem machen wir uns um 2:30 Uhr auf den Weg Richtung Gipfel. Die Müdigkeit ist zwar noch da, Motivation aber auch. Die und Kraft braucht man auch: bis zum Gipfel sind es nämlich 7 km und 1000 Höhenmeter in Form von mehr als 5500 Stufen. Klingt schlimm – ist es auch. Wieder einmal waren wir nicht die Einzigen, die den Reiseführer gelesen haben und viele viele andere Touristen wollen ebenfalls die Sonne am Gipfel aufgehen sehen.

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Selfie um 2:30 Uhr. Man sieht’s uns an: zu früh.

Wir beginnen langsam. Das haben wir spätestens beim Trek in Indien gelernt: nicht zu schnell und schon gar nicht schnell und dann wieder langsam. Sein Tempo finden, gehen und niemals hochschauen. Würde auch nichts bringen, es ist 3 Uhr und stockdunkel.

Wir gehen. Stufe für Stufe. Neben uns die russischen Touristen, die an uns vorbei ziehen. Puh, die sind aber schnell. 5 Minuten später sitzen sie auf der Stufe, ohne Puste. Tja, g’lernt is g’lernt. Hätt mich ja auch gewundert, wenn man gefühlte 3 Millionen Stufen ohne Probleme rauf rennt. Und schon gar nicht die russische Tussi mit rosa Dolce & Gabbana Kapperl und Sandalen. Zuschauen und lernen, du Nuss! Apropos Sandalen: es ist Nacht und es ist kalt, wirklich sauuuukalt. Das hindert die Einheimischen aber nicht daran, mit Flip Flops oder gar barfuß (ja wirklich, BARFUSS!) den Berg zu besteigen. Also ich will ja nichts sagen, aber ernsthaft? Wir haben in Sri Lanka ja schon oft Einheimische in ihren Flip Flops ausgelacht. Haube am Kopf und in eine dicke Daunenjacke eingepackt, aber immer Flip Flops – egal, wie kalt oder ob es regnet. Versteh ich nicht. Ich hab ja eher das Prinzip „Füße kalt, alles kalt“. Aber gut. Barfuß wandern, als wäre die Wanderung nicht so schon eine Herausforderung.

Wir gehen noch immer. Also eigentlich gehen wir nicht, sondern wir steigen. Stufe für Stufe für Stufe. Rauf, rauf, rauf. Blick nach unten. Trotz den eisigen Temperaturen wird uns warm. Die Füße brennen. Stufe, Stufe, Stufe. 1, 2, 3, 1, 2, 3. Immer weiter. Es tut weh, wirklich weh. Das ist kein Spaziergang. Ich sehe, wie die anderen kämpfen, immer wieder stehen bleiben, sich beim Geländer hochziehen. Manche drehen um und geben auf. Zu steil, zu viel. Nicht, dass wir die ultra Wanderer sind oder unsere Kondition so gut wäre, aber wir gehen gehen gehen. Ohne Pause. Wir haben unser Tempo und anscheinend haben die vielen Wanderungen und das Yoga was geholfen. Wahrscheinlich liegt’s nur am Gedanken in meinem Kopf, der mich die vielen Stufen steigen lässt: das ist gut für den Popsch, das ist gut für den Popsch. Knackarsch, Knackarsch. Bikinifigur 2017, Bikinifigur 2017. Hilft.

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Stufe 2387 von 5500. Oida.

Immer wieder gibt es am Weg kleine Hütten, wo man sich bei Tee, Linseneintopf und Roti (Fladen) stärken kann. Ich will nur kurz Kaffee – ein Morgen (es ist 03:30!) ohne Kaffee geht gar nicht. Philipp schimpft mich: Poah he, ich hab grad mein Tempo gefunden. Jaja, ich komm ja schon.

Überall steht, dass man ca. 3 Stunden für den Marsch einplanen sollte. Ich will ja nicht angeben, aber wir sind nach 2 Stunden und 10 Minuten oben. Nicht, dass mich das freuen würde, denn es ist erst 04:40 und der Sonnenaufgang beginnt um ca. 6 Uhr. Heißt: warten. Und warten bei Temperaturen gegen 0 Grad und eisigem Wind ist kein Spaß. Abeeeer – schon wieder sind wir einfach so klug! – wir haben Kleidung zum Wechseln, Schal, Haube und sogar eine Decke mit.

Dafür, dass wir beide eigentlich Morgenmuffel sind und unsere Laune am Morgen definitiv großes Streitpotenzial hat (haha), sind wir heute erstauuunlich gut drauf. Wir plappern wie sonst nie und so vergeht die Zeit recht schnell.

Und dann ist es soweit… es wird heller… man sieht dunkle Schatten und die Umrisse von den umgebenden Bergen. Der Himmel wird dunkelblau statt schwarz, wird immer heller. Hinter einem einzigen Berg, weit weit weg, färbt sich der Himmel orange. Da muss sie sein, die Sonne. Alle stehen gespannt da, jeder wartet sehnsüchtig auf die ersten Strahlen, die den eisigen Körper wieder aufwärmen.

Und dann… berühren mich die ersten Sonnenstrahlen. Dieses wohlige Gefühl, wenn die Finger, die Zehen und die Wangen im Gesicht zu kribbeln beginnen. Ab und zu hört man das Klicken der Kameras, sonst ist es still. Der Himmel wird hellblau, am Horizont die gelben Strahlen und endlich zeigt auch die Sonne ihr hübsches Gesicht. Nach und nach erscheinen die Berge in ihrer vollsten Pracht. Vor uns der Regenbogen der Natur: die grünen Berge, der azurblaue Himmel, der orange-rote Horizont, die gelbe Sonne. Ich liebe Sonnenaufgänge, man sieht sie viel zu selten. Sonnenuntergang kann jeder, aber extra aufstehen für dieses Spektakel und dann auch noch am Berg – das zeugt von Motivation. Da muss man schon was dafür tun.

Ein unbeschreibliches Gefühl, immer wieder. Ich liebe die Berge und am Berg zu sein. Nach einer Wanderung oben am Gipfel anzukommen, ist mein Highlight. Der Weg ist das Ziel? Beim Wandern eher: das Ziel ist das Ziel. Klar, dass Wandern und Gehen an sich ist schön, die Ruhe, die Natur, die Zeit, in der man träumen und nachdenken kann. Aber nichts toppt das Gefühl, wenn man sein Ziel, den Gipfel, erreicht hat. Wenn man die Strapazen der Besteigung vergisst, weil man die Schmerzen doch immer vergisst, wenn das Ergebnis danach so schön ist.Wenn man oben ist, größer und höher als alles andere. Wenn man unten die Menschen oder die Bäume sieht, die einem klitzeklein vorkommen. Irgendwie fühlt man sich mächtig.

Auch am Adam’s Peak überkommt mich das Gefühl von Freiheit. Der Ausblick: atemberaubend. Das persönliche Gefühl: magisch. Das Blöde: runtergehen. Der Abstieg war nerviger und anstrengender, als das Raufgehen. 5500 Stufen, das schreit nach neuen Plastikknien. Fazit vom Adam’s Peak: nichts für schwache Beine, aber es lohnt sich sowas von!!!

Die Oberschenkel brennen, der Körper ist müde und eigentlich schreit alles nach Bett. Doch wir fahren zuerst in den nächsten Ort, klitzeklein, nichts los, aber schöne Unterkunft. Dort werde ich mich heute und morgen dem Blog widmen – in der Natur, ungestört und inspiriert. Oder so. Philipp macht sich währenddessen auf den Weg nach Colombo und kommt erst morgen wieder. Aber nicht alleine! Wir bekommen nämlich Besuch aus Österreich, juhu!

Das Ganze war nämlich so: Lolo (Philipps bester Freund) hat angerufen und gesagt: „Hey, ich hab spontan frei bekommen. Wo seid ihr gerade, ich komm euch besuchen.“ Ööööh, das nenn ich mal spontan. Ein paar Stunden später war der Flug schon gebucht und wir sind vor Freude gesprungen. Genau das mag ich an Lolo so sehr: spontan und unkompliziert.

Auch auf die Frage, was er denn machen will, wenn er da ist, kommt eine für ihn so typische Antwort: es ist mir egal, was wir machen. Ich mach’s mit euch und darum geht’s. Weise Worte. Philipp ist natürlich noch mehr aus dem Häuschen, als ich. Die Zwei haben vorher in einem Zimmer (ohne Scheiß!) zusammen gewohnt, in der Freizeit viel gemeinsam gemacht, ich war dann so das dritte Rad am Wagen, haha.

Die Zwei sind einfach ein Herz und eine Seele. Das ist wie Toast und Nutella oder Würstel und Senf oder Pommes und Mayo – gehört zusammen, geht nicht ohne einander. Ich weiß, wie groß Philipps Sehnsucht nach Männergesprächen ist und wie sehr er sich auf Lolo freut. Er hat das ja schon vor ein paar Wochen prophezeit: „Ich bin mir sicher, dass Lolo der Erste sein wird, der uns besucht“. Sollte mal über eine Karriere als Hellseher nachdenken.

18 Stunden alleine, das gab’s schon lange nicht mehr. Nicht, dass ich nichts mit mir anzufangen weiß, aber wem erzähl ich dann davon? Wenn das so weiter geht, müssen Philipp und ich wieder in derselben Agentur arbeiten, sonst bombardier ich ihn wahrscheinlich stündlich mit Whats App Nachrichten á la „Was machst du gerade?“ oder „Was essen wir heute Abend?“ oder „Vermisst du mich auch so wie ich dich?“. Gott, ich bin ja so peinlich.

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Meanwhile in Colombo.

Nacht überstanden, heute treff ich Philipp und Lolo am Busbahnhof, wir fahren nach Nuwara Eliya. Strahlend kommen sie mir entgegen, ein Grinsen bis über beide Ohren und glücklich darüber, dass sie nun endlich wieder vereint sind. Ich freu mich nicht weniger: eine Umarmung, ganz fest drücken. Heimat passt also in zwei Arme.

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Erstes Besuchausösterreichinsrilankaundwirfreuenunsso-Selfie. (Lolo freut sich auch, auch wenn’s nicht so ausschaut 😀 )

Neben der Freude über unseren Besuch ist auch die Freude über die Mitbringsel ganz groß: Mein Papa hat uns nämlich ein Weihnachtspackerl mit ganz vielen österreichischen Schmankerln zusammengestellt: Speck, Würstel, Mannerschnitten, Weihnachtskekse, Schweizer Schokolade. Lolo hat noch frische Salami dazugepackt und Eva, die Liebe, hat auch noch Vanillekipferl mit gegeben. Soviel Liebe und vor allem Heimat in einem Packerl, oh mein Gott. Das ist wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Philipp und ich sitzen mit fettigen Fingern und Krümel im Gesicht da und wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen: drei Vanillekipferl für miiiich, eins für dich, zwei Würstel für miiiich, eins für dich. Bis uns schlecht wird, aber das war’s wert.

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+ 3 kg in 20 Minuten.

In Nuwara Eliya haben wir alles, was man für gemütliche Tage zu dritt braucht: eine tolle Unterkunft mit Balkon, Bier und wir sind mitten in der Natur, viele Hügel und Berge für’s Wandern. Das machen wir dann auch gleich am nächsten Tag und zwar nach Lolos Motto: Let’s get lost. Da wird nicht geschaut, wo ist was oder wo gehen wir hin oder was machen wir eigentlich, sondern wir gehen. Wir gehen gehen gehen, biegen mal ab, gehen wieder weiter, durch Teeplantagen, biegen links ab, biegen rechts ab. Wohin? Keine Ahnung. Wir reden und gehen und reden. Lolo macht das im Urlaub immer so und ich hab mir dabei immer nur gedacht: ja aber, was, wenn man falsch ist? GIBT KEIN FALSCH! Was ist, wenn man sich verläuft? GEHT MAN EBEN WIEDER ZURÜCK! Was, wenn. Was, wenn. Jetzt bin ich begeistert. Diese Art von Wandern gefällt mir. Let’s get lost, aber sowas von.

7 Stunden und 26 km später sind wir wieder im Zentrum. Ich liebe den körperlichen Zustand nach Sport: alles brennt, die Füße sind schwer, man ist gleichzeitig müde und aufgedreht. Wir finden zufällig ein Lokal, bei dem man Essen für 20 Cent bekommt und schlagen dazu. Das haben wir uns verdient! Am Abend besuchen wir Elly und Philipp, zwei Freunde aus Österreich, sitzen am Lagerfeuer und lassen den Tag bei einem Bier ausklingen. Ein lustiger Zufall: Elly hat vor Sri Lanka zufällig Philipps Onkel getroffen, der ihr dann das Einzige, dass er im Auto gefunden hat, spontan als Überraschungsgeschenk für uns mitgegeben hat: einen Zirbenschnaps, made in Austria. Ich frag mich ja noch immer, warum er Schnaps im Auto hat, aber trotzdem: ein großes Dankeschön von uns!

Was für ein Tag. Wenn’s eine Steigerung von perfekt geben würde, dann wäre der heutige Tag am perfektesten gewesen.

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Zirbenschnaps aus Österreich und Gaudi.

Am nächsten Tag starten wir eigentlich genau so, nur in eine andere Richtung. Irgendwo hier soll es einen Wasserfall geben. Sri Lanka und Wasserfall, das kennen wir ja schon. Wir laufen mal in die Richtung, mal schauen, wo wir landen. Nach 3 Stunden marschieren hören wir plötzlich ein Plätschern. Das Rauschen wird immer lauter und stärker und schließlich stehen wir vor dem Wasserfall. Doch dieses Mal kein Rinsal, kein kleiner Strahl, dieses Mal ist es anders. 30 Meter, nein, 40. Riesig, gewaltig, das Wasser prasselt runter, davor bildet sich eine große Lacke.

Mitten im Nirgendwo, keine Menschenseele. Nur wir und diese Riesendusche. Zack, da springen wir auch schon ins kalte Nass und lassen uns von dem starken Strahl die Schultern massieren. Let’s get lost – gefällt mir immer mehr. Wir liegen auf den Steinen, die Sonne trocknet unsere Haut. Wir chillen so wie sonst im Sommer beim Baden in der Donau. Und dann auch noch als Jause österreichische Salami. Recht viel mehr Heimat geht im Ausland nicht.

Am nächsten Tag fahren wir morgens an die Westküste Sri Lankas. Unser letzter Halt, bevor’s weiter nach Malaysia geht: Bentota. Wie gesagt, gibt es in Sri Lanka unglaublich viele verschiedene Strände. Also haben wir auf gut Glück einen ausgesucht und BÄM, Volltreffer. Toller Strand, ohne viel Touristenscheiß, ohne die Möchtegern-Surfer, die nur ihren trainierten Oberkörper präsentieren wollen, ohne die russischen Damen, die sich mit der Selfie-Stange im Wasser räkeln und dabei ganz vergessen, dass sie wie ein gestrandeter Wal aussehen. Kein Restaurant, keine Bar und demnach auch keine Leute, die dir mit der offenen Speisekarte nachlaufen und dich mit ihren schlechten Bildern vom Essen überzeugen wollen. Nichts dergleichen. Nur wir und der Strand.

Unsere Unterkunft ist auch ganz nett – nicht weit vom Strand und gutes Essen. Das Schönste ist: im Zimmer steht links ein Doppelbett, rechts ein Doppelbett, in der Mitte ist ein 1 Meter breiter Gang. Das versteht ihr jetzt vielleicht nicht und denkt euch: „Und weiter?“ Aber das Zimmer sieht genauso aus wie in der Wohnung von Philipp und Lolo. Links ein Bett, da schläft Lolo, rechts ein Bett, da schlafen wir.Dann unsere Abende zu dritt: gemeinsam kochen oder trinken, stundenlang tratschen, Filme schauen bis spät in die Nacht. Schon wieder kommt das Gefühl: Heimat.

Der Eigentümer der Unterkunft ist zwar die nervigste Nervensäge, die wir in Sri Lanka, nein die wir jemals gesehen haben, aber okay. Entweder er sitzt da, wenn wir essen und schaut uns zu (äääh, mach einfach was und starr nicht so) oder er nervt mit dummen Fragen wie „ist das ein echtes Tattoo oder ein Sticker?“ (aus dem Alter, in dem man sich Tattoos mit dem Schwamm auf den Oberarm klebt, bin ich raus) oder er gscheidwastelt: macht das so, macht das nicht so, warum macht ihr das so? FRESSE! Hab ich natürlich nicht gesagt, aber in Gedanken hab ich ihn schon mit Klebeband auf dem Mund vor mir gesehen.)

Am Abend steigen wir auf’s Dach, liegen am Boden und schauen in den Himmel. Die Sterne leuchten. Wir reden über alte Zeiten: wisst ihr noch, damals? Wir reden über gemeinsame Erinnerungen: wisst ihr noch, als wir in Dürnstein waren und den letzten Zug nach Wien versäumt haben? Wie wir dann auf der Burgruine, ganz oben am Felsen, geschlafen haben, weil es im ganzen Ort kein freies Zimmer mehr gab. Und wie wir dann am nächsten Tag um 11 Uhr schon wieder mit Spritzer und Blunznbrot beim Heuriger saßen und wieder den ganzen Tag dort verbracht haben? Wir reden darüber, was daheim gerade läuft und passiert. Wer mit wem, was und wo, wann und wie. Aber wir reden auch über die Zukunft und darüber, was wir nicht alles machen werden, wenn wir wieder zurück kommen.

Ich bin traurig, wenn ich daran denke, dass die Zeit mit ihm bald schon wieder vorbei ist. Zeit ist böse, Zeit vergeht immer schnell, wenn’s toll ist und ganz langsam, wenn’s blöd ist. Zeit ist ein Arschloch. Aber jetzt mal den Moment genießen, in Erinnerungen schwelgen und sich freuen, anstatt schon wieder an morgen zu denken.

Bevor wir Lolo nach Österreich lassen, müssen wir nochmal alles essen, was typisch für Sri Lanka ist. Vor allem, weil ja Koch ist, muss er Sri Lanka nicht nur sehen, sondern auch schmecken. Also gibt’s… einmal alles. Kottu (Fladenbrot, dass klein geschnipselt wird und mit Gemüse und Ei angebraten wird), alle möglichen Currys, Watalappan (sowas wie Pudding aus Kokosnuss), Fisch und Garnelen aus dem Indischen Ozean und Hoppers (ähnlich wie Palatschinken, aus Reismehl und Kokosmilch). So und jetzt brauchen wir mal 3 Tage nichts mehr zu essen.

Am letzten Tag am Strand schau ich den beiden beim Ball spielen zu. Sie spielen und springen und lachen und schimpfen, wenn einer besser ist, als der andere. Wie die Kinder. Ich weiß, wie viel ihnen die letzte Tage beide wert waren.

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Ich könnt stundenlang zusehen.

Beim Verabschieden müssen wir mit den Tränen kämpfen. Wir umarmen ihn so fest es geht, manchmal sagt eine Umarmung mehr als tausend Worte. Ich sehe Philipps Gesichtsausdruck und weiß, wie schwer es ihm gerade fällt. Am besten einfach gehen und nicht mehr umdrehen. Wir drehen uns trotzdem um… da steht er, alleine und wir auf dem Weg in ein neues Abenteuer. Lieber Lolo, solltest du das lesen: danke für die Zeit. Danke für so viel Heimatgefühl in einem fremden Land, du hast die letzten Tage in Sri Lanka schöner und besser gemacht. Es war viel zu kurz, aber wir freuen uns auf ein Wiedersehen. Irgendwo anders auf der Welt.

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Schweren Herzens verlassen wir Lolo, gar nicht so traurig sind wir über den Verlust von Sri Lanka. Du bist so schön, schade, dass du so blöd bist. Nein, im Ernst: auch, wenn du nicht unser Lieblingsland sein wirst, hast du uns trotzdem viele tolle Momente beschert und du wirst immer ein Teil unserer großen Reise bleiben.

Auf uns wartet ein neues Land und mit ganz viel Freude und Lust und Wuhu sitzen wir am Flughafen und warten auf das Boarding vom Flug Richtung… Malaysia. Yihaaaa!

Baba Sri Lanka und baba an alle, die das gerade lesen!

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