Wir und die Farm: garteln in Malaysia.

Schönen guten Morgen Österreich – hier ein bisschen Lesestoff für den Sonntag:

[Geschichten von 15. bis 27. Jänner 2017] Weil wir ja zwei Tage lang in Kuala Lumpur geglaubt haben, wir sind reich (sind wir nicht) und geshoppt und gegessen haben, was das Zeug hält, wollen wir jetzt wieder sparen. Und wo kann man das besser, als auf einer Farm, abseits vom Geschehen. Wir finden die Stelle auf HelpX, eine Online Plattform, wo Leute auf der ganzen Welt Arbeit gegen Kost und Logie anbieten. Wir haben ja bereits in Indien auf einer Farm gearbeitet und waren begeistert, wie viel man dabei lernt. Nicht nur beim Arbeiten selbst, sondern auch über das Land, das Leben, die Kultur, das Essen. Man lebt hautnah mit Einheimischen zusammen und durch die intensiven Gespräche erfährt man extrem viel. Lernen und sparen – unsere Eltern wären stolz auf uns.

Alles, was wir über diese Farm wissen, ist: Farm in Melaka, Obst und Gemüse und Blumen, unsere Aufgaben: im Garten helfen. Nicht wirklich viel, ich weiß. Deswegen sind wir auch ein bisschen aufgeregt, als wir morgens in den Bus Richtung Melaka einsteigen. Naja, wir sind ja zu zweit. Das wird schon. Und im schlimmsten Fall gehen wir. (Sarah ist positiv, wie immer.)

Die Besitzer der Farm sind D. und I., ein Pärchen, beide ca. 55+. Alt, würde man sagen, aber dann würden sich unsere Eltern an dieser Stelle wieder aufregen. Sie holen uns vom Busbahnhof ab und wir gehen zum Markt. Nach „Hallo, wie war die Fahrt?“, war das Zweite, dass wir gehört haben: „Kauft einfach, was ihr braucht bzw. wollt.“ Ääähm, okay. Einmal alles, bitte? Das ist wie Einkaufen daheim mit den Eltern: wir füllen den Einkaufswagen („das wollen wir und das brauchen wir und das schmeckt uns“), bezahlen tun sie. Hihi.

Ein Kofferraum voll mit Essen und ein schicker Chevrolet SUV: ich glaub, wir haben die richtige Wahl bei unserer Farm getroffen. Wir fahren raus aus der Stadt, weiter auf einem Feldweg und steigen 40 Minuten später aus. Hallo Faaarm.

Wir sind wieder mal am Arsch der Welt.

Die Farm ist riesig. 4,5 Hektar, das wussten wir vorher. Aber mit solchen Angaben kann ich nie was anfangen. Das ist so wie „das Haus ist 40 Meter hoch“. Ist das hoch? Keine Ahnung, Alter, weiß ich doch nicht! Jetzt weiß ich: 4,5 Hektar das ist in der Tat groß. Man könnte meinen, riesig. Wir sind umgeben von Ölpalmen- und Gummibaumplantagen. Sonst ist da nichts.

Die Farm besteht aus einem „Haupthaus“ mit zwei Schlafzimmern, einer Terrasse zum Chillen, Outdoor-Küche, Bad und WC. Hier schlafen übrigens wir. Getrennte Betten, war ja klar. Die wollen einfach nie, das man sich liebhat.

Gegenüber gibt’s noch ein zweites Häuschen, darin wohnt Din. Din kommt aus Bangladesch und arbeitet seit 1,5 Jahren hier auf der Farm. Außerdem – natürlich war’s das noch nicht – gibt’s noch  3 kleinere Hütten inklusive Bad und WC (eines für D. und I., die anderen für Gäste) und eine große Terrasse für Partys bzw. Grillereien. Ein Motorrad steht auch da, das wir natürlich jederzeit benützen können. Tha, ist ja geil. Während wir bei der letzten Farm in Indien Sachen 20 Mal hin und her schleppen mussten und uns so sehr eine Scheibtruhe gewünscht hätten, gibt es hier zwei Quads. Weil „dauernd alles hin und her tragen ist ja anstrengend, fahrt einfach mit dem Quad!“ Na eh. Die Farm ist besser ausgestattet als mei Daham. Fettes Bonzn-Auto, Motorrad, zwei Quads – man gönnt sich ja sonst nichts.

Der Kühl- und Gefrierschrank, die Regale sind gedroschen voll mit Lebensmitteln und Snacks. Im Kühlschrank finden wir Bier en masse, Wein, Scotch. „Fühlt euch wie zuhause und greift zu!“ Hm. Wo ist der Haken?!

Bevor’s mit dem Arbeiten losgeht, bekommen wir erst mal eine Führung. Bei der „Bewerbung“ haben wir sowas geschrieben wie „wir haben den grünsten Daumen der Welt und kennen uns mit Pflanzen aus – wir sind genau richtig für eure Farm!“. Euch kann ich’s ja sagen: das war eine Lüge. Bei mir stirbt sogar der Kaktus. Darum will ich auch (noch?) keine Kinder kriegen: wenn ich mich nicht mal um ein grünes Gebüsch in einem Topf kümmern kann, wie bitte soll ich dann ein Lebewesen am Leben erhalten?! Das hab ich mir selbst versprochen: überlebt die Pflanze, kauf die ein Tier. Überlebt das Tier, dann eventuell Mini-Sarah.

Auf der Farm gibt es gefühlte 876 verschiedene Pflanzen. Blumen, Bäume, Sträucher, Büsche, Kräuter. What the fuck. Schaut meiner Meinung nach alles gleich aus. Wir tun natürlich so, als würden wir die Pflanzen NATÜÜÜÜRLICH kennen. Fuchsia, mhm. Vaccinum macrocarpon, ja klar. Eine Orchidee, juhu, kennen wir! Wie immer im Leben muss man einfach total selbstsicher wirken, auch wenn man absolut keinen Dunst hat, worum’s geht. Lernt man in der Schule.

Außerdem wächst hier mehr Obst, als man beim Billa kaufen kann: Ananas, Mango, Sternfrucht, Kokosnuss, Bananen, Papaya, Jack Frucht und tauuuusend andere exotische Früchte, die wir noch niemals gesehen haben. Neben Pflanzen gibt es auch noch andere Lebewesen (Pflanzen sind Lebewesen oder?): Ziegen, Hühner, Pfauen, Truthähne. Und vier Hunde. Also eins weiß ich schon mal: fad wird uns sicher nicht.

Neben garteln (ich liebe dieses Wort!) müssen wir auch kochen, weiiiil… die beiden weder kochen mögen noch können. Kochen – für uns eigentlich weniger Arbeit als Paradies. Vor allem, wenn man alles einkaufen kann, was man will, ohne dafür bezahlen zu müssen. Also zaubern wir gleich mal gebratenen Reis á la China-Restaurant und schleimen uns bei den Besitzern ein. Beim Mittagessen erfahren wir die ganze Geschichte von D. und I.: die beiden sind Chinesen und wohnen eigentlich in KL. D. ist Geschäftsführer bei einer großen Firma und vereinfacht ausgedrückt für die Überseeverkäufe zuständig. I. interessiert sich schon immer für Blumen und Bäume und Kräuter und so Zeug, vor allem für exotische Pflanzen aus dem Ausland. Deshalb haben sie vor 10 Jahren diese Farm gekauft, so zwecks der Gaudi. Seither verbringen sie fast jedes Wochenende hier und toben sich aus. Die Farm ist also ihr Hobby. Gut für uns, dann ist’s ja nur halb so schlimm, wenn wir was kaputt/falsch machen und/oder Unkraut ausreißen, das in Wirklichkeit eine teure Pflanze ist.

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Kochen – können wir.

Am Nachmittag beginnen wir mal mit Unkraut zupfen. Locker flockig, man muss ja mal reinkommen in so ein Farmleben. Um 18 Uhr hören wir D. schreien „Feierabend, trinken wir ein Bier!“

Ai, ai, Sir. Man muss immer tun, was der Chef sagt!

Am Abend gibt’s als Belohnung nach dem Bier auch noch Dinner im Restaurant. Fazit, Tag 1: okay, wir wissen jetzt, wie der Hase läuft: Geschäftsführer, eine Farm als Wochenendzeitvertreib, im Kühlschrank der teuerste Scotch und die Kamera von I.s Handy ist besser als die meiner Spiegelreflexkamera = Kohle ohne Ende.

 

Um die nächsten Tage kurz zusammen zu fassen: wir mögen es hier. Die zwei sind ziemlich entspannt, genauso ist der Tagesablauf: aufstehen und gemütlich frühstücken. Da es hier mittags ziemlich heiß wird, arbeiten wir nur vormittags und nachmittags bis abends. Mittags kochen wir, anschließend gibt’s Pause mit Kaffee, ganz viel Kaffee. Abends werden wir täglich zum Essen in unterschiedliche Restaurants ausgeführt, um uns die chinesische und malaysische Küche näher zu bringen. Danach gibt’s dann entweder Bier daheim auf der Terrasse oder Whiskey im Pub. Aja: ich bin ab jetzt Whiskeytrinkerin, wer’s noch nicht weiß. Tja, bin ja auch schon 26.

Da D., der feine Herr, geschäftlich auf die Malediven fliegen muss und I. in KL zu tun hat, sind wir sogar ein paar Tage allein auf der Farm. Eigentlich könnten wir also den ganzen Tag auch NICHTS tun und es würde niemandem auffallen. Philipp ist aber wie immer überdrübermotiviert (ich wär auch glücklich mit tagelang nur Blog schreiben, aber okay) und so sind WIR diejenigen, die eine Liste machen, für Dinge, die erledigt werden müssen. WIR, WIR machen das. Nicht D. oder I. Wenn’s nach denen gegangen wäre, hätten wir in der ganzen Zeit wahrscheinlich einen Baum gefällt, das war’s. Irgendwann haben wir ihnen um 15 Uhr mal ein Foto von einem fertigen Projekt geschickt. Die Antwort war „Cool, and now go and drink beer“. Na gut, wenn’s unbedingt sein muss.

Als wir alleine auf der Farm waren, hatten wir meistens eine klare Rollenverteilung: Philipp hat im Garten gewerkelt, gesägt, gehämmert. Und ich hab Stuuunden in der Küche verbracht und gekocht, neue Rezepte ausprobiert und literweise Eistee mit jeweils 1 kg Zucker für Philipp gemacht. Er hat ja soviel abgenommen und als Vorzeige-Freundin ist es natürlich meine Pflicht, ihn zu mästen und wieder aufzupeppeln. Ich liebe es, im Garten Gemüse, Obst oder Kräuter zu sammeln, zu kochen, zu probieren und Menschen zu versorgen. Ich werd mal soooo eine gute Hausfrau, das sag ich euch!

 

Damit ihr euch einen Eindruck davon machen könnt, was wir (vor allem Philipp, ich mach uns meistens nur mit Essen dick) den ganzen Tag gemacht haben, eine kleine Auflistung:

  • Unkraut zupfen – stundenlang. Darf ich bitte sterben.
  • Einen Zaun bauen – Herausforderung: Kommunikation mit Din (spricht kein Englisch)
  • Gehwege machen bzw. pflastern (=Workout für Philipp)
  • Umpflanzen, einsetzen, anbauen (haben wir uns selbst beigebracht)
  • Sträucher schneiden und Äste mit dem Quad zum Häcksler bringen = so viel Spaß!
  • Eine gefühlte Million Äste, Laub, etc. zerhäckseln
  • Einen Anhänger reparieren bzw. restaurieren
  • Diverse Gehege bauen (meistens a Pfusch)
  • Obst ernten und Fruchtsalat essen (meine Lieblingsaufgabe)

 

So ein paar Tage zwischendurch arbeiten ist eigentlich ganz schön, muss ich sagen. Ein bisschen Arbeit hat ja noch niemandem geschadet. Nicht, dass wir heimkommen und gar nicht mehr wissen, wie arbeiten eigentlich geht. Um 7 aufstehen – wie jetzt? Ich muss was tun – muss ich wirklich? Obwohl’s nach 4 Stunden Unkraut zupfen schon mal, äh, wie soll ich sagen, elendig werden kann. Dann mach ich das so wie früher beim Ferialjob im Sommer und denk mir: „Sarah, das ist nicht dein echter Job. Du machst das nur ein paar Tage, dann ist’s wieder vorbei.“ Dann geht’s wieder.

Zwischendurch haben wir einen Ausflug in die nächste, größere Stadt namens Melaka gemacht. Nach dem Sightseeing sind Phips und ich stundenlang durch die berühmte Jonker Street spaziert und haben uns den Bauch vollgeschlagen. Hier haben wir übrigens die in Asien so beliebte Stinkfrucht (auch Durian genannt) probiert. Der Geschmack hat so viele Gefühle gleichzeitig in mir ausgelöst: Ekel, Abneigung, Übelkeit, Horror, Abscheu. So in etwa. Schrecklich. Schmeckt eindeutig so wie’s riecht.

Ein anderes Mal fahren wir zu den Hot Springs in der Umgebung. I. hat so davon geschwärmt und wir uns so gefreut: juhu, planschen! Dann kommen wir dort an… äh, ja. Hot Springs – was wir darunter verstehen: heiße Quellen mitten in der Natur. Oder: natürliche Thermalquellen, schönes, klares Wasser, relaxen, chillen. Realität: ein abgefucktes Freibad mit heißem Wasser. Da merkt man wieder: alles ist subjektiv. Mein absolutes Highlight war dann noch die Frau, die im Bad ihre Pediküre gemacht hat. Hornhautschrubbeln in einem öffentlichen Bad. Nein, einfach nur nein.

 

Die Farm, ein Resümee:

Wir haben wieder einiges gelernt, vor allem mein brauner Daumen bei Pflanzen kann definitiv davon profitieren. Ich weiß jetzt auch, bei welcher Krankheit man welche Pflanze kochen, braten, zerstampfen, auflegen muss. Nagel und Hammer sind immer noch nicht meine Freunde, aber man muss ja nicht alles können.

Neben der Gärtner- und Handwerker-Ausbildung kann man sich beim gemeinsamen Arbeiten natürlich auch beziehungstechnisch weiterentwickeln. Teamwork – klingt einfach, ist es manchmal aber gar nicht. Unterschiedliche Vorstellungen, nicht dieselbe Arbeitsweise, andere Ideen – Konfliktpotential: möglicherweise da. Das hat schon in der Agentur manchmal zu Diskussionen geführt: Philipp, der Chaot und Sarah, die Streberin. Aber man lernt. Man akzeptiert. Man geht Kompromisse ein. (Bsp: Wann räumt er das endlich weg? … Okay, er räumt es echt nicht weg. … Na gut, dann räum ich es halt weg.) Da muss ich uns schon auf die Schulter klopfen, das haben wir mittlerweile echt drauf. Team Philipp & Sarah: Top. High Five drauf, Phips!

4 Kommentare zu „Wir und die Farm: garteln in Malaysia.

  1. Hallo sarah & phillip … sooo lustig wie du schreibst ..hahaaa wie ma hoid san wia oöer … i les voi gern eichan bloq und woa so überzagt v malaysia dass i voa 2 wochn a auf da farm woa beim dicky 🙂 … wünsch eich nu tolle momente & ganz vü spaß in da welt … alles liabe, evelyn

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