Asiaten – ein Vorurteilscheck

Klischees über Asiaten gibt es wahrscheinlich genauso viele wie über Österreicher. Im Ausland glaubt man ja noch immer, dass wir unser halbes Leben jodelnd in Dirndl bzw. Lederhose am Berg verbringen.

Wir haben die letzten 2 Wochen 24/7 mit Asiaten, also genauer gesagt mit Chinesen, verbracht und glaubt mir – es hat viele Aha- und Oh- und Ernsthaft?-Momente gegeben.

Unsere Erfahrung will ich natürlich mit euch teilen, deswegen möchte ich ein paar der 08/15 Klischees aufgreifen und anhand dessen, was wir erlebt haben, beantworten: Mythos oder Realität? (Achtung: subjektive Wahrnehmung und so.)

Klischee 1: Chinesen essen Hunde und Katzen.

Tun sie. Wirklich. Wahrscheinlich nicht alle, aber I. schon (damals in China). War sehr lecker und ist gesund, meinte sie.

An dieser Stelle muss ich einfach allgemein über Chinesen und Essen schreiben. Weil, auch wenn’s kein Hund war – speziell war’s trotzdem.

Es war nämlich so: schon am ersten Tag mussten wir feststellen, dass D. und I. nicht gerade die größten Gemüse-Fans waren. Philipp und ich haben gekocht und ich wollte gerade Karotten schneiden, da meinte I.: „Warum schneidest du die Karotten? Du hast doch schon genug Gemüse.“ Ähm, also eigentlich hab ich nur getrockneten Basilikum und Thymian. Wir in Österreich nennen das ja Kräuter, aber okay.

Ich bin ja nach wie vor (jetzt noch viel mehr!) der Meinung: Chinesen haben keine Esskultur. Haben sie nicht, nein. Das mussten wir täglich abends im Restaurant feststellen. D. und I. haben’s gut gemeint und immer für uns bestellt, damit wir auch wirklich die ALLERBESTEN (tha!) Gerichte probieren können. Was wir lieben: mehrere Gerichte bestellen, in die Mitte stellen und teilen. Was wir nicht lieben: wenn alle Gerichte nicht identifizierbares Fleisch und Fisch und Garnelen und Shrimps und weißderteufelnochwas beinhalten. (Ich bin mir sicher, dass da ein paar Mal Ratte und Muzikatz dabei war!)

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Einmal schwarzes Hendl, bitte.

Einmal hat I. dann tatsächlich daheim Suppe gekocht. Es gibt ja so ein Sprichwort… nein, gibt’s nicht, aber ich sag das: jemand, der weiß, dass er nicht kochen kann, sollte einfach niemals kochen. Die Suppe war… wie soll ich sagen… einzigartig. Alle die uns kennen, wissen, dass wir wirklich alles andere als wählerisch sind, was Essen betrifft. Wir kosten alles, was wir nicht kennen, und es gibt selten etwas, dass uns nicht schmeckt. Aber diese Suppe war … der Teufel, der Tod, Krankheit und Hass auf einmal. Hier das Rezept:

Lieber-trinke-ich-Lulu-Suppe:

Zubereitungszeit: 5 Minuten.

Zutaten: 1l Wasser, 3 Stk. Knochen mit ein bisschen (altem) Fleisch.

Zubereitung: Wasser kochen. Wenn es kocht, Fleisch hinzugeben. 1 Minute köcheln lassen.

Fertig ist die durchsichtige Brühe!

Ganz einfach oder? Das ist wie Instant-Suppe. Nur anders! Und hat nur ganz wenig Kalorien (weil man danach alles wieder ausspeibt?!) Tipp: JA KEIN SALZ IN DIE SUPPE! Sonst verliert man noch den guten Geschmack vom alten Schweinfleisch. Und das wollen wir ja nicht, gell!

Wenn ihr denkt, schlimmer geht’s nicht mehr, kommt nochmal Suppe im Restaurant daher!

Eines Abends im Restaurant bestellt I. Suppe im Restaurant für uns. Wir haben die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben und sitzen mit überkreuzten Fingern da und warten. Bitte, bitte, lass sie besser schmecken, als I.s Suppe. Negativ. Wieder bekommen wir die uns bekannte farblose Brühe. Dafür kann man zwischen ganz vielen unterschiedlichen Einlagen wählen: Hühnerfüße, Schweineschwanz oder vielleicht doch Schweinemagen? Jaaa, da geht jedem Feinschmecker das Herz auf! Ich such immer noch die versteckte Kamera – sind wir hier im Dschungelcamp?

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Klischee 2: Alles muss fotografiert werden.

Oooooh ja, oh ja. In der Tat. Alles, wirklich alles. I. hat in den 10 Tagen – ohne jetzt zu übertreiben – ca. 4036 Bilder gemacht. Von jeder Pflanze, die blüht oder welkt oder schön oder doof aussieht. Dann vom Essen. Jedes Gericht einzeln natürlich. Sogar von den übrig gebliebenen Fischgräten nach dem Mittagessen (was tut sie mit dem Foto????). Und natürlich von uns: wir beim Arbeiten, wir beim Kochen, wir vor dem Restaurant, wir im Restaurant, ein Gruppenfoto zwischendurch. Ich glaube, die Frau hat mehr Fotos von mir, als meine Eltern.

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Wird eingerahmt.

Alles muss dokumentiert, festgehalten und natürlich gepostet werden. Facebook, Instagram und jeder Whats app-Gruppenchat bekommt minütlich ein Update vom Leben. Wird’s nicht fotografiert, ist’s nicht passiert. Und ich dachte, ICH mach viele Fotos. Nahaaa, es geht noch mehr!

Klischee 3: Schlürfen, rülpsen, schmatzen beim Essen? Je lauter, desto besser!

Auch dieses Vorurteil können wir (zumindest nachdem, was wir erlebt haben) definitiv bestätigen. Ich war ja schon damals in Korea beim Essen anfangs etwas verwirrt, als alle rund um mich laut und ohne Hemmungen die Suppe in sich rein gezogen haben. In Korea wird nämlich geschlürft, was das Zeug hält. Anscheinend soll das den Verzehr von den oft sehr langen Nudeln erleichtern. Anfangs mag das vielleicht etwas irritierend sein, immerhin werden uns im Westen als Kind jahrelang die Tischmanieren eingetrichtert. Da wird man sofort getadelt, sollte man die Suppe vom Löffel schlürfen. Irgendwann gewöhnt man sich aber daran und ertappt sich sogar selbst dabei.

Bei den Chinesen wird allerdings nicht nur geschlürft, sondern auch geschmatzt und gerülpst. Je lauter, desto besser, denn es signalisiert, dass das Essen schmeckt und gehört demnach zum guten Ton. Außerdem mussten wir feststellen: auch mit vollem Mund sprechen oder Fischgräten/kleine Knochenstücke/Knorpel/… auf den Tisch spucken ist kein Problem. Und auch wenn ich weiß, dass das ein Kulturding und normal ist, war ich ein biiiiiisschen angewidert, als die Fleischknorpel direkt vom Mund neben meinem Teller gelandet sind.

Klischee 4: Chinesen lieben Sojasoße.

Chinesisches Essen ist ja geil. So einmal alle 6 Monate… an einem Sonntag, nachdem man am Vortag saufen war. Chinesisches Essen ist nämlich erstens: fettig. Es trieft. Schlimmer als Pommes und Salami Pizza. Drei Tage in Folge chinesisches Essen und man hat so viele Pickel im Gesicht wie ein pubertierender 15-jähriger (wir sprechen aus Erfahrung!). Zweitens: egal, was du bestellst, chinesisches Essen schmeckt einfach immer gleich: nach Sojasoße. Nudeln mit Pak Choi und Rindfleisch in – Sojasoße. Reis mit Karotten, Lauch und Hühnerfleisch in – Überraschung – Sojasoße. Ich bestelle Salat, ich brauch was Frisches, was knackiges, einen anderen Geschmack. Und der Salat kommt in – tadaaa – einem Liter Sojasoße.

Nach einer Portion chinesischem Essen fühlt man sich immer wie nach einer wilden Partynacht: grauslich, schmutzig und aufgedunsen. Chinesisches Essen schreit förmlich nach Gluten. Die Kellner in den Retaurants tragen eine Schürze mit dem Maggi Logo. Das sagt eigentlich eh schon alles. Warum Salz, Pfeffer oder Kräuter verwenden, wenn man doch Sojasoße hat?

Bei aller Liebe – ich liebe ja ungesundes Essen. Pizza, Burger, alles geil, aber so zwischendurch ein paar Vitamine wären schon ganz schön.

Klischee 5: Asiaten – nie ohne ihr Handy.

Jap, leider auch hier ein ganz klares: WAHR! Dass sich die meisten Menschen in der Metro, im Bus, im Zug oder bei den Haltestellen mit dem Handy die Zeit vertreiben, ist nicht wirklich ungewöhnlich. Das ist ja bei uns mittlerweile auch der Fall.

Aber es geht noch mehr. Handysüchtig, Level: Asien. Da sitzen wir im Restaurant und beobachten ein Pärchen, so in unserem Alter, am anderen Tisch. Sie am Handy, schaut was auf Youtube. Er am Handy, schaut einen Film. Mal lacht er, mal sie, nie gleichzeitig, schauen ja beide was anderes. Ich schwöre euch – eine ganze Stunde lang haben sie gegessen und getrunken und sich mit dem Handy beschäftigt und dabei KEIN EINZIGES WORT GEWECHSELT. Schlimmer als jedes altes Ehepaar beim Abendessen. Die sind immerhin schon jahrelang verheiratet, da kann’s schon mal vorkommen, dass man nichts Neues mehr zu erzählen hat. Das war übrigens kein Einzelfall, ganze Familien haben so ihren Restaurantbesuch verbracht. So gibt’s zumindest nie mehr Streit über das Fernsehprogramm am Abend. Auch schön.

Und siehe Klischee 2 – I. ist das beste Beispiel für NIE OHNE MEIN HANDY. Das Telefon wird 24/7 im Bauchtascherl (darin befindet sich außer Telefon nämlich nichts) am Körper getragen – egal, ob beim Frühstück, beim Abendessen, beim Unkaut zupfen, am Klo. Immer und Überall.

5 Klischees, 5x WAHR! Was lernen wir daraus? Klischees gibt’s nicht umsonst! (Ich liebe mein Dirndl und die Berge und wenn ich jodeln könnte, würde ich nichts anderes mehr tun!)

Bis zum nächsten Eintrag: Bussi aus Neuseeland ❤ Bis baaaaald ihr Schnurlis.

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