Tasmani-was?

Nein, nicht Tansania. Nicht Afrika. Australien! Anscheinend bekommt man das öfter zu hören, wenn man aus Tasmanien ist. Auch wir waren kurz so „öh, wo nochmal kurz?“, als uns Sam damals sagte, dass er dort aufgewachsen ist.

Also nochmal langsam für alle, die damals in der Schule in Geografie nicht aufgepasst haben: Tasmanien ist das kleine Inselchen unter Australien. Ding ding ding, jaaaa – da war doch was, oder?

tasmanien

Tasmanien ist nicht nur Australiens größte Insel, sondern auch der größte Bundesstaat. Die Insel ist winzig, naja, eigentlich nur ¼ kleiner als Österreich. Aber bei uns wohnen immerhin Menschen! In Tasmanien gibt’s nämlich nur knappe 500.000 Einwohner. 500.000! IM GANZEN LAND! Die Tatsache, dass rund 250.000 davon in der Hauptstadt Hobart wohnen, macht das Ganze noch schräger. Ein Land – voll mit Land. Sonst nix. Durchschnittlich 7 Personen pro Quadratkilometer. Wenn du also deine Ruhe haben willst, bist du hier definitiv richtig.

Da Australien von den Einwohnern Aussie genannt wird, gibt’s natürlich auch für das kleine Inselchen einen Kosenamen, und zwar Tassie. Immer, wenn wir hier cool sein wollen und uns jemand nach unserer Reiseroute (Österreich – Melbourne – Tasmanien) fragt, sagen wir: From Össi to Aussie to Tassie. Yo!

Daneben hat Tassie auch noch einige charmantere Kosenamen wie Island of Inspiration oder Holiday Isle. Die Namen deuten bereits darauf hin, welche einmalige und faszinierende Landschaft uns erwartet.

Wir kommen also nach einem ganz schön holprigen Flug (scheiß Wind, ich hab fast das Speibsackerl gebraucht!) in Hobart am Mini-Flughafen an (ganz ehrlich, unser Garten daheim ist größer) und freuen uns auf die nächsten Tage mit den Butlers. Ein bisschen fühlen wir uns, als würden auch wir „heimkommen“, als wir rausgehen und Jude und Will (Mama und Bruder von Sam) uns mit offenen Armen entgegen kommen. Drücken, drücken. Schön. Und schon gehören wir zur Familie.

Wir fahren zum Hause Butler, die übrigens in einem klitzekleinen Dörfchen namens Gordon wohnen und sind erst mal baff.

Ein riesiges Haus mit noch riesigerem Garten, eine richtig coole, alte Scheune, eine elegante Veranda mit Weber-Grill, dahinter das Gästehaus. Ja, ihr habt richtig gehört: das Gästehaus, UNSER Gästehaus. Das wurde erst vor kurzem fertig und wir haben die Ehre, es einweihen zu dürfen. Ein großes Schlafzimmer mit Glasfront, im Bett hat man Aussicht auf’s Meer, ein Riesen Flatscreen mit Netflix und ein traumhaftes Badezimmer mit Fußbodenheizung. Was soll ich sagen? GEIIIILER SCHEISS! Wir können definitiv jetzt schon sagen, dass dieses Häuschen mit Abstand (!!!) die schönste Unterkunft unserer Reise bis jetzt ist und sein wird.

Trotzdem ist es lustig, was wir hier wirklich schätzen. Es ist nämlich nicht der große Fernseher, der uns die größte Freude beschert (obwohl wir ihn natürlich schon sehr gerne mögen). Das ist Luxus. Eine Bodenheizung – auch. Bei so einer Reise lernt man allerdings andere Dinge schätzen. Die kleinen, ganz normalen, bei uns alltäglichen Dinge. Sowas wie barfuß herumlaufen. Keine dreckigen Fersen, yeah! Oder der Geruch von frisch gewaschener Bettwäsche. Frische Wäsche, frische Handtücher – oida jooooo! Wir haben schon ganz vergessen, wie das riecht! Frisch geduscht ins frisch überzogene Bett – ein unbeschreibliches Gefühl, dass man sonst nur von Zuhause kennt. Dann natürlich ein sauberes Badezimmer! Keine Flecken, Haare, Spuren von fremden Menschen. Und das Allerschönste: trinkbares Leitungswasser! Sauberes Wasser, immer und überall! Das kann man sich ja gar nicht (mehr) vorstellen, wie kompliziert das alles ohne ist/sein kann.Wie oft haben wir beim Zähneputzen in Indien aus Gewohnheit das Wasser von der Leitung getrunken und hysterisch herum geschrien, dass wir jetzt sterben werden (okay, um ehrlich zu sein, war das nur ich).

Gewaschene Bettwäsche und im Klo keine Kackstreifen – das ist es, was uns glücklich macht. So genügsam wird man als Backpacker also, haha. Obwohl ich natürlich schon zugeben muss, dass die Tasse Kaffee in der Früh im Bett schon nett ist. Aber das ist dann die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

dsc02464
Kaffee im Bett und diese Aussicht. Es ist uns schon schlechter gegangen, ja 🙂

Es gibt nur einen Satz, der das Ganze noch toppen kann: „Fühlt euch wie zuhause und wenn ihr Hunger habt, bedient euch.“ Okay, jetzt ist’s offiziell: wir lieben die Butlers! (Die wissen zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nichts von ihrem Unglück: darüber, dass Philipp, der Mähdrescher, sie in den nächsten paar Tagen arm essen wird.)

Der Kühlschrank ist voller als voll, es gibt einfach alles, was das Herz begehrt. Schon am ersten Abend steht vor dem Abendessen eine riesige Käseplatte am Tisch. Dazu ein Glas Weißwein. Dann wird gegrillt: Lammripperl, Schopf, Salat mit Parmesan (ohh, Parmesan, so nobel). Gaumenorgasmus, deluxe. Nach dem Essen sitzen wir im Wohnzimmer mit den Butlers, trinken Tee und quatschen. Es ist warm und gemütlich und obwohl wir erst seit ein paar Stunden hier sind, fühlen wir uns richtig wohl.

Dass das Bett tatsächlich so kuschelig ist wie gedacht, merken wir spätestens am nächsten Tag. Wir wachen um 10:30 Uhr auf. Das klingt jetzt gar nicht sooo spät, aber so lange haben wir schon lange nicht mehr geschlafen. Heute gehen wir’s mal langsam an: viiiiel und laaaange frühstücken und dann mit den Hunden zum Strand für einen Verdauungsspaziergang.

Es ist zwar etwas windig, aber sonnig und relativ warm. Beim Rausgehen ist der Himmel blau und es wirkt, als würde es ein warmer Tag werden. Dann, 5 Minuten später zieht es zu. Statt blauem Himmel sieht man nur noch dunkelgraue, dicke Wolken. Baba Sonne. Es fängt an zu regnen. Zuerst nieselt es, dann mehr. Okay, es schüttet. Wir laufen im Regen zurück.

Das mit dem Wetter ist hier in Tasmanien ja so eine Sache. Es ist Februar, sprich eigentlich Sommer. Wenn man das hier so nennen kann. Ich würde es ja eher einen warmen Frühling nennen, denn im „Sommer“ hat es hier durchschnittlich 21 Grad. Dafür hat man hier einen Lulu-Winter mit Durchschnittstemperaturen zwischen 4- 11 Grad.

Die Jahreszeiten in Tasmanien? Frühling, Frühling, Frühling, Winter.

Als wäre das nicht schon genug, bekommt die Insel die Winde aus der Antarktis zu spüren, die für die kühlsten Temperaturen Australiens verantwortlich sind. Vor allem an der Küste kann sich das Wetter binnen 3 Minuten ändern und zwar GRAVIEREND: die Sonne scheint, es regnet, es hagelt, die Sonne scheint, es stürmt. Nur, weil um 8 Uhr morgens die Sonne scheint und es warm ist, kannst du NIEMALS davon ausgehen, dass es den ganzen Tag so bleibt. Nope, nicht in Tasmanien. Da musst du dann trotzdem Regenjacke und -hose, Regenschirm, Haube, Handschuhe und ggf. noch Ski dabei haben, weil: man weiß ja nie. All four seasons in a day heißt es. Nicht umsonst. Wetterprognosen gibt’s nur alibimäßig, damit die Wetterfee was zu tun hat: „Es kööönnte ein schöner Tag werden, es könnte aber auch den ganzen Tag regnen. Aja und Schneefall wäre auch möglich.“

Ich als Sommerkind kann dazu nur sagen: pah! 20 Grad und sowas schimpft sich Sommer? Solange ich nicht bei 30 Grad in der Sonne liegen kann, mir nicht der Schweiß von der Stirn tropft und ich nicht mindestens 3 kg After Sun pro Woche brauche, ist das kein Sommer.

Der Sommer in Tasmanien ist also ca. so wie vegetarische Wurst: weder echt, noch geil.

Nachdem wir uns wieder aufgewärmt haben, die Sonne wieder scheint (diese blöde Kuh!), fahren wir zu einem Cider House bzw. Apfelmusem. Tassie wird nämlich auch noch The Apple Isle genannt und ist international (bezweifle ich noch immer, wenn doch viele nicht mal das Land selbst kennen, haha) bekannt für die Äpfel (Granny Smith wurde erstmals auf Tasmanien gezüchtet) und das leckere Cider.

 

Bereits am Weg dorthin sehen wir hunderte Apfelbäume links und rechts. Dazwischen wieder braune und ockerfarbene Felder. Weit und breit nichts außer Felder und Bäume. Dazwischen fahren wir durch klitzekleine Dörfer, die Leute arbeiten im Garten. Dann wieder Bäume, deren Äpfel saftig rot leuchten.

Irgendwie erinnert mich die Landschaft an Österreich im Herbst irgendwo im Nirgendwo in Oberösterreich (oder Kärnten) am Land: riesige Felder, grüne Bäume, kleine Hügel und noch kleinere Dörfer. Träume ich oder sind wir in Pichl? Tatsächlich wirkt alles wie daheim. Bis auf das blaue Wasser neben uns. Das hat schon was, so ein Meer.

Im Cider House bekommt man Infos über Äpfel und Cider (laaangweilig) und kann die verschiedenen Cider verköstigen (wuhu). Cider schmeckt wie (Apfel)Saft, macht aber genauso betrunken wie Bier, das wissen wir jetzt.

 

Leicht beschwipst geht’s nach Hause und nach dem Abendessen ins Bett. Am nächsten Tag stehen wir bald auf, weil wir heute eigentlich den Tag auf Bruny Island verbringen wollen. Leider – war ja klar – ist das Wetter bäh und es regnet. Wieder mal. Fick dich, Pseudo-Sommer! Was lernen wir daraus? Planen in Tasmanien – unmöglich.

Plan B: erst mal Kaffee trinken und Plan C schmieden. (Und feiern: 21 Monate Philipp und Sarah, 5 Monate wirunddiewelt und 12 Wochen reisen mit Sam. What a day!)

Alternativ-Programm: wir fahren auf den Mount Wellington, den Hausberg von Hobart. Rein theoretisch könnte man auch zu Fuß rauf marschieren, allerdings haben wir bei so einem Wetter nicht wirklich Bock darauf. Obwohl ich mittlerweile weiß, dass „wir nicht aus Zucker sind“ (Zitat Franz Bergmair), bevorzugen wir lieber die trockene Variante. Außerdem: als wäre Regen nicht schon genug, gibt es hier einen Temperaturunterschied von ca. 10 Grad im Vergleich zur Stadt, ganz zu schweigen vom eisigen Wind.

Die Aussicht ist wunderschön, der Wind nicht so sehr. Vorteil, wenn man mit dem Auto da ist: man kann ganz schnell wieder runterfahren.

Als Belohnung für den Berg (hihi) und zum Aufwärmen gibt’s endlich das, worauf wir schon die ganze Zeit warten, seit wir in Australien sind: the one and only: MEAT PIE! Meat Pies werden in Australien geradezu als nationales Symbol angesehen und sind hier so beliebt wie bei uns das Wiener Schnitzel. Im Grunde bestehen sie aus einer Teighülle mit den unterschiedlichsten Füllungen (vegetarisch, Curry, Hühnchen, Steak), wobei der klassische Meat Pie mit Rinderfarschiertem in einer Art Bratensoße gefüllt ist. Banjo’s ist zwar eine Kette wie McDonalds, aber die Meat Pies dort sollen einfach legendär sein. Im Nachhinein können wir bestätigen: ein Meat Pie von Banjo’s und ein Big Mac vom Mäci haben vieles gemeinsam: es gibt nur einen wahren, beide triefen vor Fett und man nimmt schon beim Anschauen zu, aber das ist es sowas von wert.

 

img_6836
Ich muss das in Wien finden!

Da es wieder regnet und kalt ist brauchen wir einen Plan D. Plötzlich reißt es auf, die Sonne scheint und es ist warm. Okay, Plan E! Wir fahren zum Kingston Beach. Aber nicht, um auf der faulen Haut zu liegen (tha, als wäre baden überhaupt möglich bei diesem Aprilwetter). Dort machen wir eine kleine Wanderung der Küste entlang. Der Strand ist traumhaft schön, das Wetter auch. Pulli aus. Dann ziehen doch wieder Wolken auf und die Sonne verschwindet. Pulli an. Kalt, warm, kalt, warm. Schlimmer als jede Frau, weiß das Wetter hier auch nicht, was es will.

Plan für den Abend (Dinge, die innerhalb eines Gebäudes stattfinden, können ausnahmsweise geplant werden): die Butlers in den Genuss von österreichischer Kost kommen lassen. Und was schmeckt mehr nach Österreich und Daheim, als ein Wiener Schnitzel mit Pedasü-Kartoffeln? Eben.

Also fahren wir noch zum Supermarkt, um alles zu besorgen. Sarah und Lebensmitteleinkauf – da könnte ich jetzt einen ganzen Aufsatz darüber schreiben. Einkaufen ist für mich nämlich nicht einfach nur einkaufen. Einkaufen wird von mir zelebriert. Das beginnt bei der Vorbereitung: ich als Sparefroh und selbst ernannter Schnäppchenkönigin blättere schon vorher die Prospekte der Supermärkte durch und sehe mir die Angebote an. Im Supermarkt flaniere ich dann Stuuuunden mit Kopfhörern und Musik durch die Gänge auf und ab… was gibt’s Neues? Was ist im Angebot? Ooooh 2 zum Preis von einem. Mindestens dreimal wöchentlich geht das so. Der Augustin Verkäufer vorm Billa kennt mittlerweile schon meine halbe Lebensgeschichte, so oft war ich dort.

Lebensmitteleinkauf im Ausland bringt das ganze nochmal auf ein neues Level. Das gleicht schon eher einem Museumsbesuch. Neue Produkte, neue Marken, andere Geschmäcker, andere Sorten – da kann man schon mal einen ganzen Nachmittag im Supermarkt verbringen. Nachdem wir dann die Challenge „Semmelbrösel kaufen“ gemeistert haben und die Burschen einkaufen nicht so geil finden wie ich, fahren wir nach Hause und fangen an. Sodala, dann bringen wir mal ein bisschen Österreich nach Australien. Und damit mein ich nicht nur den Fettgeruch, der wahrscheinlich bis heute im Hause Butler in der Luft liegt.

dsc02651
Soviel Liebe auf einem Foto.

Schnitzel, ein Fazit: die Butlers waren begeistert und ohne uns selbst loben zu wollen: wir auch.

 

Da sitzen wir also beim Abendessen mit der ganzen Familie am Tisch und reden über unseren Tag und unsere ersten Eindrücke von Tasmanien. Irgendwie witzig, aber es fühlt sich tatsächlich ein bisschen wie in Österreich bei den Eltern an: man isst gemeinsam, man fernseht gemeinsam, man spricht über den Tag, man wünscht sich einen guten Morgen und eine gute Nacht. Und genauso wie an den Wochenenden daheim rollt man jeden Abend ins Bett, weil das Essen einfach viiiel zu gut ist.

Leider ist Philipp krank, weswegen wir die nächsten zwei Tage daheim bleiben und die Tage eher gemütlich verbringen. Allerdings müssen wir sowieso schon wieder packen, da wir am Montag unseren Roadtrip starten. Mehr dazu im nächsten Eintrag!

Schönen Wochenstart und bis demnächst ❤

PS:

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s