Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen – Roadtrip in Tasmanien, Teil I.

Hallo ihr Liebiiiis! Zuerst mal: sorreeeey. Ich weiß, ich schulde euch mindestens tausend Geschichten! Je mehr Nachrichten ich von euch bekomme, wann es denn den nächsten Eintrag gibt, desto größer wird mein schlechtes Gewissen! Allerdings war in den letzten Wochen weder die Zeit noch die Inspiration vorhanden, um zu schreiben… Und genauso wie Karl Lagerfeld seine Muse braucht, brauch auch ich ein paar Geistesblitze. Schreiben könnt ich ja, aber da würd nur ein Schas dabei rauskommen und das kann ich als alte Perfektionistin natürlich nicht mit mir vereinbaren!

Abeeeer – tadaaaaaa – hab ich’s finally doch tatsächlich geschafft. Ich bin so tüchtig. Dafür kleb ich mir selbst einen Smiley in mein imaginäres Fleißheft.

[Zeitraum: 6. Bis 11. Feburar – ich weiß, ich hinke hinten nach, ich will nichts mehr hören!]

Nachdem wir uns die Umgebung angesehen haben und obwohl wir das Hause Butler am liebsten gar nicht mehr verlassen wollen, starten wir nach dem Wochenende mit unserem Roadtrip.

Davor heißt’s aber natürlich mal packen. Der Vorteil daran, wenn man mit einem Rucksack reist und sowieso nur 5 Leiberl und 5 Unterhosen hat: die Auswahl ist klein und man kann eh nur das mitnehmen, was man auch die letzten 5 Monate schon getragen hat (oder das am wenigsten schlimm müffelt, haha). Voll praktisch!

Allerdings geht’s beim Campen sowieso nicht um Kleidung oder Aussehen, sondern da stellen sich in erster Linie Fragen wie: „Wo schlafen wir?“ und „Wie und was kochen wir?“ und „Woraus essen wir?“. Also eigentlich wie damals mit 18, wenn man zwecks Studium von daheim auszieht und man plötzlich erwachsen sein und sich mit Dingen auseinandersetzen muss, die früher Mama übernommen hat.

Gott sei Dank sind die Butlers Profi-Camper (was können die eigentlich nicht?!) und haben neben einem genialen Wohnwagen (inkl. 2 Fernseher – weniger Streitpotenzial bzgl. Fernsehprogramm) natürlich auch Dinge wie Griller, Gaskocher, Geschirr, Campingstühle und Tisch. Den Wohnwagen lassen wir zwar zu Hause, aber der Rest wird sorgfältig in den Jeep geschlichtet.

Wie gesagt, den Wohnwagen lassen wir daheim und weil unsere Rücken noch fit sind (wer sagt das?), schlafen wir die nächsten Tage im Zelt. Hat da gerade jemand Zelt gesagt? Wir haben nämlich nicht iiirgendein Zelt, neiiin! Wir haben einen Swaaaaag. Und genauso wie man den Neuburger nicht Leberkäse nennen darf, wird ein Swag auch nicht Zelt genannt.

Während in Österreich, das Jugendwort Swag „für eine beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung“ steht (Quelle: Wikipedia), ist ein Swag in Australien ein Zelt inklusive dicker Matratze. Der Swag wird einfach nur der Länge nach zusammengerollt und in eine Tasche gepackt. Heißt beim Aufbau: raus aus der Tasche, ausrollen, 3 Stangen rein und fertig. Kling einfach, ist es auch. Bei der Kopfseite gibt es links und rechts jeweils einen Eingang inklusive Moskitonetz – somit kann man lüften und/oder quasi bei „offenem Fenster“ schlafen. Und – das Tüpfelchen am i – man kann einschlafen, während man den Sternenhimmel beobachtet. Auch schön.

Ein Swag ist in Australien also das Zelt in Perfektion. Der König aller Zelte. Das Boxspringbett unter den Betten. Der Swag hat Swag, wenn ihr wisst, was ich meine.

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Swag – der Grund, warum man freiwillig auf ein Bett verzichtet.

Und dann der Schlafsack. Der SCHLAFSAACK! Seien wir uns mal ehrlich: normalerweise sind Schlafsäcke ja wirklich ernsthaft offen und ehrlich gesagt fürn Arsch. Die Idee an sich: okay, chapeau. Aber warum zum Teufel sind die immer nur 20 cm breit? Gibt es einen speziellen Grund dafür, dass die so breit wie Strumpfhosen sind? Finden die das lustig, wenn man unbeholfen versucht, sich irgendwie rein zu quetschen, um anschließend gefangen in dem Kokon steif im Bett zu liegen und kaum atmen zu können? Als wäre es vollkommen normal, davon auszugehen, dass sich Menschen während der Nacht niemals bewegen und immer gerade am Rücken liegen wollen.

Wenn es um Schlafpositionen geht, bin ich ja eher so der Bienenstich-Fan: seitlich auf dem Bauch, ein Bein ausgestreckt, ein Bein angezogen (übrigens selbst kreierter Name und sehr passend, finde ich). Bienenstich im Schlafsack: unmöglich. Wie ihr erkennen könnt: meine Schlafsack-Liebe hält sich in Grenzen. Vor allem wenn ich mit Philipp im Zelt liege und der Kokon sogar für ein Löffelchen zu eng ist, verfluche ich die Designer der Schlafsäcke.

Schlafsack, das menschliche Kondom: man spürt nichts und ohne wär’s viel schöner.

Aber nicht mit den Butlers! Die haben als Camp-Pro natürlich nur das beste Equipment, und zwar: einen Schlafsack für Zwei oder wie ich es gerne nenne the love bag. (Nachtrag: anscheinend gibt’s das sowieso schon lange, ist aber offensichtlich an mir vorbeigegangen) The love bag: über 2 Meter breit, über 2 Meter lang und man kann sich gemeinsam ohne Probleme in den Riesen-Kokon kuscheln (sogar inklusive Bienenstich). Ich persönlich wär ja für die Einführung dieses Schlafsacks in den Alltag: nie wieder Streit um die Decke! Dadurch würden so einige Beziehungskrisen verhindert werden.

Soviel dazu. Schlafsack: check. Spülmittel: ebenfalls. Nahrung: negativ. Also noch kurz einkaufen und tanken und dann: ab die Post!

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Let’s go roadtrippin‘!

Unser erstes Ziel ist der Freycinet National Park. Fahrt bis dorthin: 3 Stunden. Musik: laut. Motivation: sowas von da.

Bei der Hälfte der Strecke halten wir bei the one and only Kate’s Berry Farm. Die Beerenfarm ist sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen sowas von beliebt, weil die frisch aus den Beeren hergestellte Eiscreme jedes Magnum und Cornetto in den Schatten stellt. Wir schlagen zu und können bestätigen: saugeil! Und gesund auch noch! Immerhin sind Beeren drin.

Im Freycinet Nationalpark werden wir die nächsten zwei Tage übernachten. Nationalparks in Tasmanien sind beliebte Camping-Ziele, weil es dort wunderschöne Plätze gibt und es neben frei campen (was nur an markierten Plätzen möglich ist) die günstigste Variante ist. Falls man also nicht nur einen Tagesausflug in einen der Parks machen möchte, erhält man für 60 $ ein Ticket, mit dem man 2 Monate lang Zugang zu allen Nationalparks hat (inkl. Camping).

Zu unserer Verwunderung gibt es beim Eingang keine Kassa im klassischen Sinne. Dort steht lediglich ein kleines Holzhäuschen inklusive Infos zur Parkgebühr bzw. ein Plan und eine kleine Kassa. Niemand da, bei dem du bezahlst. Kein Ticketverkäufer. Nur die kleine Kassa, die man sogar mit einer Büroklammer aufbrechen könnte.

Tasmanien – da, wo den Menschen noch vertraut wird.

Die Campingplätze in den Nationalparks sind ziemlich einfach ausgestattet: es gibt zwar mehrere WCs, allerdings keine Möglichkeit für Trinkwasser, geschweige denn sowas wie eine Dusche.

Bevor wir losgefahren sind, hab ich Sam gefragt, wo wir eigentlich duschen gehen. Daraufhin kam ein langes öööhm und ääähm und ein nachdenklicher Blick und dann so „Hm.. im Meer?“. Mhm. Ich wasch nämlich immer sehr gern meine Haare in Salzwasser. Männer. Naja, was soll’s. Haube ist das Haarewaschen des Campens.

Nachdem wir unseren Platz gefunden haben, machen wir natürlich das, was jeder macht, wenn er irgendwo hinkommt, wo’s Meer gibt: zum Strand gehen.

Tja, was soll ich sagen… ein Traum. Ich glaub, ich hab noch nie so weißen Sand gesehen. Kennt ihr das, wenn ihr auf der Skipiste eure Sonnenbrille abnehmt und die Sonne so krass scheint, dass euch der weiße Schnee blendet und das Hinschauen weh tut? Genauso ist es hier. Nur Sand statt Schnee und ohne Skianzug. Sandblind oder so.

Die Burschen laufen ins Meer á la Baywatch, ich bleib draußen. Solange mir nicht wirklich heiß ist und/oder ich schwitze, verweigere ich das Wasser. Da bin ich streng. Weil’s einfach nichts Schlimmeres gibt, als zu frieren. Dafür geh ich Muscheln sammeln. Muss ja auch jemand machen.

Zurück beim Campingplatz beginnen wir mit der Zubereitung vom Abendessen. Wir sitzen auf Campingstühlen mit Kopfstützen (Kopfstützen!), das Hühnchen brutzelt am Weber-Grill (heute gibt’s Wraps!), der Kaffee kocht am Herd (Gasherd mit zwei Platten!). Plastik-Zelt, Gas-Katusche und Dosenravioli? Vielleicht damals am Nova Rock mit 16. Das, was wir hier machen, ist kein Camping – das nennt sich GLAMPING! (=Glamouröses Campen). Hier würde sich sogar die Queen wohlfühlen.

Es gibt nur eine Sache, die sich seit dem Campen am Nova Rock nicht geändert hat: der billige Fusel, den wir trinken. Der Alkohol in Australien ist einfach zu teuer, deswegen haben wir uns die australische Version vom berühmt berüchtigten 2 Liter Doppler vom Spar besorgt: Goon. Ein Goon ist ein Plastiksackerl mit 4 Liter Weiß- oder Rotwein versteckt in einem schön verziertem Karton inklusive Zapfhahn. Und das für stolze 14 Dollar. SCHNÄPPCHEN! Normalerweise eher bei den Vollproleten beliebt, aber naja. Zu unserer Verteidigung muss ich euch sagen: der Wein schmeckt gar nicht mal so schlecht. Wie aus der Südsteiermark. Fast. Ein bisschen. Wenn man ganz fest daran glaubt. (Vom Kopfweh am nächsten Tag will ich jetzt lieber mal nicht sprechen…)

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Goon – Wein, bei dem jeder Sommelier Gänsehaut bekommt.

Nach 3 Wraps und einem Glas exquisiten Wein machen wir einen Verdauungspaziergang. Spazieren am Strand – geht immer. Dazwischen noch ein paar Turn- und Yogaübungen, damit man sich später ohne schlechtem Gewissen die Chips reinstopfen kann.

Und dann… haltet euch fest… gehen wir weiter… und sehen: einen Pinguin. Watschelt der einfach so bei uns vorbei. Dubdudub. So, als wäre es das Normalste der Welt. Ein Pinguin! Am Strand! (Noch vor ein paar Wochen hab ich mit jemandem (ich nenne keine Namen) darüber diskutiert, weil diese Person mir nicht glauben wollte, dass es auch Pinguine am Strand gibt. An dich: Ätschbätsch, ich hab Recht!)

Auch, wenn ich gewusst habe, dass es reiiin theoretisch möglich wäre, dass man hier einen Pinguin sieht: oh mein Gott! Das ist wie wenn man reiiiin theoretisch Brad Pitt treffen könnte und er dann plötzlich tatsächlich vor einem steht.

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Einmal einpacken, bitte.

Ein Pinguin. Ich pack’s immer noch nicht. Abends sitzen wir dann am Platz und spielen Karten und plötzlich hören wir Geräusche aus dem Gebüsch. Kurze Ratten-Panikattacke bis etwas raus hüpft: größer, lieber und ohne ekligem Schwanz: ein Wallaby. Pinguin, Wallaby – sind wir hier im Zoo? Wenn jetzt noch eine Giraffe vorbeispaziert, würd’s mich auch nicht wundern.

Wallabys sind die kleinere und süßere Ausgabe von Kängurus. Kängurus gibt es hier in Tasmanien keine, worüber die Einwohner ziemlich froh sind, denn die bis zu 2m großen Tiere stellen im restlichen Australien vor allem für die Farmer eine große Plage dar.

Wie auch immer – Philipp und ich verbringen den halben Abend damit, die Wallabys zu bestaunen, zu fotografieren und/oder zu filmen. Mini-Ausgaben von Tieren lösen bei mir immer dasselbe Gefühl aus, wie Babys bei anderen: 1. ich will es liebhaben. 2. Babystimme: „“Ja wo ist denn das kleine Wuziiiiiii? Ja woooo? Jaaaa du kleines Buziiiiiii!“

Bei Wallaby Nummer 54 legt sich dann langsam die ganze Aufregung, immerhin gibt’s die Tiere hier wie Schweine am Bauernhof. Trotzdem: Pinguin und Wallaby an einem Tag – BEST DAY EVEEEER.

Den Abend lassen wir dann bei Rotwein und intensiven Gesprächen über die Zukunft ausklingen. Zukunft, BÄH. Mein ganz persönliches Unwort. Sam ist jetzt nach über 7 Monaten Weltreise wieder zurück – daheim – in der Realität – und steht nun vor der Frage: „Was jetzt?“

Nicht, dass es uns nicht auch in ein paar Monaten so gehen wird, aber ich bin froh, dass wir noch nicht an so doofe Erwachsenen-Sachen wie Arbeit, Geld, Wohnung oder Alltag denken müssen. Natürlich schwirren einem trotzdem ab und zu Gedanken diesbezüglich und die Frage „Was kommt danach?“ durch den Kopf. Das Thema verschwindet dann aber auch ganz schnell wieder von selbst, weil wir sowieso keine Antwort darauf haben. Ich warte ja immer noch auf Inspiration. Auf die Erleuchtung, auf den Geistesblitz, auf die Antwort der Frage aller Fragen: was will ich tun?

Im Moment beschäftigen wir uns allerdings die meiste Zeit mit Fragen wie „Was essen wir heute?“ oder „Stehen wir um 9 oder um 10 auf?“. First World Questions!

Für alles andere ist es noch zu früh. Wir sind jetzt seit knapp 5 Monaten unterwegs, wir haben noch genug Geld und was noch viel wichtiger ist: Spaß. Also alles andere lieber mal Verdrängen. Lieber mal das heute genießen, den Tag, das Land, das Essen, die Leute, die Luft, das Meer, den coolen Typen neben dir. Sorgen machen werden wir uns eh noch früh genug.

In diesem Sinne: Gscheidwastl Sarah – over and out.

Wir wachen auf. Es ist heiß. Wie immer bei Übernachtungen im Zelt liegt man morgens im Bett und fühlt sich wie erschlagen. Man kriegt kaum Luft und durch die Sonne hat es in dem kleinen dreieckigen Ding mindestens 40 Grad (MINDESTENS!). Mein Kopf brummt, das Hämmern gegen die Stirn wird immer stärker. Danke Rotwein.

Aus dem Zelt-Alter sind wir ja, wie gesagt, eigentlich raus, die Festivals haben wir hinter uns. Damals mit 16 war das ja alles kein Problem: billiger Alkohol, luftundurchlässiges Zelt, halb aufgeblasene Luftmatratze – scheißegaaaal. Yolo, Alter! Von Kopfweh oder Rückenschmerzen keine Spur! Jetzt allerdings, 10 Jahre später, ist das nicht mehr so leicht. Jetzt geh ich ja auch schon zum Dänischen Bettenlager und geb mein Erspartes für eine Matratze aus. Jetzt bin ich alt. Und genau deswegen sollte es dieses Mal doch anders werden.. genau deswegen haben wir kein normales Zelt, sondern den Swag!

Dieses Mal waren allerdings weder die Matratze noch das Zelt Schuld. Nein, nur meine eigene Doofheit. 1. Hab ich vor lauter Erfrier-Angst nämlich so viel Pyjama getragen, dass ich dem Michelin-Männchen Konkurrenz gemacht habe: Wollsocken, lange Hose, Leiberl, Pulli und Fleecepulli. Das Zwiebelprinzip hab ich so richtig drauf. 2. Haben wir die zwei „Fenster“ zugelassen. Dumm. Ich entferne nach und nach die Zwiebelschichten und öffne den Reißverschluss. LUFT! Geil.

Während wir tief einatmen und uns über so viel Sauerstoff freuen, schließen wir die Augen und dösen noch ein bisschen vor uns hin. Ein paar Minuten später öffnen wir die Augen und – PAM! Sitzt ein Wallaby vor dem Fenster und schaut uns ins verschlafene Gesicht. Okay, jetzt sind wir munter.

Nach dem Wallaby-Herzinfarkt stehen wir auf und starten den Tag getrennt: die Burschen gehen planschen (=duschen) und ich gönn mir einen Silent Walk am Strand. Also eigentlich nur einen Walk, ich bin ja sowieso alleine, wie soll’s da auch nicht silent sein?

Ich und der Silent Walk, eine Lovestory.

Ich gehe den Strand entlang im Sand, der Puls wird höher. Spazieren im Sand sollte als Sport eingestuft werden. Ich höre Musik, bleibe ab und zu stehen und beobachte das Meer. Stehenbleiben, nachdenken und checken, was gerade passiert. Wir sind hier – am anderen Ende der Welt! Einfach so! Es passieren Dinge, über die wir noch in 30 Jahren reden werden… „weißt du noch, damals…?“. Deshalb öfter mal stehenbleiben und verstehen: ich Glückskind. Oder stehenbleiben und einfach mal schauen. Ohne eine Kamera, ohne Handy, ohne ein Foto zu machen. (Und das ist wirklich schwer für mich!) Den Moment nur im Kopf einfangen. Ein Bild, abgespeichert, aber nur für mich. Mein Moment, meine Erinnerung.

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Silent Walk. Nur ich und die Möwe.

Wie ihr merkt: ich bin ein großer Fan von alleine spazieren gehen. Zeit für mich, Musik im Ohr, Ruhe, Frischluft. Daran könnte ich mich gewöhnen: jeden Morgen einen Silent Walk am Strand. Das hat schon was, so ein Meer. Ist halt nicht dasselbe, so ein Silent Walk am Donaukanal, wo dir noch die B’soffenen aus’m Flex entgegenkommen.

Heutige Erkenntnis: Österreich braucht ein Meer.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg Richtung Wineglass Bay. Die Wineglass Bay liegt auf der Freycinet Halbinsel und gilt als einer der zehn schönsten Strände der Welt. Ohaaaa, da sind wir aber gespannt. Um dort hin zu kommen, muss man allerdings über einen kleinen Berg. Auch nicht schlecht, so hat man sich das Baden immerhin verdient. Badezeug: check. Wanderschuhe: check. Und GO!

Wir gehen nur ca. 45 Minuten, bis wir auf der Spitze des Berges ankommen. Von oben hat man eine geniale Aussicht auf die Wineglass Bay. Spätestens hier versteht man auch, was es mit dem Namen auf sich hat: sieht aus wie ein Weinglas. Logisch eigentlich. Und ich hab mir noch gedacht, man bekommt am Strand ein Glas Wein in die Hand. Schade.

Bereits beim Hinuntergehen vom Hügel packst du dein Leben nicht mehr: der Sand weiß wie Koks, das Wasser so türkis und klar. Wir sind sprachlos. Sowas haben wir bisher noch nicht gesehen. Die Strände bis jetzt waren halt Strände: Meer und Sand. Natürlich richtig toll – wenn man aus Österreich kommt, freut man sich ja gleich mal über Meer und Strand und ist schon mit Lignano-ähnlichen Bedingungen zufrieden. Salzwasser, yeaaah! Da sind wir nicht so anspruchsvoll. ABER DAS! Ich lüge wirklich nicht, wenn ich sage, dass das mit Abstand (!!!) der schönste Strand ist, den wir in unserem Leben gesehen haben. Wenn ich euch erzähle, dass wir beim Runtergehen gefühlte 80 Mal über Steine und Wurzeln gestolpert sind, könnt ihr euch sicher vorstellen, wie fasziniert wir waren.

Ein Bilderbuch-Strand. Das Wasser ist so klar, dass man sich nicht mal reinludln traut, weil man Angst hat, dass es jemand sieht. Im Wasser schwimmt – nichts. Außer Wasser. Unter Wasser öffne ich meine Augen und sehe noch, wie sich 150 Meter weit entfernt ein Mann am Beidl kratzt. SO KLAR IST ES! Taucherbrille? Überflüssig, wenn du nicht gerade bis auf die Antarktis sehen willst. Ein Traum. Unser Traum. Dürfen wir bitte hier bleiben?

Nachdem wir 2 Stunden abwechselnd im Wasser turnen und in der Sonne brutzeln und wir aber die Sonnencreme vergessen haben (Anfängerfehler), entscheiden wir, obwohl wir doch eigentlich für immer hier bleiben wollten, dass wir doch lieber gehen sollten. Bei der Wanderung zurück, bin ich mir nicht sicher, warum, aber folgendes passiert: irgendjemand von uns Drei fängt an zu laufen und anstatt zu fragen „Was zum Teufel ist mit dir los?“ rennt einfach jeder hinterher. Klassischer Gruppenzwang. Äääh, was tun wir da? Warum tu ich das? Naja, wie sagt man so schön: ein bisschen Sport ist auch kein Mord. Oder so.

Also laufen wir den ganzen Berg durch rauf. Jeder ist kurz vorm Kreislaufkollaps (es hat ja schließlich um die 30 Grad), zugeben will’s aber keiner. Da ich bergab gehen sowieso hasse (ich hab die Knie einer 70-jährigen), laufe ich weiter. Und da sich die Burschen natürlich nicht die Blöße geben wollen, laufen sie auch. Wir kommen unten an – außer Atem, verschwitzt und mit knallroten Gesichtern. 30 Minuten statt 1,5 Stunden. Auch nicht schlecht. Nach dem Strandspaziergang (zählt doppelt, weil man beim Sand immer einsinkt) und dem Berglauf haben wir das mit der Bewegung definitiv für die nächsten 10 Tage erledigt.

Nach 30 Minuten ist mein Gesicht immer noch krebsrot. Ich bin mir nicht sicher: liegt’s noch immer am Laufen oder hab ich einfach einen Sonnenbrand? Ihr müsst nämlich wissen: auch wenn ich daheim laufen gehe, macht mein Gesicht danach jeder Tomate Konkurrenz. Und zwar mindestens 3 Stunden lang. Mittlerweile weiß ich das, doch das war nicht immer so.

Ich kann mich noch genau erinnern, als ich die ersten paar Male voll motiviert am Donaukanal laufen war. Viele haben sich umgedreht, mich gemustert, mich angestarrt. Natürlich hab ich das seltsam gefunden, aber ich bin halt davon ausgegangen, dass die so schauen, weil ich einfach so schnell laufe. Wie der Blitz. So á la: „Poah, hast du die gesehen?“ – „Nein.“ – „Geht gar nicht, weil sie so schnell läuft.“ Naja. Mittlerweile weiß ich, dass ich eigentlich gar nicht schnell laufe und somit das Tempo gar nie der Grund für die komischen Blicke war. Die Leute haben mich einfach nur angesehen, weil ich mit meinem hochroten Kopf so ausgesehen habe, als würde ich jeden Moment in Ohnmacht fallen. Soviel dazu. Doch kein Blitz. (Ich schweife heute beim Schreiben immer ab, fällt euch das auf? Zu viele Gedanken in meinem kleinen Köpfchen.)

Bevor wir zurück zum Campingplatz fahren, schauen wir noch bei der Freycinet Marine Farm vorbei. Genauso wie für Äpfel, Cider und Wein, ist Tassie nämlich auch für Meeresfrüchte berühmt. Insbesondere die Austern sollen ein ganz besonderes kulinarisches Erlebnis sein. Ich hab’s mal gegoogelt und da stand, dass es die besten Austern der Welt sein sollen. Die besten Austern! Und das bei meiner Austern-Entjungferung, ich bin so aufgeregt!

Was ich vorher schon gelernt habe: mit Austern ist es ja wie mit Justin Bieber – entweder man liebt sie und kann nicht genug davon bekommen oder man hasst sie abgrundtief. Wir entscheiden uns für eine Platte mit verschiedenen Austern-Variationen: mit Tomatensalsa, mit Lauch und Lachs und klassisch mit Zitrone. Nicht, dass ich es nicht schon vorher gewusst habe, nachdem es ja wirklich nichts gibt, was ich nicht mag, aber JAAAA ich liebe Austern! (Ich korrigiere: Lieber-trinke-ich-Lulu-Suppe aus Malaysia hab ich nicht so gern). Außerdem bekommt man da gleich so ein fancy-schmancy-ich-bin-reich-Gefühl! Man bringe mir den Schampanski!

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Austern und Möt.

So, meine Lieben. Ich kann es ja selbst kaum glauben – ein Eintrag ist fertig, juhuuu! Roadtrip Teil II folgt in Kürze.

Gaaaanz viel Liebe und DANKE, dass ihr alle den Blog nach wie vor so gerne lest! ❤

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