Hobart – klein, aber oho!

Gott zum Gruße und ein herzliches Willkommen zum letzten Eintrag über Tasmanien. Dass wir das noch erleben dürfen!

Ich hab euch ja bereits im letzten Eintrag erzählt, dass wir extra früher vom Roadtrip heimgefahren sind, weil wir das Wochenende in Hobart verbringen wollen. Wir sind zwar traurig, dass wir nicht mehr im Swag schlafen dürfen, aber naja. Kann man ja rein theoretisch auch im Garten aufstellen.

Aber wir sind mittlerweile schon 2 Wochen in Tasmanien und waren noch kein einziges Mal in der Hauptstadt. Und man kann ja auch nicht durch Österreich düsen und dann Wien auslassen.

Außerdem ist in Hobart kommendes Wochenende einiges los und das wollen wir uns natürlich unbedingt geben:

  1. Das Australian Wooden Boat Festival (da haben wir Glück, denn das findet nur alle zwei Jahre statt)
  2. Jeden Samstag: der Salamanca Market – 300 Verkaufsstände nur für uns (Oh mein Gott!)
  3. Das war’s eigentlich schon. Reicht aber auch für die kleine Stadt.

Wir starten unser City-Wochenende ganz intellektuell mit ein bisschen Kunst. Erster Halt: Mona. Nein, Mona ist weder eine Freundin von Sam noch ein cooles Hipster-Lokal, sondern die Abkürzung bzw. der Name eines Museums: Musuem of Old and New Art.

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Wir und Mona.

Wie der Name schon sagt, zeigt das Museum nicht nur moderne und zeitgenössische, sondern auch antike Kunst aus der privaten Sammlung eines tasmanischen Millionärs. 400 Kunstwerke auf 3 Etagen – es kann sich nur um Stunden handeln.

Beim Eingang bekommen wir eine Art Ipod, auf dem man die Geschichte zum Werk und/oder zu den Künstlern nachlesen bzw. das Kunstwerk bewerten kann. Ungefähr so wie bei Tinder: nach links wischen – geil! Nach rechts wischen – wäh.

Die Kunstwerke sind schräg, komisch, lustig, erschreckend, grauslig, spannend, interessant,… hab ich schon grauslig gesagt? Auf jeden Fall sind sie vieles und alles – außer fad.

 

Ich will euch jetzt gar nicht zu lang mit Kunst zutexten, um aber zu veranschaulichen, WIE unfad das Museum ist, hier ein Beispiel:

Eins der Kunstwerke, dass wahrscheinlich am meisten Aufsehen erregt, heißt „Cunts and other Conversations“. Da hängen einfach – ohne Scheiß – 158 Porzellanabgüsse von Vaginen auf einer Wand. (Was ist eigentlich die Mehrzahl von Vagina? Vaginas? Vaginen? Ich hab im Duden nachgeschlagen: Vaginen. Ich lern ja so viel bei dem Blog!) 158 UNGLAUBLICH unterschiedliche Vaginen: groß und klein, haarig und rasiert, von heterosexuellen und lesbischen Frauen, von Jungfrauen und Müttern.

Ich bin einfach SO begeistert, weil, ganz ehrlich, die Idee muss man mal haben! Wieso ein langweiliges Bild aufhängen, wenn ich auch einen Abdruck meiner Vagina an der Wohnzimmerwand anbringen kann?

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158 Mumus. Warum nicht?

Spätestens aber bei der Verdauungsmaschine, die gefüttert wird und das Essen in Exkremente umwandelt (riecht man schon vom Erdgeschoss aus – GAR NICHT GRAUSLIG, nein) stehen wir davor und fragen uns:

Ist das Kunst oder kann das weg?

Nicht, dass wir uns auskennen, nein. Wir sind Kunst-Nackerbazl. Um das zu vertuschen, trage ich heute auch extra meinen Hut. Mit Hüten ist das nämlich so: aufsetzen – zack – klug und hipster-künstler-mäßig wirken. So, als würde man in der Freizeit nichts anderes machen, als Rotwein zu trinken und über Kunst zu philosophieren.

 

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Der „Kunst ist mein Hobby“-Hut.

Irgendwann steh ich dann mit meinem Hut und der Denkerposer (Zeigefinger am Kinn reiben) vor einem Kunstwerk und seh es mir ganz genau an – von links… von rechts. „Aha. Mhm. Was könnte das bedeuten.“ Und plötzlich öffnet jemand die Tür und ich nur so: „Aso, das ist die Klo-Tür. Okay. Ich geh dann mal.“

Mona, ein Fazit: meistens spannend, gelegentlich wie ein Unfall – man will, kann aber nicht wegsehen, und manchmal so: hä, wie jetzt? Im Großen und Ganzen waren wir fasziniert, begeistert, beeindruckt. Deswegen wird die „Was tun am Wochenende“-Liste ab heute erweitert: öfter mal Museen besuchen.

Anschließend fahren wir ins Zentrum von Hobart. Sam hat uns schon einiges über die Stadt erzählt und uns quasi gewarnt, dass wir uns nicht zu viel erwarten sollen. Also stell ich mich einfach mal auf sowas wie Wels ein: klein, unspektakulär und ziemlich unspannend. Lassen wir uns überraschen.

Wir beginnen beim Battery Point, den ältesten Vorort Hobarts und gehen über die 175 Jahre alten Stufen der Kelly’s Steps hinunter zum Salamanca Place. Überall stehen diese unglaublich schönen und eleganten Sandsteinbauten, in den Gassen reihen sich die prächtigen Kolonialhäuser. Wir flanieren über das Kopfsteinpflaster und lassen uns von den schönen Fassaden, den süßen Cafés, vom Charme der Stadt berieseln.

Hier gibt es keine großen Modeketten wie H&M oder Zara, sondern nur kleine Galerien, Boutiquen und Läden. Lokale Künstler verkaufen ihre Bilder, die Kunsthandwerker ihren handgemachten Schmuck und hochwertige Souvenirs.

Erster Eindruck: die Stadt hat Stil!

Auch der Hafen von Hobart trägt zum Flair der Stadt bei. Segelboote mit ihren Besitzern, die eins zu eins bei Reich & Schön mitspielen könnten, verlassen den Hafen, riesige Kreuzfahrtschiffe legen an. Alles wirkt so schick und edel. Und dann wir mittendrin mit unseren Fettfingern und den Bröseln im Gesicht von den Fish’n Chips.

 

Den Samstag starten wir genau dort, wo man jeden Samstag starten sollte: auf dem Markt. Natürlich nicht irgendein Markt, sondern der sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen beliebte Wochenmarkt am Salamanca Place.

Jeden Samstag locken rund 300 Verkaufsstände mit ihren frischen und lokalen Lebensmitteln, mit Kunst, Kleidung, Schmuck, Haushaltswaren und Spielsachen. Fast so wie die Standln in Tschechien – nur in schön. (Und teuer.)

Der Markt ist riesig, es ist laut und bunt und aus jeder Ecke wehen einem köstliche Gerüche entgegen. Tasmanische Händler verkaufen selbstgemachtes Eis, Brot, Burger, Sandwiches, Kaffee oder Schokolade mit allen Geschmäckern der Welt. Tipp von uns: mit leerem Magen hingehen.

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Salamanca Market – +2kg und – 100 $ in 2 Stunden.

Nicht nur am Markt, sondern generell in der ganzen Stadt ist heute die Hölle los. Wie bereits erwähnt findet dieses Wochenende das Australian Wooden Boat Festival statt. Klingt komisch, war es auch. Ich zumindest hab den Sinn irgendwie noch immer nicht verstanden. Ich hatte ja keine Ahnung, was das sein soll, so ein Wooden Boat Festival. Aber es beinhaltet das Wort Festival und damit verbinde ich essen und trinken und deswegen hab ich mich gefreut.

Auf jeden Fall werden im Hafen hunderte unterschiedliche Boote ausgestellt, die man als Besucher dann ansehen und bewundern kann. Egal, ob Segelboot, Kajak, Kanu, Yacht – die einzige Bedingung ist, dass es aus Holz ist.

Ja, was soll ich sagen. Jetzt, im Nachhinein, weiß ich: ein Boot Festival ist quasi das GTI Treffen der Reichen. Die Proleten werden zwar durch Schnösel in blau weiß gestreiften Leiberl mit Pulli über den Schultern ersetzt, im Prinzip geht’s aber ums gleiche: meins ist schneller, meins ist größer, meins ist besser. Schwanzvergleich par excellence.

Boot Festival hin oder her, Hobart ist auf jeden Fall eine Stadt mit Flair. Der Hafen, die Häuser, die Parks – so schön. Die Cafés und Bars – modern. Die Leute – sowas von schnuckelig. Also irgendwie überhaupt nicht so wie Wels.

Unseren letzten Tag verbringen wir nochmal ganz gemütlich in Jogginghose zuhause bei den Butlers. Da am kommenden Wochenende die Hochzeit von Sams Bruder ist, sind er und seine Freundin von Sydney gekommen, um alles vorzubereiten. Full House, also. Philipp hilft beim Aufbau mit, ich backe einen Kuchen (ich kann gar nicht backen).

Im Haus ist was los, alle sind gut drauf und jeder hat was zu tun. Und wir mittendrin am g’schaftln, ganz normal, als würden wir hier dazugehören. Tun wir ja auch, irgendwie.

Am Abend sitzen wir alle beisammen, als Sam die Nachricht bekommt, dass er an der Uni aufgenommen wurde. Noch ein Grund mehr zu feiern! Und so verbringen wir den letzten Abend mit gutem Wein, noch besserem Essen und der besten Laune.

Bevor uns Sam am nächsten Tag zum Flughafen bringt, werden nochmal alle richtig fest gedrückt. Wir verlassen Tasmanien mit einem weinenden und einem lachenden Auge, denn obwohl wir uns auf Neuseeland freuen, werden wir die Butlers, das Essen, das Haus und Tasmanien richtig vermissen.

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Sind sie nicht süß, die Butlers?

Der Abschied von Sam am Flughafen fällt uns natürlich nicht leichter. Und obwohl wir nicht wissen, wann, wissen wir definitiv, DASS wir uns wiedersehen. Hiermit laden wir dich offiziell nach Österreich ein, Sam!

Nachdem wir fertig gedrückt, gebusselt und umarmt haben, gehen wir zum Check-in Schalter. Wir sind aufgeregt und freuen uns riesig auf ein neues Kapitel in Neuseeland.

Die Dame am Schalter sieht unsere Pässe an, schaut auf den PC, tippt aufgeregt irgendwas, nochmal ein Blick in den Pass, dann wieder auf den PC. Wir werden unruhig.

Plötzlich sieht sie uns an und sagt:

„Ihr Flug geht in 2 Minuten. Das werden Sie nicht mehr schaffen, sie werden ihren Flug verpassen. Tut mir leid.“

Oida. Na.

-Fortsetzung folgt-

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