Neuseeland – Liebe auf den ersten Blick.

Auto: check. Philipp und Linksverkehr: als hätte er nie etwas anderes gemacht. Bereit für 5 Wochen Roadtrip durch Neuseeland ❤

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Bevor es zu unserem ersten Campingplatz geht, fahren wir noch zum Supermarkt: Pak’n Save, der Metro von Neuseeland. Die Auswahl ist riesig, man könnte nicht Stunden, sondern Tage darin verbringen. Es gibt alles, einfach ALLES! Ein ganzes Regal mit Müsliriegel, ich mein, habt ihr das schon mal gesehen? Oh Gott.

Gott sei Dank kenn ich das Szenario „Sarah im Kaufrausch ohne Plan im Supermarkt“ (=alles kaufen, was in den Einkaufswagen passt. Und in die Hosentaschen. Und was man sich sonst noch irgendwie umhängen kann) und weiß, dass das eskalieren kann/wird – deswegen hab ich eine Einkaufsliste gemacht.

Ihr müsst wissen: Sarah und Listen = Liebe. Wenn ich was kann, dann Listen machen. Eigentlich sollte ich das als Stärke in meinem Bewerbungsschreiben erwähnen. Egal, ob Pro-Contra-Liste, To-do-Liste inklusive Gliederung nach Priorität und Dauer der Aufgaben, Bücherliste, Filmliste, Restaurantliste – mein ganzes Leben besteht quasi aus Listen. Ich gehöre auch zu den Menschen (gibt es noch mehr davon? ICH HOFFE!), die, wenn sie etwas erledigen, das nicht auf der Liste steht, es im Nachhinein nachtragen und abhaken. Da bin ich genau. Denn nur eine vollständige Liste ist eine gute Liste. (Ich hör mich wirklich an wie ein Freak.)

Wie auch immer. Auf jeden Fall hat alles mit einer „Was kochen wir“-Liste angefangen. Immerhin kann man nicht einfach drauf los kochen – das muss geplant und überlegt sein!  Also hab ich mich die letzten Tage (Wochen) inspirieren lassen und eine Liste erstellt. Diese wurde anschließend natürlich nochmal überarbeitet, immerhin muss man bedenken, dass wir ja Campen und höchstwahrscheinlich nicht das richtige Equipment für Quiche und Schwarzwälder-Kirsch-Torte haben werden. Anhand dieser überarbeiteten Liste hab ich eine Einkaufsliste erstellt. Ja, ohne Scheiß, ich bin wirklich so!

Also sind wir mehr oder weniger durch den Supermarkt gesprintet und waren in weniger als 30 Minuten fertig.

Ja ja… so Einkaufslisten ersparen einem vieles an Geld und Gewicht.

Nachdem wir alles verstaut haben geht’s Richtung Campingplatz. Nur: wie finden wir dorthin? Wir könnten, wie alle anderen, das Navi einschalten, die Adresse eingeben und losfahren. Wir wären aber auch nicht wir, wenn wir nicht wieder mal UNGLAUBLICH lässig und vor allem anders sein wollten – deshalb haben wir uns stattdessen, total old school, eine Straßenkarte besorgt.

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Wo sind wir? Wo müssen wir hin? – Ich hab keiiiinen Plan.

Irgendwie erinnert uns das beide an unsere Kindheit, wo man sich zwar immer mindestens 4 Mal verfahren hat, aber noch stolz drauf sein konnte, wenn man anschließend tatsächlich beim Ziel angekommen ist. Den Gedanken daran finden wir schön und so eine Straßenkarte hat sowieso viel mehr Stil.

Außerdem fährt man, meiner Meinung nach, so auch aufmerksamer, bewusster und nimmt die Umgebung viel mehr wahr, anstatt den Kopf auszuschalten und einfach den Anweisungen der monotonen Stimme zu folgen.

Nachdem uns Google eh schon alles im Leben erklärt, was man wissen will, schadet es auch nicht, ab und zu mal selbst zu denken. (Gscheidwastl Sarah in ihrer Höchstform!)

Um in Neuseeland Campingplätze zu finden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Hier waren wir dann doch zu faul, um die Karte aufzuschlagen, Campingplatz zu suchen und nachzusehen, wie teuer er ist. So old school sind wir dann auch wieder nicht. Stattdessen haben wir uns für die App Campermate entschieden.

Diese App findet alles, was man für einen Roadtrip durch Neuseeland braucht: Campingplätze eingeteilt in Kategorien (Luxus Campingplätze inklusive Internet und Spa-Bereich, günstige Plätze mit einfachen Duschen und WCs, gratis Plätze nur mit WC, usw.), öffentliche Toiletten und Duschen, kostenloser Internetzugang, Tankstellen, Supermärkte, Plätze zum Wasser auffüllen, Sightseeing Tipps, und und und. Jeder Punkt kann von den Benutzern bewertet bzw. kommentiert werden, z.B. wie gut/schlecht funktioniert das Internet, wie viel kostet die öffentliche Dusche, etc. Der Erfinder von Campermate ist mein persönlicher Held, denn diese App erleichtert einem das Campen unglaublich. Und erspart einem Zeit und Ludln im Gebüsch.

Was wir schnell merken: campen = planen. Wo schlafen wir? Wo gibt’s einen gratis Campingplatz? Gibt’s dort eine Dusche? Wenn nicht, wo gehen wir duschen? Wie viel kostet das? Liegt das am Weg? Was liegt am Weg? Wie viel Wasser haben wir noch? Wo können wir Wasser auffüllen?

Man kann nicht einfach drauf losfahren und davon ausgehen, dass man abends frisch geduscht auf einem Campingplatz mit einem Bier in der Hand sitzt. Nein, nein. Das muss man sich vorher überlegen. Ihr wisst, was das heißt: organisieren und planen. PLANEN! Ich darf wieder planen! Ich darf wieder ich sein! Ich bin kurz vorm Hyperventilieren vor Freude.

Wir haben einen gratis Campingplatz gefunden: irgendwo im Nirgendwo, denn wir wollen unseren ersten Abend gleich mitten in der Wildnis verbringen, weg von der Stadt, dem Lärm, dem Chaos. Genau darauf haben wir uns so sehr gefreut: am Arsch der Welt sein. Gratis Campingplätze in Neuseeland darf man sich so vorstellen: Wiese und ein Klo. Punkt. Demnach machen wir einen auf Truckerfahrer und halten vorher noch bei einer Tankstelle, um zu duschen (überraschend sauber!).

Nachdem wir die Straßenkarte verstanden haben („Wo ist oben, wo ist unten? Das schaut alles gleich aus! Wie finde ich eine Stadt? Wie jetzt C3? Wir spielen hier nicht Schiffe versenken, Schatz!“), geht’s aber wirklich los.

Oder auch nicht. Denn schon bei Kilometer 6 schreie ich laut. „Stoooopp! Halt! Wo ist meine Kamera?!?!?“ Hektisch durchsuche ich den Rucksack, so als würde das Bild wie Wolken in ein paar Sekunden an uns vorbeiziehen und nicht mehr zu sehen sein. Diese Landschaft, diese Unberührtheit! Wir sind sprachlos – und das heißt was. Ich will es festhalten, einfangen, beweisen, warum es sich lohnt, diese vielen Kilometer hier her zu reisen.

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Kein Photoshop, kein Filter, kein gar nix. Nur ein Land und seine unglaubliche Schönheit.

Neuseeland – da, wo du für 50 Kilometer mindestens 2 Stunden brauchst. Im Minutentakt muss Philipp rechts, äääh links ran fahren, damit ich ein Foto machen kann. Es ist einfach so schön. ZU schön, fast schon kitschig.

Wir fahren los, raus aus der Stadt und plötzlich haben wir das Gefühl, allein zu sein. Allein in diesem Land, allein auf der Welt. Eine endlos lange Straße, am Horizont schimmern die Berge. Es herrscht absolute Stille, nur das Schmatzen der Schafe, die sich über das saftige Gras freuen, beweist, dass wir nicht träumen…

…wir fahren weiter, die Straße führt durch die Berge. Und wieder ergreift uns das Gefühl dieser vollkommenen Abgeschiedenheit, obwohl wir wissen, dass das nächste Dorf nur ein paar Kilometer weit entfernt liegt. In welche Richtung wir uns auch drehen – wir sehen nur perfekt geformte Berge und Hügel in perfekt ineinander fließenden Farben.

Genau so stellt man es sich vor, genau so kennt man es aus dem Bilderbuch: diese wuchtigen Berge, der tiefblaue wolkenlose Himmel, diese einsame Landschaft am Ende der Welt.

Wir sind überwältigt, alles fühlt sich gerade richtig an und gut und schön. Das pure Glück. Wir sind begeistert, fast berührt von diesem Bild vor unseren Augen, das aussieht, als wäre es stundenlang mit Photoshop bearbeitet worden.

Ode an Neuseeland:

Wir kennen dich noch nicht lange, alles ist neu und aufregend. Wir haben Schmetterlinge im Bauch und Flugzeuge sowieso. Du bist der Grund, warum unsere Mundwinkel nach oben zeigen und der Grund, warum uns nichts und niemand die Laune verderben kann. Wir sind verliebt. Und es war Liebe auf den ersten Blick.

Trotz 1001 Fotostopps kommen wir schließlich beim Campingplatz an. Ein Campingplatz am See, im Hintergrund die dunklen Berge – wir sind begeistert. Wie immer im Leben halten wir uns aber an die Redewendung „Zuerst die Arbeit (Bett aufbauen), dann das Vergnügen (Aussicht genießen).“

Das Problem ist eigentlich weniger der Auf- oder Umbau vom Bett, sondern eher das Verstauen der Dinge. Nachdem unser Bett hinten den ganzen Platz von Rückbank und Kofferraum in Anspruch nimmt, müssen wir unsere Rucksäcke, Tisch und Stühle, Wasserkanister, usw. vorne bei den Fahrersitzen unterbringen. Und das ist gar nicht mal so einfach. Wir schlichten, Kanister rein, Rucksack drauf. Aber wohin kommt der Tisch? Verdammt. Alles wieder raus. Und das ganze wieder von vorne.

Je länger wir uns plagen und verzweifelt versuchen, unser ganzes Zeug im Auto unterzubringen, desto genervter wird Philipp. „Ich hab’s gewusst! Das Auto ist zu klein!“ Ich bin immer noch wie verhext, mit meiner rosaroten Brille bringt mich nichts aus der Fassung und ich bin gut gelaunt und gechillter denn je. Ja, ich weiß: Philipp genervt und ich positiv und gechillt? Den Tag trag ich mir im Kalender ein!

Während ich in Gedanken schon wieder oder noch immer bei der wunderschönen Umgebung bin, höre ich den Miesepeter gegenüber im Hintergrund noch immer jammern: „Was machen wir jetzt? Vielleicht sollten wir uns ein Zelt kaufen? Ein Zelt für uns? Oder ein Zelt, in dem wir einfach die Sachen verstauen. Wir müssen uns was überlegen!“ Ich hab nie gedacht, dass ich das jemals sagen werde, aber: „Alter! Chill! Das wird schon!“ Sarah (offensichtlich) im Liebesrausch.

Genauso wie ich’s prophezeit habe, haben wir kurze Zeit später alles im Auto verstaut und feiern mit Bier und Wraps unseren ersten Abend in Neuseeland. Besser kann ein Roadtrip nicht starten.

Die erste Nacht war… wie soll ich sagen…kalt. Arschkalt. In-einer-Badewanne-mit-Eiswürfel-liegen-kalt. Wir sind schon um 21 Uhr ins Bett gegangen, nachdem wir letzte Nacht so gut wie nichts geschlafen haben und uns außerdem der Wind fast vom Campingsessel geweht hat. Auch im Auto wurde es nicht besser und obwohl wir schon alles angezogen hatten, was wir besitzen (das ist, wie wir alle wissen, nicht viel) und uns in Schlafsack und Decke eingerollt haben, sind wir immer noch bibbernd nebeneinander gelegen. Ständig musste ich meine Zehen bewegen, weil ich sie nicht mehr gespürt habe und ich immer an diese Bergsteiger-Mount-Everest-Filme denken musste, wo die Leute immer mit vor Kälte schwarzen Zehen nach Hause kommen.

Wenn meine Finger nicht taub gewesen wären, hätte ich ein Bild von Philipps roter Schnapsnase (mehr konnte man von ihm nicht sehen) gemacht, um die antarktis-ähnlichen Temperaturen von minus 18 Grad (wenn nicht noch weniger!) zu beweisen.

Wir können es kaum erwarten, als dann morgens endlich die ersten Sonnenstrahlen hinter dem Berg hervorblitzen, uns aufwärmen und wir unsere Körper wieder spüren können. Da ist ja eine Nacht auf dem Mount Everest noch gemütlich dagegen.

Sobald wir uns wieder aufgewärmt und die Schmerzen der letzten Nacht vergessen haben, genießen wir beim Frühstück wieder nur die Aussicht.

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Wenn du aufwachst und DAS siehst, kann ein Tag nur schön werden . (Trotz Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen)

Nachdem wir alles zusammen- bzw. umgepackt haben, fahren wir zum Castle Hill. Der Himmel ist azurblau, kein Wölkchen ist zu sehen. Perfektes Wetter, perfekte Stimmung und wir freuen uns, endlich was zu sehen!

Castle Hill ist, wie der Name schon sagt, ein Hügel, der seinen Namen wegen der vielen in der Gegend verstreut liegenden Felsbrocken aus Kalkstein bekam, da diese an eine alte heruntergekommene Burg erinnern. (Ich seh da nicht mal ansatzweise eine Ähnlichkeit zu einer Burg, aber okay.)

Während wir zum bzw. den Hügel hinauf laufen, ist es still. Wir sprechen nicht, wir schauen nur und sind schon wieder begeistert von der Gegend, die so viel Ruhe und Natürlichkeit ausstrahlt. Nicht umsonst bezeichnete der Dalai Lama den Castle Hill als ein „Spirituelles Zentrum des Universums“, denn in der Tat hat der Ort etwas Magisches an sich.

Genau der richtige Platz, um sich auf einen Stein zu setzen und sich wieder mal daran zu erinnern, wie froh man sich schätzen kann, hier zu sein.

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Wir klettern hoch, stehen auf einem der Felsen und fühlen uns so gut wie schon lange nicht mehr. Am liebsten würd ich meine Arme ausbreiten, die Augen schließen und schreien. Wir sind da, wirklich da! In Neuseeland! Solange wir denken können, war es ein Traum von uns – ein klitzekleiner und lange unrealistischer Traum. Und jetzt sind wir wirklich hier! Manchmal ist alles zu schön, um wahr zu sein. (Meine Laune und mein Optimismus fangen langsam an, mir Angst zu machen.)

 

Als ob es hier nicht schon schön genug wäre, fahren wir heute noch weiter und werden in ein paar Stunden feststellen müssen, dass man in Neuseeland immer wieder aufs Neue erfahren muss: es geht noch schöner.

Wir fahren nämlich noch weiter zum Mount Sunday, besser bekannt als Edoras, das Königreich von Mittelerde. An alle, die jetzt schief schauen und nur Bahnhof verstehen: ich bin enttäuscht. Was es damit auf sich hat und wann ich zu so einem Nerd wurde, erzähle ich euch im nächsten Eintrag 🙂

Übrigens – heute fahre ich. Ja, ich bin genauso aufgeregt wie ihr. Eher panisch. Das mit dem Linksverkehr ist ja eigentlich gar nicht so schlimm. Wenn kein Auto kommt. Dann hält man einfach kurz den Atem an, schließt die Augen und hofft, dass es bald vorbei ist.

Dass ich kurz vor einem Herzinfarkt stehe, darf Philipp nicht mitkriegen. Ich bin ja eher so die „immer-cool-bleiben“-Person, auch wenn ich ganz und gar nicht cool bin. Locker flockig gehe ich zum Auto und öffne ganz selbstverständlich die linke Tür. Aja, ups. Rechts einsteigen, Sarah, du sitzt rechts!

Ich setze mich auf den Fahrersitz, verstelle den Sitz, den Spiegel und greife ganz automatisch hinter die linke Schulter, um mich anzuschnallen, aber ich greife ins Leere. Saraaaah! Aja, da war doch was. Links fahren, rechts sitzen, Gurt auf der rechten Seite. Da merkt man erst, wie unterbewusst und routiniert über die Jahre die ganzen Abläufe werden. Irgendwie fühl ich mich so, als hätte ich gerade erst den Führerschein gemacht.

Ich bin ja immer noch sowas von froh darüber, dass wir zumindest nicht schalten müssen. So kann ich mich auf die wichtigen Dinge wie Gas geben, bremsen oder links bleiben und dabei nicht hysterisch schreien konzentrieren. Wir haben schon vorher öfter darüber gelesen, dass hier viele Touristen einen Unfall verursachen, was mich ehrlich gesagt nicht gerade aufmuntert. Jetzt aber genug herumgeheulsuselt – einfach drauf los.

Sarah und Linksverkehr, ein Fazit: davon abgesehen, dass statt dem Blinker meistens der Scheibenwischer über die trockenen Scheiben gequietscht hat – Prüfung bestanden.

 

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