Neuseeland braucht kein Photoshop.

(Wir sind zwar wieder daheim, allerdings gibt es noch eiiiniges zu erzählen. Und da wir euch alle ja nicht sofort sehen, könnt ihr bis dahin alles hier nachlesen! Einfach hinsetzen und vorstellen, dass wir noch gaaanz weiiiiiit weg sind.)

Weiter geht’s!

Wir waren bei Edoras, dem Königreich von Mittelerde und der Tatsache, dass ich ein Nerd bin. Denn JA, ich gebe es offen und ehrlich zu: ich bin ein riesengroßer Herr der Ringe-Fan!  Aber das war nicht immer so… Wie immer – Anti-Sarah bzw. Little Miss Anti halt – war ich eine der wenigen, die den Film lange nicht gesehen hat. Ich hab mich schlicht und einfach geweigert. Das anschauen, was alle anderen anschauen – naaaa. Auf Filme, die in den großen Kinos gespielt werden, kann ich verzichten: amerikanische Komödien? Bäääh. Seichte Liebesfilme? Nochmal bäääh. Und mit sowas wie Fantasy konnte ich sowieso noch nie was anfangen. Irgendwie hat mich das immer an super creepy 40-jährige Männer erinnert, die noch immer bei Mama wohnen und in ihrer Freizeit mit Magic Karten spielen (nichts gegen euch). Ich hab also unterm Strich die ganze Aufregung bzgl. Herr der Ringe nie verstanden.

Und dann war da Philipp, der vor 2 Jahren ein paar Mal erwähnt hat, dass er den Film uuuunbedingt  mit mir schauen möchte. Ich sag`s euch, ich war ca. so interessiert wie meine Oma an Instagram – nämlich gar nicht.

Aber ihr wisst ja wie das am Anfang einer Beziehung so ist: da muss man lieb und interessiert tun. (Sonst merkt der ja gleich, wie ich wirklich bin, haha!).

Eine Pizza und 10 abgebissene Fingernägel später war’s vorbei mit mir. Ich war so beeindruckt und überwältigt und fasziniert und SÜCHTIG. Ja, vor allem süchtig. Und so haben wir uns in 3 Tagen alle drei Teile reingezogen. Die volle Dosis. Ich weiß nicht, ob es wirklich noch Menschen gibt, die die Filmtrilogie noch nicht gesehen haben (WER ZUM TEUFEL HAT DIE NOCH NICHT GESEHEN?), aber falls doch: sofort anschauen! Ich schwöre, ihr werdet es nicht bereuen!

Soviel zur Vorgeschichte. Und wie ihr wahrscheinlich auch wisst, wurden die drei Filme in Neuseeland gedreht. Der Filmproduzent Peter Jackson, mein persönlicher Held, hat über 150 Drehorte dafür genutzt. Anscheinend hat die neuseeländische Regierung zwar verboten, diese Orte zu vermarkten oder zu kennzeichnen, um die neuseeländische Natur zu schützen. Dank dem Internet und Nerd-Foren weiß man natürlich trotzdem, wo welche Szenen gedreht wurden. Naja und wenn man schon mal in Neuseeland ist, muss man diese Gelegenheit nutzen, um zumindest einige der Drehorte live zu sehen.

 

Wir fahren und fahren, irgendwann verabschieden wir uns von der asphaltierten Straße, hinter uns die Staubwolke. Kein Handyempfang und die nächste Stadt liegt 85 Kilometer entfernt. Das Ende der Welt, schon wieder!

 

Ich habe gelesen, dass Neuseeland quasi vom Tourismus lebt. Jedes Jahr steigt die Zahl der internationalen Urlauber, im vergangenen Jahr (2016) waren es 3,5 Millionen (Quelle: spiegel.de). Nicht wenig, wir fragen uns nur: wo sind die alle, heast?

Kein Campingbus, kein Wohnmobil, kein Auto, keine Touris. Irgendwie hab ich mir das anders vorgestellt. Wo sind die ganzen Herr der Ringe-Nerds mit Gollum-Maske oder Gandalfkostüm und dem EINEN Ring? Ich hab mir gedacht, dass das ähnlich wie beim Justin Bieber Konzert ablaufen wird: alle schreien und kreischen und fallen in Ohnmacht, weil sie endlich das sehen, worauf sie ihr Leben lang gewartet haben. Ich hatte mir zwar mehr Action und Drama gewünscht, bin aber eigentlich ziemlich froh, dass wir ganz alleine hier sind.

Was man in Neuseeland ganz schnell lernt, ist: es geht immer schöner.

Ich hab ja schon so viel geschwärmt und euch erzählt, wie begeistert wir sind. Aber die Landschaft hier übertrifft schon wieder alles bisher. Wir sind noch immer/schon wieder so beeindruckt. Schon wieder dieses „Irgendwo im Nirgendwo“-Gefühl. Einmalig. Nicht vergleichbar.

Auch wenn man immer wieder hört „Warum man denn eigentlich so weit fliegen muss (von Österreich aus sind es immerhin ein paar Stündchen), um etwas zu sehen, dass es in Österreich auch gibt: Berge, Seen, Natur.“ Stimmt schon, haben wir auch alles. Und ja, ist auch wunderschön. Und trotzdem ist es anders. Es ist diese Unberührtheit.  Weit und breit kein Haus, kein Mensch, kein gar nichts. So, als wäre hier noch nie jemand zuvor gewesen und so, als wären wir allein auf der Welt. (Eigentlich ein gruseliges Gefühl.)

 

 

Zurück zum Mount Sunday: da steht er, mitten drin, umgeben, nein eingekreist von Bergen. Der karge Hügel (Berg wäre wirklich übertrieben) diente wie gesagt als Kulisse von Edoras. Das Filmset (dessen Bau übrigens ganze neun Monate in Anspruch nahm), steht zwar mittlerweile nicht mehr, doch die Magie dieses Schauplatzes ist noch deutlich zu spüren.

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Da ist er – Mount Sunday in seiner vollsten Pracht! (Ja, das kleine Hügelchen vor den riesigen Bergen.)

Wir sind wie in Trance. Ist das echt oder ein Pappkarton? Träume ich? Oben am Hügel drehen wir uns – nach links, nach rechts, 360 Grad im Kreis. Immer wieder blitzen kurze Film-Sequenzen in unseren Köpfen auf. Wir schauen hinunter in die Weite und sehen die bösen Orks den Hügel rauf laufen.

 

Meine Kamera raucht, zu viele Bilder in zu kurzer Zeit. Auch, wenn wir uns eigentlich nicht satt sehen können, müssen wir schließlich doch los und fahren zum Campingplatz. Immerhin ist es schon relativ spät und im Dunkeln über die Holperstraße und dann auch noch den Campingplatz finden – naja. Nicht, dass ich das mit meiner megaguten Navigationsfähigkeit nicht schaffen würde.

Tatsächlich, als hätte ich es geahnt, haben wir wirklich Probleme damit, den Campingplatz zu finden. Mit der Straßenkarte hab ich’s schon aufgegeben und auf unserer Offline-Map sind nicht mal mehr Straßen eingezeichnet. Angeschrieben ist sowieso nichts. Wir geben nicht auf und fahren weiter. Vorbei an Feldern, über gefühlte 50 Hügel, vorbei bei den Schafen, die uns so verdutzt ansehen, als hätten sie noch nie ein Auto oder Menschen gesehen.

Als wir den Campingplatz finden, überrascht es uns nicht, dass er nicht eingezeichnet war: eine 50 Meter breite Wiese und ein uraltes Plumpsklo. Trotzdem hat sich die Suche (und das Schimpfen) ausgezahlt, denn wir stehen ganz oben auf einem Hügel und haben einen Ausblick auf zig Felder mit Millionen von Schafen.

 

Bei Sonnenuntergang mampfen wir unsere Nudeln, als Hintergrundmusik ein bisschen zwitscher zwischter und mäh.

Schon schön.

Was ich am Campen am meisten mag, ist die Tatsache, dass man für alles meistens doppelt so lang braucht als sonst. Man nimmt sich bewusst Zeit für’s Kochen und ohne Hektik wird gemeinsam alles vorbereitet. Mit nur einer Herdplatte und einem Topf kann es schon ein bisschen dauern, bis das Essen auf dem Tisch steht. Bei soviel Aufwand schmeckt’s dann gleich umso besser. Für den Abwasch muss das Wasser zuerst vom Wassertank geholt und anschließend gekocht werden. Vor dem Schlafengehen bereiten wir das Bett vor und verstauen unsere Rucksäcke bzw. die anderen Dinge. Alles dauert zwar länger, ist komplizierter und aufwändiger, dafür kann man sich bewusst und ohne Stress den Aufgaben widmen. Langsam kochen, daneben ein Biertschi trinken und quatschen. Gemütlich, alles easy peasy, ohne Druck. Ist ja nicht so, als hätten wir keine Zeit dafür.

 

Die Planung des nächsten Tages gehört mittlerweile auch schon zur abendlichen Routine. Straßenkarte, Reiseführer, Broschüren – alles wird auf dem Tisch aufgebreitet. Dann geben wir uns 30 Minuten, jeder darf recherchieren, googlen und lesen. Danach wird gemeinsam entschieden, was am nächsten Tag am Plan steht.

Ich sag’s ja immer wieder: Teamwork haben wir mittlerweile richtig gut drauf.

Am nächsten Morgen fahren wir nach dem Frühstück zu einem Gletschersee namens Lake Tekapo und machen eine Wanderung entlang des Sees.

 

Wieder – eine unbeschreibliche Naturkulisse. Da ist der Wörthersee ein Scheiß dagegen! Das Schmelzwasser vom Gletscher verleiht dem See nämlich eine derart türkise Farbe, dass wir uns schon wieder fragen: ist das echt oder retuschiert? Das Bild vor uns sieht aus, als wäre es bereits stundenlang mit Photoshop bearbeitet worden. Wieder bewundern wir die Unberührtheit: nur Natur, sonst nichts. Keine Häuser, Hotels oder Restaurants. Nur ein See. Und eine kleine Steinkirche. Und zur Abwechslung mal 2 Mio. Touristen.

 

Nach einer kleinen Jausenpause am See beschließen wir: man war nur wirklich hier, wenn man auch baden war. Gesagt, getan. Was soll ich sagen? Gletschersee, 14 Grad… unsere Nippel stehen immer noch.

Immerhin müssen wir so heute nicht mehr für die Dusche bezahlen! Sparen – können wir.

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Jausenpauseeeee.

Am nächsten Tag fahren wir weiter Richtung Süden in eine Stadt namens Oamaru. Ein Bekannter hat uns den Tipp gegeben, dass wir unbedingt ins Steampunk-Museum gehen sollen. Da er extra betont hat, dass er sonst nicht der große Fan von Museen, dieses aber wirklich richtig genial war, glauben wir ihm. Und das war ein Fehler.

Kurz zur Erklärung: Steampunk (von engl. steam „Dampf“ und punk „mies“, „wertlos“, „Punk“) ist ein spezielles Kunstgenre bzw. hat sich mittlerweile sogar zu einer Subkultur entwickelt. Elemente des Steampunks sind beispielsweise dampf-und zahnradbetriebene Mechanik. Kennt ihr den Film Mad Max? Ich auch nicht, aber klickt mal hier, dann wisst ihr, wovon ich rede.

Tja. Zusammengefasst, in einem Wort, kurz und knapp: bäh. Dampfbetriebene Maschinen, komische Figuren in viktorianischer Kleidung, schräge Figuren. Ich versteh’s nicht. Das hab ich ca. 15 Mal wiederholt, während wir durch das Museum marschiert sind. „Da gibt’s auch nichts zu verstehen, das ist Kunst!“, meint Philipp. Ich versteh’s trotzdem nicht. Damit kann ich nichts anfangen. Mir ist langweilig, ich bin in 10 Minuten durch und genervt.

 

Was lernen wir daraus? Alles ist subjektiv! Was noch? Mein Bekannter hat einen schlechten Geschmack.

Die Innenstadt und das Hafenviertel von Oamaru sind ganz nett, aber nicht unbedingt aufregend. Viel aufregender ist der Moment, in dem wir eine Bäckerei mit Schwarzbrot finden. Schwarzbrot! Ein seltenes Gut hier in Neuseeland, denn egal ob im Supermarkt oder in den Bäckereien – Schwarzbrot gibt’s hier schlicht und einfach nicht.

Offensichtlich wird hier sogar bei den Reichen zum Bergkäse das lätschade grauslige Toastbrot aus’m Plastiksackerl serviert.

 

Da uns die Stadt nicht unbedingt umhaut fahren wir weiter zu den Moeraki Boulders. Wir haben vorher schon die Bilder gesehen und waren mega beeindruckt: ein ewig langer Strand mit großen kugelförmigen Steinen. Warum die aussehen, wissen wir nicht. Was wir aber kurze Zeit später sicher wissen, ist: in Wahrheit sind es mehr Touristen, als Steine, die man auf dem Strand trifft. Trotzdem ziemlich cool.

 

Letzter Stop heute ist der Shag Point, wo man – haltet euch fest – Seerobben beobachten kann. Und wieder kann ich was von meiner „Muss ich unbedingt sehen“-Liste abhaken.

 

Die Nacht verbringen wir auf dem größten Campingplatz eeeveeeer. Fußballfeldmäßig. Dementsprechend viele Autos/Menschen sind natürlich da. Viele deutsche Menschen vor allem. Das ist uns schon fast ungut aufgefallen, wie viele Deutsche hier unterwegs sind. Bisher haben wir – ohne Scheiß – mehr Deutsch als Englisch gehört. Weinschorlä hier, Weinschorlä da. Darum haben wir das gleich mal gegoogelt, haben aber nichts gefunden (dieses Google ist auch nicht mehr das, was es mal war). Schließlich haben wir unsere eigene Statistik aufgestellt: die meisten Touristen in Neuseeland sind aus Deutschland. Oder so.

Bisher hatten wir eigentlich richtiges Glück mit dem Wetter und konnten den Spätsommer genießen. Heute ist es schon den ganzen Tag bewölkt und am Campingplatz beginnt es auch noch zu regnen. Es ist saukalt und irgendwie ist das so ohne 4 Wände gar nicht mal sooo gemütlich. Verzweifelt verstecken wir uns in unserem Kofferraum-Zelt-Cape.

Aber wenn du denkst schlimmer geht’s nicht mehr, kommen von irgendwo die Touris mit ihrem Zelt her. Kochen im Regen, vor dem Zelteingang ein Gatsch und jeder Klobesuch wird zun Höllenwanderung. Außen nass, innen nass, alles nass. Wie war das, Philipp? Ein Zelt willst du kaufen? (Wer hatte Recht? ICH, ICH!)

 

Am nächsten Morgen fahren wir weiter in die Stadt Dunedin. Mehr dazu aber im nächsten Eintrag (Wenn das so weiter geht, schreibe ich eh noch mindestens 6 Monate, haha. Immer dieser Freizeitstress, ihr kennt das.)

PS: Unser Auto hat jetzt einen Namen: Traudi. Info zur Namensgebung: Denkt einfach mal an die mopsige Nachbarin, die immer die Katze füttert, wenn man nicht da ist. Genau so ist unser Auto: vielleicht nicht besonders schön, aber dafür super verlässlich!

In diesem Sinne: Go, Traudi, go!

Baba Welt, hallo Österreich.

Vor ein paar Monaten haben wir unsere Jobs gekündigt, die Wohnung verlassen und unseren Rucksack gepackt. Wir haben alles (zumindest temporär) hinter uns gelassen und wollten etwas von der Welt sehen. Was genau bzw. was uns da draußen, so weit weg von daheim, erwartet, das wussten wir selbst noch nicht.

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31. August 2016. Es geht looos!

Jetzt, 9 Monate später, wissen wir es. Und es war ziemlich viel.

280 Tage lang waren wir unterwegs, meistens zu zweit, und haben täglich das gemacht, was uns Spaß macht. Wir haben wenig geplant, das heißt: wir wussten nicht immer, wie und wo es für uns weiter geht. Und das war auch gut so, denn das hat uns eben genau dahin geführt, wohin das Schicksal es wollte. Dass das alles irgendwann ein Ende nehmen wird, wussten wir… und trotzdem war es ein komisches Gefühl, auf den Buchen-Button zu klicken und zu wissen, dass wir in ein paar Tagen tatsächlich schon daheim bei unserer Familie sitzen werden.

Wir können es kaum in Worte fassen, was für eine unglaubliche, einmalige und besondere Zeit wir hatten. Jeder Tag war spannend, anders, neu, deshalb ist es schwer die Frage „Was hat euch am besten gefallen?“ zu beantworten. Natürlich gibt es Highlights, hier ein paar davon:

3 Wochen lang haben wir auf einer Farm mitten in der Wüste gewohnt und gearbeitet und gelernt, wie schön ein Leben ohne fließend Wasser, Strom und Internet sein kann.

Wir waren 10 Tage in einem indischen Ashram, in dem wir uns 9 Stunden täglich (wie haben wir das eigentlich geschafft?) nur mit Meditation und Yoga beschäftigt haben.

Wir haben uns unserer Angst gestellt (also eigentlich nur Sarah) und haben einen Tauchkurs gemacht und durften erfahren, wie es sich anfühlt, unter Wasser zu atmen.

Ohne Bedenken und vor allem ohne Ausrüstung haben wir einen 5-tägigen Trek auf 5300 Meter im Himalaya-Gebirge gemacht und hatten nicht nur mit unserer Kraft, sondern auch mit der Höhe zu kämpfen.

Über 6000 Kilometer haben wir in einem Auto in Neuseeland zurückgelegt, haben im Auto geschlafen und konnten so die schönsten Orte liegend aus dem Kofferraum genießen.

 

Wir haben auf den schönsten Stränden dieser Welt geschwitzt, haben beim Baden auf 4200 Meter gefroren. Manchmal dachten wir, wir sterben, unter anderem bei der 20 Stunden Fahrt über eine der gefährlichsten Straßen der Welt oder beim Kraxeln auf einen Vulkan, bei dem uns die Steine entgegen geflogen sind.

Wir durften mit Schildkröten schwimmen, haben Moped und Motorrad fahren gelernt, haben auf einer Farm in Malaysia mit Chinesen den ganzen Abend Whiskey getrunken, in Goa die ganze Nacht durchgetanzt und in Tasmanien bei einer Familie gewohnt, die uns aufgenommen hat, als würden wir schon immer dazugehören. Aja und nicht zu vergessen unsere zwei Flüge, die wir versäumt haben – worüber wir aber mittlerweile schon lachen können.

Wir haben tolle Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt, spannende Geschichten gehört, einmalige Momente mit ihnen geteilt und vor allem mit Sam eine Freundschaft für’s Leben geschlossen.

Wir haben gelacht und geweint, getrunken und geraucht, gegessen, bis uns der Bauch weh tat und sind gewandert bis zum Umfallen… durch die Wüste, durch Teeplantagen, Felder, Wiesen, über Berge und Vulkane, durch den Regenwald und Städte.

 

Alles in allem war es vieles, aber vor allem eines: einzigartig. UNSERE Reise – ein Erlebnis, dass uns vielleicht nicht für euch offensichtlich, aber innen drin doch irgendwie verändert hat. Eine Zeit, in der wir täglich das tun und lassen konnten, was wir wollten, ohne Verpflichtungen, ohne Termine, ohne Arbeit. Eine Zeit, in der wir an uns selbst und auch an unserer Beziehung gearbeitet haben, denn so ehrlich muss man sein: es war nicht immer leicht. Doch wenn man 9 Monate lang 24 Stunden am Tag miteinander verbringt und sich danach immer noch mag, dann hat man die „Prüfung“ bestanden. Definitiv 🙂

 

Und so kommen wir heim… glücklich über das, was geschehen ist und glücklich, über das was kommen wird. Und obwohl wir nicht traurig sind, fliegen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Hause, denn ein Ende bleibt eben immer noch ein Ende.

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Back in Viennaaaarrrr!

Philipp und Sarah wieder in Österreich – neuer Job, neue Wohnung, neue Aufgaben, sprich: ein neues Kapitel.

The best is yet to come.

Vom Ankommen, Heimkommen und der Sehnsucht.

Wir kommen heim.

Der Satz, auf den unsere Eltern schon seit Monaten warten. Und tatsächlich – es ist wahr! Wir können es selbst noch gar nicht so richtig glauben.

Unsere Reise nimmt ein Ende, nach mehr als 9 Monaten packen wir zum letzten Mal unseren Rucksack und machen uns mit ganz vielen Erfahrungen, mit spannenden Geschichten, Philipp mit 7 Kilo weniger, aber vor allem mit ganz viel Freude auf den Weg zurück nach Österreich.

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Bevor wir nun allen persönlich beantworten müssen, warum und wieso und überhaupt, möchte ich euch hier kurz die Gründe für unsere Entscheidung nennen:

In letzter Zeit haben wir uns immer öfter dabei ertappt, dass wir über Zuhause bzw. über die Zeit nach der Reise gesprochen haben: „Und wenn wir dann zuhause sind, dann…“. Wir waren mit den Gedanken geografisch schon tausende Kilometer weiter und statt nur die nächsten Tage hier zu planen, haben wir schon darüber geredet, wie unsere ersten Tage in Österreich aussehen sollen, worauf wir uns freuen, was wir essen möchten (es gibt zu viel!), wen wir besuchen werden und und und.

Natürlich hatte jeder von uns schon mal so ein kleines Heimweh-Tief, wir dachten es geht, wie sonst auch, schnell wieder vorbei. Wir haben uns vorgenommen, wieder mehr im JETZT zu sein und die Zeit zu genießen, statt an daheim und an danach zu denken. Doch dieses Mal war es anders. Das Gefühl blieb. Und das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Ganz oder gar nicht. Wir wollen nicht nur physisch, sondern auch mit dem Kopf anwesend sein. Denn wir sind nicht hier, nur damit wir hier sind.

Jetzt denkt ihr euch vielleicht: Hä? Wie kann man genug von Urlaub/vom Reisen haben? Natürlich sind wir nach wie vor begeistert und finden die Orte wunderschön und interessant. Wir genießen auch nach wie vor die Zeit ohne Verpflichtungen zu zweit in vollen Zügen. Aber irgendwas ist anders. Die Euphorie ist nicht mehr dieselbe, dieses oh-mein-Gott-es-ist-so-geil-Gefühl fehlt manchmal. Langsam frag ich mich selber schon, ob das nicht immer so ist im Leben: Egal, ob Beziehungen, ein neuer Job, die erste eigene Wohnung – früher oder später flaut das anfängliche unbeschreibliche Gefühl ab und es wird irgendwie selbstverständlich, normal, banal.

Zusätzlich zu unserem Gefühl kommt natürlich auch der Kontostand. Es war nur eine Frage der Zeit, aber langsam wird das Geld knapp. Wir haben uns von Anfang nicht eingeschränkt was die Dauer unserer Reise betrifft, die Bedingungen waren immer nur: solange es uns Freude macht und solange das Geld reicht. Das Geld ist weg und die Freude zwar noch groß, aber die Gedanken zu oft bei anderen Dingen, also war’s das. So einfach ist das 🙂

Außerdem glaube ich, dass uns mittlerweile sogar das Schicksal oder irgendwelche anderen übernatürlichen Zeichen sagen wollen, dass wir heimfliegen sollen: meine Kamera hat einen Wasserschaden und funktioniert nicht mehr richtig, meine einzige lange Hose (=eine Leggings, so tief bin ich schon gesunken) hat überall Löcher und wir haben plötzlich nur noch 5 Unterhosen (die anderen haben wir verloren). Und ganz ehrlich – niemand kann mit 5 Unterhosen überleben.

Also haben wir nach einem langen Gespräch entschieden: Wir fliegen heim.

WIR FLIEGEN HEIM. Der Satz, den wir die letzten Monate verdrängt haben. Wir haben uns oft gefragt, wie es wird bzw. wie wir uns fühlen werden, wenn es soweit ist. Sind wir dann traurig und enttäuscht? Wollen wir eigentlich hier bleiben und gar nicht heim? Haben wir Angst vor der Realität, vor einem Alltag mit Job und Verpflichtungen und dem ganzen Erwachsenenzeug?

Und jetzt, wo es soweit ist, ist es irgendwie ganz anders. Wir sind bereit. Wir sind weder traurig, noch enttäuscht. Wir hatten die unglaublichste Zeit an den wunderschönsten Orten mit tollen Personen, wir haben so viel gelernt, gesehen und vor allem: zu erzählen. Wir würden alles wieder genauso machen, 1 zu 1, die ganze Reise. Es war einfach der Wahnsinn, unbeschreiblich und eine Erfahrung, die uns niemand mehr nehmen kann.

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Aber jetzt ist es an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr von einem anstrengenden Tag nach Hause kommt, die Wohnung aufsperrt, euch der vertraute Geruch in die Nase steigt, ihr euch auf die Couch fallen lässt und dieses Gefühl habt… hach, endlich daheim? …  Wir nicht (mehr).

Darum freuen wir uns umso mehr. Wir freuen uns auf unser Zuhause, auf Wohlfühlen, unser gewohntes Umfeld, sogar auf Normalität und Routine, auf ein gutes Schnitzel und ein Glas Wein. Wir sehnen uns nach einem Rückzugsort, nach UNSEREM Ort. Wir wollen nicht nur nach Hause kommen, wir wollen ankommen.

Denn was wir auf dieser Reise gelernt haben, ist vieles, aber vor allem eines: manchmal muss man seinem Zuhause den Rücken kehren, um zu verstehen, wohin man gehört.

Und so starten wir diesen Sommer genauso, wie wir den letzten beendet haben – mit euch! (Und Wein.)

Wir schicken euch viele Umarmungen und bis bald (jetzt wirklich bald!) ❤

PS: Nein, wir haben noch keinen Rückflug gebucht und somit noch kein fixes Datum, aber wir halten euch auf dem Laufenden.

PPS: Falls ihr schon panisch im Kreis lauft und euch fragt, wie es mit dem Blog weitergehen wird (haha): auch wenn ich ziemlich hinten nach bin, möchte ich trotzdem noch über alles schreiben, was wir in den letzten Monaten erlebt haben. Weil die Rückmeldungen soooo toll sind, weil’s mir einfach mega viel Spaß macht, weil es einfach noch so viel zu erzählen gibt, weil wir sowieso nicht alles persönlich erzählen können (viel zu viel!) und weil auch fremde Personen den Blog lesen. Falls euch die Geschichten gefallen, dürft ihr also weiterhin auf neue Geschichten gespannt sein.