Kuala Lumpur – back to civilization.

Hach Gott, immer dieses Jetset-Leben.

Wir stehen am Flughafen von Kuala Lumpur und haben den Flug mehr oder weniger gut überstanden. Es ist 5 Uhr morgens und während Philipp wie immer den ganzen Flug über geschnarcht hat (NEID! Und ein bisschen AGGRESSION!), hab ich wieder mal gar nichts geschlafen. Im Sitzen schlafen – geht einfach nicht.

Stand der Dinge: Augenringe.

Wir freuen uns zwar sehr auf die neue Stadt, aber noch mehr auf ein weiches, flauschiges Bett und Dusche und Powernap. So schmuddelig und mit diesen schwarzen Panda-Augen können wir Kuala Lumpur nicht unter die Augen treten.

Wir fahren mit der Metro Richtung Zentrum und bemerken sofort den Unterschied zu den letzten Ländern: so (!) anders! Die Metro ist sauberer und moderner, als die U-Bahn in Wien (was angesichts der U6 auch nicht so schwer ist). Und dann die Leute, ich fass es nicht: bei der Station bilden sich alle 5 Meter, dort sich die Türen der Metro öffnen werden, Schlangen. Alle warten in einer Reihe hintereinander. Kerzengerade. Als hätte man die Wasserwaage ausgepackt. Haha, die Asiaten, es ist also doch nicht nur Klischee. So ordentlich, so organisiert, so gesittet und geordnet. Ich liebe es! Ich will das auch in meiner Welt! Wieso gibt’s das bei uns nicht?

Die Unterkunft liegt (das wussten wir vorher wirklich nicht) im Stadtteil Little India. Ja, ich weiß, offensichtlich können wir uns immer noch nicht so ganz von Indien trennen. Da sind wir weg und dann doch wieder nicht.

Als wir dort ankommen, sind wir plötzlich munter. Putzmunter. Schlafen? Wer will schlafen? Ich sicher nicht. Zumindest nicht hier. Zuerst der unfreundliche Typ an der Rezeption (mag wohl sein Arbeitsumfeld nicht so sehr – kann ich verstehen) und dann das „Zimmer“: winzig, alter ranziger Teppichboden, die Wände voll mit Schimmel und Bettwäsche mit nicht identifizierbaren Flecken.  Und dann der Geruch. Das kann ich gar nicht beschreiben. Okay, ich versuch’s: Nasser Hund und ungewaschene Füße und alter Fisch und Oasch und Beidl.

Alter, nein. Nein nein nein. Little India ist schlimmer als Indien, in den ganzen 3,5 Monaten mussten wir nicht einmal in einem annähernd so grindigen Zimmer schlafen. Ganz ehrlich: ein dreckiger Gehsteig mit Spuckeflecken, Zigarettenstummeln und Kaugummis ist einladender als dieser Raum. Das Problem ist nur, dass wir bereits im Voraus zahlen mussten und wir in unserer Müdigkeit ganz vergessen haben, eventuell das Zimmer vorher anzusehen. Schon fast 5 Monate unterwegs und noch immer nichts gelernt.

Also, was bleibt uns anderes übrig: wir ziehen uns unseren eigenen Schlafsack bis zum Haaransatz hoch, um jaaa nicht die Bettwäsche zu berühren. Und: durch den Mund atmen! Sonst muss ich speiben. Gott sei Dank sind wir wirklich richtig müde.

Ich wache auf und hoffe, alles war nur ein (Alb)Traum. Augen auf, kurzer Kontrollblick links, rechts: nö, alles echt. Kein Traum. Auf einmal schreit Philipp: „Da sind Flöhe! Ohne Scheiß, da sind Flöhe! Da springt was, ich schwöre!“ Oh. Mein. Gott. Am besten wir fackeln die Bude ab.

Da Streifen dick machen und ich Angst vorm Frauenknast in Malaysia habe, fackeln wir die Bude nicht ab. Aber wir flüchten nach draußen. Immerhin.

Kuala Lumpur hat knappe 1,6 Millionen Einwohner und wird von den Bewohnern liebevoll KL genannt. Das werd ich in Zukunft in Wien auch nur noch so machen, zwecks der Coolheit:

Ich fahr heut nach W, und du so?

Heute am Plan: flanieren und ersten Eindruck machen. UND: Shopping! Die Backpacker-Garderobe muss dringend mal ausgewechselt werden. Man sieht’s unseren 5 Leiberl wirklich schon an, dass wir in den letzten Monaten nichts anderes getragen haben: Schwarz ist nicht mehr schwarz, alles hat Löcher und/oder die Nähte gehen auf. Und wo kann man besser shoppen, als in KL? Eine Großstadt mit gefühlten 357 Shopping Malls, darunter eine der 6 größten der Welt. Ein Paradies für Kaufsüchtige.

Mit dem Shoppen ist das so wie mit dem Fortgehen: wichtig ist, was und wie viel man davor isst, sonst fehlt die Energie und der Spaß ist schnell vorbei. Wir gehen ins Capital Café – ein unauffälliges und nicht unbedingt einladendes Lokal, allerdings soll die Küche dort richtig gut sein. Wir lesen, dass hier schon seit den 1950er Jahren Chinesen, Inder und Malaien gemeinsam kochen. Uns ist schon am Weg hier her aufgefallen, wie multikulti KL ist: von Moscheen über chinesische und hinduistische Tempel bis Kirchen sieht man hier alles. Das gefällt uns.

Wie so oft bei den weniger touristischen Restaurants fehlt die Speisekarte, also bitten wir den Kellner darum, uns einfach die besten vegetarischen Gerichte zu bringen. (Nach Indien und Sri Lanka wollen/wollten wir zumindest als Semi-Vegetarier weiterreisen, weil: 1. Das Fleisch hier gaga ist und 2. uns Fleisch/Wurst eigentlich auch nicht fehlt.) Er sieht uns verwirrt an: „Wir haben nur 1 vegetarisches Gericht“. Ooookaaaay… das wird wohl schwieriger, als gedacht. Naja, scheiß drauf, dann bring uns bitte einfach irgendwas. Wir bekommen irgendwas mit Nudeln und Erdnusssoße und Gemüse und Suppe und Fleisch, viiiiel Fleisch. Wir werden nie erfahren, was es war, aber es war gut.

Gestärkt für den Shopping-Tag machen wir uns auf den Weg. Zu Fuß natürlich, wir wollen ja was sehen von der Stadt. Und ich sag’s euch: alles ist so anders! So neu. So schick und fancy. So sauber! Kein Müll, es gibt sogar Mülleimer! Und die Menschen benützen diese auch tatsächlich! Wir sehen richtige Restaurants und Cafés mit richtigen Kaffeemaschinen. Richtige, große Lebensmittelgeschäfte! Richtige Taxis, richtige Autos statt Tuktuks. Auf dem Gehsteig (Gehsteig!) gehen Menschen, keine Hunde, keine Kühe, keine Ziegen.

Back to civilization, oida!

 

KL ist neben sauber und schön und modern auch noch multikulti. Viele unterschiedliche Kulturen und Religionen leben hier gemeinsam auf einem Fleck: Moslems mit Kopftuch, Moslems ohne Kopftuch, Moslems mit Burka, Inder in Saris, Inder in Hot Pants, Chinesen, Malaien, Weiße, undsoweiter. Multikulti, aber trotzdem eins. Die Malaien essen beim Inder, die Chinesen sitzen im malaysischen Restaurant und die Inder mampfen beim Chinesen. Jeder bei jedem und vor allem, jeder mit jedem. Little India neben Chinatown in Malaysia. Ich mag das.

40 Minuten später stehen wir vor der Mall. Sie ist… groß. Riesig. Größer als der 1. Bezirk in Wien. Zivilisation in nur einem Gebäude. Die volle Dröhnung. Auf los geht’s los. Die Auswahl der Shops ist unendlich groß, meine Freude noch größer. Ich will mich durchwühlen, richtig eintauchen und voll abgehen. Ich muss 4,5 Monate Shoppen in 2 Stunden nachholen. Das ist Sport, meine Lieben, Sport! Ganz kurz, wirklich nur ganz kurz, hasse ich meinen Rucksack. Der ist einfach viel zu klein!

Nachdem ich mich wieder beruhigt habe und dem Kaufrausch halbwegs entkommen bin, kaufe ich doch nur das, was ich wirklich brauche. Und ein Kleid. Nennt mich Backpacker-Tussi, aber ich hab das Verlangen nach schön sein. Nur ein bisschen. Mit Kleid und vielleicht sogar Wimperntusche. Mehr hab ich eh nicht.

Shopping, Teil 1: check. Wir haben leider nicht alles bekommen, was wir brauchen/suchen, also geht’s weiter in die nächste Mall. Beim Rausgehen aus der dunklen Mall, fühlen wir uns wie Vampire: die Sonne brennt auf der Haut, es ist viel zu hell und viel zu heiß. Kchhh. Natürlich bekommt man beim Einkaufen nichts vom Badewetter mit, die Klimaanlage wird auf Anschlag aufgedreht und das Center auf ungemütliche 16 Grad heruntergekühlt. Meine Lippen sind schon ganz blau. Aber wie sagt man so schön: wer schön sein will, muss leiden!

Vor dem nächsten Kaufrausch-Anfall brauchen wir eine Stärkung: Kaffee und Zigarette und „Leid schauen“, wie man in Österreich so schön sagt. Zwischendurch gibt einer von uns Kommentare ab wie „Haha, der hat ja eine lustige Frisur“ oder „Wow, ist die schön!“ oder „Leggings sind keine Hosen!“. Die meisten hier in KL sind allerdings richtig stylisch (v.a. im Vergleich zu mir – als Backpacker kann der Style-Faktor leider selten berücksichtigt werden), die Asiaten sind uns ja normalerweise immer einen Schritt voraus. Ich kann mich noch daran erinnern, wie mich alle kritisch gemustert haben, als ich 2014 mit Birkenstock-Schlapfen vom Korea-Urlaub nach Hause gekommen bin. In Korea waren die gerade total angesagt und jeder hat sie getragen, in Österreich war einer der ersten Sätze, die ich gehört habe: „Was bistn du für a Öko?“.

Und jetzt, 2 Jahre später, läuft jeder Möchtegern-Hipster darin auf der Mahü auf und ab und glaubt, er ist cool. Pah! Meistens ist es ja so: sobald etwas in Österreich in ist, kannst du dir sicher sein, dass es fast überall auf der Welt schon wieder out ist. Nicht, dass ich mit meinen ausgeleierten, alten Hosen mit Blumenprint kombiniert mit bunten Stricksocken und XL Kapuzenpulli da mitreden darf. Aber ich sag ja nur.

Wir sitzen im Café, nebenan spielt eine Band. Es wuselt, aber nicht zu sehr. Großstadt, aber überschaubar. Schnell, aber nicht hektisch. Wir mögen es hier so sehr! Wir sind zwar erst ein paar Stunden hier, aber KL gefällt uns so so soooo! Der erste Eindruck: positiver als positiv! Vielleicht liegt es daran, dass wir in den letzten 4,5 Monaten NICHTS dergleichen gesehen haben? Vielleicht auch daran, dass wir immer am Arsch der Welt waren und die Städte keine coolen Städte waren? Oder daran, dass es zwischendurch echt wieder mal schön ist, ganz normale Dinge zu tun wie shoppen oder Kaffee trinken oder am Gehsteig gehen. Und das, ohne dass dich dabei jemand anstarrt oder anspricht. Vielleiiiicht liegt’s aber auch einfach daran, dass KL eine supertollefancycoolemodernegeniale Stadt ist. Wahrscheinlich, ja.

Es würde mich wirklich interessieren, ob wir genau so beeindruckt wären, wenn wir von Wien gekommen wären. Wir haben ja immer versucht, die Städte zu meiden und wollten deswegen auch nur zwei Tage hier verbringen. Und jetzt sind wir hier und wollen mehr! Wir wollen nicht weg. Wir wollen hier bleiben und einfach nur gehen und schauen und staunen und normale Dinge tun. Hier ist alles so normal. Schön normal.

Manchmal ist normal schon cool.

Wir betreten die nächste Mall, die übrigens dreimal so groß ist, wie die erste. 8 Stockwerke, ohne Scheiß. Überforderung: da. Während Phips noch weiter shoppt („Ich brauch ein Leiberl, ich will jetzt ein Leiberl!!!“), gehe ich zum Friseur. Nach der Stroh-Geschichte vom letzten Eintrag, könnt ihr euch vorstellen, WIE dringend ich das brauche. An dieser Stelle fällt mir eine lustige (damals alles andere als lustig!) Geschichte zum Thema Friseur ein. Ich schneid Philipp ja schon seit einem Jahr die Haare (ja, ich weiß! An mir ist eine Friseurin verloren gegangen!) und irgendwann vor ein paar Monaten meint er so: „Soll ich deine auch schneiden? Ich mach das! Das kann doch nicht so schwer sein.“ Öh ja. Schlussendlich war eine Seite 3 cm kürzer als die andere und das Ganze endete in einer Diskussion, weil er nicht zugeben wollte, dass er ein scheiß Friseur ist. Soviel dazu. Kann also doch schwer sein.

Es ist schon spät und wir sind total kaputt: neue Stadt, neue Eindrücke und shoppen – das macht müde. Lieber würd ich mich ja auf die Straße legen und dort schlafen, als in unserem Bett (Zoo?), aber naja. Qualifizierung für’s Dschungelcamp: check.

Tag 2 in KL widmen wir voll und ganz unserer großen Liebe, unserer Leidenschaft, unserem Hobby:

Essen.

Die malaysische Küche ist so bunt wie die Bevölkerung. Sie wurde/ist sehr stark von China (Chinatown) und Indien (Little India) beeinflusst. Neben indischen Spezialitäten und der chinesischen Küche gibt es aber auch landestypische kulinarische Köstlichkeiten. Obwohl es zig Restaurants gibt, ist es mehr die Streetfood-Kultur, die hier von Einheimischen und Touristen zugleich gefeiert wird. Für so einen Tag gibt’s nur eine, aber dafür richtig wichtige Regel: zieh das Weiteste und Gemütlichste an, das du findest. Hose mit Gummizug oder so.

Bevor wir uns allerdings durch KL (fr)essen, muss ich noch ein paar Dinge für den Blog erledigen. Ihr kennt das: zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Haha. Mit dem Laptop im Café sitzen, Kaffee schlürfen und schreiben – wenn ich groß bin, werd ich echte Bloggerin.

 

Dann beginnen wir mit dem bekannten Katsuri Walk und dem Central Market. Kurze Erklärung: eine Straße mit Streetfood-Ständen – und – eine Halle mit Restaurants und Essensständen (und Souvenirs, Schmuck, Kleidung).

Fresswalk.beginnt.jetzt.

Dann flanieren wir weiter Richtung Chinatown bzw. Petaling Street. Dort könnte man sich stundenlang aufhalten und Geld verprassen. Angefangen bei Kleidung (gefälschte Gucci-Uhr oder Dior-Brille gefällig?) über elektronische Dinge wie Kameralinse, Adapter oder Selfiestick mit gefühltem 5 Meter Stick (man will ja auch die ganze Stadt auf’s Foto kriegen) bis zu Schmuck (von tschechien-plastik-billig bis sieht gar nicht mal so billig aus – alles dabei): es ist einfach für jeden etwas dabei. Und auch, wenn dir der Typ 15 Minuten lang erklären will, dass das eine echte Ray Ban Sonnenbrille und natürlich „best quality“ ist: Verhandeln ist Pflicht.

Chinatown ist – wahrscheinlich, ich war noch nie dort, so wie China: laut und hektisch. Es ist viel los, die einen wollen was kaufen, die anderen was verkaufen. Es wird geschrien „You want bag, madam?“ oder „Cheap cheap for you, mister!“ und es wuselt. Aber es ist nicht stressig. Es wird nicht gedrängelt, man wird nicht auf die Seite geschubst, wenn man langsam bei den Ständen vorbeigeht. Genau das meine ich: diese Gelassenheit, die diese Stadt ausstrahlt. KL ist… chillig quirlig. Oder auch: gemütlich fink. Hört sich vielleicht ein bisschen dumm an, aber ja, genau SO würde ich KL beschreiben.

So und nun befassen wir uns wieder mit den wichtigen Dingen im Leben: Essen. Wir stopfen uns so ca. alles hinein, was wir finden. Wir wollen die Stadt schmecken, wir wollen kosten, probieren, schlecken, naschen, nippen. Es gibt so viel! Wir fühlen uns zwar schon kugelrund (Dank sei dem neuen Kleid, dass gekonnt meinen „bist du schwanger?“-Bauch kaschiert!) und es tut schon weh, aber tja: manchmal muss man da einfach durch.

Bevor wir zum nächsten Markt gehen, gibt’s einen kleinen Verdauungsspaziergang. Die Stadt gefällt uns immer mehr. Hier kann man stunden-, nein tagelang flanieren und es wird immer noch nicht fad. Notiz an mich: überlegen, was ich in KL arbeiten kann… vielleicht ein Schnitzel-Restaurant neben Chinatown und Little India? Jap, damit werd ich reich.

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Gehengehengehengehengehen. Und dann wieder essenessenessenesssenessen.

Abends befassen wir uns dann wieder – Überraschung, tadaaaa – mit Essen. Wir gehen zu Jalan Alor, eine lange Straße, gesäumt von Street Food- und Obstständen sowie Restaurants – japanisch, thai, chinesisch, malaysisch. Alles. Vor allem abends und an den Wochenenden (heute ist Samstag!) sollen die meisten Tische in und vor den Restaurants voll sein. Sind sie, trotz Regen.

Die Straße kann man schon von Weitem riechen, in der Luft liegt der Geruch von Sojasoße und Fett. Je näher wir kommen, desto mehr wird unsere Nase überfordert: es riecht nach Fleisch. Fisch. Kokosnuss. Das Fett brutzelt, der Grill raucht, die Töpfe dampfen. Wir gehen weiter. Links: Hühnerfüße, gebraten. Rechts: Maiskolben, gekocht. Auf der einen Seite bekommt man Thai-Nudeln mit Rind, auf der anderen japanischen Reiskuchen mit Schoko-Füllung. Schlangen bilden sich vor jedem Stand, die Kellner laufen, die Verkäufer schwingen hastig ihre Pfannen.

Überall hängen bunte Schilder, überall schreien die Verkäufer und wollen aufmerksam auf ihr Essen machen. Auf den Tischen liegen die Speisekarten, dicker als ein Harry Potter Band. Die Auswahl ist groß: Schweinemagen, Hirn oder vielleicht doch Froschschenkel? Am Tisch sitzen die Leute mit zufriedenem Gesichtsausdruck und verschlingen mit ihren Stäbchen die unterschiedlichsten Köstlichkeiten. Ich schau mich um. Es wurlt, es ist viel los, es tut sich was. Das ist Leben. KL ist Leben!

Wir tauchen ein und geben es uns nochmal so richtig. Wir feiern das Street Food, wir gehen ab. Ein bisschen davon, ein Stück davon. Das will ich auch kosten! Und ein Dessert brauchen wir auch! Leute, ich sag’s euch. Ich roll heute heim. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich will jetzt mindestens 3 Tage (in Wahrheit 8 Stunden) nichts mehr essen.

Foodtour – beendet. Fazit – ich fühl mich mopsig. Bevor wir nach Hause gehen, machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Wahrzeichen von KL: den Petronas Towers. Wenn wir schon mal hier sind, dann muss das einfach sein. Man fliegt ja auch nicht nach Wien und sieht dann den Stephansdom nicht.

Bereits aus der Ferne sieht man die zwei glitzernden und leuchtenden Türme. Funkel, funkel. Sie sind groß und hell und wow. Beeindruckend. Aber halt auch nur Türme. Also schnell ein paar Fotos und hopps – ins Bett. Wir müssen morgen nämlich früh auf.

 

Kuala Lumpur, ein Resümee:

Kuala Lumpur ist eine Großstadt, aber sie gibt nicht damit an. Sie macht nicht einen auf „Ich bin die Modemetropole“-New York. Oder einen auf „Ich bin so Hipster“-Berlin. KL ist cool, ohne es zu wollen. Ungezwungen cool, mit so einer gewissen Leichtigkeit. KL ist wie das eine Mädchen in der Schule, dass immer so hip und lässig angezogen war, ohne sich dessen bewusst zu sein. So, als hätte es einfach das angezogen, was so im Zimmer herumgelegen ist. Nicht aufgesetzt. Nicht bei der Angeber-Clique dabei, vielleicht sogar eher eine Außenseiterin. Aber eine coole halt.

KL ist futuristisch irgendwie. Natürlich. Lebendig. Wie war das noch… genau: gemütlich flink. Oder so. Auch wenn wir nur zwei Tage hier waren und wir dich nur dreiviertel kennen: KL, wir lieben dich!

Morgen geht’s für uns aber weiter in den Süden nach Melaka. Dort werden wir die nächsten zehn Tage auf einer Farm für Kost und Logie arbeiten. Jaja – es kann halt nicht immer nur Urlaub sein. Das ganze Shopping muss wieder rein gearbeitet werden!

Ihr hört bald von uns und unser Leben auf der Farm 🙂 Bis dahin Ghettofaust und Schmuser.

 

 

a story about sri lanka.

Schönen guten Morgeeeeen (ich wette, ihr seid gerade erst verkatert aufgewacht :P)

Sonntag ist Chilltag. Perfektes Timing, denn heute ist unser Video von Sri Lanka fertig geworden. Ich selbst bin wieder mal größter Fan und total begeistert, haha. Ein groooooßes Dankeschön an Phips für diese schöne Zusammenfassung!

Aber Achtung: Neidgefahr! Deswegen am besten schnell den nächsten Urlaub gaaanz weit weg von der österreichischen Kälte buchen 😉

Habt einen gemütlichen Tag, wir naschen jetzt selbst gebackenen Apfelstrudel in Tasmanien. Nommiiii 🙂

Schmusi ❤

Heimat, weit weg von der Heimat.

Meine Damen und Herren, es ist vollbracht: Es folgen die letzten Geschichten und Abenteuer aus Sri Lanka! Viel Spaß 🙂

Wo waren wir? Galle, genau. Nach 2 Tagen haben wir auch schon wieder genug von Stadt und flüchten wieder ins Hochland. Da fühlen wir uns wohl, da ist es schön. Zu unserem nächsten Ziel, Dalhousie, dort wo der Adam’s Peak steht, sind es rund 230 km. Statt einfach schnurstracks quer durch’s Land zu fahren, erreichen wir Dalhousie natürlich über 20 Umwege. Kennt ihr dieses Lied von Fanta 4: es könnteee… so einfach sein… isses aaaaber nicht. Slogan für Sri Lanka. Auf jeden Fall machen wir uns um 6 Uhr morgens auf den Weg, tuckern zuerst mit dem Bus nach Colombo (ca. 130 km und 3 Stunden), daaaann mit dem Zug nach Hatton (ca. 130 km und 5 Stunden) und schließlich, nein es ist noch kein Ende in Sicht, nochmal mit einem Bus nach Dalhousie (ca. 30 km und 1,5 Stunden). Was soll man dazu noch sagen… 9,5 Stunden für 230 Kilometer. Es könnteeee… so einfach sein… isses aaaaber nicht.

Euch kann ich es ja sagen… so unter uns: Sri Lanka nervt uns teilweise so richtig. Das Land ist schön und überzeugt definitiv mit seiner Vielseitigkeit (Strand, Berge, Tiere), aber so richtig wohl fühlen tun wir uns hier nicht.

Das hat mehrere Gründe:

1. Weiß sein = reich sein.

Man fühlt sich hier wie ein lebendiger Geldschein. Überall auf der Welt werden Touristen abgezockt und jedem kann es passieren, dass man einen Arsch-Taxifahrer erwischt und mindestens das Dreifache für die Fahrt bezahlt. Klar. Hier in Sri Lanka ist es allerdings wurscht, wo und wer und wieso, egal, ob Bus, Markt, Restaurant, Hostel: du wirst verarscht. Im Bus sollen wir statt 70 Cent 4 Euro bezahlen und in den Restaurants gibt’s sogar teilweise eigene Speisekarten mit anderen Preisen für Touristen. Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht darum, dass ich vielleicht mal 50 Cent mehr bezahle, als es eigentlich ausmacht. Da geht’s mir um’s Prinzip. Ich glaube, das fällt uns auch nur so sehr auf, weil wir eben länger reisen und demnach sparen müssen. Wenn wir zum Beispiel sonst für 2 Wochen irgendwo Urlaub machen, sind wie die Letzten, die auf’s Geld schauen  -da will ich genießen und nicht darüber nachdenken und schon gar nicht mit dem Schaffner wegen einem Euro diskutieren. (Kleiner Tipp: je lauter man verhandelt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man den normalen Preis bezahlt).

2. Die Sri Lanker.

Natürlich nicht alle, aber viele heucheln dir Freundlichkeit vor, wollen aber aller immer nur das Eine: dein Geld. So mussten wir uns in einigen Hostels anhören, dass man mit uns aber kein gutes Geschäft macht, wenn wir nicht hier, sondern in der Stadt essen gehen. Dann wird man doof angemacht, weil man das Bier im Supermarkt kauft und nicht in der Unterkunft. Ich mein, geht’s noch? Wir fühlen uns irgendwie verarscht. Und wie kann man sich an einem Ort wohl fühlen, wenn man dauernd Hass-Blicke vom Besitzer zu geworfen bekommt?

3. Indien – Sri Lanka.

Und dann ist da immer noch der Vergleich mit Indien. Wir versuchen’s ja zu ignorieren, aber es funktioniert nicht so richtig. Indien war einfach der Wahnsinn. Wir hatten auch so unsere Momente, aber niemals das Gefühl „Ich fühl mich nicht wohl“. Indien ist einfach SO anders. Wir hatten so oft einen Kulturschock, dass ich mir mittlerweile sicher bin, dass das gesundheitliche Schäden am Körper hinterlassen hat. Indien war hardcore, aber zumindest authentisch. Indien ist krass, steht aber dazu. Und krass ist ja auch irgendwie gut.

Sri Lanka hingegen ist weder Fisch noch Fleisch. Sri Lanka ist nicht hardcore, weder hardcore arg noch hardcore cool. Hardcore nervig vielleicht. Sri Lanka ist ganz nett und nett ist ja bekanntlich der kleine Bruder von scheiße. Sri Lanka ist wie die Person, mit der man aus Höflichkeit Smalltalk führt, aber mit der man eigentlich nichts zu tun haben will, weil sie ziemlich langweilig ist. Wisst ihr was ich meine?

Ich weiß, ich weiß – das ist Jammern auf höchstem Niveau. Wir sollen uns ja eigentlich immer wieder daran erinnern, dass wir froh sein sollten, dass wir ÜBERHAUPT irgendwo sind und nicht gerade im Büro sitzen und arbeiten müssen. Aber so fühlen wir nun mal. Und das kann jedem passieren: man fliegt glücklich und erwartungsvoll in den Urlaub und wird dann vielleicht enttäuscht. Bei einer Reise, bei der man dann auch noch ganz viele verschiedene Länder sieht, ist das Risiko, dass eines davon nicht gefällt, dann natürlich noch größer. Man kann ja nicht alles mögen, so ist das halt im Leben. Man mag ja auch nicht jeden Menschen. Deswegen: Sri Lanka, du bist okay, aber wir werden keine dicken Freunde. Leider.

ABER – ganz wichtig – wir haben viele, ganz viele Leute getroffen, die total überdrüberbegeistert von Sri Lanka sind. Wie gesagt, das Land an sich ist wirklich schön, das ist einfach unser persönliches Empfinden. Aber Menschen sind verschieden und genauso verschieden sind die Eindrücke und Erfahrungen. Ich liebe Russland, andere nicht. Andere lieben Frankreich, ich nicht. Deswegen: herkommen, anschauen, eigenes Bild machen.

Statt aber die letzten Tage in Sri Lanka grantig aus der Wäsch‘ zu schauen (oder an Fotz zu ziang – ich liebe die österreichische Sprache!), machen wir das Beste draus. Nervige Leute mit Überfreundlichkeit überschütten, noch nervigere Leute ignorieren. Bevor ich nun endlich zum Jammern aufhöre, muss ich noch kurz unser persönliches Reise-Prinzip betonen: nichts im Voraus planen oder buchen. Hätten wir nämlich nicht schon unseren Flug gebucht, würden wir wahrscheinlich schon längst im Flugzeug in ein anderes Land sitzen. Spontan ist, wenn möglich, immer besser. Allerdings mussten wir den Flug schon buchen, warum und wieso, erzähl ich euch bald.

So. Nun wieder zu uns. So viel Strand und so viel Stadt, jetzt zieht’s uns zwei Neo-Bergliebsteiger, wie gesagt, schon wieder ins Hochland. Auffi aufn Berg und zwar auf den berühmtesten in Sri Lanka, auf den Adam’s Peak. Wegen seiner religiösen Bedeutung zieht es täglich hunderte Pilger und Touristen auf den 2.245m hohen Berg: auf dem Gipfel befindet sich nämlich ein 1,8 Meter langer Fußabdruck (Lüge, ich erkenn da nicht mal ansatzweise einen Fuß, aber okay). Von wem dieser Fußabdruck ist, hängt von Glaube und Religion ab: Buddhisten sehen darin den des Buddha, Hindus den von Shiva, die Christen verehren ihn als Fußabdruck des Apostel Thomas und Muslime als den von Adam. Na wer jetzt?

Wir quartieren uns im Hotel ein und liegen um 19:30 Uhr im Bett. Kein Schmäh. Aber wir gehen nicht ohne Grund früher als jeder Pensionist ins Bett: Der Wecker am Handy läutet morgen nämlich um 2 Uhr. Der Sonnenaufgang am Adam’s Peak soll spektakulär sein und das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Viel geschlafen haben wir nicht, trotzdem machen wir uns um 2:30 Uhr auf den Weg Richtung Gipfel. Die Müdigkeit ist zwar noch da, Motivation aber auch. Die und Kraft braucht man auch: bis zum Gipfel sind es nämlich 7 km und 1000 Höhenmeter in Form von mehr als 5500 Stufen. Klingt schlimm – ist es auch. Wieder einmal waren wir nicht die Einzigen, die den Reiseführer gelesen haben und viele viele andere Touristen wollen ebenfalls die Sonne am Gipfel aufgehen sehen.

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Selfie um 2:30 Uhr. Man sieht’s uns an: zu früh.

Wir beginnen langsam. Das haben wir spätestens beim Trek in Indien gelernt: nicht zu schnell und schon gar nicht schnell und dann wieder langsam. Sein Tempo finden, gehen und niemals hochschauen. Würde auch nichts bringen, es ist 3 Uhr und stockdunkel.

Wir gehen. Stufe für Stufe. Neben uns die russischen Touristen, die an uns vorbei ziehen. Puh, die sind aber schnell. 5 Minuten später sitzen sie auf der Stufe, ohne Puste. Tja, g’lernt is g’lernt. Hätt mich ja auch gewundert, wenn man gefühlte 3 Millionen Stufen ohne Probleme rauf rennt. Und schon gar nicht die russische Tussi mit rosa Dolce & Gabbana Kapperl und Sandalen. Zuschauen und lernen, du Nuss! Apropos Sandalen: es ist Nacht und es ist kalt, wirklich sauuuukalt. Das hindert die Einheimischen aber nicht daran, mit Flip Flops oder gar barfuß (ja wirklich, BARFUSS!) den Berg zu besteigen. Also ich will ja nichts sagen, aber ernsthaft? Wir haben in Sri Lanka ja schon oft Einheimische in ihren Flip Flops ausgelacht. Haube am Kopf und in eine dicke Daunenjacke eingepackt, aber immer Flip Flops – egal, wie kalt oder ob es regnet. Versteh ich nicht. Ich hab ja eher das Prinzip „Füße kalt, alles kalt“. Aber gut. Barfuß wandern, als wäre die Wanderung nicht so schon eine Herausforderung.

Wir gehen noch immer. Also eigentlich gehen wir nicht, sondern wir steigen. Stufe für Stufe für Stufe. Rauf, rauf, rauf. Blick nach unten. Trotz den eisigen Temperaturen wird uns warm. Die Füße brennen. Stufe, Stufe, Stufe. 1, 2, 3, 1, 2, 3. Immer weiter. Es tut weh, wirklich weh. Das ist kein Spaziergang. Ich sehe, wie die anderen kämpfen, immer wieder stehen bleiben, sich beim Geländer hochziehen. Manche drehen um und geben auf. Zu steil, zu viel. Nicht, dass wir die ultra Wanderer sind oder unsere Kondition so gut wäre, aber wir gehen gehen gehen. Ohne Pause. Wir haben unser Tempo und anscheinend haben die vielen Wanderungen und das Yoga was geholfen. Wahrscheinlich liegt’s nur am Gedanken in meinem Kopf, der mich die vielen Stufen steigen lässt: das ist gut für den Popsch, das ist gut für den Popsch. Knackarsch, Knackarsch. Bikinifigur 2017, Bikinifigur 2017. Hilft.

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Stufe 2387 von 5500. Oida.

Immer wieder gibt es am Weg kleine Hütten, wo man sich bei Tee, Linseneintopf und Roti (Fladen) stärken kann. Ich will nur kurz Kaffee – ein Morgen (es ist 03:30!) ohne Kaffee geht gar nicht. Philipp schimpft mich: Poah he, ich hab grad mein Tempo gefunden. Jaja, ich komm ja schon.

Überall steht, dass man ca. 3 Stunden für den Marsch einplanen sollte. Ich will ja nicht angeben, aber wir sind nach 2 Stunden und 10 Minuten oben. Nicht, dass mich das freuen würde, denn es ist erst 04:40 und der Sonnenaufgang beginnt um ca. 6 Uhr. Heißt: warten. Und warten bei Temperaturen gegen 0 Grad und eisigem Wind ist kein Spaß. Abeeeer – schon wieder sind wir einfach so klug! – wir haben Kleidung zum Wechseln, Schal, Haube und sogar eine Decke mit.

Dafür, dass wir beide eigentlich Morgenmuffel sind und unsere Laune am Morgen definitiv großes Streitpotenzial hat (haha), sind wir heute erstauuunlich gut drauf. Wir plappern wie sonst nie und so vergeht die Zeit recht schnell.

Und dann ist es soweit… es wird heller… man sieht dunkle Schatten und die Umrisse von den umgebenden Bergen. Der Himmel wird dunkelblau statt schwarz, wird immer heller. Hinter einem einzigen Berg, weit weit weg, färbt sich der Himmel orange. Da muss sie sein, die Sonne. Alle stehen gespannt da, jeder wartet sehnsüchtig auf die ersten Strahlen, die den eisigen Körper wieder aufwärmen.

Und dann… berühren mich die ersten Sonnenstrahlen. Dieses wohlige Gefühl, wenn die Finger, die Zehen und die Wangen im Gesicht zu kribbeln beginnen. Ab und zu hört man das Klicken der Kameras, sonst ist es still. Der Himmel wird hellblau, am Horizont die gelben Strahlen und endlich zeigt auch die Sonne ihr hübsches Gesicht. Nach und nach erscheinen die Berge in ihrer vollsten Pracht. Vor uns der Regenbogen der Natur: die grünen Berge, der azurblaue Himmel, der orange-rote Horizont, die gelbe Sonne. Ich liebe Sonnenaufgänge, man sieht sie viel zu selten. Sonnenuntergang kann jeder, aber extra aufstehen für dieses Spektakel und dann auch noch am Berg – das zeugt von Motivation. Da muss man schon was dafür tun.

Ein unbeschreibliches Gefühl, immer wieder. Ich liebe die Berge und am Berg zu sein. Nach einer Wanderung oben am Gipfel anzukommen, ist mein Highlight. Der Weg ist das Ziel? Beim Wandern eher: das Ziel ist das Ziel. Klar, dass Wandern und Gehen an sich ist schön, die Ruhe, die Natur, die Zeit, in der man träumen und nachdenken kann. Aber nichts toppt das Gefühl, wenn man sein Ziel, den Gipfel, erreicht hat. Wenn man die Strapazen der Besteigung vergisst, weil man die Schmerzen doch immer vergisst, wenn das Ergebnis danach so schön ist.Wenn man oben ist, größer und höher als alles andere. Wenn man unten die Menschen oder die Bäume sieht, die einem klitzeklein vorkommen. Irgendwie fühlt man sich mächtig.

Auch am Adam’s Peak überkommt mich das Gefühl von Freiheit. Der Ausblick: atemberaubend. Das persönliche Gefühl: magisch. Das Blöde: runtergehen. Der Abstieg war nerviger und anstrengender, als das Raufgehen. 5500 Stufen, das schreit nach neuen Plastikknien. Fazit vom Adam’s Peak: nichts für schwache Beine, aber es lohnt sich sowas von!!!

Die Oberschenkel brennen, der Körper ist müde und eigentlich schreit alles nach Bett. Doch wir fahren zuerst in den nächsten Ort, klitzeklein, nichts los, aber schöne Unterkunft. Dort werde ich mich heute und morgen dem Blog widmen – in der Natur, ungestört und inspiriert. Oder so. Philipp macht sich währenddessen auf den Weg nach Colombo und kommt erst morgen wieder. Aber nicht alleine! Wir bekommen nämlich Besuch aus Österreich, juhu!

Das Ganze war nämlich so: Lolo (Philipps bester Freund) hat angerufen und gesagt: „Hey, ich hab spontan frei bekommen. Wo seid ihr gerade, ich komm euch besuchen.“ Ööööh, das nenn ich mal spontan. Ein paar Stunden später war der Flug schon gebucht und wir sind vor Freude gesprungen. Genau das mag ich an Lolo so sehr: spontan und unkompliziert.

Auch auf die Frage, was er denn machen will, wenn er da ist, kommt eine für ihn so typische Antwort: es ist mir egal, was wir machen. Ich mach’s mit euch und darum geht’s. Weise Worte. Philipp ist natürlich noch mehr aus dem Häuschen, als ich. Die Zwei haben vorher in einem Zimmer (ohne Scheiß!) zusammen gewohnt, in der Freizeit viel gemeinsam gemacht, ich war dann so das dritte Rad am Wagen, haha.

Die Zwei sind einfach ein Herz und eine Seele. Das ist wie Toast und Nutella oder Würstel und Senf oder Pommes und Mayo – gehört zusammen, geht nicht ohne einander. Ich weiß, wie groß Philipps Sehnsucht nach Männergesprächen ist und wie sehr er sich auf Lolo freut. Er hat das ja schon vor ein paar Wochen prophezeit: „Ich bin mir sicher, dass Lolo der Erste sein wird, der uns besucht“. Sollte mal über eine Karriere als Hellseher nachdenken.

18 Stunden alleine, das gab’s schon lange nicht mehr. Nicht, dass ich nichts mit mir anzufangen weiß, aber wem erzähl ich dann davon? Wenn das so weiter geht, müssen Philipp und ich wieder in derselben Agentur arbeiten, sonst bombardier ich ihn wahrscheinlich stündlich mit Whats App Nachrichten á la „Was machst du gerade?“ oder „Was essen wir heute Abend?“ oder „Vermisst du mich auch so wie ich dich?“. Gott, ich bin ja so peinlich.

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Meanwhile in Colombo.

Nacht überstanden, heute treff ich Philipp und Lolo am Busbahnhof, wir fahren nach Nuwara Eliya. Strahlend kommen sie mir entgegen, ein Grinsen bis über beide Ohren und glücklich darüber, dass sie nun endlich wieder vereint sind. Ich freu mich nicht weniger: eine Umarmung, ganz fest drücken. Heimat passt also in zwei Arme.

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Erstes Besuchausösterreichinsrilankaundwirfreuenunsso-Selfie. (Lolo freut sich auch, auch wenn’s nicht so ausschaut 😀 )

Neben der Freude über unseren Besuch ist auch die Freude über die Mitbringsel ganz groß: Mein Papa hat uns nämlich ein Weihnachtspackerl mit ganz vielen österreichischen Schmankerln zusammengestellt: Speck, Würstel, Mannerschnitten, Weihnachtskekse, Schweizer Schokolade. Lolo hat noch frische Salami dazugepackt und Eva, die Liebe, hat auch noch Vanillekipferl mit gegeben. Soviel Liebe und vor allem Heimat in einem Packerl, oh mein Gott. Das ist wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Philipp und ich sitzen mit fettigen Fingern und Krümel im Gesicht da und wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen: drei Vanillekipferl für miiiich, eins für dich, zwei Würstel für miiiich, eins für dich. Bis uns schlecht wird, aber das war’s wert.

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+ 3 kg in 20 Minuten.

In Nuwara Eliya haben wir alles, was man für gemütliche Tage zu dritt braucht: eine tolle Unterkunft mit Balkon, Bier und wir sind mitten in der Natur, viele Hügel und Berge für’s Wandern. Das machen wir dann auch gleich am nächsten Tag und zwar nach Lolos Motto: Let’s get lost. Da wird nicht geschaut, wo ist was oder wo gehen wir hin oder was machen wir eigentlich, sondern wir gehen. Wir gehen gehen gehen, biegen mal ab, gehen wieder weiter, durch Teeplantagen, biegen links ab, biegen rechts ab. Wohin? Keine Ahnung. Wir reden und gehen und reden. Lolo macht das im Urlaub immer so und ich hab mir dabei immer nur gedacht: ja aber, was, wenn man falsch ist? GIBT KEIN FALSCH! Was ist, wenn man sich verläuft? GEHT MAN EBEN WIEDER ZURÜCK! Was, wenn. Was, wenn. Jetzt bin ich begeistert. Diese Art von Wandern gefällt mir. Let’s get lost, aber sowas von.

7 Stunden und 26 km später sind wir wieder im Zentrum. Ich liebe den körperlichen Zustand nach Sport: alles brennt, die Füße sind schwer, man ist gleichzeitig müde und aufgedreht. Wir finden zufällig ein Lokal, bei dem man Essen für 20 Cent bekommt und schlagen dazu. Das haben wir uns verdient! Am Abend besuchen wir Elly und Philipp, zwei Freunde aus Österreich, sitzen am Lagerfeuer und lassen den Tag bei einem Bier ausklingen. Ein lustiger Zufall: Elly hat vor Sri Lanka zufällig Philipps Onkel getroffen, der ihr dann das Einzige, dass er im Auto gefunden hat, spontan als Überraschungsgeschenk für uns mitgegeben hat: einen Zirbenschnaps, made in Austria. Ich frag mich ja noch immer, warum er Schnaps im Auto hat, aber trotzdem: ein großes Dankeschön von uns!

Was für ein Tag. Wenn’s eine Steigerung von perfekt geben würde, dann wäre der heutige Tag am perfektesten gewesen.

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Zirbenschnaps aus Österreich und Gaudi.

Am nächsten Tag starten wir eigentlich genau so, nur in eine andere Richtung. Irgendwo hier soll es einen Wasserfall geben. Sri Lanka und Wasserfall, das kennen wir ja schon. Wir laufen mal in die Richtung, mal schauen, wo wir landen. Nach 3 Stunden marschieren hören wir plötzlich ein Plätschern. Das Rauschen wird immer lauter und stärker und schließlich stehen wir vor dem Wasserfall. Doch dieses Mal kein Rinsal, kein kleiner Strahl, dieses Mal ist es anders. 30 Meter, nein, 40. Riesig, gewaltig, das Wasser prasselt runter, davor bildet sich eine große Lacke.

Mitten im Nirgendwo, keine Menschenseele. Nur wir und diese Riesendusche. Zack, da springen wir auch schon ins kalte Nass und lassen uns von dem starken Strahl die Schultern massieren. Let’s get lost – gefällt mir immer mehr. Wir liegen auf den Steinen, die Sonne trocknet unsere Haut. Wir chillen so wie sonst im Sommer beim Baden in der Donau. Und dann auch noch als Jause österreichische Salami. Recht viel mehr Heimat geht im Ausland nicht.

Am nächsten Tag fahren wir morgens an die Westküste Sri Lankas. Unser letzter Halt, bevor’s weiter nach Malaysia geht: Bentota. Wie gesagt, gibt es in Sri Lanka unglaublich viele verschiedene Strände. Also haben wir auf gut Glück einen ausgesucht und BÄM, Volltreffer. Toller Strand, ohne viel Touristenscheiß, ohne die Möchtegern-Surfer, die nur ihren trainierten Oberkörper präsentieren wollen, ohne die russischen Damen, die sich mit der Selfie-Stange im Wasser räkeln und dabei ganz vergessen, dass sie wie ein gestrandeter Wal aussehen. Kein Restaurant, keine Bar und demnach auch keine Leute, die dir mit der offenen Speisekarte nachlaufen und dich mit ihren schlechten Bildern vom Essen überzeugen wollen. Nichts dergleichen. Nur wir und der Strand.

Unsere Unterkunft ist auch ganz nett – nicht weit vom Strand und gutes Essen. Das Schönste ist: im Zimmer steht links ein Doppelbett, rechts ein Doppelbett, in der Mitte ist ein 1 Meter breiter Gang. Das versteht ihr jetzt vielleicht nicht und denkt euch: „Und weiter?“ Aber das Zimmer sieht genauso aus wie in der Wohnung von Philipp und Lolo. Links ein Bett, da schläft Lolo, rechts ein Bett, da schlafen wir.Dann unsere Abende zu dritt: gemeinsam kochen oder trinken, stundenlang tratschen, Filme schauen bis spät in die Nacht. Schon wieder kommt das Gefühl: Heimat.

Der Eigentümer der Unterkunft ist zwar die nervigste Nervensäge, die wir in Sri Lanka, nein die wir jemals gesehen haben, aber okay. Entweder er sitzt da, wenn wir essen und schaut uns zu (äääh, mach einfach was und starr nicht so) oder er nervt mit dummen Fragen wie „ist das ein echtes Tattoo oder ein Sticker?“ (aus dem Alter, in dem man sich Tattoos mit dem Schwamm auf den Oberarm klebt, bin ich raus) oder er gscheidwastelt: macht das so, macht das nicht so, warum macht ihr das so? FRESSE! Hab ich natürlich nicht gesagt, aber in Gedanken hab ich ihn schon mit Klebeband auf dem Mund vor mir gesehen.)

Am Abend steigen wir auf’s Dach, liegen am Boden und schauen in den Himmel. Die Sterne leuchten. Wir reden über alte Zeiten: wisst ihr noch, damals? Wir reden über gemeinsame Erinnerungen: wisst ihr noch, als wir in Dürnstein waren und den letzten Zug nach Wien versäumt haben? Wie wir dann auf der Burgruine, ganz oben am Felsen, geschlafen haben, weil es im ganzen Ort kein freies Zimmer mehr gab. Und wie wir dann am nächsten Tag um 11 Uhr schon wieder mit Spritzer und Blunznbrot beim Heuriger saßen und wieder den ganzen Tag dort verbracht haben? Wir reden darüber, was daheim gerade läuft und passiert. Wer mit wem, was und wo, wann und wie. Aber wir reden auch über die Zukunft und darüber, was wir nicht alles machen werden, wenn wir wieder zurück kommen.

Ich bin traurig, wenn ich daran denke, dass die Zeit mit ihm bald schon wieder vorbei ist. Zeit ist böse, Zeit vergeht immer schnell, wenn’s toll ist und ganz langsam, wenn’s blöd ist. Zeit ist ein Arschloch. Aber jetzt mal den Moment genießen, in Erinnerungen schwelgen und sich freuen, anstatt schon wieder an morgen zu denken.

Bevor wir Lolo nach Österreich lassen, müssen wir nochmal alles essen, was typisch für Sri Lanka ist. Vor allem, weil ja Koch ist, muss er Sri Lanka nicht nur sehen, sondern auch schmecken. Also gibt’s… einmal alles. Kottu (Fladenbrot, dass klein geschnipselt wird und mit Gemüse und Ei angebraten wird), alle möglichen Currys, Watalappan (sowas wie Pudding aus Kokosnuss), Fisch und Garnelen aus dem Indischen Ozean und Hoppers (ähnlich wie Palatschinken, aus Reismehl und Kokosmilch). So und jetzt brauchen wir mal 3 Tage nichts mehr zu essen.

Am letzten Tag am Strand schau ich den beiden beim Ball spielen zu. Sie spielen und springen und lachen und schimpfen, wenn einer besser ist, als der andere. Wie die Kinder. Ich weiß, wie viel ihnen die letzte Tage beide wert waren.

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Ich könnt stundenlang zusehen.

Beim Verabschieden müssen wir mit den Tränen kämpfen. Wir umarmen ihn so fest es geht, manchmal sagt eine Umarmung mehr als tausend Worte. Ich sehe Philipps Gesichtsausdruck und weiß, wie schwer es ihm gerade fällt. Am besten einfach gehen und nicht mehr umdrehen. Wir drehen uns trotzdem um… da steht er, alleine und wir auf dem Weg in ein neues Abenteuer. Lieber Lolo, solltest du das lesen: danke für die Zeit. Danke für so viel Heimatgefühl in einem fremden Land, du hast die letzten Tage in Sri Lanka schöner und besser gemacht. Es war viel zu kurz, aber wir freuen uns auf ein Wiedersehen. Irgendwo anders auf der Welt.

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Schweren Herzens verlassen wir Lolo, gar nicht so traurig sind wir über den Verlust von Sri Lanka. Du bist so schön, schade, dass du so blöd bist. Nein, im Ernst: auch, wenn du nicht unser Lieblingsland sein wirst, hast du uns trotzdem viele tolle Momente beschert und du wirst immer ein Teil unserer großen Reise bleiben.

Auf uns wartet ein neues Land und mit ganz viel Freude und Lust und Wuhu sitzen wir am Flughafen und warten auf das Boarding vom Flug Richtung… Malaysia. Yihaaaa!

Baba Sri Lanka und baba an alle, die das gerade lesen!