Vom Ankommen, Heimkommen und der Sehnsucht.

Wir kommen heim.

Der Satz, auf den unsere Eltern schon seit Monaten warten. Und tatsächlich – es ist wahr! Wir können es selbst noch gar nicht so richtig glauben.

Unsere Reise nimmt ein Ende, nach mehr als 9 Monaten packen wir zum letzten Mal unseren Rucksack und machen uns mit ganz vielen Erfahrungen, mit spannenden Geschichten, Philipp mit 7 Kilo weniger, aber vor allem mit ganz viel Freude auf den Weg zurück nach Österreich.

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Bevor wir nun allen persönlich beantworten müssen, warum und wieso und überhaupt, möchte ich euch hier kurz die Gründe für unsere Entscheidung nennen:

In letzter Zeit haben wir uns immer öfter dabei ertappt, dass wir über Zuhause bzw. über die Zeit nach der Reise gesprochen haben: „Und wenn wir dann zuhause sind, dann…“. Wir waren mit den Gedanken geografisch schon tausende Kilometer weiter und statt nur die nächsten Tage hier zu planen, haben wir schon darüber geredet, wie unsere ersten Tage in Österreich aussehen sollen, worauf wir uns freuen, was wir essen möchten (es gibt zu viel!), wen wir besuchen werden und und und.

Natürlich hatte jeder von uns schon mal so ein kleines Heimweh-Tief, wir dachten es geht, wie sonst auch, schnell wieder vorbei. Wir haben uns vorgenommen, wieder mehr im JETZT zu sein und die Zeit zu genießen, statt an daheim und an danach zu denken. Doch dieses Mal war es anders. Das Gefühl blieb. Und das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Ganz oder gar nicht. Wir wollen nicht nur physisch, sondern auch mit dem Kopf anwesend sein. Denn wir sind nicht hier, nur damit wir hier sind.

Jetzt denkt ihr euch vielleicht: Hä? Wie kann man genug von Urlaub/vom Reisen haben? Natürlich sind wir nach wie vor begeistert und finden die Orte wunderschön und interessant. Wir genießen auch nach wie vor die Zeit ohne Verpflichtungen zu zweit in vollen Zügen. Aber irgendwas ist anders. Die Euphorie ist nicht mehr dieselbe, dieses oh-mein-Gott-es-ist-so-geil-Gefühl fehlt manchmal. Langsam frag ich mich selber schon, ob das nicht immer so ist im Leben: Egal, ob Beziehungen, ein neuer Job, die erste eigene Wohnung – früher oder später flaut das anfängliche unbeschreibliche Gefühl ab und es wird irgendwie selbstverständlich, normal, banal.

Zusätzlich zu unserem Gefühl kommt natürlich auch der Kontostand. Es war nur eine Frage der Zeit, aber langsam wird das Geld knapp. Wir haben uns von Anfang nicht eingeschränkt was die Dauer unserer Reise betrifft, die Bedingungen waren immer nur: solange es uns Freude macht und solange das Geld reicht. Das Geld ist weg und die Freude zwar noch groß, aber die Gedanken zu oft bei anderen Dingen, also war’s das. So einfach ist das 🙂

Außerdem glaube ich, dass uns mittlerweile sogar das Schicksal oder irgendwelche anderen übernatürlichen Zeichen sagen wollen, dass wir heimfliegen sollen: meine Kamera hat einen Wasserschaden und funktioniert nicht mehr richtig, meine einzige lange Hose (=eine Leggings, so tief bin ich schon gesunken) hat überall Löcher und wir haben plötzlich nur noch 5 Unterhosen (die anderen haben wir verloren). Und ganz ehrlich – niemand kann mit 5 Unterhosen überleben.

Also haben wir nach einem langen Gespräch entschieden: Wir fliegen heim.

WIR FLIEGEN HEIM. Der Satz, den wir die letzten Monate verdrängt haben. Wir haben uns oft gefragt, wie es wird bzw. wie wir uns fühlen werden, wenn es soweit ist. Sind wir dann traurig und enttäuscht? Wollen wir eigentlich hier bleiben und gar nicht heim? Haben wir Angst vor der Realität, vor einem Alltag mit Job und Verpflichtungen und dem ganzen Erwachsenenzeug?

Und jetzt, wo es soweit ist, ist es irgendwie ganz anders. Wir sind bereit. Wir sind weder traurig, noch enttäuscht. Wir hatten die unglaublichste Zeit an den wunderschönsten Orten mit tollen Personen, wir haben so viel gelernt, gesehen und vor allem: zu erzählen. Wir würden alles wieder genauso machen, 1 zu 1, die ganze Reise. Es war einfach der Wahnsinn, unbeschreiblich und eine Erfahrung, die uns niemand mehr nehmen kann.

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Aber jetzt ist es an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr von einem anstrengenden Tag nach Hause kommt, die Wohnung aufsperrt, euch der vertraute Geruch in die Nase steigt, ihr euch auf die Couch fallen lässt und dieses Gefühl habt… hach, endlich daheim? …  Wir nicht (mehr).

Darum freuen wir uns umso mehr. Wir freuen uns auf unser Zuhause, auf Wohlfühlen, unser gewohntes Umfeld, sogar auf Normalität und Routine, auf ein gutes Schnitzel und ein Glas Wein. Wir sehnen uns nach einem Rückzugsort, nach UNSEREM Ort. Wir wollen nicht nur nach Hause kommen, wir wollen ankommen.

Denn was wir auf dieser Reise gelernt haben, ist vieles, aber vor allem eines: manchmal muss man seinem Zuhause den Rücken kehren, um zu verstehen, wohin man gehört.

Und so starten wir diesen Sommer genauso, wie wir den letzten beendet haben – mit euch! (Und Wein.)

Wir schicken euch viele Umarmungen und bis bald (jetzt wirklich bald!) ❤

PS: Nein, wir haben noch keinen Rückflug gebucht und somit noch kein fixes Datum, aber wir halten euch auf dem Laufenden.

PPS: Falls ihr schon panisch im Kreis lauft und euch fragt, wie es mit dem Blog weitergehen wird (haha): auch wenn ich ziemlich hinten nach bin, möchte ich trotzdem noch über alles schreiben, was wir in den letzten Monaten erlebt haben. Weil die Rückmeldungen soooo toll sind, weil’s mir einfach mega viel Spaß macht, weil es einfach noch so viel zu erzählen gibt, weil wir sowieso nicht alles persönlich erzählen können (viel zu viel!) und weil auch fremde Personen den Blog lesen. Falls euch die Geschichten gefallen, dürft ihr also weiterhin auf neue Geschichten gespannt sein.

Kuala Lumpur – back to civilization.

Hach Gott, immer dieses Jetset-Leben.

Wir stehen am Flughafen von Kuala Lumpur und haben den Flug mehr oder weniger gut überstanden. Es ist 5 Uhr morgens und während Philipp wie immer den ganzen Flug über geschnarcht hat (NEID! Und ein bisschen AGGRESSION!), hab ich wieder mal gar nichts geschlafen. Im Sitzen schlafen – geht einfach nicht.

Stand der Dinge: Augenringe.

Wir freuen uns zwar sehr auf die neue Stadt, aber noch mehr auf ein weiches, flauschiges Bett und Dusche und Powernap. So schmuddelig und mit diesen schwarzen Panda-Augen können wir Kuala Lumpur nicht unter die Augen treten.

Wir fahren mit der Metro Richtung Zentrum und bemerken sofort den Unterschied zu den letzten Ländern: so (!) anders! Die Metro ist sauberer und moderner, als die U-Bahn in Wien (was angesichts der U6 auch nicht so schwer ist). Und dann die Leute, ich fass es nicht: bei der Station bilden sich alle 5 Meter, dort sich die Türen der Metro öffnen werden, Schlangen. Alle warten in einer Reihe hintereinander. Kerzengerade. Als hätte man die Wasserwaage ausgepackt. Haha, die Asiaten, es ist also doch nicht nur Klischee. So ordentlich, so organisiert, so gesittet und geordnet. Ich liebe es! Ich will das auch in meiner Welt! Wieso gibt’s das bei uns nicht?

Die Unterkunft liegt (das wussten wir vorher wirklich nicht) im Stadtteil Little India. Ja, ich weiß, offensichtlich können wir uns immer noch nicht so ganz von Indien trennen. Da sind wir weg und dann doch wieder nicht.

Als wir dort ankommen, sind wir plötzlich munter. Putzmunter. Schlafen? Wer will schlafen? Ich sicher nicht. Zumindest nicht hier. Zuerst der unfreundliche Typ an der Rezeption (mag wohl sein Arbeitsumfeld nicht so sehr – kann ich verstehen) und dann das „Zimmer“: winzig, alter ranziger Teppichboden, die Wände voll mit Schimmel und Bettwäsche mit nicht identifizierbaren Flecken.  Und dann der Geruch. Das kann ich gar nicht beschreiben. Okay, ich versuch’s: Nasser Hund und ungewaschene Füße und alter Fisch und Oasch und Beidl.

Alter, nein. Nein nein nein. Little India ist schlimmer als Indien, in den ganzen 3,5 Monaten mussten wir nicht einmal in einem annähernd so grindigen Zimmer schlafen. Ganz ehrlich: ein dreckiger Gehsteig mit Spuckeflecken, Zigarettenstummeln und Kaugummis ist einladender als dieser Raum. Das Problem ist nur, dass wir bereits im Voraus zahlen mussten und wir in unserer Müdigkeit ganz vergessen haben, eventuell das Zimmer vorher anzusehen. Schon fast 5 Monate unterwegs und noch immer nichts gelernt.

Also, was bleibt uns anderes übrig: wir ziehen uns unseren eigenen Schlafsack bis zum Haaransatz hoch, um jaaa nicht die Bettwäsche zu berühren. Und: durch den Mund atmen! Sonst muss ich speiben. Gott sei Dank sind wir wirklich richtig müde.

Ich wache auf und hoffe, alles war nur ein (Alb)Traum. Augen auf, kurzer Kontrollblick links, rechts: nö, alles echt. Kein Traum. Auf einmal schreit Philipp: „Da sind Flöhe! Ohne Scheiß, da sind Flöhe! Da springt was, ich schwöre!“ Oh. Mein. Gott. Am besten wir fackeln die Bude ab.

Da Streifen dick machen und ich Angst vorm Frauenknast in Malaysia habe, fackeln wir die Bude nicht ab. Aber wir flüchten nach draußen. Immerhin.

Kuala Lumpur hat knappe 1,6 Millionen Einwohner und wird von den Bewohnern liebevoll KL genannt. Das werd ich in Zukunft in Wien auch nur noch so machen, zwecks der Coolheit:

Ich fahr heut nach W, und du so?

Heute am Plan: flanieren und ersten Eindruck machen. UND: Shopping! Die Backpacker-Garderobe muss dringend mal ausgewechselt werden. Man sieht’s unseren 5 Leiberl wirklich schon an, dass wir in den letzten Monaten nichts anderes getragen haben: Schwarz ist nicht mehr schwarz, alles hat Löcher und/oder die Nähte gehen auf. Und wo kann man besser shoppen, als in KL? Eine Großstadt mit gefühlten 357 Shopping Malls, darunter eine der 6 größten der Welt. Ein Paradies für Kaufsüchtige.

Mit dem Shoppen ist das so wie mit dem Fortgehen: wichtig ist, was und wie viel man davor isst, sonst fehlt die Energie und der Spaß ist schnell vorbei. Wir gehen ins Capital Café – ein unauffälliges und nicht unbedingt einladendes Lokal, allerdings soll die Küche dort richtig gut sein. Wir lesen, dass hier schon seit den 1950er Jahren Chinesen, Inder und Malaien gemeinsam kochen. Uns ist schon am Weg hier her aufgefallen, wie multikulti KL ist: von Moscheen über chinesische und hinduistische Tempel bis Kirchen sieht man hier alles. Das gefällt uns.

Wie so oft bei den weniger touristischen Restaurants fehlt die Speisekarte, also bitten wir den Kellner darum, uns einfach die besten vegetarischen Gerichte zu bringen. (Nach Indien und Sri Lanka wollen/wollten wir zumindest als Semi-Vegetarier weiterreisen, weil: 1. Das Fleisch hier gaga ist und 2. uns Fleisch/Wurst eigentlich auch nicht fehlt.) Er sieht uns verwirrt an: „Wir haben nur 1 vegetarisches Gericht“. Ooookaaaay… das wird wohl schwieriger, als gedacht. Naja, scheiß drauf, dann bring uns bitte einfach irgendwas. Wir bekommen irgendwas mit Nudeln und Erdnusssoße und Gemüse und Suppe und Fleisch, viiiiel Fleisch. Wir werden nie erfahren, was es war, aber es war gut.

Gestärkt für den Shopping-Tag machen wir uns auf den Weg. Zu Fuß natürlich, wir wollen ja was sehen von der Stadt. Und ich sag’s euch: alles ist so anders! So neu. So schick und fancy. So sauber! Kein Müll, es gibt sogar Mülleimer! Und die Menschen benützen diese auch tatsächlich! Wir sehen richtige Restaurants und Cafés mit richtigen Kaffeemaschinen. Richtige, große Lebensmittelgeschäfte! Richtige Taxis, richtige Autos statt Tuktuks. Auf dem Gehsteig (Gehsteig!) gehen Menschen, keine Hunde, keine Kühe, keine Ziegen.

Back to civilization, oida!

 

KL ist neben sauber und schön und modern auch noch multikulti. Viele unterschiedliche Kulturen und Religionen leben hier gemeinsam auf einem Fleck: Moslems mit Kopftuch, Moslems ohne Kopftuch, Moslems mit Burka, Inder in Saris, Inder in Hot Pants, Chinesen, Malaien, Weiße, undsoweiter. Multikulti, aber trotzdem eins. Die Malaien essen beim Inder, die Chinesen sitzen im malaysischen Restaurant und die Inder mampfen beim Chinesen. Jeder bei jedem und vor allem, jeder mit jedem. Little India neben Chinatown in Malaysia. Ich mag das.

40 Minuten später stehen wir vor der Mall. Sie ist… groß. Riesig. Größer als der 1. Bezirk in Wien. Zivilisation in nur einem Gebäude. Die volle Dröhnung. Auf los geht’s los. Die Auswahl der Shops ist unendlich groß, meine Freude noch größer. Ich will mich durchwühlen, richtig eintauchen und voll abgehen. Ich muss 4,5 Monate Shoppen in 2 Stunden nachholen. Das ist Sport, meine Lieben, Sport! Ganz kurz, wirklich nur ganz kurz, hasse ich meinen Rucksack. Der ist einfach viel zu klein!

Nachdem ich mich wieder beruhigt habe und dem Kaufrausch halbwegs entkommen bin, kaufe ich doch nur das, was ich wirklich brauche. Und ein Kleid. Nennt mich Backpacker-Tussi, aber ich hab das Verlangen nach schön sein. Nur ein bisschen. Mit Kleid und vielleicht sogar Wimperntusche. Mehr hab ich eh nicht.

Shopping, Teil 1: check. Wir haben leider nicht alles bekommen, was wir brauchen/suchen, also geht’s weiter in die nächste Mall. Beim Rausgehen aus der dunklen Mall, fühlen wir uns wie Vampire: die Sonne brennt auf der Haut, es ist viel zu hell und viel zu heiß. Kchhh. Natürlich bekommt man beim Einkaufen nichts vom Badewetter mit, die Klimaanlage wird auf Anschlag aufgedreht und das Center auf ungemütliche 16 Grad heruntergekühlt. Meine Lippen sind schon ganz blau. Aber wie sagt man so schön: wer schön sein will, muss leiden!

Vor dem nächsten Kaufrausch-Anfall brauchen wir eine Stärkung: Kaffee und Zigarette und „Leid schauen“, wie man in Österreich so schön sagt. Zwischendurch gibt einer von uns Kommentare ab wie „Haha, der hat ja eine lustige Frisur“ oder „Wow, ist die schön!“ oder „Leggings sind keine Hosen!“. Die meisten hier in KL sind allerdings richtig stylisch (v.a. im Vergleich zu mir – als Backpacker kann der Style-Faktor leider selten berücksichtigt werden), die Asiaten sind uns ja normalerweise immer einen Schritt voraus. Ich kann mich noch daran erinnern, wie mich alle kritisch gemustert haben, als ich 2014 mit Birkenstock-Schlapfen vom Korea-Urlaub nach Hause gekommen bin. In Korea waren die gerade total angesagt und jeder hat sie getragen, in Österreich war einer der ersten Sätze, die ich gehört habe: „Was bistn du für a Öko?“.

Und jetzt, 2 Jahre später, läuft jeder Möchtegern-Hipster darin auf der Mahü auf und ab und glaubt, er ist cool. Pah! Meistens ist es ja so: sobald etwas in Österreich in ist, kannst du dir sicher sein, dass es fast überall auf der Welt schon wieder out ist. Nicht, dass ich mit meinen ausgeleierten, alten Hosen mit Blumenprint kombiniert mit bunten Stricksocken und XL Kapuzenpulli da mitreden darf. Aber ich sag ja nur.

Wir sitzen im Café, nebenan spielt eine Band. Es wuselt, aber nicht zu sehr. Großstadt, aber überschaubar. Schnell, aber nicht hektisch. Wir mögen es hier so sehr! Wir sind zwar erst ein paar Stunden hier, aber KL gefällt uns so so soooo! Der erste Eindruck: positiver als positiv! Vielleicht liegt es daran, dass wir in den letzten 4,5 Monaten NICHTS dergleichen gesehen haben? Vielleicht auch daran, dass wir immer am Arsch der Welt waren und die Städte keine coolen Städte waren? Oder daran, dass es zwischendurch echt wieder mal schön ist, ganz normale Dinge zu tun wie shoppen oder Kaffee trinken oder am Gehsteig gehen. Und das, ohne dass dich dabei jemand anstarrt oder anspricht. Vielleiiiicht liegt’s aber auch einfach daran, dass KL eine supertollefancycoolemodernegeniale Stadt ist. Wahrscheinlich, ja.

Es würde mich wirklich interessieren, ob wir genau so beeindruckt wären, wenn wir von Wien gekommen wären. Wir haben ja immer versucht, die Städte zu meiden und wollten deswegen auch nur zwei Tage hier verbringen. Und jetzt sind wir hier und wollen mehr! Wir wollen nicht weg. Wir wollen hier bleiben und einfach nur gehen und schauen und staunen und normale Dinge tun. Hier ist alles so normal. Schön normal.

Manchmal ist normal schon cool.

Wir betreten die nächste Mall, die übrigens dreimal so groß ist, wie die erste. 8 Stockwerke, ohne Scheiß. Überforderung: da. Während Phips noch weiter shoppt („Ich brauch ein Leiberl, ich will jetzt ein Leiberl!!!“), gehe ich zum Friseur. Nach der Stroh-Geschichte vom letzten Eintrag, könnt ihr euch vorstellen, WIE dringend ich das brauche. An dieser Stelle fällt mir eine lustige (damals alles andere als lustig!) Geschichte zum Thema Friseur ein. Ich schneid Philipp ja schon seit einem Jahr die Haare (ja, ich weiß! An mir ist eine Friseurin verloren gegangen!) und irgendwann vor ein paar Monaten meint er so: „Soll ich deine auch schneiden? Ich mach das! Das kann doch nicht so schwer sein.“ Öh ja. Schlussendlich war eine Seite 3 cm kürzer als die andere und das Ganze endete in einer Diskussion, weil er nicht zugeben wollte, dass er ein scheiß Friseur ist. Soviel dazu. Kann also doch schwer sein.

Es ist schon spät und wir sind total kaputt: neue Stadt, neue Eindrücke und shoppen – das macht müde. Lieber würd ich mich ja auf die Straße legen und dort schlafen, als in unserem Bett (Zoo?), aber naja. Qualifizierung für’s Dschungelcamp: check.

Tag 2 in KL widmen wir voll und ganz unserer großen Liebe, unserer Leidenschaft, unserem Hobby:

Essen.

Die malaysische Küche ist so bunt wie die Bevölkerung. Sie wurde/ist sehr stark von China (Chinatown) und Indien (Little India) beeinflusst. Neben indischen Spezialitäten und der chinesischen Küche gibt es aber auch landestypische kulinarische Köstlichkeiten. Obwohl es zig Restaurants gibt, ist es mehr die Streetfood-Kultur, die hier von Einheimischen und Touristen zugleich gefeiert wird. Für so einen Tag gibt’s nur eine, aber dafür richtig wichtige Regel: zieh das Weiteste und Gemütlichste an, das du findest. Hose mit Gummizug oder so.

Bevor wir uns allerdings durch KL (fr)essen, muss ich noch ein paar Dinge für den Blog erledigen. Ihr kennt das: zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Haha. Mit dem Laptop im Café sitzen, Kaffee schlürfen und schreiben – wenn ich groß bin, werd ich echte Bloggerin.

 

Dann beginnen wir mit dem bekannten Katsuri Walk und dem Central Market. Kurze Erklärung: eine Straße mit Streetfood-Ständen – und – eine Halle mit Restaurants und Essensständen (und Souvenirs, Schmuck, Kleidung).

Fresswalk.beginnt.jetzt.

Dann flanieren wir weiter Richtung Chinatown bzw. Petaling Street. Dort könnte man sich stundenlang aufhalten und Geld verprassen. Angefangen bei Kleidung (gefälschte Gucci-Uhr oder Dior-Brille gefällig?) über elektronische Dinge wie Kameralinse, Adapter oder Selfiestick mit gefühltem 5 Meter Stick (man will ja auch die ganze Stadt auf’s Foto kriegen) bis zu Schmuck (von tschechien-plastik-billig bis sieht gar nicht mal so billig aus – alles dabei): es ist einfach für jeden etwas dabei. Und auch, wenn dir der Typ 15 Minuten lang erklären will, dass das eine echte Ray Ban Sonnenbrille und natürlich „best quality“ ist: Verhandeln ist Pflicht.

Chinatown ist – wahrscheinlich, ich war noch nie dort, so wie China: laut und hektisch. Es ist viel los, die einen wollen was kaufen, die anderen was verkaufen. Es wird geschrien „You want bag, madam?“ oder „Cheap cheap for you, mister!“ und es wuselt. Aber es ist nicht stressig. Es wird nicht gedrängelt, man wird nicht auf die Seite geschubst, wenn man langsam bei den Ständen vorbeigeht. Genau das meine ich: diese Gelassenheit, die diese Stadt ausstrahlt. KL ist… chillig quirlig. Oder auch: gemütlich fink. Hört sich vielleicht ein bisschen dumm an, aber ja, genau SO würde ich KL beschreiben.

So und nun befassen wir uns wieder mit den wichtigen Dingen im Leben: Essen. Wir stopfen uns so ca. alles hinein, was wir finden. Wir wollen die Stadt schmecken, wir wollen kosten, probieren, schlecken, naschen, nippen. Es gibt so viel! Wir fühlen uns zwar schon kugelrund (Dank sei dem neuen Kleid, dass gekonnt meinen „bist du schwanger?“-Bauch kaschiert!) und es tut schon weh, aber tja: manchmal muss man da einfach durch.

Bevor wir zum nächsten Markt gehen, gibt’s einen kleinen Verdauungsspaziergang. Die Stadt gefällt uns immer mehr. Hier kann man stunden-, nein tagelang flanieren und es wird immer noch nicht fad. Notiz an mich: überlegen, was ich in KL arbeiten kann… vielleicht ein Schnitzel-Restaurant neben Chinatown und Little India? Jap, damit werd ich reich.

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Gehengehengehengehengehen. Und dann wieder essenessenessenesssenessen.

Abends befassen wir uns dann wieder – Überraschung, tadaaaa – mit Essen. Wir gehen zu Jalan Alor, eine lange Straße, gesäumt von Street Food- und Obstständen sowie Restaurants – japanisch, thai, chinesisch, malaysisch. Alles. Vor allem abends und an den Wochenenden (heute ist Samstag!) sollen die meisten Tische in und vor den Restaurants voll sein. Sind sie, trotz Regen.

Die Straße kann man schon von Weitem riechen, in der Luft liegt der Geruch von Sojasoße und Fett. Je näher wir kommen, desto mehr wird unsere Nase überfordert: es riecht nach Fleisch. Fisch. Kokosnuss. Das Fett brutzelt, der Grill raucht, die Töpfe dampfen. Wir gehen weiter. Links: Hühnerfüße, gebraten. Rechts: Maiskolben, gekocht. Auf der einen Seite bekommt man Thai-Nudeln mit Rind, auf der anderen japanischen Reiskuchen mit Schoko-Füllung. Schlangen bilden sich vor jedem Stand, die Kellner laufen, die Verkäufer schwingen hastig ihre Pfannen.

Überall hängen bunte Schilder, überall schreien die Verkäufer und wollen aufmerksam auf ihr Essen machen. Auf den Tischen liegen die Speisekarten, dicker als ein Harry Potter Band. Die Auswahl ist groß: Schweinemagen, Hirn oder vielleicht doch Froschschenkel? Am Tisch sitzen die Leute mit zufriedenem Gesichtsausdruck und verschlingen mit ihren Stäbchen die unterschiedlichsten Köstlichkeiten. Ich schau mich um. Es wurlt, es ist viel los, es tut sich was. Das ist Leben. KL ist Leben!

Wir tauchen ein und geben es uns nochmal so richtig. Wir feiern das Street Food, wir gehen ab. Ein bisschen davon, ein Stück davon. Das will ich auch kosten! Und ein Dessert brauchen wir auch! Leute, ich sag’s euch. Ich roll heute heim. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich will jetzt mindestens 3 Tage (in Wahrheit 8 Stunden) nichts mehr essen.

Foodtour – beendet. Fazit – ich fühl mich mopsig. Bevor wir nach Hause gehen, machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Wahrzeichen von KL: den Petronas Towers. Wenn wir schon mal hier sind, dann muss das einfach sein. Man fliegt ja auch nicht nach Wien und sieht dann den Stephansdom nicht.

Bereits aus der Ferne sieht man die zwei glitzernden und leuchtenden Türme. Funkel, funkel. Sie sind groß und hell und wow. Beeindruckend. Aber halt auch nur Türme. Also schnell ein paar Fotos und hopps – ins Bett. Wir müssen morgen nämlich früh auf.

 

Kuala Lumpur, ein Resümee:

Kuala Lumpur ist eine Großstadt, aber sie gibt nicht damit an. Sie macht nicht einen auf „Ich bin die Modemetropole“-New York. Oder einen auf „Ich bin so Hipster“-Berlin. KL ist cool, ohne es zu wollen. Ungezwungen cool, mit so einer gewissen Leichtigkeit. KL ist wie das eine Mädchen in der Schule, dass immer so hip und lässig angezogen war, ohne sich dessen bewusst zu sein. So, als hätte es einfach das angezogen, was so im Zimmer herumgelegen ist. Nicht aufgesetzt. Nicht bei der Angeber-Clique dabei, vielleicht sogar eher eine Außenseiterin. Aber eine coole halt.

KL ist futuristisch irgendwie. Natürlich. Lebendig. Wie war das noch… genau: gemütlich flink. Oder so. Auch wenn wir nur zwei Tage hier waren und wir dich nur dreiviertel kennen: KL, wir lieben dich!

Morgen geht’s für uns aber weiter in den Süden nach Melaka. Dort werden wir die nächsten zehn Tage auf einer Farm für Kost und Logie arbeiten. Jaja – es kann halt nicht immer nur Urlaub sein. Das ganze Shopping muss wieder rein gearbeitet werden!

Ihr hört bald von uns und unser Leben auf der Farm 🙂 Bis dahin Ghettofaust und Schmuser.

 

 

wirunddiewelt goes kärntner monat

Hallo ihr Liebiiiis!

Was für eine ereignisreiche Woche: gestern 21 Monate Philipp und Sarah und 5 Monate wirunddiewelt und dann noch das:

In der aktuellen Ausgabe vom Magazin Kärntner Monat wurde ein Artikel über uns und unsere Reise veröffentlicht! Sind das nicht aufregende und einfach wunderbarste Nachrichten?!

Philipp und Sarah – Einmal um die Welt

Das Magazin ist seit gestern (2.Februar 2017) erhältlich – leider nur in Kärnten, aaaber man kann die Ausgabe auch als PDF downloaden. (Falls ihr den Artikel ausschneiden und auf eure Pinnwand hängen wollt. Als richtiger Fan sollte man das nämlich.)

Wir freuen uuuuns! Yeah, yeah. Und das oben-ohne-Foto war Absicht, zwecks der Aufmerksamkeit und so.

PS: Man möge bitte den Satz in der Einleitung nicht wortwörtlich nehmen: […] Medved packte Erspartes und Freundin ein […]. Niemand packt mich einfach ein. Ich bin ja kein Handtuch!

Viel Spaß beim Lesen und High Five darauf! Wir signieren eure Ausgaben natürlich gerne, wenn wir wieder daheim sind. Haha.

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